The Project Gutenberg EBook of Leben und Tod Konigs Richard des zweyten
by William Shakespeare
#15 in our series by William Shakespeare

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Title: Leben und Tod Konigs Richard des zweyten
       Richard II

Author: William Shakespeare

Release Date: January, 2005 [EBook #7323]
[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
[This file was first posted on April 14, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: ISO-Latin-1

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KONIGS RICHARD DES ZWEYTEN ***




Produced by Delphine Lettau




This Etext is in German.




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Leben und Tod Knigs Richard des zweyten.

William Shakespeare

Ein Trauerspiel.

bersetzt von Christoph Martin Wieland


Personen.

Knig Richard der Zweyte.
Herzog von York.
Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster.
Bolingbroke, Sohn des Johann von Gaunt, und nachmals Knig
Heinrich der Vierte.
Aumerle, Sohn des Herzogs von York.
Mowbray, Herzog von Norfolk.
Graf von Salisbury.
Lord Berkley.
Buschy, Bagot und Green, Diener des Knigs Richard.
Graf von Northumberland, Lord Percy, dessen Sohn, Ro und
Willougby, Bolingbroks Freunde.
Bischoff von Carlisle und Sir Stephan Scroop, Freunde des Knigs
Richard.
Fizwater, Surry, Abbt von Westminster und Sir Pierce von Exton,
Herren vom Parlament.
Die Knigin, Knig Richards Gemalin.
Die Herzogin von Glocester.
Die Herzogin von York.
Hofdamen der Knigin.
Herolde, zween Grtner, ein Kammerdiener, ein Hter, ein Bote, und
andre stumme Personen.

Der Schauplaz ist in verschiednen Theilen von England.




Erster Aufzug.



Erste Scene.
(Der Hof.)
(Knig Richard, Johann von Gaunt, Lords und Gefolge treten auf.)


Knig Richard.
Johann von Gaunt, Herzog von Lancaster, ehrenvoller Greis; hast du,
deinem Eid und deiner Pflicht gem, Heinrichen von Herford, deinen
khnen Sohn anhergebracht, um jene Anklage zu behaupten, die er
unlngst gegen Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk angebracht, und
die wir damals anzuhren keine Musse hatten?

Gaunt.
Ich habe ihn hieher gebracht, Gndigster Herr.

Knig Richard.
So sage mir dann ferner: Hast du nicht von ihm erforscht, ob es nur
ein alter eingewurzelter Groll gegen seine Person ist, was ihn zu
dieser Klage angetrieben; oder die pflichtmige Treue eines guten
Unterthanen, um einen geheimen Verrther in Mowbray zu entlarven?

Gaunt.
So viel als ich von ihm ber diese Sache herausbringen konnte, so
ist es kein Privat-Groll, sondern die vermeynte Entdekung einer
ber Eurer Hoheit schwebenden Gefahr.

Knig Richard.
So ruffe man sie dann vor unsre Gegenwart; wirs selbst wollen,
Stirne gegen Stirne, den Klger und den Beklagten reden hren: Sie
sind beyde von sehr feuriger Gemths-Art, beyde voll Grimms; in
ihrer Wuth beyde taub wie die See, und rasch wie Feuer.



Zweyte Scene.
(Bolingbroke und Mowbray zu den Vorigen.)


Bolingbroke.
Mge eine lange Reyhe von Jahren, voll glklicher Tage, meinem
gndigsten und geliebtesten Oberherrn bestimmt seyn!

Mowbray.
Und jeder Tag die Glkseligkeit des vorigen vermehren, bis der
Himmel, der Erde soviel Glk mignnend, das Vorrecht der
Unsterblichkeit zu eurer Crone hinzuthut.

Knig Richard.
Wir danken euch beyden; obgleich die Sache selbst, wewegen ihr vor
uns erschienen seyd, ein Beweis ist, da uns einer von beyden
schmeichelt.  Vetter von Hereford, sage, was fr Vorwrfe gegen den
Herzog von Norfolk, Thomas Mowbray, hast du anzubringen?

Bolingbroke.
So wisset dann vor allen Dingen, Gndigster Knig, und der Herr sey
meiner Reden Zeuge!  da ich aus Antrieb der pflichtmigen Liebe
eines getreuen Unterthanen, aus zrtlicher Sorge fr die Erhaltung
meines Frsten, frey von Groll, Rachgier oder andrer unchter
Absicht, als Anklger hieher in seine knigliche Gegenwart gekommen
bin.  Nun, Thomas Mowbray, wend' ich mich zu dir, und horche wol
auf meinen Gru; denn was ich reden werde, wird entweder dieser Arm
auf Erden erproben, oder meine unsterbliche Seele im Himmel
verantworten.  So sag' ich dann: Du bist ein Verrther und Rebell,
zu gut, ein solcher zu seyn, und zu schlimm, beym Leben zu bleiben;
denn je schner und crystallner der Himmel ist, desto hlicher
sehen die Wolken aus, die ihn befleken.  Noch einmal, das Gewicht
meiner Anklage zu verdoppeln, stopf ich dir mit dem schndlichen
Namen eines Verrthers den Rachen, und wnsche, da mir von meinem
Gndigsten Oberherrn erlaubt werde, an eben diesem Plaz und in
diesem Augenblik, was meine Zunge gesprochen hat, durch mein recht-
gezognes Schwerdt zu beweisen.

Mowbray.
Lat nicht hier die Klte meiner Worte meinen Eifer verdchtig
machen; diese unsre Sache kan nicht mit den Waffen eines
Weiberkriegs, dem bittern Geschrey zwoer scharfen Zungen, unter uns
entschieden werden.  Das Blut ist hei, das fr di erkalten mu.
Jedoch kan ich mich keiner so zahmen Geduld rhmen, mich stossen zu
lassen, und gar nichts dazu zu sagen; und wrde mich nicht die
Ehrfurcht vor Eu.  Hoheit zurk halten, meiner freyen Rede Zgel
und Sporren zu geben, sie sollte schnell genug seyn, diese
Beschuldigungen von Verrtherey zweyfach in seinen Rachen zurk zu
stossen.  Sezet aber das hohe Vorrecht seines kniglichen Geblts
bey Seite, und lat ihn nicht den Vetter meines Knigs seyn, so
biet ich ihm troz, und verschmhe ihn, nenne ihn eine
verlumderische Memme, und einen nichtswrdigen Schurken, und bin
bereit, ihm zu beweisen da er's ist, an welchem Ort er will mit
ihm zusammen zu kommen, und wenn ich gleich mit naktem Fu auf die
befrornen Gipfel der Alpen rennen mte, oder in welche andre
unbewohnbare Gegend es seyn mag, wohin nie kein Englnder es wagte
seinen Fu zu sezen.  Inde lat di meine Treue rechtfertigen: Bey
allen meinen Hoffnungen, er hat die lgenhafteste Unwahrheit gesagt.

Bolingbroke.
Blasser, zitternder Verrther, hier zieh ich meinen Handschuh, lege
die Vorrechte meines kniglichen Geblts bey Seite, und begebe mich
des Vortheils, der Blutsverwandte eines Knigs zu seyn, (worauf du
aus Zagheit, nicht aus Ehrfurcht dich beruffen hast.) Wenn das
bebende Bewutseyn deiner Schuld dir noch so viel Strke brig
gelassen hat, dieses Pfand meines Ehrenworts anzunehmen, so bke
dich.  Bey diesem, und bey allen andern Gesezen der Ritterschaft
mach' ich mich anheischig, das was ich gesprochen habe, Arm gegen
Arm, dir zu beweisen.

Mowbray.
Ich heb' ihn auf, und bey diesem Schwerdt schwr' ich, dessen
sanfter Schlag die Ritterschaft auf meine Schulter legte; da ich
dir mit Speer und Schwerdt, nach ritterlichem Brauch und Sitte
antworten will, und wenn ich mein Pferd besteige, mge ich nicht
gesund wieder absteigen, wofern ich ein Verrther bin, oder fr
eine ungerechte Sache kmpfe!

Knig Richard.
Was ist es dann, was unser Vetter den Mowbray bezchtiget?  Es mu
etwas Grosses seyn, was uns vermgen kan, dem blossen Gedanken
einer bsen Gesinnung von seiner Seite Plaz zu geben.

Bolingbroke.
Hret was ich sage, mein Leben soll beweisen, da es Wahrheit ist;
dieser Mowbray, sage ich, hat achttausend Nobels* aufgenommen,
unter dem Vorwand Eu.  Hoheit Kriegs-Vlker damit zu unterhalten,
solche aber wie ein Verrther und schelmischer Bube zurk behalten,
und fr sich selbst zu lderlichem Gebrauch angewandt.  berdas
sag' ich, und will es durch einen Zweykampf beweisen, entweder hier,
oder anderswo, sey es bis auf dem ussersten Stk Landes, das
jemals ein Englndisches Aug' bersehen hat, da alle Verrthereyen,
die seit achtzehn Jahren in diesem Knigreich angezettelt worden,
von diesem treulosen Mowbray ihren ersten Ursprung genommen haben.
Ferner sag' ich, und will es auf seinen ehrlosen Kopf beweisen, da
er Urscher der Ermordung des Herzogs von Glocester war; da er es
war, der seine leichtglubige Feinde aufstiftete, und da er
folglich es war, der wie ein feiger schelmischer Meuchelmrder sein
unschuldiges Blut vergo, welches izt, gleich Abels Blut, aus den
stummen Gewlben der Erde zu mir um gerechte und strenge Rache
schreyt.  Und, bey dem glorreichen Werth dieses Bluts, das in
meinen eignen Adern fliet, dieser Arm soll es vollziehen, oder
dieses Leben soll aufgeopfert werden.

{ed.-* Eine alte Mnze, die an Werth etwas ber sechs Englische
Schillings betragen haben soll.}

Knig Richard.
Was sagst du hiezu, Thomas von Norfolk?

Mowbray.
O mchte mein Gebietender Herr sein Angesicht wenden, und seinem
Ohr einen Augenblik taub zu seyn befehlen, bis ich diesem
Schandflek seines Bluts gesagt habe, wie sehr Gott und Menschen
einen so schndlichen Lgner hassen.

Knig Richard.
Mowbray, unsre Augen und Ohren sind ohne Partheylichkeit; wr' er
unser Bruder, ja wr' er der Erbe unsers Reichs, wie er nur unsers
Vaters Bruders-Sohn ist, dennoch sollte, ich schwr' es bey der
Majestt meines Scepters, eine so nahe Verwandtschaft mit unserm
geheiligten Blut ihm nicht das geringste Vorrecht geben, noch die
unbiegsam Festigkeit unsrer aufrichtigen Seele partheyisch machen.
Er ist unser Unterthan, Mowbray, wie du; rede frey und ungescheut,
ich erlaub' es dir.

Mowbray.
So sag ich dann, Bolingbroke, in deinen verlumdrischen Hals hinein,
du lgst!  Drey Theile von der Summe, die ich fr Calais erhielt,
bezahlte ich an Sr.  Hoheit Kriegs-Vlker; das brige behielt ich
mit Einwilligung, fr eine Schuld zurk, die ich an meinen Knig zu
fordern hatte, den Rest der betrchtlichen Auslagen die ich machte,
da ich lezthin nach Frankreich reite, die Knigin abzuholen.  Nun,
schluke diese Lge hinab--Was Glocesters Tod betrift, so war ich's
nicht, der ihn erschlug.  Wofern jemand berechtigt seyn sollte, mit
einer solchen Beschuldigung wieder mich aufzutreten, so wr' es der
ehrenvolle Vater meines Feindes, ihr mein edler Lord von Lancaster;
euch stellt' ich einst hinterlistig nach dem Leben, ein Verbrechen,
das noch immer meine reuvolle Seele foltert; aber ich beichtete es,
eh ich leztmals das Sacrament empfieng, und ich bat euch so
aufrichtig um Verzeihung, da ich sie erhalten zu haben hoffe.  Di
ist mein Vergehen; alles brige, dessen er mich anklagt, ist der
Geifer eines grollschtigen, lgenhaften und hchst ausgearteten
Verrthers; und zum Zeichen da ich Muth habe, dieses mit meinem
Leben zu beweisen, werf ich gleichfalls mein Pfand vor dieses
bermthigen Verrthers Fsse hin; in dem besten Blut, das in
seinem Herzen wallt, will ich beweisen, da ich ein rechtschaffner
Edelmann bin; und damit ich nicht lange verziehen msse, bitte ich
Eu.  Hoheit herzlichst, den Tag zu unserm Zweykampf anzusezen.

Knig Richard.
Ergrimmte Edle, lat euch von euerm Frsten zhmen; lat uns diese
Galle ohne blutvergiessen ausfhren; Eure Wuth wrde zu tiefe
Einschnitte machen, und unsre rzte sagen, es sey izt nicht Zeit
zum Bluten.  Verget, vergebt, vergleicht euch, und werdet
zufrieden; mein lieber Oheim, helft mir diesen Zwist in seiner
Geburt erstiken; wir wollen den Norfolk besnftigen, ihr euern Sohn.

Gaunt.
Es kan meinen Jahren nicht bel anstehen, wenn ich ein
Friedensstifter bin.  Sohn, wirf des Herzogs von Norfolk Pfand
wieder hin.

Knig Richard.
Und ihr, Norfolk, werfet seines hin.

Gaunt.
Wie, Harry, du zgerst?  Mu ich zweymal Gehorsam verlangen?

Mowbray.
Mich selbst, mein Gndigster Souverain, werf' ich zu deinen Fssen;
mein Leben kanst du fordern, aber nicht meine Ehre.  Jenes ist
meine Lehens-Pflicht dir schuldig; aber an meinen unbeflekten Namen
hast du (troz dem Tode, der auf meinem Grabe lebt **) kein Recht,
und nimmermehr werd' ich zugeben, da er zur Schande mibraucht
werde.  Ich bin hier angegriffen und beschimpft worden, bis in die
Seele mit der Verlumdung vergiftetem Speer durchstochen, und diese
tdtliche Wunde kan kein andrer Balsam heilen, als das Blut aus dem
Herzen, welches diesen Gift ausgeathmet hat.

{ed.-** Die Reime, womit dieses Stk hie und da verbrmt ist, sind
nach Pope's Anmerkung, meist ausserordentlich schlecht, so schlecht,
da dieser scharfsinnige Criticus vermuthet, sie seyen von einer
fremden Hand.  Dieser jmmerliche Einfall, der in ( ) eingeschlossen
ist, und alle andre von dieser Art durch dieses ganze Stk, sind
dergleichen Reime, an die der bersezer sich dann auch nicht
gebunden halten wird.}

Knig Richard.
Wuth mu Widerstand finden; gieb mir sein Pfand: Lwen machen
Leoparden zahm.

Mowbray.
Ja, aber sie lschen ihre Fleken nicht aus; nehmt nur meine
Beschimpfung von mir, so will ich mein Pfand abtreten.  Mein
theurer, theurer Gebieter, der chteste Schaz eines Mannes ist
unbeflekte Ehre; ist diese verlohren, so sind Menschen nur
bergldeter Leim oder gemahlter Koth.  Meine Ehre ist mein Leben,
sie sind in eins verwachsen; nehmt mir meine Ehre, so habt ihr mein
Leben genommen.  So lat mich dann meine Ehre bewhren, mein
theurer Oberherr; in ihr leb' ich, und fr sie will ich sterben.

Knig Richard.
Vetter, werft euer Pfand hin, macht ihr den Anfang.

Bolingbroke.
Der Himmel bewahre meine Seele vor einer so schndlichen
Niedertrchtigkeit.  Wie, ich sollte mich vor meines Vaters Augen
berwunden geben, oder mit einem blassen Bettler-Gesicht mich
selbst vor diesem ausgeschmten Bastard anklagen?  Eh meine Zunge
einen solchen Laut von sich geben soll, eh sollen meine Zhne das
sclavische Werkzeug der wiederruffenden Feigheit durchschneiden und
sie blutend in Mowbrays schndliches Antliz speyen.

(Gaunt geht ab.)

Knig Richard.
Wir sind nicht gebohren zu bitten, sondern zu befehlen; und da wir
dieses nicht knnen, um euch auszushnen, so haltet euch, so gewi
als euer Leben dafr antworten soll, bereit, auf Sct.  Lamberts Tag
zu Coventry zu erscheinen.  Dort sollen eure Lanzen und Schwerdter
den schwellenden Zwist eures tiefgewurzelten Hasses entscheiden:
Lord Marschall, ertheilt euern Herolden und Officieren Befehl,
alles zu dieser feyerlichen Handlung zuzursten.

(Sie gehen alle ab.)



Dritte Scene.
(Der Schauplaz verwandelt sich in des Herzog von Lancaster Palast.)
(Gaunt und Herzogin von Glocester treten auf.)


Gaunt.
Ach, Schwester!  Denkt ihr, da eure Ausruffungen mich strker als
der Bruder-Name treiben knnen, gegen die Mrder von Gloster's
Leben zu entbrennen?  Aber da die Bestraffung dieser belthat in
den nemlichen Hnden ligt, welche die belthat begangen haben, so
lat uns unsre Sache dem Himmel anheim stellen, der, wenn er die
Stunde dazu auf Erden gereift sieht, heisse Rache auf der
Verbrecher Haupt regnen wird.

Herzogin.
Ist das alles, wozu der Name deines ermordeten Bruders dich treiben
kan!  Hat die Liebe nicht mehr Wrme in deinem alten Blut?  Edwards
sieben Shne, wovon du selbst einer bist, waren wie sieben Phiolen
mit seinem geheiligten Blut angefllt, oder wie sieben schne
Zweige, aus einem Stamm entsprossen; einige von diesen sieben
Phiolen sind durch den Lauf der Natur ausgetroknet, einige von
diesen sten durch das Schiksal abgeschnitten; aber Thomas, mein
theurer Gemal, mein Gloster, (eine Phiole voll von Edwards
geheiligtem Blut, ein blhender Zweig aus seinem kniglichen Stamm)
ist gewaltthtig zerbrochen, und all sein kostbarer Saft
verschttet, ist umgehauen und alles sein Sommerlaub verwelkt,
durch die Hand des Neids zerbrochen, durch des Meuchelmords blutige
Axt umgefllt--Und du kanst gelassen bleiben?  O, Gaunt, sein Blut
war auch deines; eben dieses Ehebett, eben dieser Mutterleib,
dieser Stoff, diese nemliche Form, so dich bildeten, machten ihn
zum Menschen; in ihm, ob du gleich lebst und athmest, bist auch du
erschlagen, ja du willigst gewisser Maassen in deines Vaters Tod
ein, indem du deinen unglkseligen Bruder, ihn, der ein Theil von
deines Vaters Leben war, so gleichgltig sterben siehst.  Nenn' es
nicht Geduld, Gaunt, es ist Muthlosigkeit; indem du so gelassen
duldest, da dein Bruder erschlagen worden, zeigst du den nakten
Pfad zu deinem eignen Leben, und lehrst den unerbittlichen Mord
dich auch zu mezeln.  Das, was wir an gemeinen Menschen Geduld
nennen, ist blasse, kalte Feigheit in einer edeln Brust.  Was soll
ich noch mehr sagen?  Du kanst dein eignes Leben nicht besser
sicher stellen, als wenn du Glosters Tod rchest.

Gaunt.
Diese Sache ist Gottes Sache; denn Gottes Substitut, sein gesalbter
Statthalter, hat seinen Tod verursacht; geschah es unrechtmig, so
berlat Gott die Rache; ich werde niemals einen feindseligen Arm
gegen seinen Diener aufheben.

Herzogin.
Gegen wen, ach!  gegen wen mag ich dann, ich Unglkselige, ber
mein Unrecht mich beklagen?

Gaunt.
Gegen den Himmel, den Beschzer der Wittwe.

Herzogin.
Nun dann, so will ich; lebe wohl, alter Gaunt, lebe wohl.  Du gehst
nach Coventry, ein Zuschauer des Kampfs zwischen unserm Bruder
Herford und dem lasterhaften Mowbray zu seyn.  O, Himmel, lege
meines Gemals erlidtnes Unrecht auf Herfords Speer, damit er des
mrdrischen Mowbrays Brust durchbohre; oder wenn unglklicher Weise
sein Speer ihn verfehlt, o!  so la Mowbrays Verbrechen so schwer
in seinem Busen werden, da es seinem schumenden Rosse den Naken
breche, und der Reuter, so lang er ist, in die Schranken falle, ein
dem Tod verfluchtes Opfer, wiewol unwrdig von Herfords edler Hand
zu sterben.  Lebe wohl, alter Gaunt; die Unglkliche, die einst
deines Bruders Weib war, hat nun keinen andern Gespielen als einen
Jammer, der nur mit ihrem Leben enden kan.

Gaunt.
Schwester, lebet wohl; ich mu nach Coventry.

Herzogin.
Nur noch ein Wort; der Schmerz wird nie fertig; empfiehl mich
meinem Bruder Edmund von York; sieh', das ist alles--Nein, geh'
noch nicht--Ob di gleich alles ist, so geh' nicht so schnell, es
wird mir noch mehr beyfallen.  Sag' ihm--O was?  Sag' ihm, er solle
mich, so bald als mglich, zu Plaschie besuchen.  Aber, ach, was
wird der gute alte York dort sehen, als leere Gemcher und de
Wnde, unbevlkerte Nebenzimmer und unbetretne Steine?  Was fr
einen andern Willkomm wird er hren, als meine Klagen?  Sag' ihm
also--Nein, la ihn nicht hinkommen.  Was kan sein Mitleiden mir
helfen.  Auf allen Seiten trostlos, will ich geh'n und sterben; di
lezte Lebewohl nimmt mein weinendes Auge von dir!

(Sie gehen ab.)



Vierte Scene.
(Die Schranken zu Coventry.)
(Der Lord Marschall, und der Herzog von Aumerle treten auf.)


Marschall.
Milord Aumerle, ist Harry Herford bewaffnet?

Aumerle.
Ja, vom Fu bis zum Kopf, und wartet ungeduldig hereingelassen zu
werden.

Marschall.
Auch der Herzog von Norfolk wartet voll ungeduldigen Feuers auf die
Trompete des Appellanten.

Aumerle.
Die Kmpfer sind also gerstet, und erwarten nur die Ankunft seiner
Majestt.

(Die Trompeten erschallen; und der Knig erscheint mit seinen Edeln;
nachdem sie sich gesezt haben, tritt der Herzog von Norfolk, als
Appellat, in voller Rstung auf.)



Knig Richard.
Marschall, erforsche von jenem Ritter die Ursache, warum er hier in
Waffen erscheint; frag' ihn nach seinem Namen, und lege ihm den
gesezmigen Eid zu schwren auf.

Marschall.
In Gottes und des Knigs Namen, sage wer bist, und warum erscheinst
du hier in dieser ritterlichen Rstung?  Gegen wen kommst du, und
was ist deine Sache?  Antworte bey deiner ritterlichen Ehre, und
auf deinen Eid, und so beschze dich der Himmel und deine
Tapferkeit!

Mowbray.
Mein Nam' ist Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk, und ich erscheine
hier bey meinem Wort, das einem Ritter unverlezlich heilig seyn
soll, beydes meine Treue und ritterliche Ehre zu Gott, meinem Knig
und meinen Nachkommen, wider den Herzog von Hereford, meinen
Anklger, zu behaupten, und mit Gottes Gnade und der Strke meines
Arms ihm durch meine Vertheidigung zu beweisen, da er ein
Verrther gegen Gott, meinen Knig und mich ist; und so wie ich fr
eine gerechte Sache fechte, so schze mich der Himmel!  (Die
Trompeten erschallen; Bolingbroke, als ein Appellant, tritt in
vollen Rstung auf.)

Knig Richard.
Marschall, frage jenen bewaffneten Ritter wer er ist, warum er hier
in diesem kriegrischen Aufzug erscheint?  Und la ihn, unsern
Gesezen gem, frmlich auf die Gerechtigkeit seiner Sache schwren.

Marschall.
Wie ist dein Nahme, und warum kommst du vor Knig Richards
Gegenwart, in seine knigliche Schranken?  Gegen wen kommst du und
was hast du fr eine Sache?  Rede, wie ein rechtschaffner Ritter,
und so beschze dich der Himmel!

Bolingbroke.
Ich bin Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby, und stehe hier
in dieser Waffenrstung, durch Gottes Gnade und meine Tapferkeit
gegen Thomas Mowbray Herzog von Norfolk zu beweisen, da er ein
schndlicher und verderblicher Verrther an Gott im Himmel, dem
Knig Richard und an mir ist, und so wie ich fr Recht und Wahrheit
kmpfe, beschze mich der Himmel!

Marschall.
Bey Strafe des Todes erfreche sich niemand, diese Schranken zu
berhren, als der Marschall, und diejenigen Officiers, welche zu
Anordnung des Kampfs bestellt sind.

Bolingbroke.
Lord Marschall, lat mich meines Knigs Hand kssen und meine Knie
vor seiner Majestt beugen; Mowbray und ich sind wie zween Mnner,
die eine lange und gefhrliche Pilgrimschaft geloben; es sey uns
also vergnnt einen feyrlichen Abschied von unsern Freunden zu
nehmen.

Marschall.
Der Klger bittet sich die Gnade aus, Euer Majestt seine
Schuldigkeit zu bezeugen, und seinen Abschied zu nehmen.

Knig Richard.
Wir wollen herabsteigen, und ihn in unsre Arme schliessen.  Vetter
von Hereford, so wie deine Sache gerecht ist, so sey dein Glk in
diesem kniglichen Kampfe!  Fahre wohl, mein Blut; und wenn dein
Verhngni ist, es an diesem Tag zu vergiessen, so werden wir
trauren, aber keine Rache an dem Thter nehmen.

Bolingbroke.
O lat kein edles Aug' eine Thrne fr mich entweihen, wenn ich
durch Mowbrays Lanze falle!  Aber so muthig wie ein Falke auf einen
Vogel schiet, geh' ich mit Mowbray zu fechten.  Mein theurer Herr,
ich nehme meinen Abschied von euch, und von euch, mein edler Vetter,
Lord Aumerle--nicht niedergeschlagen, ob ich gleich eine tdtliche
Arbeit vor mir habe, sondern munter, jugendlich, und frlich
athmend--O du, der irdische Schpfer meines Wesens,

(zu Gaunt.)

dessen ehmaliger Jugend-Geist in mir wiedergebohren, mich mit
zwiefacher Strke emporhebt, den Sieg zu erreichen, der ber meinem
Haupte schwebt; sthle meine Rstung durch dein Gebet, und schrfe
durch deinen Segen die Spize meiner Lanze, da sie Mowbrays
gewichstes Wamms durchdringen und dem Namen Johann von Gaunt durch
das edle Betragen seines Sohns einen neuen Glanz gebe!

Gaunt.
Der Himmel begnstige dich in deiner gerechten Sache!  Sey behend
im Streit wie der Bliz, und la deine Streiche, zweymal verdoppelt,
wie betubende Donnerschlge auf den Helm deines verderblichen
Gegners herab strzen.  Feure dein jugendliches Blut an, sey tapfer,
und lebe!

Bolingbroke.
So helfen mir meine Unschuld, Gott, und St.  George!

Mowbray.
Was fr ein Loos auch der Himmel oder das Glk fr mich ziehen mag,
so leb' oder sterb' ich hier, getreu an Knig Richards Thron, ein
pflichtmiger, redlicher und rechtschaffner Edelmann!  Nie hat ein
Gefangner mit einem frohern Herzen seine Ketten abgeworfen, und
seine goldne unabhngige Befreyung umfat, als womit meine tanzende
Seele an diesem Kampf mit meinem Feind, wie an einem Freuden-Fest
sich erlustiget.  Gromchtigster Oberherr, und ihr meine edlen
Freunde, empfangt aus meinem Munde den Wunsch glklicher Jahre!  So
freudig und guten Muths wie zu einem Ritterspiel, geh' ich zu
diesem Kampf; Redlichkeit hat ein ruhiges Herz.

Knig Richard.
Fahre wohl, Milord; ich sehe Tugend und Muth ruhig in deinen Augen
ligen.  Ordnet den Kampf an, Marschall, und beginnt!

Marschall.
Heinrich von Hereford, Lancaster und Derby, empfange diese Lanze,
und der Himmel schze dein Recht!

Bolingbroke.
Fest in Hoffnung wie ein Thurm, ruf ich Amen!

Marschall.
Geh, bringe diese Lanze Thomas, Herzogen von Norfolk.

1. Herold.
Heinrich von Hereford, Lancaster und Derbey, steht hier fr Gott,
seinen Lehnsherrn und ihn selbst, bey Straffe falsch und meineidig
erfunden zu werden, zu beweisen, da Thomas Mowbray, Herzog von
Norfolk ein Verrther an seinem Gott, seinem Knig und ihm sey,
muthig steht er hier und fordert ihm zum Kampf auf!

2. Herold.
Hier steht Thomas Mowbray, Herzog von Norfolk, bey Straffe falsch
und meineidig erfunden zu werden, beydes sich selbst zu
vertheidigen, und zu beweisen, da Heinrich von Hereford, Lancaster
und Derbey ein Verrther an Gott, seinem Lehnsherrn, und ihm sey;
und er wartet muthvoll und mit Verlangen auf das Zeichen zum Anfang.

(Man blat zum Angriff.)

Marschall.
Blaset Trompeten, und ihr Kmpfer, rket aus--Doch halt!  Der Knig
hat seinen Stab hingeworffen.

Knig Richard.
Lat sie ihre Helme und Lanzen bey Seite legen, und beyde zu ihren
Sthlen zurk kehren; entfernt euch mit uns, und lat die Trompeten
schallen, bevor wir diesen Herzogen unsern Willen kund thun.

(Trompeten.)

Knig Richard (Zu den Kmpfern:)
Kommt nher herbey, und hret, was wir mit unserm Rath gethan haben.
Damit die Erde unsers Knigreichs nicht mit diesem kostbaren
Blute besudelt werde, dessen Mutter sie ist, und weil unsre Augen
den grlichen Anblik brgerlicher Wunden hassen, die von
nachbarlichen Schwerdtern gegraben werden, und weil wir denken, da
nichts anders als der Adlerbeschwingte Stolz ehrschtiger und
himmelan-strebender Gedanken euch mit eiferschtigem Ha erfllt
und aufgereizt hat, den Frieden, der gleich einem
sanftschlummernden neugebohrnen Kind, in der Wiege unsers
mtterlichen Landes zu schlafen angefangen, wieder aufzuweken.  Aus
diesen Ursachen verbannen wir euch, Vetter von Hereford, bey
Straffe des Todes aus unsern Gebieten; bis zehen Sommer unsre
Felder bereichert haben, sollt ihr unsre blhenden Herrschaften
nicht wieder grssen, sondern die fremden Pfade der Verbannung
betreten.

Bolingbroke.
Euer Wille geschehe!  Mein Trost mu seyn, da die nemliche Sonne,
die euch hier erwrmt, mich bescheinen wird, und da eben diese
goldnen Stralen, die sie euch hier leiht, meine Verbannung
verglden werden.

Knig Richard.
Norfolk, auf dich wartet ein strengeres Urtheil, wiewol ich es
nicht ohne Widerwillen anspreche.  Die schnellgeflgelten Stunden
werden deiner Verbannung kein Ziel bestimmen; das hoffnunglose Wort,
nicht wiederzukehren, athme ich gegen dich bey Straffe des Todes.

Mowbray.
Ein hartes Urtheil, mein gebietender Oberherr, und aus Eurer Hoheit
Mund gar zu unerwartet!  Ich habe eine bessere Belohnung von Eurer
Hand verdient, als so verstmmelt an die freye Luft hingeworfen zu
werden.  Die Sprache, die ich nun vierzig Jahre gelernt habe, mein
angebohrnes Englisch, mu ich nun vergessen, und meine Zunge wird
mir knftig nicht mehr nzen, als eine unbesaitete Harfe, oder als
ein feines Instrument in der Hand dessen, der es nicht zu spielen
wei.  Ihr habt meine Zunge in meinen Mund eingekerkert, und stumme,
gefhllose, unfruchtbare Unwissenheit ist der Kerkermeister, der
mich bewachen soll.  Ich bin zu alt, mich an den Busen einer neuen
Sugamme zu schmiegen, oder wieder ein Lehrknabe zu werden.  Was
ist also Euer Urtheil, als die Verdammung zu einem sprachlosen Tod,
der meiner Zunge das Leben nimmt?

Knig Richard.
Vergebens bemhst du dich unser Mitleiden zu erweken; Nachdem unser
Urtheil ausgesprochen ist, kommen Klagen zu spt.

Mowbray.
So entweich ich dann aus dem Tag meines Vaterlands, um mein Leben
in den traurigen Schatten einer hoffnunglosen Nacht zu enden.

Knig Richard.
Kommt wieder zurk und nehmt einen Eid mit euch.  Legt eure
verbannten Hnde auf eure kniglichen Schwerdter, und schweert bey
eurer Pflicht zum Himmel, (den Antheil, den wir daran haben,
verbannen wir mit euch selbst*) da ihr den Eid halten wollet, den
wir euch auferlegen.  Nimmer sollt ihr whrend eurer Verbannung
euch mit einander ausshnen, keiner soll des andern Angesicht sehen,
keiner auf welche Art es sey, einige Gemeinschaft mit dem andern
unterhalten, vielweniger durch verabredete Entwrfe irgend etwas
bses gegen uns, unsern Staat, unsre Unterthanen, und unser Land
anzuspinnen oder auszufhren suchen; schwrt di, so wahr euch der
Himmel helfe!

{ed.-* Es ist eine Frage, worber unter den Lehrern des Vlker-Rechts
viel gestritten worden, ob ein Verwiesener dem Staat, der ihn
verbannt hat, dem ungeachtet mit der Pflicht der Treue zugethan sey.
Cicero und der Lord Canzler Clarendon bejahen sie; Hobbes und
Puffendorf behaupten das Gegentheil.  Unser Autor scheint in dieser
Zeile der leztern Meynung zu seyn.  Warburton.}

Bolingbroke.
Ich schwre.

Mowbray.
Und ich; alles di zu halten.

Bolingbroke.
Norfolk, htte der Knig es uns zugelassen, so wanderte izt die
Seele von einem unter uns beyden in der Luft, verbannt aus unserm
Leibe, wie izt unser Leib aus diesem Lande verbannt ist.  Bekenne
deine Verrthereyen, eh du aus diesem Reiche fliehst; schleppe
nicht auf eine so weite Reise die hemmende Brde einer schuldigen
Seele mit dir.

Mowbray.
Nein, Bolingbroke; wann ich jemals ein Verrther war, so werde mein
Nam' aus dem Buch des Lebens ausgelscht, und ich vom Himmel wie
von hinnen verbannt!  Aber was du bist, das ist dem Himmel, dir und
mir bekannt, und nur allzu bald, besorg' ich, wird es der Knig mit
Reue erfahren.  Lebet wohl, mein gebietender Herr; da ich England
den Rken kehren mu, ist jeder Weg mir gleich.

(Er geht ab.)



Fnfte Scene.


Knig Richard (Zu Gaunt.)
Oheim, ich sehe den Gram deines Herzens in den Spiegeln deiner
Augen; dein kummervolles Aussehen hat von der Zahl seiner
verbannten Jahre viere abgerissen; wenn sechs Winter verflossen
sind, Bolingbrok, so kehre, mir willkommen, von deiner Verbannung
heim.

Bolingbroke.
Welch eine lange Zeit ligt in einem einzigen kleinen Wort!  Vier
langsame Winter und vier muntre Frhlinge verliehren sich in einem
Wort, so mchtig ist der Athem der Knige.

Gaunt.
Ich danke meinem gebietenden Herrn, da er, in Ansehung meiner,
meines Sohnes Verbannung um vier Jahre abkrzt; aber was wird diese
Mildigkeit mir helfen, da eh die sechs, die er verliehren mu,
verflossen sind, meine vom Alter aufgezehrte Lampe verloschen seyn
kan?

Knig Richard.
Wie, Oheim, du hast noch viele Jahre zu leben.

Gaunt.
Aber keine Minute, Knig, die du geben kanst; du kanst meine Tage
durch Gram abkrzen, du kanst Nchte von meinem Leben abreissen,
aber du kanst mir keinen Morgen leihen; du, du kanst der Zeit
helfen mich frher alt zu machen, aber keine einzige Falte von
meiner Stirne nehmen; du kanst durch ein Wort meinen Tod gebieten,
aber wenn ich todt bin, ist dein Knigreich zu wenig, mir nur einen
Athemzug zu kauffen.

Knig Richard.
Dein Sohn ist auf Einrathen unsers Staats-Rathes verbannt, und du
selbst hast deine Stimme dazu gegeben; warum rmpfest du izt die
Stirne ber unsre Gerechtigkeit?

Gaunt.
Dinge, die im Mnde s sind, werden in der Verdauung sauer; ihr
dranget in mich, da ich als ein Richter reden sollte; aber ich
wollte lieber ihr httet mir befohlen als ein Vater zu reden.  O!
wr' es ein Fremder gewesen, und nicht mein Sohn, ich wrde ein
gelinderes Urtheil ausgesprochen haben.  Weh mir!  ich besorgte,
man mchte mir eine bertriebne Nachsicht gegen die meinigen Schuld
geben, und den Vorwurf der Partheylichkeit zu vermeiden, hab' ich
durch meine Stimme mir selbst das Leben abgesprochen.

Knig Richard.
Vetter, lebe wohl; und ihr, Oheim, nehmt euern Abschied von ihm;
wir verbannen ihn auf sechs Jahre, und er soll gehen.

(Geht ab.)



Sechste Scene.


Aumerle.
Vetter, leb wohl!  Was wir uns gegenwrtig nicht sagen knnen, das
lat aus dem Ort eures Aufenthalts, eure Briefe sagen.

Marschall.
Milord, ich beurlaube mich nicht von euch; denn ich will an eurer
Seite reiten, so weit mich das Land tragen wird.

Gaunt.
Warum bist du so sparsam mit deinen Worten, da du die verbindliche
Reden deiner Freunde nicht beantwortest?

Bolingbroke.
Ich habe ihrer zu wenige, zum Abschied nehmen, da meine Zunge
verschwendrisch seyn sollte, den berstrmenden Schmerz meines
Herzens auszuathmen.

Gaunt.
Du hast keinen andern Schmerz als deine Abwesenheit; was sind sechs
Winter?  sie sind schnell vorber.

Bolingbroke.
Fr die Glklichen; der Kummer macht aus einer Stunde zehen.

Gaunt.
Nenn es eine Reise, die du fr dein Vergngen machst.

Bolingbroke.
Mein seufzendes Herz wrde mich lgen heissen, wenn ich eine
Lustreise nennen wollte, was ihm eine gezwungne Pilgrimschaft ist.

Gaunt.
Alle rter die des Himmels Auge besucht, sind fr den weisen Mann
sichre Porte, und Himmel voll Wonne.  Lehre die Nothwendigkeit so
denken, es ist keine Tugend ber die Nothwendigkeit.  Denke nicht,
der Knig habe dich verbannt, sondern du den Knig.  Ein Ungemach
drkt uns nur heftig, wenn wir es unmnnlich tragen.  Geh, sage,
ich habe dich weggeschikt, Ruhm zu erwerben; nicht, der Knig habe
dich verbannt.  Oder bilde dir ein, es hange fressende Pestilenz in
unsrer Luft, und du fliehest unter einen reinen Himmel.  Sieh,
alles was deiner Seele theuer ist, davon bilde dir ein, es lig' in
dem Weg den du gehst, nicht in dem, so du verlssest; bilde dir ein,
die Vgel seyen Musicanten; das Gras worauf du trittst, der
Fuboden eines grossen Saals; die Blumen, schne Damen; und deine
Schritte, ein frlicher Tanz.  Der Kummer beit nur schwach, sobald
man einen Scherz daraus macht.

Bolingbroke.
O, wer kan Feuer in seiner Hand tragen, und an den befrornen
Caucasus denken?  Wer kan den nagenden Hunger durch die blosse
Erinnrung an ein Gastmahl stillen; oder, wenn er nakend im December-
Schnee gienge, sich durch die Vorstellung eines phantastischen
Sommers erwrmen?  O nein, die Vorstellungen des Guten schrfen nur
das schmerzhafte Gefhl des Bsen, und der Zahn des giftigen
Kummers--

Gaunt.
Komm, komm, mein Sohn, ich will dich ein Stk Weges begleiten;
htt' ich deine Jugend und deine Sache, ich wollte keinen Augenblik
zgern.

Bolingbroke.
So gehabe dich dann wohl, Englndischer Boden!  Gehabe dich wohl,
mein mtterliches Land, meine Sugerin, die noch diese kurzen
Augenblike mich trgt.  Wohin ich auch wandre, kan ich doch,
obgleich verbannt, mich rhmen, da ich ein echter Englnder bin.

(Sie gehen ab.)



Siebende Scene.
(Der Hof.)
(Knig Richard, Bagott, Green, u.s.w. treten zu einer, und
Lord Aumerle zu der andern Thr herein.)


Knig Richard (zu Bagott.)
In der That, wir bemerkten es auch--Vetter Aumerle, wie weit habt
ihr den hohen Hereford begleitet?

Aumerle.
Ich begleitete den hohen Hereford, wenn ihr ihn so nennen wollt,
nicht weiter als bis an die nchste Landstrasse, und dort verlie
ich ihn.

Knig Richard.
Und saget, sind viele Thrnen beym Abschied vergossen worden?

Aumerle.
Meiner Treue, von mir keine, ausser da der Nord-Ostwind, der uns
sehr scharf ins Gesicht blies, mir ein wenig Wasser aus den Augen
prete, und dadurch von ungefehr unsern kalten Abschied mit einer
Thrne zierte.

Knig Richard.
Was sagte euer Vetter, wie ihr Abschied nahmt?

Aumerle.
Leb wohl!--und weil sich mein Herz nicht berwinden konnte, meine
Zunge dieses Wort so entheiligen zu lassen, so stellte ich mich,
als ob ich so betrbt sey, da ich vor Schmerz nicht reden knne.
Auf meine Ehre, wenn das Wort Lebwohl die Stunden htte verlngern
und Jahre zu seiner Verbannungs-Zeit hinzu thun knnen, er sollte
eine ganze Last Lebewohl bekommen haben; aber weil das nicht war,
so kriegte er keines von mir.

Knig Richard.
Er ist unser Anverwandter, Vetter, aber es ist zweifelhaft, ob er,
wenn ihn die Zeit aus seiner Verbannung einst zurk beruft, als
unser Freund wieder kommen wird.  Wir selbst, und Bagot hier, und
Buschy, und Green, haben beobachtet, wie er dem gemeinen Volke den
Hof machte; wie er mit demthiger und vertraulicher Hflichkeit
sich in ihren Herzen unterzutauchen schien; was fr Reverenze er
auf der Strasse vor Sclaven hinwarf; wie er das Mitleiden der
rmsten Handwerksleute durch die Zauberey seines Lchelns und die
scheinbare Geduld, womit er sich seinem Unglk unterzog, zu
erschleichen suchte.  Als ob er verlangte, da sie ihre Liebe und
ihre Wnsche mit ihm verbannen sollten.  Er zog seinen Hut vor
einem Austern-Mensch ab, und ein paar Karrenzieher, die ihm
zurieffen: Gott geleit ihn!  empfiengen den Tribut seiner biegsamen
Knie mit--grossen Dank, meine Landsleute, meine lieben Freunde;
gleich als wre England sein knftiges Erbtheil, und er die nchste
Hoffnung unsrer Unterthanen.

Green.
Gut, er ist nun fort, und diese Gedanken mgen mit ihm gehen; eine
wichtigere Sorge ist izt, Gndigster Herr, wie den Aufrhrern in
Irland zu begegnen sey, eh ein lngerer Aufschub ihnen mehr Mittel
zu ihrem Vortheil und Eurer Majestt Schaden darbietet.

Knig Richard.
Wir wollen diesem Krieg in Person beywohnen; und weil unsre Kisten
durch den Aufwand eines zu grossen Hofes, und durch unsparsame
Freygebigkeit in etwas leicht worden sind, so sehen wir uns
genthiget, unsre Cron-Einknfte zu verpachten; die Summen die uns
dadurch eingehen, werden fr die gegenwrtigen Angelegenheiten
zureichen; und wenn sie auch ausgehen, so wollen wir unsern
Substituten in England Vollmachten geben, alle reichen Leute, die
ihnen bekannt werden, nach Proportion um betrchtliche Summen Gelds
zu taxieren, und uns selbige nachzuschiken; denn wir wollen uns
ungesumt nach Irland erheben.  (Buschy zu den Vorigen.)

Knig Richard.
Buschy, was giebt's?

Buschy.
Der alte Johann von Gaunt ist krank, Gndigster Herr, hat einen
pltzlichen Ansto bekommen, und sendet einen Boten in grster Eil
hieher, Euer Majestt zu bitten, ihn mit einem Besuch zu begnadigen.

Knig Richard.
Wo ligt er?

Buschy.
Zu Ely-House.

Knig Richard.
Nun gieb doch, gtiger Himmel, seinen rzten in den Sinn, ihm
ungesumt in sein Grab zu helfen; das Futter von seinen Kisten
schikt sich vortreflich, unsern Soldaten fr diesen Irlndischen
Krieg Rke daraus zu machen.  Kommt, meine Herren, wir wollen ihn
besuchen; Gott gebe, da wir eilen und zu spte kommen!

(Sie gehen ab.)




Zweyter Aufzug.



Erste Scene.
(Ely-House.)
(Gaunt, der krank herein getragen wird; mit dem Herzog von York.)


Gaunt.
Will der Knig kommen, da ich meinen lezten Athem in heilsamem
Rath fr seine noch verbesserliche Jugend aushauchen kan?

York.
Plaget euch selbst nicht, und verschwendet nicht so die wenige
Krfte, die ihr noch brig habt; sein Ohr ist vor allem guten Rath
verschlossen.

Gaunt.
Aber man sagt doch, da die Zungen sterbender Menschen, gleich der
zauberischen Harmonie zur Aufmerksamkeit nthigen; sparsame Worte
werden selten vergebens aufgewandt, denn diejenigen sagen die
Wahrheit, die ihre Worte mit Schmerzen athmen mssen.  Einer, der
bald aufhren wird zu reden, wird eher gehrt, als diejenigen,
denen Jugend und Wohlaufseyn erlauben, sich in Worte zu ergiessen.
Man giebt mehr auf der Menschen Ende acht, als auf ihr Leben; wie
die Sonne nie mit mehr Vergngen beschaut wird, als wenn sie
untergeht, und an einer Musik nichts aufmerksamer macht als der
Schlu.  Ob Richard gleich die Rthe nicht hren wollte, die ich
ihm in meinem Leben gab, so mag vielleicht der ernste Ton des Todes
sein taubes Ohr durchdringen.

York.
Sein Ohr wird noch von andern Zaubertnen verstopft, als von dem
schmeichelnden Lobe seiner Regierung; berdas giebt es
ausschweiffende Gesellschafter, deren vergiftete Reden das
ungewahrsame Ohr der Jugend immer offen finden; Erzhlungen von
Moden in dem stolzen Italien, dessen Sitten unsre blde,
affenmige Nation, bestndig auf eine plumpe Art nachahmet.  Wo
treibt die Welt irgend eine Eitelkeit hervor, (wenn sie nur neu ist,
sie mag so nichtswrdig seyn als sie will,) die nicht
augenbliklich in seine Ohren gesumset wird?  Wo der Wille, vom Wiz
unterstzt, sich wider die Vernunft emprt, da kommt guter Rath
allezeit zu spt; versuch' es nicht, denjenigen leiten zu wollen,
der sein eigner Wegweiser seyn will; du wrdest deinen Athem
verliehren, und das ist gerade was dir mangelt.

Gaunt.
Mich ducht, ich bin ein neubegeisterter Prophet, und sterbend
weissage ich so von ihm.  Seine rasche, ausgelassene, unbezhmte
Jugendhize, kan nicht von langer Dauer seyn; ein heftiges Feuer
brennt sich bald selbst aus.  Sanfte Regen dauren lange, plzliche
Strme gehen bald vorber; der wird bald mde, der anfangs die
Sporren zu stark gebraucht; und wer allzugierig it, hat am
bldesten genug.  Leichtsinnige Eitelkeit, nachdem sie wie ein
unersttlicher Vielfra alle ihre Mittel verzehrt hat, wird bald
gezwungen, sich selbst aufzuzehren.  Dieser glorreiche Knigs-Thron,
diese bezepterte Insel, dieses majesttische Land, dieser Siz des
Kriegs-Gottes, dieses andre Eden, dieses feste Castell, das die
Natur fr sich selbst aufgeworfen hat, um sich vor fremder
Anstekung und feindseligem Anfall zu sichern, dieser edle Stamm von
Menschen, dieser in die Silber-See eingefate Edelstein, dieser
kleine Inbegriff der Welt, dem der umgebende Ocean fr eine Mauer,
oder fr einen beschzenden Graben gegen den Neid nicht so
glkseliger Lnder dient; diese Mutter und Sngerin kniglicher
Helden, welche ihr Vaterland furchtbar, ihre Geburt erlaucht, und
ihre Thaten ruhmwrdig machen, wegen ihres christlichen Eifers und
ihrer ritterlichen Tapferkeit so weit berhmt, als das Grab des
Welt-Erlsers, in dem verstokten Judenlande von uns entfernt ist;
dieses edle, wrdige, theure Land, von dem glnzenden Ruhm seiner
Shne ber alle andre emporgehoben, ist nun ausgemiethet, (ich
sterbe, da ich es ausspreche) wie ein Pachthof oder Baurengut
ausgepachtet!  England, von der triumphierenden See umwunden, deren
felsichtes Ufer den neidischen Siz des wrichten Neptuns
zurkschlgt, ist auf eine schndliche Art in Fesseln von Pergament
geworfen, und die Besiegerin andrer Vlker hat eine schaamvolle
Eroberung von sich selbst gemacht.* O!  mchte diese Schmach mit
meinem Leben sich enden, wie glklich wre mein Tod!

{ed.-* Was fr eine Rede in dem Mund eines alten sterbenden Prinzen,
der sich ber Engbrstigkeit und kurzen Athem beklagt!  Indessen
war dieses schlerhafte rhetorische Gewsche, diese auf einander
gehuften, bel zusammenpassenden Metaphern, und diese abmattenden
Tautologien, die allgemeine Mode in unsere Autors Zeit.}



Zweyte Scene.
(Knig Richard, die Knigin, Aumerle, Buschy, Green, Bagot, Ro
und Willoughby zu den Vorigen.)


York.
Der Knig ist gekommen; gehet sanft mit seiner Jugend zu Werke;
junge feurige Fllen, wenn sie aufgebracht werden, rasen nur desto
mehr.

Knigin.
Wie steht es um unsern edeln Oheim Lancaster?

Knig Richard.
Wie steht's Mann?  Was macht der alte Gaunt?

Gaunt.
O dieser Name schikt sich fr meinen Zustand!* Ja wohl der alte
Gaunt, und nichts als Haut und Knochen (Gaunt) vor Alter!  Der
Kummer in mir, hat eine verdrieliche Fasten gehalten, und wer wird
nicht mager, der sich des Fleisches enthalten mu?  Lange hab' ich
fr das schlafende England gewacht, und Wachen zehrt ab und macht
mager.  Das Vergngen wovon einige Vter sich nhren, der Anblik
meiner Kinder ist mir gnzlich untersagt; und die Fasten, die du
mir hierinn auferlegt hast, hat mich ganz mager gemacht, mager fr
das Grab, mager wie ein Grab, dessen holer Leib nichts als Knochen
enthlt.

{ed.-* Alle diese Wortspiele, die in dem Mund eines Tertianers
kindisch wren, und in dem Mund eines Sterbenden unertrglich sind,
grnden sich auf die Bedeutung des Namens Gaunt, der im Englischen
so viel heit als mager, abgezehrt, der nur noch Haut und Knochen
hat.}

Knig Richard.
Knnen kranke Leute so spizfndig mit Worten spielen?

Gaunt.
Nein, aber Elend hat keine andre Kurzweile, als ber sich selbst zu
spotten.  [Weil du meinen Namen in mir zu tdten suchst, so spotte
ich meines Namens, Grosser Knig, um dir zu schmeicheln.**

{ed.-** Die Zeilen, die hier und in der Folge in [ ] eingeschlossen
sind, sind im Original in Reimen.}

Knig Richard.
Sollen sterbende Leute den lebenden schmeicheln?

Gaunt.
Nein, nein, die lebenden Leute schmeicheln den Sterbenden.

Knig Richard.
Du, ein Sterbender, sagst ja, du schmeichelst mir.

Gaunt.
O nein, du stirbst, ob ich gleich krnker bin.

Knig Richard.
Ich bin gesund, ich athme, und sehe da du bel bist.

Gaunt.
O!  der, der mich erschuf, wei es, da ich Dich bel sehe.] Mir
ist fr mich selbst bel, aber gar zu bel, indem ich dich ansehe.
Dein Todbette ist nichts geringers als dein Land, worinn du an
deinem Ruhm krank ligst; und du, allzunachliger Patient,
bergiebst deine gesalbte Person den nemlichen rzten zu heilen,
die dich krank gemacht haben.  Tausend Schmeichler sizen um den
Cirkel deiner Crone herum, und ob dieser Cirkel gleich nicht
grsser ist als dein Haupt, so verliehrst du doch mit ihm dein
ganzes Land, welches er umspannt.  O htte dein Grovater mit dem
Aug' eines Propheten vorhersehen knnen, da seines Sohns Sohn
seine Shne zu Grund richten wrde, er wrde dir's unmglich
gemacht haben, dich selbst so zu entehren, indem er dich vor deiner
Einsezung entsezt htte, dich, der izt eingesezt ist, um sich
selbst zu entsezen.  Wie?  Vetter!  wrest du Herr der ganzen Welt,
so wr' es dir doch schimpflich dein Land zu verpachten; aber da
deine ganze Welt in diesem einzigen Lande besteht, ist es nicht
mehr als Schande, es so zu entehren?  Landsa von England bist du,
nicht Knig.  Deine gesezmige Oberherrlichkeit ist eine Leibeigne
des Gesezes, und du--

Knig Richard.
Und du, ein mondschtiger aberwiziger Narr, der auf das Privilegium
eines Fiebers hin, sich erfrecht, mit deinen kalten Erinnerungen
unsre Wange bla zu machen, und das knigliche Blut mit Ungestm
von seinem natrlichen Siz zu treiben.  Nun, bey der Majestt
meines angestammten Throns, wrst du nicht ein Bruder von dem Sohne
des grossen Eduard, die Zunge, die so frey in deinem Kopf herum
rennt, sollte deinen Kopf von deinen unehrwrdigen Schultern
herunter rennen.

Gaunt.
O schone meiner nicht, meines Bruder Edward's Sohn, weil ich seines
Vater Edwards Sohn war.  Das Blut das ich von ihm habe, hast du
lngst wie ein Pelican, ausgezapft, und in trunknem Muth
verschmaut.  Mein Bruder Glocester, eine aufrichtige, wohlgesinnte
Seele, (glklich mge sie unter des Himmels seligen Geistern seyn!)
hat schon zum Beyspiel dienen mssen, wie wenig du Bedenken trgst,
Edwards Blut zu vergiessen.  Vereinige dich immerhin mit meiner
Krankheit, und brich durch deine Hartherzigkeit eine vorhin schon
welke Blume ab!  Leb' in deiner Schande, aber deine Schande sterbe
nicht mit dir!  Und mgen diese meine lezten Worte knftig deine
Peiniger seyn!  Tragt mich in mein Bette, und dann in mein Grab.
Die mgen leben, die Liebe und Ehre haben!

(Er wird hinweg getragen.)

Knig Richard.
Und lat die sterben, die Alter und Launen haben; du hast beydes,
und beydes gehrt in ein Grab.

York.
Ich bitte euer Majestt, seine Reden der verdrielichmachenden
Krankheit und dem hohen Alter zu gut zu halten; er liebt euch, bey
meinem Leben, so sehr als Heinrich von Hereford, wenn er hier wre.

Knig Richard.
Recht, ihr sagt die Wahrheit, wie Herefords Liebe, so ist seine,
und wie die ihrige so ist meine; und alles mag seyn wie es ist.



Dritte Scene.
(Northumberland zu den Vorigen.)


Northumberland.
Gndigster Herr, der alte Gaunt empfiehlt sich Eurer Majestt.

Knig Richard.
Was sagt der alte Gaunt?

Northumberland.
Nichts mehr; er hat alles gesagt, was er zu sagen hatte; seine
Zunge ist nun ein Instrument ohne Saiten; Sprache, Leben und alles
hat den alten Lancaster verlassen.

York.
Mge York der nchste seyn, den dieses Schiksal trift.  So arm der
Tod ist, so endet er doch alles sterbliche Weh.

Knig Richard.
Die reiffeste Frucht fllt zuerst; seine Zeit ist abgelauffen, und
die unsrige lauft noch; so viel hievon!--Nun mssen wir unsre
Aufmerksamkeit auf die Irlndischen Unruhen richten; wir mssen
diese rohen zottelkpfichten Kernen* unterdrken, eh die anstekende
Emprung weiter um sich frit; und da diese grossen Geschfte einen
ziemlichen Aufwand erfordern, so bemchtigen wir uns hiemit, zu
unsrer Unterstzung alles baaren Gelds, Gold- und Silbergeschirrs,
aller Einknfte, und aller beweglichen und unbeweglichen Gter, die
der alte Gaunt verlassen hat.

{ed.-* Nahme einer Art von leichtbewaffnetem Irlndischem Fuvolk.}

York.
Wie lange werd' ich noch Geduld behalten?  O wie lange wird noch
eine, vielleicht zu schchterne Empfindung meiner Pflicht, mich
jede Ungerechtigkeit geduldig leiden machen?  Nicht Glosters Tod,
noch Herefords Verbannung, nicht Gaunts erlidtne Krnkungen, noch
Englands einheimische Wunden, noch meine eigne Verachtung, haben
mich jemals meine geduldige Stirne gegen meinen Knig rmpfen
gemacht.  Ich bin der lezte von des grossen Edwards Shnen, von
denen der Prinz von Wales, dein Vater der erste war.  Im Krieg war
kein Lwe khner, im Frieden kein Lamm sanftmthiger, als dieser
edle junge Prinz.  Du hast seine Gesichtsbildung, so sah er aus;
aber wenn er die Stirne runzelte, so war es gegen die Franzosen,
nicht gegen seine Freunde: Seine edle Hand gewann erst das was sie
ausgab, und verthat nicht, was sein siegreicher Vater gewonnen
hatte.  Seine Hand wurde oft mit dem Blut der Feinde seines Hauses,
niemals mit dem Blut der Seinigen besudelt.  O Richard!  York mu
noch mehr sagen, oder er hat schon zu viel gesagt.

Knig Richard.
Wie, mein Oheim, was wollt ihr dann sagen?

York.
O mein Gndigster Herr, vergebet mir, wenn es euch gefllt; wo
nicht, so la ich mir auch gefallen, da ihr mir nicht vergebt.
Ihr sucht euch der Lndereyen, Gter und Rechte des verbannten
Hereford zu bemchtigen?  Wenn Gaunt todt ist, lebt nicht Hereford?
War Gaunt nicht redlich, und ist Heinrich nicht getreu?  Verdiente
jener nicht, einen Erben zu haben?  Ist nicht sein Erbe ein
verdienstvoller Sohn?  Kanst du Herefords Rechte, kanst du seine
Titel, Urkunden und wohlhergebrachte Gerechtsame aufheben, und
gewi seyn, ob du morgen noch seyn wirst, was du bist?  Denn woher
bist du ein Knig, als durch das Recht der Erbfolge?  Wenn ihr
gewaltthtiger Weise die Erbschaft Herefords an euch reissen, die
Vollmacht seines General-Procurators, in seinem Namen davon Besiz
zu nehmen, vernichten, und ihm die angebotne Huldigung versagen
wollt; so huft ihr tausend Gefahren ber euer Haupt, verliehrt
tausend wohlgesinnte Herzen, und reizet selbst meine sanftmthige
Geduld zu Gedanken, welche Pflicht und Ehre nicht denken knnen.

Knig Richard.
Denkt was ihr wollt; wir nehmen alle seine Gter, Mobilien,
Baarschaften und Lndereyen, zu unsern Hnden.

York.
Wenigstens will ich kein Augenzeuge davon seyn; lebet wohl, mein
gebietender Herr; was hieraus entstehen wird, kan niemand sagen.
Aber aus schlimmen Handlungen lt sich ohne Mhe weissagen, da
ihre Folgen nicht gut seyn knnen.

(Er geht ab.)

Knig Richard.
Geh, Buschy, ungesumt zu dem Grafen von Wiltschire, und ersuch ihn
zu uns nach Ely-House zu kommen, und der Vollziehung dieses
Geschftes vorzustehen.  Morgen wollen wir nach Irland, es ist Zeit.
Indessen ernennen wir, whrend unsrer Abwesenheit, unsern Oheim
York zum Lord-Statthalter von England, denn er ist rechtschaffen,
und war uns jederzeit zugethan.  Kommet, meine Knigin; morgen
mssen wir uns scheiden; beruhigt euch, wir werden nicht lange
abwesend seyn.

(Knig Richard, Knigin und Gefolge gehen ab.)



Vierte Scene.
(Northumberland, Willoughby und Ro bleiben.)


Northumberland.
Nun, Milords, der Herzog von Lancaster ist todt.

Ross.
Und lebt wieder in seinem Sohn, der nun Herzog von Lancaster ist.

Willoughby.
Dem Namen, nicht den Einknften nach.

Northumberland.
Beyden nach, wenn Gerechtigkeit ihr Recht erhlt.

Ross.
Mein Herz ist voll; aber es mu von Schweigen brechen, eh ihm eine
freymthige Zunge leichter machen kan.

Northumberland.
Bezieht sich das, was ihr reden mchtet, auf den Herzog von
Hereford, so sagt es khnlich heraus, Mann; mein Ohr horcht mit
Freuden allem Guten entgegen, was von ihm gesagt wird.

Ross.
Alles Gute, was ich fr ihn thun kan, ist, Mitleiden mit ihm zu
haben, da er seines Erbguts so beraubt worden ist.

Northumberland.
Nun, beym Himmel, Schande ist es, da solche Krnkungen, solche
Ungerechtigkeiten gegen ihn, einen kniglichen Prinzen, und manche
andre von edlem Blut, in diesem dem Umsturz nhernden Lande
niedertrchtig ertragen werden sollen!  Der Knig ist nicht er
selbst, unkniglich lt er von Schmeichlern sich leiten; und was
sie aus Raubsucht oder aus Ha gegen irgend einen aus uns anzetteln
mchten, das wird der Knig nach der Schrfe gegen uns, unser Leben,
unsre Kinder und Erben ausfhren.

Ross.
Die Gemeinen hat er durch bermige Auflagen ausgesogen, und
dadurch ihre Herzen verlohren; die Edeln hat er wegen abgestorbner
Hndel gebt, und ihre Herzen verlohren.

Willoughby.
Nichts destoweniger werden unter allerley Namen tglich neue
Erpressungen ausgesonnen; aber, was um Gottes willen!  soll endlich
daraus werden?

Northumberland.
Kriege haben alle diese Summen nicht verzehrt; denn er hatte nie
keinen Krieg, sondern gab vielmehr durch einen schimpflichen
Verglich hin, was seine Vorltern durch Siege gewonnen hatten; er
hat mehr Aufwand im Frieden gemacht, als sie in allen ihren Kriegen.

Ross.
Der Graf von Wiltschire hat das Knigreich im Pacht.

Willoughby.
Der Knig ist Bankrutt worden.

Ross.
Und ungeachtet aller seiner schweren Auflagen, mu er den
vertriebnen Herzog berauben, um Geld fr diese Irlndischen Unruhen
zu haben.

Northumberland.
Seinen edeln Blutsverwandten!--Hchst ausgearteter Knig!  Aber,
Milords, wir hren dieses frchterliche Gewitter singen, und suchen
doch keinen Schirm gegen den Sturm; wir sehen den Wind unsern
Segeln zusezen, und doch ziehen wir sie nicht ein, sondern gehen
unbesorgt unter.

Ross.
Wir sehen den Schiffbruch vorher, und es ist noch keine Anstalt
gegen die Gefahr gemacht, weil wir so geduldig die Ursachen unsers
Schiffbruchs leiden.

Northumberland.
Nicht so; selbst durch die hohlen Augen des Todes, sehe ich Leben
hervorschauen; aber ich darf es nicht sagen, wie nah' uns unsre
Hlfe ist.

Willoughby.
Wir haben unsre Gedanken nicht vor dir verborgen; la uns auch die
deinigen theilen.

Ross.
Rede zuversichtlich, Northumberland; wir drey sind nur du selbst,
und wenn du mit uns sprichst, sind deine Worte nur wie Gedanken;
also rede khnlich!

Northumberland.
So hret dann, meine Freunde, was fr geheime Nachrichten ich von
(Port le blanc), einem Hafen in Bretagne, habe.  Heinrich von
Hereford, Rainald, Lord Cobham, der unlngst mit dem Herzog von
Exeter gebrochen hat; sein Bruder, der neue Erzbischoff von
Canterbury, Sir Thomas Erpingham, Sir John Ramston, Sir John
Norbrew--, Sir Robert Waterton, und Franz Coines; alle diese,
von dem Herzog von Bretagne mit allen Nothwendigkeiten versehen,
sind wrklich im Begriff, mit acht langen Schiffen und dreytausend
streitbaren Mnnern, eine Landung an unsern Nordischen Ksten zu
wagen; vielleicht haben sie schon gelandet, und warten nur bis der
Knig nach Irland abgegangen ist.  Wann wir nun entschlossen sind,
unser sclavisches Joch abzuschtteln, die gebrochnen Schwingen
unsers sinkenden Vaterlandes wieder neu zu befiedern, die entehrte
Crone von einem schimpflichen Versaz wieder einzulsen; den Staub
abzuwischen, der unsers Scepters reines Gold verbirgt, und der
Majestt ihre eigne Gestalt wieder zu geben: So folget mir
schleunig nach Ravenspurg.  Zaudert ihr aber, oder frchtet ihr
euch, so zu thun, so bleibet zurk, und seyd verschwiegen; so will
ich allein gehen.

Ross.
Zu Pferd, zu Pferd!  Lat die zaudern die sich frchten.

Willoughby.
Wenn anders mein Pferd aushlt, so will ich der erste dort seyn.

(Sie gehen ab.)



Fnfte Scene.
(Der Hof.)
(Die Knigin, Buschy und Bagot treten auf.)


Buschy.
Gndigste Frau, Eure Majestt ist viel zu niedergeschlagen.  Ihr
versprachst dem Knig beym Abschied, alle sich selbsthrmende
Gedanken zu entfernen, und eine frohe Gemthsfassung zu unterhalten.

Knigin.
Dem Knige zu gefallen, that ich's; mir selbst zu gefallen kan
ich's nicht thun; und doch wei ich keine Ursache, warum ich einen
solchen Gast, wie der Kummer ist, willkommen heissen sollte, als
diese, weil ich einem so werthen Gast, wie mein Richard ist, leb'
wohl sagen mute; und doch ist mir, als ob irgend ein noch
ungebohrner Kummer, im Schoo des Schiksals reiffend, mir
bevorstehe; meine innerste Seele zittert ber etwas, ohne zu wissen
was es ist; ausgenommen, da es nicht die Trennung von dem Knig
meinem Gemal ist.

Buschy.
Ein jeder wrklicher Schmerz hat zwanzig Schatten die ihm gleich
sehen, und es doch nicht sind; durch den Crystall blendender
Thrnen, sieht das Auge der Traurigkeit einen einzigen Gegenstand
in viele gespalten.  Gleich gewissen perspectivischen Figuren, die,
wenn man sie geradezu anschaut, nichts als verworrene Striche
zeigen, aber aus einem gewissen schiefen Sehpunct eine regelmige
Gestalt darstellen, zeigen sich euch, indem ihr euers Gemals
Abwesenheit seitwrts anseht, Gestalten von Kummer, welche, wenn
sie angesehen werden, wie sie sind, nichts als blosse Schatten von
dem was nicht ist, sind.  Trauret also ber nichts mehr als die
Abreise euers Gemals; mehr ist nicht sichtbar, oder ist es doch nur
aus dem falschen Gesichtspunct der Traurigkeit, die oft ber
eingebildete bel, wie ber wahre, weint.

Knigin.
Es mag so seyn; und doch sagt meine innerste Seele mir etwas anders;
dem sey wie ihm wolle, ich kann mich nicht erwehren traurig zu
seyn, auf eine so bange Art traurig, da wenn die berlegung mir
gleich sagt, es sey nichts, dieses ngstigende Nichts mich doch
nichts desto minder schmachten und welken macht.

Buschy.
Es ist blosse Einbildung, meine gndigste Knigin.

Knigin.
Nichts weniger als Einbildung; Einbildung entspringt allemal aus
irgend einem vorhergegangenen Schmerz; so ist der meinige nicht.
Denn Nichts hat das Etwas gebohren das mich ngstiget; aber was es
ist, das ist noch unbekannt.*

{ed.-* Im Original ist dieses viel spizfndiger gesagt:

(For nothing hath begot my something-grief,
Or something hath, the nothing that I grieve.
But what it is, that is not yet Known, what
I cannot name, 'tis nameless Woe, I wot.)}



Sechste Scene.
(Green zu den Vorigen.)


Green.
Der Himmel erhalte Euer Majestt!--Ich erfreue mich, euch zu sehen,
meine Herren--Ich hoffe, der Knig hat sich noch nicht nach Irland
eingeschift.

Knigin.
Warum hoffst du das; es ist mehr Ursache zu hoffen, da er's gethan
habe; denn seine Absichten erfordern Behendigkeit, und seine
Behendigkeit giebt gute Hoffnung; warum sagst du also, du hoffest
er sey noch nicht zu Schiffe?

Green.
Damit Er, auf welchem alle unsre Hoffnung beruht, seine Macht zurk
behalten htte, um die Hoffnung eines Feindes zur Verzweiflung zu
bringen, der trozig seinen Fu in dieses Land gesezt hat.  Der
verbannte Bolingbroke hat sich selbst zurk beruffen, und ist mit
emporgestrekten Waffen glklich zu Ravenspurg angelangt.

Knigin.
Das verhte der Himmel!

Green.
O Gndigste Frau, es ist nur allzuwahr; und was noch schlimmer ist,
der Lord Northumberland, der junge Percy, sein Sohn, die Lords von
Ro, Beaumond und Willoughby mit allen ihren mchtigen Freunden
sind zu ihm bergegangen.

Buschy.
Wie?  Habt ihr denn den Northumberland und alle von dieser
rebellischen Rotte nicht fr Verrther erklrt?

Green.
Das haben wir, und darauf hat der Graf von Worcester seinen Stab
zerbrochen, seine Oberhofmeister-Stelle niedergelegt, und sich mit
allen kniglichen Haus-Bedienten zum Bolingbroke geflchtet.

Knigin.
O Green, du bist die Wehmutter meines Kummers.  Nun hat meine Seele
ihr Ungeheuer zur Welt gebracht.  Bolingbroke ist die unglkliche
Geburt meines ahnenden Weh's, und ich eine keuchende neu-entbundne
Mutter, sinke aus einer Angst, einem Schmerz, in den andern.

Buschy.
Lasset den Muth noch nicht sinken, Gndigste Frau.

Knigin.
Und warum soll ich nicht?  Ich will verzweifeln, ich will mit der
betrgerischen Hoffnung in Feindschaft stehen; sie ist eine
Schmeichlerin, die den Tod nur zurk hlt, um durch ihre
tuschenden Eingebungen das Gefhl seiner Streiche zu bertuben.



Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)


Green.
Hier kommt der Herzog von York.

Knigin.
Mit Zeichen des Kriegs um seinen bejahrten Naken.  O, seine Blike
sind von sorgenvollen Geschften verdstert!  Guter Oheim, um des
Himmels willen, eine trstliche Zeitung!

York.
So mte ich meine Gedanken belgen; der Trost ist im Himmel, und
wir sind auf einer Welt, wo nichts als Kreuz, Sorge und Kummer lebt.
Euer Gemal ist gegangen, um in der Ferne zu retten, was ihm andre
inde daheim entreissen.  Ich ward hier zurk gelassen, um dieses
Land zu unterstzen; ich, der vom Alter gedrkt, kaum mich selbst
tragen kan.  Nun kommen die kranken Tage, die seine
Ausschweiffungen nach sich gezogen haben; nun wird er seine Freunde,
die ihm schmeichelten, kennen lernen.  (Ein Bedienter kommt herein.)

Bedienter.
Milord, euer Sohn war schon abgereist, wie ich ankam.

York.
Schon abgereist; Nun, so geh alles, welchen Weg es will.  Die Edeln
sind bergegangen, die Gemeinen kalt, und wanken schon wie ich
besorge, auf Herefords Seite--Geh du nach Plaschie, zu meiner
Schwester von Glocester; bitte sie, da sie mir unverzglich
tausend Pfund schike; halt, hier ist mein Ring.

Bedienter.
Milord, ich habe vergessen zu sagen, da an dem nemlichen Tag da
ich hinkam, und anfragte--Aber ich werde euch betrben, wenn ich es
sage.

York.
Was ist es dann?

Bedienter.
Eine Stunde eh ich kam, starb die Herzogin.

York.
Gerechter Himmel!  Was fr eine Fluth von Plagen strzt sich auf
einmal ber dieses unglkselige Land!  Ich wei nicht, was ich thun
soll; wollte Gott!  der Knig htte (ohne da eine Untreue von mir
ihn dazu aufgefordert htte) meinen Kopf mit meines Bruders
Gloster's seinem abschlagen lassen.  Wie, sind schon Jacht-Schiffe
nach Irland abgegangen?  Wo sollen wir Geld zu diesem Krieg
hernehmen?  Kommt, Schwester; (Base, wollt' ich sagen,) ich bitte
euch um Vergebung.--

(Zum Bedienten.)

Geh' du heim, Bursche, bestelle einige Wagen, und belade sie mit
den Waffen, die du finden wirst--Meine Herren, wollt ihr gehen, und
die Truppen mustern?  Ich versichre euch, da ich nicht wei, wie
ich die Sachen, in der Unordnung, worinn sie mir in die Hnde
gegeben worden, ordnen soll.--Beyde sind meine Bruders-Shne; der
eine ist mein Souverain, beydes mein Eid und meine Pflicht befiehlt
mir, ihn zu schzen; der andre, gleichfalls mein Neffe, hat Unrecht
vom Knig erlidten; Gewissen und Natur befehlen mir seinem Recht
beyzustehen.  Nun, etwas mu gethan seyn: Kommt, Base, ich will fr
eure Sicherheit sorgen.  Geht, mustert eure Leute, und erwartet
mich zu Berkley-Castle; ich will auch nach Plaschie--Aber die Zeit
wird es nicht zulassen.  Alles ist uneben, alles in der ussersten
Unordnung.

(York und die Knigin gehen ab.)



Achte Scene.


Buschy.
Der Wind ist gnstig, neue Zeitungen nach Irland zu schiken, aber
bringt keine zurk.  Wir werden nimmermehr eine hinlngliche Macht,
um dem Feind Widerstand zu thun, aufbringen knnen.

Green.
Ausserdem sind wir dem Ha derer, die den Knig hassen, desto nher,
je nher wir der Liebe des Knigs sind.

Bagot.
Und das sind die unbestndigen Gemeinen; ihre Liebe ligt in ihrem
Beutel; wer ihren Beutel ausleert, fllt ihre Herzen mit tdtlichem
Ha.

Buschy.
Wenn dieses ist, so ist der Knig mit allen Stimmen verurtheilt.

Bagot.
Und so ist uns unser Urtheil auch gesprochen.

Green.
Gut; ich will zu meiner Sicherheit nach Bristol, der Graf von
Wiltschire ist schon da.

Buschy.
Ich will mit euch; denn von den erbitterten Gemeinen haben wir
nicht viel bessere Dienste zu gewarten, als da sie uns in Stken
zerreissen werden.  Wollt ihr mit uns, Bagot?

Bagot.
Nein; ich will zu Sr.  Majestt nach Irland.  Lebet wohl; wenn mir
mein Herz die Wahrheit sagt, so werden wir Drey nimmer wieder
zusammen kommen.

Buschy.
Das kommt darauf an, ob York den Bolingbroke zurkschlagen wird.

Green.
Der arme York!  Das Geschfte, das er bernommen hat, ist nicht
leichter, als wenn er den Sand zhlen, und das Meer austrinken
wollte.  Wenn einer an seiner Seite ficht, so werden tausend
fliehen.

Buschy.
Lebet wohl fr ein und allemal.

Green.
Wir knnen einander wol wieder sehen.

Bagot.
Ich besorge, nimmer.

(Sie gehen ab.)



Neunte Scene.
(Verwandelt sich in eine wilde Gegend, in Glocester-Schire.)
(Bolingbroke und Northumberland treten auf.)


Bolingbroke.
Wie weit ist es noch, Milord, von hier nach Berkley?

Northumberland.
Ich bin hier fremde in Glocester-Schire; diese hohen wilden Hgel,
und diese rauhen unebnen Wege, machen unsern Marsch langsam und
sehr beschwerlich; und doch hat eure angenehmste Gesellschaft mich
beydes vergessen gemacht.  Ich bedaure nur Ro und Willoughby, die
auf ihrem Weg von Ravenspurg nach Cotschold das Glk ermangeln
mssen, so ich izt geniesse; doch die Hoffnung erleichtert ihnen
den ihrigen, und die Hoffnung des Genusses geniet beynahe schon so
viel, als der Genu selbst.

Bolingbroke.
Eure Freundschaft treibt den Werth meiner Gesellschaft viel zu hoch,
aber wer kommt hier?  (Percy zu den Vorigen.)

Northumberland.
Es ist mein Sohn, der junge Heinrich Percy, von meinem Bruder
Worcester abgeschikt: Woher, Harry, was macht dein Oheim?

Percy.
Ich hoffte, Milord, bey euch Nachricht von ihm zu holen.

Northumberland.
Wie, ist er nicht bey der Knigin?

Percy.
Nein, Milord, er hat den Hof verlassen, seinen Stab zerbrochen, und
die Knigliche Hofstatt zerstreut.

Northumberland.
Wie?  Aus was Ursache?  Er war nicht so gesinnt, da ich ihn das
leztemal sprach.

Percy.
Weil Euer Gnaden als ein Verrther ausgeruffen worden ist.  Er ist
nach Ravenspurg abgegangen, um dem Herzog von Hereford seine
Dienste anzubieten; und mich hat er nach Berkley geschikt, um die
Strke der Kriegs-Vlker zu erkundigen, die der Herzog von York
daselbst zusammengebracht hat, mit dem Befehl von da gerade nach
Ravenspurg zu eilen.

Northumberland.
Hast du den Herzog von Hereford vergessen?

Percy.
Nein, Milord, man kan nicht vergessen, wessen man sich nie erinnert
hat; meines Wissens hab' ich ihn in meinem Leben nie gesehen.

Northumberland.
So lern' ihn dann izt kennen; di ist der Herzog.

Percy.
Gndigster Herr, ich erbiete euch meine Dienste, so wie sie sind,
schwach, roh und jugendlich; zunehmende Jahre werden sie reiffer,
und euers Beyfalls wrdiger machen.

Bolingbroke.
Ich danke dir, edler Percy; sey versichert, da ich mich in nichts
anderm so glklich schze, als in einem Herzen, das seiner guten
Freunde nicht vergessen kan; und so, wie mein Glk mit deiner Liebe
reiffen wird, soll es jederzeit die Belohnung deiner treuen Liebe
seyn.  Mein Herz macht diesen Vertrag, und hier siegelt ihn meine
Hand.

Northumberland.
Wie weit ist es von hier nach Berkley?  und was fr Bewegungen
macht der gute alte York mit seinen Truppen dort?

Percy.
Das Schlo steht dort hinter jenem Gebsche, und ist, wie ich hrte,
mit dreyhundert Mann besezt; die Lords, York, Berkley und Seymour
sind darinn, sonst niemand von Namen und Ansehn.  (Ro und
Willoughby zu den Vorigen.)

Northumberland.
Hier kommen die Lords von Ro und Willoughby, blutig vom Spornen,
und feuerroth von Eile.

Bolingbroke.
Willkommen, Milords; ich wei, eure Liebe verfolgt einen verbannten
Verrther; alle meine Schze bestehen noch in leerem Dank, der,
wenn er reicher geworden ist, die Vergeltung eurer Liebe und eurer
Dienste seyn soll.

Ross.
Eure Gegenwart macht uns reich genug, Milord;

Willoughby.
Und ersezt uns die Arbeit berflig, wodurch wir sie erhalten
haben.

Bolingbroke.
Immer mehr Dank!--(die Wiedervergeltung der Armen,) bis mein noch
unmndiges Glk zu Jahren kommt, mssen Worte fr mein
erkenntliches Herz Brge seyn.  Aber wer kommt hier?  (Berkley zu
den Vorigen.)

Northumberland.
Es ist Milord von Berkley, ducht mich.

Berkley.
Milord von Hereford, mein Auftrag geht an euch.

Bolingbroke.
Milord, meine Antwort ist zu Lancaster; ich bin gekommen, diesen
Namen in England zu suchen, und ich mu diesen Titel in eurer Zunge
finden, eh ich auf etwas antworten kan, das ihr sagt.

Berkley.
Meine Absicht, Milord, ist gar nicht, einen Titel von euern Wrden
wegzunehmen; ich komme zu euch, Milord, (Lord wovon ihr nur wollt)
von demjenigen der izt der Erste in diesem Land ist, von dem Herzog
von York, um zu erfahren, was euch antreibt, den Vortheil der
Abwesenheit des Knigs zu nehmen, und unsern angebohrnen Frieden
durch einheimische Waffen zu schreken?



Zehnte Scene.
(York zu den Vorigen.)


Bolingbroke.
Ich werde nicht nthig haben, meine Antwort durch euch zu versenden;
hier kommt Se.  Gnaden selbst.  Mein edler Oheim!

(Er kniet vor ihm nieder.)

York.
Zeige mir, statt diesen betrglich demthigen Knien ein aufrichtig
unterwrfiges Herz.

Bolingbroke.
Mein gndigster Oheim!

York.
Stille, stille; ich will nichts von deinen Titeln; ich bin keines
Verrthers Oheim, und das Wort Gnade wird in einem verbrecherischen
Mund entweiht.  Warum haben deine gechteten, verbannten Fsse sich
erfrecht, den Staub von Englands Boden zu betreten?  Und, was noch
rger ist, wie haben sie sich erfrecht, so viele Meilen ber ihren
friedsamen Busen einher zu ziehen, und ihre erblassenden Einwohner
mit dem Geprnge einer kriegrischen Schlacht-Ordnung zu schreken?
Kommst du, weil der gesalbte Knig abwesend ist?  Wie, unbesonnener
Jngling, der Knig ist noch da, seine Gewalt ligt in einem
treuvollen Busen.  Wr' ich nur noch Herr von jener jugendlichen
Strke wie damals, da der brave Gaunt, dein Vater, und ich, den
schwarzen Prinzen, diesen jungen Kriegsgott, mitten aus den Linien
von zehntausend Franzosen erledigten; o!  wie schnell sollte dieser
izt entnervte Arm, deinen bermuth zchtigen!

Bolingbroke.
Mein gndigster Oheim, lat mich nur erst wissen, von was fr einer
Art mein Verbrechen ist.

York.
Von der schlimmsten Art, Aufruhr und fluchwrdiger Hochverrath.  Du
bist ein Landsverwiesener, und kommst hier, bevor deine Zeit
verflossen ist, in herausfordernden Waffen deinem Oberherrn Troz zu
bieten.

Bolingbroke.
Wie ich verwiesen wurde, war ich Hereford; nun, da ich komme, komme
ich fr Lancaster.  Ich bitte Euer Gnaden, betrachtet das Unrecht,
das mir zugefgt worden, mit einem unpartheyischen Auge.  Ihr seyd
mein Vater, denn mich ducht, in euch sehe ich den bejahrten Gaunt
wieder lebend.  O!  denn, mein Vater!  Knnt ihr gestatten, da ich
verurtheilt seyn soll, ein herumschweifenden Flchtling zu seyn,
und aller meiner Rechte und Regalien beraubt, gleichgltig
zuzusehen, wie sie unter lumpichte Taugenichts ausgetheilt werden,
die gestern noch Bettler waren?  Wozu war ich gebohren?  Wenn der
Knig mein Vetter, Knig von England ist, so mu es unstreitig seyn,
da ich Herzog von Lancaster bin.  Ihr habt einen Sohn, den
Aumerle, mein edler Vetter; wret ihr zuerst gestorben, und er wre
so niedergetreten worden, er wrde in seinem Oheim Gaunt einen
Vater, einen eifrigen Verfechter seines Rechts, gefunden haben.
Man versagt mir die Besiznehmung von meinen angeerbten Titeln und
Gtern, wozu mir doch meine Patenten die Befgni geben.  Meines
Vaters Gter werden zerstreut und verkauft, und wie alles brige
unnzer Weise durchgebracht.  Was wollt ihr, da ich in solchen
Umstnden thun soll?  Ich bin ein Unterthan, und reclamire das
Gesez; man versagt mir Anwalde, ich bin also genthigt, in eigner
Person die Ansprche an mein angestammtes Erbgut gelten zu machen.

Northumberland.
Der edle Herzog ist zu sehr gekrnkt worden.

Ross.
Es ligt nur bey euer Gnaden, ihm Recht wiederfahren zu lassen.

Willoughby.
Schlechte Leute sind durch seine Erbgter gro gemacht worden.

York.
Milords von England, lat mich euch sagen, da ich gegen die
Krnkungen meines Neffen nicht unempfindlich gewesen bin, und mich
so sehr ich konnte bemhet habe, ihm sein Recht zu verschaffen.
Aber auf eine solche Art zu kommen, in trozigen Waffen zu kommen,
und sein Recht durch unerlaubte Gewalt zu suchen, das geht nicht an;
und ihr, die ihr ihm hierinn beysteht, begnstiget die Emprung,
und seyd alle Rebellen.

Northumberland.
Der Herzog hat geschworen, da er nur gekommen sey, sein Recht zu
suchen; und ihm zu diesem zu verhelfen, haben wir alle durch einen
theuren Eid uns anheischig gemacht; und mg' auf ewig den die
Freude meiden, der seinen Eid bricht!

York.
Gut, gut, ich sehe den Ausgang dieser Waffen; ich mu es bekennen,
es ist nicht in meiner Macht, ihn zu verhindern; aber knnte ich's,
bey dem der mich erschaffen hat!  ihr solltet mir alle gebunden und
in den Staub gebkt, euer verwrktes Leben von der kniglichen
Gnade erflehen!  Nun, da ich ohne Krfte bin, so wisset, da ich
soviel als neutral bleiben werde.  Und hiemit gehabt euch wohl; es
wre dann, da es euch beliebte, in dieses Schlo zu kommen, und
die Nacht da auszuruhen.

Bolingbroke.
Ein Anerbieten, mein Oheim, das wir annehmen wollen; aber wir
mssen Euer Gnaden erbitten, mit uns nach Bristol-Castle zu gehen,
worinn, wie man sagt, Buschy, Bagot, und ihre Mitschuldigen sich
halten, diese Raupen des gemeinen Wesens, die ich auszureuten
geschworen habe.

York.
Es mag seyn, ich will gehen--Doch nein, lat mich ruhig bleiben;
ich will nicht von denen seyn, die die Geseze meines Vaterlands
brechen.  Weder Feinde noch Freunde, seyd ihr mir willkommen; und
Dinge, denen nicht mehr zu helfen ist, sollen mich auch nicht mehr
bekmmern.

(Sie gehen ab.)



Eilfte Scene.
(In Wales.)
(Salisbury und ein Officier treten auf.)


Officier.
Milord von Salisbury, wir haben zehen Tage gewartet, und die grste
Mhe gehabt, unsre Landleute bey einander zu behalten; da wir aber
noch immer keine Nachrichten von dem Knig erhalten, so wollen wir
wieder auseinander gehen.  Lebet wohl!

Salisbury.
Gedulde dich nur noch einen einzigen Tag, du rechtschaffner
Welschmann; der Knig sezt all sein Vertrauen in dich.

Officier.
Man glaubt, der Knig sey todt; wir warten nicht lnger.  Die
Lorbeer-Bume in unserm Lande sind alle verdorben, Wunderzeichen
schreken die Fix-Sterne vom Himmel; der bleiche Mond schaut blutig
auf die Erde herab, und hagre Propheten lispeln furchtbare
Vernderung.  Reiche Leute sehen traurig aus, und Bettler und
Spizbuben tanzen und springen; die eine, aus Furcht zu verliehren
was sie gewonnen haben, die andre, in Hoffnung durch Krieg und
Zerrttung zu gewinnen.  Alles dieses sind Zeichen, die den Tod der
Knige ankndigen--Lebet wohl; unsre Landleute sind alle wieder
auseinander gegangen, und lassen sich nicht benehmen, da Knig
Richard todt sey.

(Er geht ab.)

Salisbury.
Ach!  Richard!  ach!  mit thrnenbeladnen Augen seh' ich deinen
Glanz, gleich einem fallenden Stern, vom Firmament zur Erde sinken.
Die Sonne sizt weinend im niedrigen West, und propheceyt Strme,
Unruhen und Unglk.  Deine Freunde sind zu deinen Feinden
bergegangen, und alle Umstnde vereinigen sich zu deinem Verderben.

(Er geht ab.)




Dritter Aufzug.



Erste Scene.
(Bolingbroks Lager zu Bristoll.)
(Bolingbroke, York, Northumberland, Ro, Percy, Willoughby, mit
 Buschy, und Green, als Gefangnen treten auf.)


Bolingbroke.
Bringt diese Mnner nher herbey--Buschy, und Green, ich will eure
Seelen da es nun an dem ist, da sie von ihren Leibern scheiden
mssen, nicht mit so harten Vorwrfen ngstigen, als euer
verderbliches Leben verdient hat, denn das wre Unbarmherzigkeit;
aber um euer Blut von meinen Hnden zu waschen, will ich hier, vor
dieser Versammlung, einige Ursachen eures Todes entfalten.  Ihr
habt einen Frsten, den seine Geburt und sein angebohrner Edelmuth
zu einem grossen und glklichen Knige bestimmte, migeleitet,
verderbt und unglklich gemacht.  Ihr habt ihn durch die
Ausschweiffungen, wozu ihr ihn reiztet, in gewissem Sinn von seiner
Knigin geschieden, die geheiligten Rechte eines kniglichen
Ehbettes geschmlert, und die schnen Wangen einer liebenswrdigen
Frstin durch die Thrnen beflekt, die eure Beleidigungen aus ihren
Augen erpreten.  Ich selbst, durch das Glk meiner Geburt, ein
Prinz vom kniglichen Geblte, und von dem Knig, meinem
Blutsverwandten, werth gehalten, bis ihr durch giftige Eingebungen
mich ihm verdchtig gemacht; ich selbst habe meinen Naken unter
euern Verfolgungen beugen mssen, und, das bittre Brodt der
Verbannung essend, meinen Englndischen Athem in auslndische
Wolken verseufzt; inde, da ihr meine Herrschaften aufgezehrt,
meine Waldungen und Lusthayne ausgehauen, mein Wappen von meinen
Thoren abgerissen, und mir kein andres Zeichen brig gelassen habt,
wodurch ich der Welt zeigen kan, da ich ein Edelmann bin, als die
Meynung der Leute und das Blut in meinen Adern: Dieses und viel
mehr, viel mehr als zweymal so viel, verurtheilt euch zum Tode.
Sehet, da ihr Urtheil an ihnen vollzogen werde.

Buschy.
Willkommner ist mir der Streich des Todes, als Bolingbroke England
ist--Milords, gehabt euch wohl.

Green.
Mein Trost ist, da der Himmel unsre Seelen aufnehmen, und die
Ungerechtigkeit mit den Qualen der Hlle straffen wird.

Bolingbroke.
Milord von Northumberland, sehet, da sie abgethan werden--Mein
Oheim, ihr sagtet, die Knigin befinde sich in ihrem Hause; um des
Himmels willen, sorget davor, da ihr geziemend begegnet werde;
sagt ihr, da ich sie meiner Ehrfurcht und Ergebenheit versichre;
traget ja Sorge dafr, da ihr mein Gru berbracht werde.

York.
Ich habe einen von meinen Edelleuten mit Briefen abgeschikt, worinn
eure freundschaftliche Gesinnungen ausfhrlich erklrt sind.

Bolingbroke.
Ich danke euch, mein gtiger Oheim, kommt, Milords, kommt, zum
Gefecht mit Glendower und seinen Anhngern; noch eine Weile Arbeit,
und dann Feyer-Abend.

(Sie gehen ab.)



Zweyte Scene.
(Verwandelt sich in eine Kste von Wales.)
(Trummeln und Trompeten.
 Knig Richard, Aumerle, der Bischoff von Carlisle, und Soldaten
 treten auf.)


Knig Richard.
Barkloughly-Castle nennt ihr jenes dort?

Aumerle.
Ja, Gndigster Herr; wie findet Eure Majestt die Landluft, nach
den Beschwerlichkeiten der See?

Knig Richard.
Sie mu mir wol angenehm seyn--Freuden-Thrnen erfllen meine Augen,
da ich noch einmal wieder den Boden meines Knigreichs betrete.
Theure Erde, ich umarme dich, obgleich Aufrhrer dich mit den Hufen
ihrer Pferde verwunden.  Wie eine lang von ihrem Kinde getrennte
Mutter, beym Wiedersehn lchelnd in zrtliche Thrnen zerfliet, so
gr' ich dich, zugleich weinend und lchelnd, meine Erde, und
drke dich an meine Knigliche Brust.  O, nhre nicht deines Knigs
Feind, holde Erde, und labe nicht mit deinen Erquikungen seinen
raubgierigen Muth: Sende die Schlangen, die deinen Gift in sich
saugen, und schwellende Krten in ihren Weg, ihre verrthrischen
Fsse zu verwunden, die mit gewaltthtigen Tritten dich stampfen;
und wenn sie eine Blume von deinem Busen pflken wollen, so
bewaffne sie, ich bitte dich, mit einer laurenden Natter, deren
zweygespizte Zunge den Tod in die Adern der Feinde deines Herrn
sprize.  Spottet nicht, Milords, da ich leblose Dinge beschwre;
diese Erde wird ein Gefhl haben, und diese Steine werden zu
bewaffneten Kriegern werden, eh ihr gebohrner Knig unter den
Waffen schndlicher Emprer fallen soll.

Bischoff.
Frchtet euch nicht, Gndigster Herr; diese Gewalt, die euch zum
Knige schuf, hat Macht genug, euch troz aller Welt als Knig zu
erhalten.  Aber wir mssen die Mittel ergreiffen, die uns der
Himmel anbietet.

Aumerle.
Seine Meynung ist, da wir zu schlfrig sind, Gndigster Herr, und
dem Bolingbroke Zeit lassen, durch unsre Sicherheit immer strker
zu werden.

Knig Richard.
Untrstlicher Vetter, weist du nicht, da wenn das forschende Auge
des Himmels hinter unsrer Halbkugel verborgen ist und der Unterwelt
leuchtet, da dann Diebe und Mrder ungesehn herumschleichen und
Rubereyen und blutige Gewalt verben; aber sobald die
wiederkehrende Sonne die stolzen Gipfel der stlichen Hgel glhen
macht, und ihr Licht durch jede verbrecherische Gruft blizt, da
dann Mord und Verrath und jede schndliche Snde, aus der
Finsterni schwarzem Mantel hervorgezogen, blo und nakend da stehn,
und ber sich selbst erzittern?  So, wenn dieser Ruber, dieser
verrthrische Bolingbroke, der whrend dieser ganzen Nacht, da wir
unsern Lauf bey den Antipoden vollbrachten, ungestrt
herumschwrmte, uns unsern Thron im Osten besteigen sehen wird,
werden seine Verrthereyen, in seinem schaamglhenden Angesicht
enthllt, den Tag nicht ertragen knnen, der sie vor ihrer eignen
grauenvollen Gestalt erzittern machen wird.  Alle Wasser der
ungestmen See sind nicht fhig, das geheiligte l von einem
gesalbten Knige wegzuwaschen; und der Athem sterblicher Menschen
kan denjenigen nicht entsezen, den der Herr zu seinem Statthalter
ernannt hat.  Fr einen jeden Mann, den Bolingbroke aufgetrieben
hat, sein Schwerdt gegen unsre Crone zu ziehen, hat der Himmel fr
seinen Richard einen glorreichen Engel in himmlischem Sold, und wo
Engel fechten, da mssen schwache Menschen fallen.--



Dritte Scene.
(Salisbury zu den Vorigen.)


Knig Richard.
--Willkommen, Milord, wie weit ist eure Macht entfernt?

Salisbury.
Weder nher noch ferner als dieser schwache Arm, mein Gndigster
Herr.  Ich habe trostlose Zeitungen zu bringen.  Ein einziger Tag
zu spt, hat alle deine glklichen Tage auf Erden umwlkt.  O ruffe
den gestrigen Tag zurk, befiehl der Zeit zurk zu kehren, und du
wirst zwlftausend streitbare Mnner haben.  Dieser Tag, dieser
einzige unglkselige Tag zu spt, vernichtet deine Freuden, deine
Freunde, dein Glk und deinen Stand.  Alle Welschen, haben, auf die
Zeitung von deinem Tode, sich zerstreut, oder sind zu Bolingbroke
bergegangen.

Aumerle.
Fasset Muth, Gndigster Herr, warum seht ihr so bla aus?

Knig Richard.
Nur noch vor einem Augenblik triumphierte das Blut von
zwanzigtausend Mann in meinem Gesicht, und nun sind sie
verschwunden; und bis wieder so viel Blut dahin zurk kommt, hab'
ich nicht Ursach bleich und todtenhaft auszusehen?  Die Zeit hat
meinen Stolz zuschanden gemacht, und wer seine Seele retten will,
flieht von meiner Seite.

Aumerle.
Beruhiget euch, Gndigster Herr, erinnert euch, wer ihr seyd.

Knig Richard.
Ich hatte mich selbst vergessen: Bin ich nicht ein Knig?  Erwache,
du schchterne Majestt, du schlfst!  Ist nicht des Knigs Name
soviel als vierzigtausend Namen?  Rste, rste dich, mein Name; ein
elender Unterthan druet deiner glnzenden Majestt.  Seht nicht so
auf den Boden, ihr Gnstlinge eines Knigs!  Sind wir nicht hoch?
Lat es uns wenigstens in Gedanken seyn.  Ich wei, mein Oheim York
hat ein ansehnliches Heer zu unserm Dienst aufgebracht.  Aber wer
kommt hier?



Vierte Scene.
(Scroop zu den Vorigen.)


Scroop.
Ein besseres Glk falle meinem Knige zu, als meine kummerbeladne
Zunge ihm ankndigen mu.

Knig Richard.
Mein Ohr ist offen, und mein Herz gerstet; das schlimmste was du
sagen kanst, ist nur zeitlicher Verlust.  Sagst du, mein Knigreich
sey verlohren?  Nun dann, es war meine Sorge; was fr ein Verlust
ist es, seiner Sorgen entlediget zu werden?  Strebt Bolingbroke so
gro zu werden als wir?  Grsser kan er nicht werden; und wenn er
doch immer ein Unterthan des Himmels bleibt, so bin ich das auch,
und so bleibt er meines gleichen.  Empren sich unsre Unterthanen?
Das knnen wir nicht ndern; sie brechen ihre Treue gegen Gott eben
sowol als gegen uns.  Ruffe immerhin Weh, Jammer, Verwstung, Fall,
Untergang; das schlimmste ist der Tod, und der Tod hat seinen
unvermeidlichen Tag.

Scroop.
Es erfreut mich, da Eure Majestt so gerstet ist, unglkliche
Nachrichten zu ertragen.  Wie ein ungestmer strmischer Tag, der
die Silberstrme so hoch ber ihre Ufer schwellen macht, als ob die
ganze Welt in Thrnen zerflossen wre: So hoch ber alle Schranken
schwellt Bolingbroks Wuth, und bedekt euer geschrektes Land mit
hartem schimmerndem Stahl, und mehr als sthlernen Herzen.  Weisse
Brte haben ihre nakten dnnbehaarten Schdel gegen deine Majestt
bewaffnet; Knaben mit Weiber-Stimmen bemhen sich grob zu reden,
und schmiegen ihre weiblichen Gelenke in unbiegsam Waffen gegen
deine Crone; ja selbst Kunkel-Weiber schwingen rostige Hellebarden.
Alte und Junge stehen gegen deinen Thron auf, und alles geht
schlimmer, als ich es auszusprechen vermag.

Knig Richard.
O nur zu gut, zu gut erzhlst du eine so bse Geschichte.  Wo ist
der Graf von Wiltschire?  Was ist aus Buschy worden?  Wo ist Green?
Da sie den Feind so ruhig sich ber unsre Grenzen haben
ausbreiten lassen?  Wenn wir die Oberhand erhalten, so sollen ihre
Kpfe davor bezahlen.  Ich zweifle nicht, sie haben ihren Frieden
mit Bolingbroke gemacht.

Scroop.
Sie haben Frieden mit ihm gemacht, in der That, Gndigster Herr.

Knig Richard.
O Bsewichter, Vipern, verdammte Verrther!  Hunde, die sich leicht
gewinnen lassen, einem jeden liebzukosen!  Schlangen, die ich in
meinem Busen erwrmte, und die nun mein Herz durchstechen!  Drey
Judasse, jeder dreymal rger als Judas!  Haben sie Frieden gemacht?
Die flammende Hlle bekriege ihre beflekten Seelen fr diese
Schandthat!

Scroop.
Die ssseste Liebe wird, wie ich sehe, wenn sie ihre Natur ndert,
zu bitterstem und tdtlichstem Ha.  Entlasset ihre Seelen wieder
euers Fluchs; sie haben ihren Frieden mit Kpfen gemacht, nicht mit
Hnden; diejenigen, denen ihr fluchet, haben des Todes
gewaltthtige Hand gefhlt, und ligen tief in geweihtem Grund.

Aumerle.
Ist Buschy, Green, und der Graf von Wiltschire todt?

Scroop.
Ja, alle drey verlohren zu Bristol ihre Kpfe.

Aumerle.
Wo ist denn der Herzog, mein Vater, mit seinen Vlkern?

Knig Richard.
O!  Frage nicht wo er ist; und niemand rede mehr von Trost!  Von
Grbern lat uns reden, von Wrmern und Grabschriften; lat uns den
Staub zu unserm Papier machen, und mit regnenden Augen unsern
Jammer auf den Busen der Erde schreiben.  Lat uns von Testamenten
reden, und unsre Ausrichter erwhlen--doch nein--Was knnen wir
vermachen, als unsre abgelegte Leiber der Erde?  Unsre Lnder,
unser Leben, alles ist Bolingbroks, und wir knnen nichts unser
nennen als den Tod, und dieses Bichen Erde, das unsre Gebeine
deken wird.  Ums Himmels willen!  lat uns hier auf den Boden
niedersizen, und einander melancholische Geschichten vom Tod der
Knige erzhlen; wie einige entsezt, andre im Krieg erschlagen
worden; andre von den Geistern derjenigen verfolgt, so sie aus dem
Wege gerumt hatten; andre von ihren Weibern vergiftet, andre im
Schlaf umgebracht, alle ermordet!--denn in der holen Crone, die
eines Knigs sterbliche Schlfe umfat, hlt der Tod seinen Hof; da
sizt das groteske Ungeheuer und spottet mit grinsendem Lcheln
seines Pomps, erlaubt ihm einen Athem-Zug, eine kleine Scene lang
zu herrschen, gefrchtet zu werden, und mit Bliken zu tdten,
lispelt ihm eitle schwlstige Gedanken ein, als ob das Fleisch,
worinn sein Leben eingeschlossen ist, unzerstrbares Metall sey;
und wann er ihn so bethrt hat, kommt er zulezt, durchbort mit
einer kleinen Steknadel seine Schlfe, und gute Nacht Knig!--
Bedekt eure Hupter, und verspottet nicht Fleisch und Blut mit
feyrlicher Ehrerbietung; werfet Ehrfurcht, Titel, Ceremoniel, und
alle diese Zeichen der Unterwrfigkeit weg; ihr habt mich diese
ganze Zeit her mikannt.  Ich lebe von Athem wie ihr, ich habe
Bedrfnisse wie ihr, fhle Schmerzen, habe Freunde vonnthen, wie
ihr; so abhngig, wie ich also bin, wie knnt ihr mir sagen: ich
sey ein Knig?

Bischoff.
Gndigster Herr, weise Mnner bejammern niemals ihre gegenwrtigen
bel, sondern kommen gegenwrtig den beln zuvor, die sie knftig
bejammern mten.  Den Feind frchten, giebt, da die Furcht die
Strke schwcht, dem Feind einen Zuwachs von Strke in unsrer
Schwche, und so haben wir an unsrer eignen Thorheit einen Feind
mehr.  Frchtet euch, so seyd ihr geschlagen; kan es euch schlimmer
gehen, wenn ihr euch wehret?  Fechtet ihr und kommt um, so sterbt
ihr doch edler, als wenn ihr aus Zagheit umkommt.

Aumerle.
Mein Vater hat Truppen; schiket nach ihm, und lernet aus einem
Gliedma einen Leib machen.

Knig Richard.
Du beschiltst mich mit Recht.  Stolzer Bolingbroke, ich komme, um
durch Streiche deinen oder meinen lezten Tag zu entscheiden.
Dieser fiebrische Schauer von Furcht ist vorber; es ist eine
leichte Arbeit zu gewinnen was unser eigen ist.  Sage, Scroop, wo
ligt unser Oheim mit seiner Macht?  Antworte etwas besseres, als
deine dstern Blike versprechen.

Scroop.
Wol mgt ihr aus meinen dstern und kummerbeladnen Augen urtheilen,
da meine Zunge noch eine bsere Zeitung zu erzhlen hat, wie man
aus der Beschaffenheit des Himmels auf das heitre oder ungestme
Ende eines Tages zu schliessen pflegt.  Ich mache den Peiniger,
indem ich das rgste was ich sagen mu, in die Lnge ziehe.  Euer
Oheim York hat sich mit Bolingbroke vereiniget, alle eure
Nordischen Schlsser sind bergeben, und aller euer sdlicher Adel
ist in Waffen auf seiner Parthey.

Knig Richard.
Du hast genug gesagt.  Wehe dir, Vetter, da du mich von diesem
guten Weg, worauf ich war, in Verzweiflung gefhrt hast.  Was sagt
ihr izt?  Was fr Hoffnung haben wir nun?  Beym Himmel!  ich hasse
den auf ewig, der mir zumuthen will, noch etwas zu hoffen.  Geht
nach Flint-Castle, dort will ich mich ungestrt dem Gefhl meines
Jammers berlassen.  Entlasset die Mannschaft die ich noch habe,
lat sie zu demjenigen gehen, der Hoffnung hat zu steigen.  Ich
habe keine mehr.  Wende mir niemand etwas gegen di ein; aller Rath
ist umsonst.

Aumerle.
Nur ein Wort, Gndigster Herr--

Knig Richard.
Schmeicheleyen in solchen Umstnden worinn ich bin, machen meine
Wunden nur tiefer.  Entlat meine Leute; lat sie gehen, lat sie
aus Richards Nacht in Bolingbroks aufgehenden Tag.

(Sie gehen ab.)



Fnfte Scene.
(Bolingbroks Lager bey Flint.)
(Ein Aufzug mit Trummeln und Fahnen, Bolingbroke, York,
 Northumberland und Gefolge treten auf.)


Bolingbroke.
Diese Nachricht belehrt uns also, da die Welschen zerstreut sind,
und da Salisbury dem Knige entgegengegangen ist, der mit einer
kleinen Anzahl von Freunden krzlich an dieser Kste angelndet ist.

Northumberland.
Die Zeitung ist schn und gut, Milord; Richard hat sein Haupt nicht
weit von hier verborgen.

York.
Es wrde dem Lord Northumberland nicht bel anstehen, zu sagen,
Knig Richard.  O!  des unglklichen Tags, da ein geheiligter Knig
sein Haupt verbergen mu!

Northumberland.
Euer Gnaden nimmt mir's anders auf als es gemeynt war; ich lie
seinen Titel nur aus, um krzer zu seyn.

York.
Es war eine Zeit, wo ich es euch nicht gerathen haben wollte, so
kurz mit ihm zu seyn, wenn es euch nicht gleichgltig gewesen, da
er es so sehr mit euch sey, um euch eure ganze Kopfslnge krzer zu
machen.

Bolingbroke.
Nehmet seinen Ausdruk nicht bler auf als recht ist, mein Oheim.

York.
Und nehmet ihr nicht mehr als recht ist, mein guter Neffe; oder ihr
verget zulezt, da der Himmel ber euerm Haupt ist.

Bolingbroke.
Ich wei es, mein Oheim, und widerseze mich seinem Willen nicht.
Wer kommt hier?  (Percy zu den Vorigen.) Willkommen, Harry!  Wie?
Will sich dieses Schlo noch nicht ergeben?

Percy.
Das Schlo ist gegen euern Einzug kniglich bemannt, Milord.

Bolingbroke.
Kniglich?  Wie, enthlt es denn einen Knig?

Percy.
Ja, Milord, es enthlt einen Knig; Knig Richard ligt innert dem
Bezirk von jenem Leim und Stein, und bey ihm Lord Aumerle, Lord
Salisbury, Sir Stephan Scroop, und noch ein Geistlicher von
heiligem und ehrfurchtwrdigem Ansehn, dessen Name ich nicht
erfahren konnte.

Northumberland.
Vermuthlich der Bischoff von Carlisle.

Bolingbroke (zu Northumberland.)
Mein edler Lord, geht vor die Mauren dieses alten Schlosses,
fordert durch die eherne Stimme der Trompete eine Unterredung, und
sprecht so: Heinrich von Bolingbroke ksse auf seinen Knien Knig
Richards Hand, und sende ihm die Versicherung seiner
Unterthnigkeit und aufrichtigen Treue gegen seine Knigliche
Person; sagt ihm, ich sey in dem nemlichen Augenblik bereit, meine
Waffen und Vlker zu seinen Fssen niederzulegen, in welchem er mir
die Widerruffung meiner Landes-Verweisung und die Wieder-Einsezung
in meine Gter freywillig garantiren wolle; wo nicht, so werde ich
mich des Vortheils meiner Macht bedienen, und den Sommer-Staub mit
Regen von Blut legen, die aus den Wunden erschlagner Englnder sich
ergiessen sollen.  Wie entfernt aber von Bolingbroks Herzen der
Gedanke sey, da ein solch blutiges Ungewitter den frischen grnen
Schoo von Knig Richards Land berschwemmen solle, davon knne ihn
meine Migung und Entfernung von allem pflichtwidrigen Gebrauch
meiner Obermacht berzeugen.  Geht, erklrt ihm dieses, indessen
da wir ohne das Getse drohender Trummeln ber diese Ebne
fortziehen, damit unser Betragen, von den zerfallnen Zinnen dieses
Schlosses beobachtet, die Wahrheit unsrer Erklrung bekrftige.
Mich ducht, Knig Richard und ich sollten uns mit nicht mindern
Schreknissen begegnen, als die Elemente des Feuers und des Wassers,
wenn ihr donnernder Zusammensto die bewlkten Wangen des Himmels
mit Thrnen badet.  Ist er das Feuer, so will ich das nachgiebige
Wasser seyn; er mag rasen, inde da ich meine Wasser auf die Erde
regne; auf die Erde, nicht auf ihn.  Nhert euch den Mauren--Milord,
und beobachtet die Fassung des Knigs genau.



Sechste Scene.
(Aufforderung von aussen, Antwort von innen; Trompeten-Klang,
 Knig Richard, Bischoff von Carlisle, Aumerle, Scroop und Salisbury
 kommen auf die Mauren.)


York.
Seht, seht, der Knig tritt selbst hervor, gleich dem von Unmuth
errthenden Phbus, wenn er, aus der glhenden Pforte des Morgens
hervorgehend, neidische Wolken gewahr wird, die sich vereiniget
haben, seinen Glanz zu verhllen, und die Pracht seines
schimmernden Zugs nach Westen zu verdunkeln.  Und doch sieht er wie
ein Knig; seht, wie sein Auge, glnzend wie eines Adlers,
herrschende Majestt um sich her blizt.  O beweinenswrdig, da
eine so schne Gestalt durch irgend einen Unfall entstellt werden
soll.

Knig Richard (zu Northumberland.)
Wir befremden uns, und stehen schon lange hier, auf die
ehrfurchtvolle Beugung deiner Knie zu warten, indem wir uns selbst
fr deinen gesezmigen Knig hielten; und sind wir's, wie drfen
sich deine Gelenke vergessen, den schuldigen Tribut der
Unterthnigkeit unsrer Gegenwart zu bezahlen?  Sind wir's aber
nicht, so zeige uns die Hand Gottes, die uns unsrer
Statthalterschaft entlassen hat.  Denn das wissen wir, da keine
Hand von Blut und Knochen, ohne Entweihung, Diebstal und Verrath,
nach unserm geheiligten Scepter greiffen kan.  Und ob ihr gleich
denkt da alle von uns abgefallen, und wir allein und von Freunden
entblt gelassen seyen, so sollt ihr doch wissen, der Allmchtige,
mein Herr, mustert um euertwillen Heere von Plagen in seinen Wolken,
die euch treffen werden, euch, die ihre Vasallen-Hnde gegen mich
aufgehoben und der Majestt meiner Crone gedruet haben, euch, und
eure noch ungebohrnen Kinder.  Sagt dem Bolingbroke, (denn dort,
ducht mich, ist er,) da ein jeder Schritt den er in meinem Lande
macht, Hochverrath ist--Er ist gekommen, das purpurne Testament des
blutigen Kriegs zu ffnen; aber eh die Crone, nach der er strebt,
ruhig auf sein Haupt herabsteigen wird, sollen zehentausend blutige
Cronen von Mutter-Shnen die Blume von Englands Antliz entstellen,
die Farbe ihres jungfrulich-blassen Friedens in feurigen Grimm
verwandeln, und ihre fetten Weiden mit getreuem Englischem Blut
bethauen.

Northumberland.
Der Knig des Himmels verwehre, da unser Herr, der Knig, so mit
brgerlichen und unbrgerlichen Waffen angefallen werden solle!
Nein, dein edler Vetter, Heinrich von Bolingbroke, kt voll
Ehrfurcht deine Hand, und schwrt, bey dem ehrenvollen Grabmal, das
auf euers beydseitigen Ahnherrn kniglichen Gebeinen ruht, bey der
geheiligten Quelle euers gemeinschaftlichen Bluts, und bey der
Helden-Hand seines verstorbnen Vaters, und bey seiner eignen Wrde
und Ehre schwrt er, da seine Ankunft keinen andern Zwek hat, als
die Besiznehmung von seinen eignen Gerechtsamen und Gtern, deren
Zurkgab er auf seinen Knien erbittet.  Wird bey euerm Kniglichen
Wort ihm nur dieses zugestanden, so will er seine blinkenden Waffen
dem Rost berlassen, seine langmhnichten Rosse den Stllen, und
sein Herz dem getreuen Dienst Eurer Majestt.  Di schwrt er, so
wahr er ein Prinz ist, und so wahr ich ein Edelmann bin, glaub' ich
seinen Schwur.

Knig Richard.
Northumberland, sag' ihm, so antwortet der Knig: Sein edler Vetter
ist sehr willkommen, und alle seine Forderungen, so viel ihrer seyn
mgen, sollen ohne Widerspruch zugestanden seyn.  Sag' ihm in
unserm Namen so viel verbindliches und freundschaftliches, als du
nur immer kanst.--

(zu Aumerle.)

Wir erniedrigen uns, Vetter, nicht wahr, da wir so armselig
aussehen, und so gute Worte geben?  Sollen wir Northumberland zurk
ruffen, den Verrther herausfordern lassen, und so sterben?

Aumerle.
Nein, Gndigster Herr, bis die Zeit uns Freunde leiht, und unsre
Freunde ihre Schwerdter, bleibt uns nichts brig als mit Worten zu
fechten.

Knig Richard.
O Gott!  o Gott!  da diese meine Zunge, die das Urtheil der
Verbannung ber jenen stolzen Mann ausgesprochen, dahingebracht
seyn soll, es mit liebkosenden Worten zurkzunehmen!  o da ich so
gro wre als mein Schmerz, oder kleiner als mein Name; O da ich
vergessen knnte was ich gewesen bin, oder nicht fhlte was ich izt
bin!  Schwillst du auf, stolzes Herz?  Ich gebe dir alle Freiheit,
schlage wie du willt, da meine Feinde die Freyheit haben, dich und
mich zu schlagen.

Aumerle.
Northumberland kommt von Bolingbroke zurk.

Knig Richard.
Was mu der Knig noch mehr thun?  Mu er sich unterwerfen?  Der
Knig soll es thun.  Mu er abgesezt werden?  Der Knig soll sich's
gefallen lassen.  Mu er auch dem Namen eines Knigs entsagen?  In
Gottes Namen, es sey so.  Ich will meine Juweelen fr einen
Rosenkranz geben, meinen Palast fr eine Einsiedeley, meine
schimmernden Kleider fr einen Bettlers-Mantel, mein goldnes
Geschirr fr einen hlzernen Teller; meinen Scepter fr einen
Pilgrims-Stab, meine Unterthanen fr ein Paar geschnizte Heilige,
und mein grosses Knigreich fr ein kleines Grab; ein kleines,
kleines Grab--ein dunkles Grab!--Oder ich will auf des Knigs
Landstrasse begraben werden, auf einem ungangbaren Weg, wo meiner
Unterthanen Fsse stndlich auf ihres Knigs Haupt trappen mgen;
denn auf mein Herz treten sie, da ich noch lebe; warum nicht auf
mein Haupt, wenn ich begraben bin?--Aumerle, du weinst?  Mein
weichherziger Vetter!  Wir wollen bses Wetter mit unsern
verachteten Thrnen machen; unsre Seufzer und Thrnen sollen das
Sommer-Korn legen, und eine Theurung in dieses rebellische Land
bringen.  Oder wollen wir uns aus unserm Jammer eine Kurzweile
machen?  Irgend ein artiges Spiel aus unsern fliessenden Thrnen?
Als etwann, sie so lange an den nemlichen Ort tropfen zu lassen,
bis sie uns ein paar Grber in die Erde eingefressen haben; und
wenn wir da ligen--Hier ligen zween Freunde, die sich ihr Grab mit
ihren Thrnen gegraben haben.  Wrde uns das unser Elend nicht
versssen?  Wohl, wohl, ich sehe, ich rede phantastisch, und ihr
lachet ber mich.  Gromchtigster Prinz, Milord Northumberland,
was sagt der Knig Bolingbroke?  Will seine Majestt dem Richard
erlauben zu leben, bis Richard stirbt?  Ihr macht einen Scharr-Fu,
und Bolingbroke sagt, ja.

Northumberland.
Gndigster Herr, er wartet in dem Hofe, mit euch zu reden; gefllt
es euch herunter zu kommen?

Knig Richard.
Herunter, herunter komm ich, wie der schimmernde Phaeton, da er die
unbndigen Sonnen-Pferde nicht zu regieren wute.  In den Hof
herunter, ein Knig in den Hof herunter, auf den Ruf eines
Verrthers, um ihm seine Begnadigung zu geben.  Herunter dann,
Knig, herunter!

Bolingbroke.
Was sagt seine Majestt?

Northumberland.
Kummer und Sorgen machen ihn wunderlich, und wie ein Mann der nicht
recht bey sich selbst ist, reden.  Izt ist er da.

Bolingbroke (kniend.)
Tretet alle zurk, und bezeuget Sr.  Majestt eure schuldige
Ehrfurcht.  Mein Gndigster Herr--

Knig Richard.
Mein edler Vetter, ihr demthiget eure frstlichen Knie zu tief,
indem ihr die niedrige Erde stolz macht sie zu berhren.  Mir wre
lieber, wenn mein Herz eure Liebe fhlte, als da mein
unbefriedigtes Aug' eure Hflichkeit sieht.  Auf, Vetter, auf; euer
Herz ist zum wenigsten so hoch,

(er deutet mit der Hand auf seine Crone)

wenn eure Knie schon so niedrig sind.

Bolingbroke.
Mein Gndigster Herr, ich komme nur fr das, was mein eigen ist.

Knig Richard.
Euer Eigenthum ist euer, ich bin euer, alles ist euer.

Bolingbroke.
In so fern mge Eure Majestt mein seyn, mein Gndigster Souverain,
als meine getreuen Dienste eure Liebe verdienen werden.

Knig Richard.
Ihr verdienet alles; wer verdient mehr zu haben, als wer den
sichersten und krzesten Weg kennt, zu gewinnen?  Oheim, gebt mir
eure Hand; nein, troknet eure Augen; Thrnen sind nur hlflose
Zeichen der Liebe.  Vetter, ich bin zu jung euer Vater zu seyn, ob
ihr gleich alt genug seyd, mein Erbe zu seyn.  Ich will euch geben
was ihr haben wollt, und noch dazu mit Willen.  Denn warum sollen
wir nicht wollen, was wir mssen?  Ziehet fort nach London.  Ist
das nicht eure Absicht, Vetter?

Bolingbroke.
Ja, Gndigster Herr.

Knig Richard.
So darf ich nicht nein sagen.

(Trompeten.  Sie gehen ab.)



Siebende Scene.
(Ein Garten im Hofe der Knigin.)
(Die Knigin tritt mit zwoen Damen auf.)


Knigin.
Was fr eine Kurzweil wollen wir uns in diesem Garten machen, um
unsre kummervolle Gedanken zu vertreiben?

Lady.
Gndigste Frau, wir wollen mit Kugeln spielen.

Knigin.
Das wrde mich denken machen, da die Welt voller Rauhigkeit und
Zaken ist, und da mein Glk, wie eine Kugel, die ihre Kraft
verlohren hat, seitwrts rennt.

Lady.
Madam, so wollen wir tanzen.

Knigin.
Meine Fsse knnen kein Maa* im Vergngen halten, wenn mein armes
Herz kein Maa in seinem Kummer hlt.  Also nichts vom Tanzen,
Mdchen; irgend ein andres Spiel.

{ed.-* Wortspiel mit dem Wort (measure), welches Cadenz, und Maa
heit.}

Lady.
So wollen wir Mhrchen erzhlen, Gndigste Frau.

Knigin.
Traurige oder lustige?

Lady.
Von beyderley Gattung, Madam.

Knigin.
Von keiner von beyden, Mdchen.  Die Frlichen wrden nur die
Erinnerung meiner Schmerzen desto lebhafter machen, weil sie mir
die Freude zeigten, die mir fehlt; und die Traurigen wrden noch
mehr Bekmmerni zu derjenigen hinzuthun, die ich schon habe.

Lady.
So wollen wir singen, Gndigste Frau.

Knigin.
Es ist gut, wenn du Ursache dazu hast; aber du wrdest mir besser
gefallen, wenn du weinen wrdest.

Lady.
Ich knnte wol weinen, Gndigste Frau, wenn es euch besser machte.

Knigin.
Und ich knnte weinen, wenn mir weinen besser machte, ohne da ich
eine Thrne von dir entlehnen mte.  Aber warte, hier kommen die
Grtner.  Wir wollen uns in den Schatten dieser Bume verbergen--
Sie werden vom Staat reden, wie alle Welt, wenn eine Vernderung im
Werk ist.  (Ein Grtner mit zween Garten-Jungen tritt auf;
die Knigin und ihre Damen treten bey Seite.)

Grtner.
Geh, binde du jene hngenden Apricosen auf, die, wie ungerathene
Kinder, ihren Vater durch ihr verschwendrisches Gewicht zu Boden
ziehen; unterstze ein wenig die neigenden Zweige.  Geh du, und
haue, gleich einem Nachrichter, die Kpfe der zu
hochaufschiessenden Stauden-Gewchse ab, die zu bermthig in
unserm gemeinen Wesen aussehen.  In unsrer Regierung mu alles eben
seyn.  Unterdessen da ihr so beschftigst seyd, will ich gehen,
und das unnze Unkraut ausjten, das den gesunden Pflanzen die
Nahrung entzieht.

Junge.
Wie verlangt ihr von uns, da wir in dem Bezirk eines Zauns, Geseze,
Form, und gehriges Ebenmaa beobachten, und wie in einem Model
einen wolgeordneten Staat zeigen?  Inde da unser vom Meer
eingeschloner Garten, das ganze Land voller Unkraut ist, seine
schnsten Blumen zerknikt, seine fruchtbaren Bume alle ungepuzt,
seine Zune eingerissen, seine Knoten alle verwirrt sind, und seine
heilsamen Gewchse von Raupen wimmeln?

Grtner.
Schweige du; derjenige, dessen Frhling so wild und zgellos war,
hat nun den Fall seiner Bltter erfahren.  Der Epheu, der unter dem
Schirm seiner weitverbreiteten Zweige emporwuchs, und ihn zu
unterstzen schien, indem er ihn aussog, ist aller bis auf die
Wurzeln, von Bolingbroke ausgereutet worden; ich meyne den Grafen
von Wiltschire, Buschy, und Green.

Junge.
Was, sind sie todt?

Grtner.
Das sind sie, und Bolingbroke hat sich des verunglkten Knigs
bemchtiget.  Wie beklagenswerth ist es, da er sein Land nicht so
gehalten hat, wie wir unsern Garten.  Wir verwunden die Rinde
unsrer Frucht-Bume, weil der zu grosse berflu von Saft sie geil
und ppig machen, und durch zuviel Reichthum zu grund richten wrde.
Htte er es mit den Menschen so gemacht, die zu gro und ppig
wuchsen, sie mchten die Zeit erlebt haben da sie ihm nzliche
Frchte getragen, und er, da er sie gekostet htte.  Wir schneiden
alle berfligen ste weg, damit die tragenden Zweige leben mgen;
htt' er's auch so gemacht, so wrd' er selbst die Crone getragen
haben, die ihm Verschwendung und Miggang so bald vom Haupte
gerissen.

Junge.
Was?  denkt ihr dann, der Knig werde abgesezt werden?

Grtner.
Unterdrkt ist er schon, und abgesezt wird er ohne Zweifel werden.
Es sind in verwichner Nacht Briefe von einem Freund des Herzogs von
York angekommen, welche schlimme Zeitungen erzhlen.

Knigin.
O, ich werde zu todt gepret, wenn ich lnger schweige--Du Ebenbild
Adams, in diesen Garten gesezt, seiner zu pflegen, wie untersteht
sich deine Zunge so leidige Zeitungen anzukndigen.  Was fr eine
Eva, was fr eine Schlange hat dir eingegeben, einen zweyten Fall
des verfluchten Menschen zu machen?  Wie, sagst du, Knig Richard
ist entsezt?  Darfst du, kaum ein bessers Ding als die Erde die du
grbst, seinen Fall weissagen?  Sprich, wo, wenn und wie kamst du
zu dieser bsen Zeitung?  Sprich, du Unglkseliger!

Grtner.
Verzeihet mir, Madam.  Ich habe wenig Freude davon, diese
Neuigkeiten zu sagen, aber man versichert, da sie wahr seyen.
Knig Richard ist in Bolingbroks mchtiger Gewalt.  Ihr Glk wird
gegen einander abgewogen.  In euers Herrn Waagschale ist nichts als
er selbst, und etliche wenige Eitelkeiten, die ihn leicht machen;
aber in der Schaale des grossen Bolingbroks ligen, ausser ihm
selbst, alle Pairs von England, und mit diesen wiegt er den Knig
Richard zu Boden.  Eilet nur nach London, und ihr werdet es so
finden; ich sage nichts, als was jedermann wei.

Knigin.
Du behendes Unglk, das so leicht auf den Fssen ist, geht deine
Gesandtschaft nicht mich an?  Warum bin ich dann die lezte, die sie
erfhrt?  O du denkst mich auf die Lezte zu sparen, damit ich deine
Schmerzen desto lnger fhle.  [** Kommt, Ldies, wir wollen gehen,
um in London Londons Knig im Jammer aufzusuchen.  Wie, ward ich
hiezu gebohren, da mein gedemthigter Blik den Triumph des stolzen
Bolingbroks vermehren soll?  Grtner, fr diese Zeitung, die du mir
erzhlt hast, wnsch' ich, da die Pflanzen, die du pflanzest,
nimmer wachsen mgen.

{ed.-** Was in [ ] eingeschlossen ist, sind Reime im Original.}

(Sie geht ab.)

Grtner.
Arme Knigin, mchte, wenn es dir helfen knnte, dein Fluch an
meinem Fleisse wahr werden!--Hier lie sie eine Thrne fallen;--
hier, an diesem Ort will ich einen Rautenstok sezen, zum Andenken,
da eine Knigin hier geweint hat.]

(Geht ab.)




Vierter Aufzug.



Erste Scene.
(Der Parlament-Saal in London.)
(Bolingbroke, Aumerle, Northumberland, Percy, Fizwater, Surrey,
 der Bischoff von Carlisle, der Abbt von Westmnster, Herolde,
 Officianten, Gerichtsdiener, und Bagot, treten auf.)


Bolingbroke.
Ruft den Bagot hervor--Sage nun ohne Scheu, was du von Glosters
Tode weist; wer half dem Knige dazu, und wer vollbrachte diese
unglkselige That?

Bagot.
Wenn ihr das wissen wollt, so stellt mir den Lord Aumerle vor die
Augen.

Bolingbroke.
Vetter, tritt hervor, und sieh' diesem Mann in die Augen.

Bagot.
Milord Aumerle, ich wei eure edelmthige Zunge verschmht es, zu
lugnen was sie einmal gesagt hat.  In jener Zeit, da Glosters Tod
angezettelt wurde, hrte ich euch sagen: Ist mein Arm nicht lang
genug, da er von dem ruhigen Englischen Hof bis nach Calais an
meines Oheims Kopf reicht?  Unter vielen andern Reden, hrt ich
euch damals auch dieses sagen: Ihr wolltet eher hunderttausend
angebotne Cronen ausschlagen, als da Bolingbroke nach England
zurk komme; und ihr seztet hinzu, wie glklich dieses euers
Vetters Tod dieses Land machen wrde.

Aumerle.
Prinzen und Milords, was fr eine Antwort soll ich diesem
niedertrchtigen Mann geben?  Soll ich meine schnen Sterne so sehr
entehren, und ihm wie einem der meines gleichen ist, antworten.
Und doch mu ich, oder ich mu es leiden, meine Ehre von dem Geifer
seiner verlumderischen Zunge beflekt zu sehen.  Hier ist mein
Pfand,

(er wirft seinen Handschuh hin,)

das Siegel des Todes, da dich fr die Hlle auszeichnet.  Du
liegst, und ich will, da es falsch ist was du sagst, mit deinem
Herzens-Blut beweisen, so unwrdig es auch ist, den Stahl meines
ritterlichen Schwerdts zu besudeln.

Bolingbroke.
Bagot, nim dich in Acht; du sollt es nicht aufheben.

Aumerle.
Einen einzigen ausgenommen, wollt' ich, der Beste in dieser
Versammlung htte mich so herausgefordert.

Fizwater.
Wenn du es zufrieden bist, da ein andrer seinen Plaz nehme, so ist
hier mein Pfand gegen das Deinige.  Bey dieser schnen Sonne, die
mir zeigt, wo du stehst, ich hrte dich sagen, und du sprachst es
mit einem pralerischen Ton, du seyest die Ursach von des edlen
Glosters Tod gewesen.  Wenn du das lugnest, so lgst du eine
zwanzigfache Lge, und mit diesem meinem Schwerdt will ich sie in
dein Herz zurk stossen, worinn sie ausgebrtet wurde.

Aumerle.
Feige Memme, du hast das Herz nicht, so lange zu leben, da du
diesen Tag sehest.

Fizwater.
Bey meiner Seele, ich wollt' es wre in dieser Stunde.

Aumerle.
Fizwater, di verdammt dich zur Hlle.

Percy.
Aumerle, du lgst; o seine Ehre ist in dieser Anklage so rein, als
du ein Bsewicht bist.  Und da du es bist, das will ich, hier ist
mein Pfand dafr, bis zum lezten Lebens-Athem an dir beweisen.
Heb' es auf, wenn du Muth hast.

Aumerle.
Und wenn ich es nicht thue, o dann verdorre meine Hand, und
schwinge niemals wieder den rchenden Stahl ber den Helm meiner
Feinde!  Wer beschuldigt mich noch mehr?  Beym Himmel, ich nehm' es
mit allen auf Ich habe tausend Geister in meiner Brust, um
zwanzigtausend solchen wie ihr seyd, zu antworten.

Surrey.
Milord Fizwater, ich erinnre mich der Zeit sehr wol, da Aumerle und
ihr euch mit einander sprachet.

Fizwater.
Milord, es ist wahr; ihr waret dabey, und ihr knnt mir Zeugni
geben, da es wahr ist.

Surrey.
So falsch, beym Himmel, als der Himmel selbst wahrhaft ist.

Fizwater.
Surry, du lgst.

Surrey.
Ehrloser Bube, diese Lge soll so schwer auf meinem Schwerdte ligen,
da es Rache ber Rache nehmen soll, bis du, der mich lgen hie,
und deine Lge, so ruhig in der Erde ligen als deines Vaters
Schdel.  Zu dessen Bewei, ist hier das Pfand meiner Ehre;
verbinde dich zum Kampf, wenn du das Herz hast.

Fizwater.
Wie unnthig spornst du ein feuriges Ro!  Wenn ich das Herz habe
zu essen, zu trinken, Athem zu holen, so hab' ich auch das Herz,
Surrey in einer Wildni aufzusuchen, und ihn anzuspeyen, indem ich
ihm sage, da er lgt, und lgt, und lgt: Hier ist mein Pfand, da
ich dich zur Straffe ziehen will.  So wahr ich in dieser neuen Welt
zu gedeyhen wnsche, Aumerle ist meiner wahrhaften Anklage schuldig.
berdem hrte ich den verbannten Norfolk sagen, du Aumerle,
habest zween von deinen Leuten abgeschikt, den Herzog zu Calais zu
ermorden.

Aumerle.
Ist kein ehrlicher Christ hier, der mir einen Handschuh leiht,
damit ich sagen kan, da Norfolk lgt; hier zieh ich diesen ab, da
ich es auf ihn beweisen will, wenn er zurkberuffen werden mag.

Bolingbroke.
Alle diese Hndel sollen zur Entscheidung ausgesezt bleiben, bis
Norfolk zurkberuffen ist; und das soll er werden, und, ob er
gleich mein Feind ist, in alle seine Herrschaften wieder eingesezt;
wenn er wieder da ist, soll er gegen Aumerle seinen Beweis machen.

Carlile.
Dieser ehrenvolle Tag wird nie gesehen werden.  Eine lange Zeit hat
der verwiesne Norfolk fr Jesum Christum, in glorreichen blutigen
Kmpfen fr die Ehre des heiligen Creuzes, mit schwarzen Heiden,
Trken und Saracenen gefochten; hernach, von der kriegrischen
Arbeit abgemattet, nach Italien sich zurkgezogen, und endlich zu
Venedig seinen Leib dieser anmuthsvollen Erde, seine reine Seele
aber Christo, seinem Feldherrn, gegeben, unter dessen Fahne er so
lange gestritten hatte.

Bolingbroke.
Wie, Bischoff, ist Norfolk todt?

Carlile.
So gewi ich lebe, Milord.

Bolingbroke.
Seliger Friede fhre seine Seele in Abrahams Schoo!--Milords
Appellanten, eure Hndel sollen alle auf den gewechselten Pfndern
beruhen, bis wir euch den Tag zu eurer Probe angesezt haben.



Zweyte Scene.
(York zu den Vorigen.)


York.
Grosser Herzog von Lancaster, ich komme zu dir von dem berupften
Richard abgeschikt, der mit williger Seele dich zu seinem Erben
annimmt, und seinen hohen Scepter in deine knigliche Hand
bergiebt.  Besteige also seinen Thron, als nunmehr von ihm
abstammend, und lang lebe Knig Heinrich der vierte!

Bolingbroke.
In Gottes Namen, will ich den kniglichen Thron besteigen.

Bischoff von Carlisle.
Das verhte der Himmel!  So schlimm das scheinen oder aufgenommen
werden mag, was ich in dieser kniglichen Gegenwart reden werde, so
anstndig ist es mir, die Wahrheit zu sagen.  Wollte Gott, da
einer in dieser edeln Versammlung edel genug wre ein aufrichtiger
Richter des edeln Richards zu seyn; denn ein wahrer Edelmuth wrde
ihn eine so ungerechte That verabscheuen lehren.  Welcher Unterthan
kan ein Urtheil ber seinen Knig sprechen?  Und wer sizt hier, der
nicht Richards Unterthan ist?  Diebe, so sehr auch die Umstnde
wider sie zeugen, werden nicht gerichtet, ohne da man sie gehrt
hat.  Und soll das Bild der Gttlichen Majestt, sein Hauptmann,
und selbsterwhlter Statthalter, gesalbt, gekrnt, und eingethront,
von seinen Unterthanen verurtheilt werden, und er selbst nicht
dabey zugegen seyn?  O verht' es, gerechter Himmel!  da in einem
Christlichen Lande, unter einem gesitteten Volk eine so scheuliche,
schwarze, unfltige That gesehen werde!  Ich rede zu Unterthanen,
und als ein Unterthan; vom Himmel angetrieben red' ich so khn,
denn ich rede fr meinen Knig.  Milord von Hereford hier, den ihr
Knig nennt, ist ein schndlicher Verrther an Herefords Knig.
Und wenn ihr ihn krnt, so lat mich propheceyen, Englisches Blut
wird den Boden dngen, und knftige Zeitalter um dieser Schandthat
willen chzen.  Der Friede wird zu den Trken und Unglubigen
schlafen gehen, und in diesem Siz des Friedens, aufrhrischer Krieg,
Brder gegen Brder, und Brger gegen Brger erhizen.  Unordnung,
ruchlose Gewalt, Mitrauen und Aufruhr wird hier wohnen, und dieses
mit Menschen-Schdeln bedekte Land Golgatha genennt werden.  O wenn
ihr das knigliche Haus gegen das knigliche Haus emprt, so wird
die jammervolleste Zwietracht daraus entstehen, die jemals auf
diesem verfluchten Erdboden gewthet hat.  O!  vermeidet sie,
widerstehet, lat es nicht so seyn, oder die Kinder eurer Kinder
werden Weh ber euch schreyen.

Northumberland.
Ihr habt vortrefflich gesprochen, Herr, und fr eure Mhe nehmen
wir euch hier wegen Hochverraths in Verhaft.  Milord von
Westmnster, lat es eure Sorge seyn, ihn bis zum Tag seines
Verhrs wol zu verwahren.  Gefllt es euch, Milords, die Bitte der
Gemeinen zu bewilligen?

Bolingbroke.
Bringet Richarden hieher, damit er vor allen Augen das Reich
bergebe: auf diese Art wird aller Verdacht gehoben.

York.
Ich will sein Fhrer seyn.

(Er geht ab.)



Bolingbroke.
Diejenigen von euch, Milords, die hier unter unserm Arrest sind,
mgen fr ihre Sicherheit auf den Tag ihrer Antwort besorgt seyn.
Wir sind ihrer Liebe wenig schuldig, und haben uns wenig Beystand
von ihnen zu versehen gehabt.



Dritte Scene.
(Knig Richard und York zu den Vorigen.)


Knig Richard.
Himmel, warum werde ich vor einen Knig vorgefordert, eh ich die
kniglichen Gedanken abgeschttelt habe, womit ich regierte?  Ich
habe noch nicht lernen knnen, mich einzuschwazen, zu schmeicheln,
zu bken und die Knie zu beugen.  Lasset meinem Kummer noch Zeit
mich zu dieser Unterwrfigkeit anzugewhnen.  Und doch will ich
mich der Zeit erinnern, da mir diese Mnner gnstiger waren.  Waren
sie nicht einmal mein?  Rieffen sie mir nicht einmal lauter Heil
und Leben zu?  Das that Judas auch gegen Christum: Aber Christus
fand unter zwlfen Treue bey allen bis auf einen, ich unter
zwlftausend gar keine.  Gott erhalte den Knig!--Will niemand
sagen, Amen?  Bin ich Priester und Kster zugleich?  Wol dann, Amen!
Gott erhalte den Knig, ob ich's gleich nicht bin, und auch Amen!
Wenn der Himmel mich dafr erkennt.  Was fr Dienste fordert man
von mir, da man nach mir geschikt hat?

York.
Eine Handlung deines eignen freyen Willens, wozu du, der Majestt
berdrig, dich selbst erboten hast, die bergabe deines Staats
und deiner Crone.

Knig Richard.
Gebt mir die Crone--hier, Vetter, nimm die Crone, hier auf dieser
Seite, meine Hand; und auf dieser deine.  Izt ist diese goldne
Crone wie ein tiefer Brunnen mit zween Kbeln, wovon einer den
andern fllt; der leere tanzt immer in der Luft, indem der andre in
der Tiefe, ungesehn und voll Wassers ist; dieser erniedrigte und
mit Thrnen angefllte Kbel bin ich, der nun seinen Kummer wie
Wasser in sich schluken mu, inde da ihr in die Hhe steigt.

Bolingbroke.
Ich dachte, ihr wret willig, die Crone niederzulegen?

Knig Richard.
Die Crone, ja; aber doch bleibt mein Schmerz mein, ihr knnt mich
meiner Majestt und meines Staats entsezen, aber nicht meiner
Schmerzen; darber bleib ich immer Knig.

Bolingbroke.
Seyd ihr's zufrieden, die Crone zu bergeben?

Knig Richard.
Ja, nein--Nein, ja,--Denn ich mu nichts seyn--also nein, nein;
denn ich bergebe sie dir.  Nun, gebt acht wie ich mich selbst
vernichte; ich gebe diese schwere Brde von meinem Haupte weg,
diesen unbehlflichen Scepter aus meiner Hand, und den Stolz der
Knigs-Wrde aus meinem Herzen; mit meinen eignen Thrnen wasch ich
meine Salbung weg; mit meinen eignen Hnden geb ich meine Crone von
mir; mit meiner eignen Zunge verlugne ich meinen geheiligten Stand,
und mit meinem eignen Athem entlasse ich alle ihrer mir
geschwornen Pflichten.  Ich verschwre alle Majestt und Hoheit,
ich vergesse alle meine Domainen, Renten und Einknfte, ich
vernichte alle meine Handlungen, Edicte und Verordnungen.  Gott
verzeihe alle die Eidschwre, die an mir gebrochen werden!  Gott
erhalte alle diejenigen ungebrochen, die dir gethan werden.  Mgest
du lange leben, um auf Richards Stuhl zu sizen, und Richard bald im
Grabe Ruhe finden.  Gott erhalte den Knig Heinrich, sagt der
entknigte Richard, und sende ihm viele Jahre von glklichen Tagen!--
Was ist noch mehr zu thun?

Northumberland.
Nichts mehr, als da ihr diese Anklagen und dieses Verzeichni von
abscheulichen Verbrechen leset, die von euch selbst und euern
Anhngern gegen den Staat und das Beste dieses Landes begangen
worden; damit durch euer Gestndni alle Welt berzeugt werde, da
ihr mit Recht entsezt worden seyd.

Knig Richard.
Mu ich das thun?  mu ich das Gewebe meiner Thorheiten Faden vor
Faden ausfseln?  Lieber Northumberland, wenn deine Snden alle
aufgeschrieben wren, wrdest du nicht beschmt seyn, sie in einer
so schnen Gesellschaft abzulesen?  Thtest du es, du wrdest einen
scheuslichen Artikel, die Absezung eines Knigs, darinn finden, den
gewaltthtigen Bruch eines geheiligten Eides, mit einem Strich der
Verdammni im Buch des Himmels bezeichnet.  O, ihr alle die ihr
hier steht und mich anseht, wie mein Unglk mich nthigt, mich
selbst aufzureiben, wenn gleich einige von euch wie Pilatus ihre
Hnde mit heuchlerischen Thrnen waschen; so seyd ihr's dennoch,
ihr Pilatusse, die mich hier zu meinem bittern Creuz ausliefern,
und Wasser kan eure Snde nicht abwaschen.

Northumberland.
Milord, beschleunigst euch, berleset diese Artikel.

Knig Richard.
Meine Augen sind voll Thrnen; ich kan nicht sehen, und doch
blendet ihr Salz-Wasser sie nicht so sehr da ich nicht einen Pak
Verrther hier beysammen sehe.  Doch was sag ich?  ich bin selbst
ein Verrther wie die brigen; denn ich habe die Einwilligung
meiner Seele zur Entsezung eines Knigs gegeben; ich habe die
Majestt entweiht, und einen Monarchen zu einem Sclaven gemacht;
ich bin ein Verrther!

Northumberland.
Milord--

Knig Richard.
Kein Lord von dir, du hohnsprechender Mann, niemands Lord; ich habe
keinen Namen, keinen Titel mehr; nein, sogar der Name der mir ber
dem Taufstein gegeben wurde, ist usurpirt.  O!  des unglklichen
Tags!  da ich so manche Winter berlebt haben, und meinen eignen
Namen nicht mehr wissen soll!  O!  da ich ein zum Scherz aus
Schnee zusammengeballter Knig wre, und hier, vor Bolingbroks
Sonne stehend, in Wassertropfen wegschmelzen mchte!--Guter Knig,--
Grosser Knig--wenn anders mein Wort noch gangbare Mnze in England
ist, so lat es diesen Augenblik einen Spiegel hieher befehlen,
damit ich sehe, wie mein Gesicht aussieht, seitdem es seine
Majestt verlohren hat.

Bolingbroke.
Gehe jemand, und hole einen Spiegel.

Northumberland.
berleset indessen dieses Papier, bis der Spiegel kommt.

Knig Richard.
Teufel, du peinigst mich, eh ich noch in der Hlle bin.

Bolingbroke.
Sezt ihm nicht weiter zu, Milord von Northumberland.

Northumberland.
Die Gemeinen werden so nicht zufrieden seyn.

Knig Richard.
Sie sollen es werden; ich will genug lesen, wenn ich das Buch sehe,
worinn, in der That, alle meine Snden geschrieben sind, und das
bin ich selbst.

(Man bringt einen Spiegel.)

Gieb mir den Spiegel, hierinn will ich lesen--Noch keine tiefere
Runzeln!  Hat der Kummer so manche Streiche auf dieses mein Gesicht
gefhrt, und keine tiefere Wunden gemacht?  O!  schmeichelndes Glas!
Du betrgst mich wie die Freunde meines glklichen Zustands--War
dieses das Gesicht, das tglich zehntausend Menschen unter seinem
Haus-Dach hielt?  War di das Gesicht, das gleich der Sonne,
diejenigen die es ansahen, blinzen machte?  und nun von Bolingbrok
berglnzt wird?  Eine zerbrechliche Majestt leuchtet in diesem
Gesicht,

(er schmeit den Spiegel auf den Boden,)

und so zerbrechlich wie die Majestt, ist auch das Gesicht; denn
hier ligt es, in hundert Scherben zerbrochen.  Gieb Acht,
stillschweigender Knig, auf die Moral dieses Kinderspiels; wie
schnell mein Kummer mein Gesicht zerstrt hat.

Bolingbroke.
Der Schatten euers Kummers hat den Schatten euers Gesichts zerstrt.

Knig Richard.
Sagt das noch einmal.  Der Schatten meines Kummers!  Ha, lat
einmal sehen--es ist in der That so, mein Schmerz ligt ganz in
meinem Innern, und alle diese usserlichen Zeichen von Jammer sind
blosse Schatten des unsichtbaren Grams, der in geheim in der
gepeinigten Seele schwellt.  Ich danke dir, Knig, da du mir nicht
nur Ursache zum Wehklagen giebst, sondern mich auch noch lehrst,
wie ich die Ursache bejammern soll.  Ich will nur noch um eine
einzige Geflligkeit gebeten haben, und dann gehen und euch nicht
mehr beunruhigen.  Werd' ich sie erhalten?

Bolingbroke.
Nennet sie, geliebter Vetter.

Knig Richard.
Geliebter Vetter!  Ah!  ich bin grsser als ein Knig; denn wie ich
ein Knig war, waren meine Schmeichler meine Unterthanen; nun da
ich ein Unterthan bin, hab ich einen Knig zum Schmeichler.  Da ich
ein so grosser Mann bin, so hab ich nicht nthig zu bitten.

Bolingbroke.
So fordert.

Knig Richard.
Und soll ich's haben?

Bolingbroke.
Ihr sollt.

Knig Richard.
So erlaubt mir wegzugehen.

Bolingbroke.
Wohin?

Knig Richard.
Wohin ihr wollt, wenn es nur aus euerm Gesicht ist.

Bolingbroke.
Einige von euch sollen ihn nach dem Tower begleiten--Auf nchsten
Mitwoch sezen wir unsre Krnung fest: Milords, haltet euch dazu
gefat.

(Alle gehen ab, bis auf den Abbt von Westmnster, den Bischoff und
Aumerle.)



Vierte Scene.


Abbt.
Welch ein jammervolles Schauspiel, das wir hier gesehen haben!

Bischoff.
Der Jammer wird erst kommen; die noch ungebohrne Nachwelt wird
diesen Tag so scharf wie einen Dorn in ihrem Fleische fhlen.

Aumerle.
Ihr heiligen Priester, ist denn kein Mittel, das Reich vor diesem
verderblichen Unwesen zu retten?

Abbt.
Eh ich euch hierber mein Innerstes entdeke, sollt ihr das
Sacrament darauf empfangen, da ihr nicht nur mein Vorhaben
verschwiegen halten, sondern auch alles vollziehen wollet, was ich
euch nur immer auftragen werde.  Ich sehe eure Stirne voll
Mivergngen, euer Herz voll Gram, und eure Augen voll Thrnen.
Kommt mit mir heim zum Nacht-Essen, und da wollen wir den Grund zu
einem Entwurf legen, der uns einen glklichen Tag sehen lassen soll.

(Sie gehen ab.)




Fnfter Aufzug.



Erste Scene.
(Eine Strasse in London.)
(Die Knigin mit ihren Damen tritt auf.)


Knigin.
Diesen Weg wird der Knig kommen: Di ist der Weg zu jenem fatalen
Thurm, den Julius Csar auffhrte, und worein der stolze
Bolingbroke meinen Herrn zur Gefangenschaft verurtheilt hat.  Hier
wollen wir ausruhen; wenn diese aufrhrische Erde anders noch eine
Ruhe fr ihres rechtmigen Knigs Gemalin hat.--
(Knig Richard tritt mit seiner Wache auf.) Aber stille!  aber
seht, doch seht lieber nicht, wie verwelkt meine schne Rose ist--
Nein, seht auf, schaut und zerfliet aus Mitleiden in Thau, um ihn
mit den Thrnen einer getreuen Liebe wieder frisch zu waschen.  O
du, der Trmmer, wo das alte Troja stand, du Ruin der Majestt, du
Grabmal von Knig Richard, und nicht Knig Richard selbst!  Du
schner Gasthof, soll Gram und Jammer in dir herbergen, inde da
Triumph der Gast in einer Bierschenke worden ist?

Knig Richard.
Vereinige dich nicht mit meinem Kummer, schnes Weib, mein Ende zu
sehr zu beschleunigen.  Lerne, gute Seele!  unsern vorigen Zustand
als einen glklichen Traum ansehen, von dem wir nun erwacht sind,
und uns in der That in keinen bessern Umstnden finden, als worinn
wir sind.  Meine Liebe, ich bin ein geschworner Bruder der
unerbittlichen Nothwendigkeit, und wir beyde werden im Bndni
stehen bis zum Tode.  Eile du nach Frankreich, und verbirg dich in
irgend eine andchtige Freysttte.  Es ist uns nichts brig, als
durch ein heiliges Leben die Crone in einer bessern Welt wieder zu
gewinnen, die wir durch unheilige Stunden verlohren haben.

Knigin.
Wie?  Ist mein Richard an Gestalt und Gemth verwandelt?  Hat
Bolingbroke auch deinen Geist abgesezt?  Ist er bis in dein Herz
eingedrungen?  Ein sterbender Lwe strubt sich, und verwundet, aus
Wuth berwltigt zu seyn, wenigstens die Erde, wo er fiel; und du,
willt wie ein unmndiger Knabe deine Zchtigung mit Sanftmuth
empfangen, die Ruthe kssen, und deinem Feind mit schaamwrdiger
Demuth die Fsse lecken, du, der ein Lwe, ein Knig der Thiere war?

Knig Richard.
Ein Knig von Thieren, in der That; und wenn es nichts als Thiere
gewesen wren, so wr' ich noch ein glklicher Knig von Menschen.
Meine gute ehmalige Knigin, mache dich reisefertig nach Frankreich.
Denk, ich sey todt, und da du eben hier, als bey meinem Todbette,
den lezten Abschied von mir nimmst.  In verdrieslichen
Winternchten size mit guten alten Leuten zum Feuer, und la dir
Geschichten von Jammer und Unglk erzhlen, die lngst begegnet
sind; und ehe du ihnen gute Nacht giebst, erzhl' ihnen hinwieder
meinen klglichen Fall, und schike die hrenden weinend zu Bette--



Zweyte Scene.
(Northumberland und Gefolge zu den Vorigen.)


Northumberland.
Milord, Bolingbrok hat seine Gedanken gendert, ihr sollt nach
Pomfret, nicht nach dem Tower--Madam, es sind schon Anstalten
euertwegen gemacht; ihr mt in mglichstes Eile nach Frankreich.

Knig Richard.
Northumberland, du Leiter, auf welcher Bolingbroke an meinen Thron
hinaufgestiegen ist; die Zeit wird nicht lange aussenbleiben, da
dein schwhrendes Verbrechen von faulem Eyter aufbrechen wird.  Du
wirst denken, wenn er gleich das Reich theilt, und dir die Hlfte
giebt, es sey zu wenig, weil du ihm alles gegeben habest; und er
wird denken, du, der den Weg kennt unrechtmige Knige zu sezen,
werdest, auf die kleinste Veranlassung, auch wissen, ihn wieder, so
lang er ist, von seinem angematen Thron herab zu strzen.  Die
Liebe lasterhafter Freunde verwandelt sich in Mitrauen, und di
Mitrauen in Ha; und der Ha wird einen oder beyde dem verdienten
Untergang berliefern.

Northumberland.
Mein Verbrechen sey ber meinem Haupt, und soviel hievon!  Nehmt
Abschied von einander, ihr mt scheiden.

Knig Richard.
Doppelt geschieden?  Gottlose Leute, ihr entheiligt eine zweyfache
Ehe; zwischen mir und meiner Crone, und zwischen mir und meinem
vermhlten Weib.  La mich den Eid hinwegkssen, der dich und mich
vereinigt; und doch, nicht so, denn mit einem Ku ward er gemacht.
Scheid' uns, Northumberland; ich, nach Norden, wo schauernde Klte
das kranke Clima verzehrt; meine Knigin nach Frankreich, von
wannen sie im Pomp herbergesandt wurde, geschmkt wie der holde
May, nun zurk geschikt, verdstert und traurig wie der krzeste
Tag.

Knigin.
Und mssen wir denn getrennt seyn?  Mssen wir denn scheiden?

Knig Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.

Knigin.
Verbannet uns beyde, und schikt den Knig mit mir.

Northumberland.
Das wre gtig, aber sehr unpolitisch.

Knigin.
So lat mich mit ihm gehen.

Knig Richard.
Weine du in Frankreich fr mich, und ich will hier fr dich weinen;
es ist besser entfernt, als nher geschieden zu seyn.  Geh, zhle
deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit chzen den meinigen.

Knigin.
So wird der lngste Weg die meisten Seufzer haben.

Knig Richard.
Ich will bey jedem Schritt zweymal chzen, weil mein Weg der
krzere ist.  Komm, komm, ein Ku soll uns den Mund schliessen, und
dann fahr' wohl; so geb' ich dir mein Herz, und so nehm' ich deines.

(Sie kssen sich.)

Knigin.
Nein, gieb mir das meinige zurk; es wre kein schner Abschied,
wenn ich dein Herz mit mir nehmen wollte, um es zu tdten.

(Sie kssen sich wieder.)

So, nun hab' ich das Meinige wieder, damit ich mich bestreben kan,
es mit einem Seufzer zu tdten.

Knig Richard.
Wir vermehren nur unsern Schmerz mit diesen zrtlichen
Verzgerungen; noch einmal, leb' wohl; das brige la unsre Thrnen
sagen.--

(Sie gehen ab.)



Dritte Scene.
(Des Herzogs von York Palast.)
(York und seine Herzogin treten auf.)


Herzogin.
Milord, ihr wolltet fortfahren, mir den Einzug unsrer beyden
Vettern in London zu erzhlen, als ihr durch Thrnen genthigt
wurdet, eure Geschichte zu unterbrechen.

York.
Wo blieb ich stehen?

Herzogin.
Bey dem klglichen Absaz, Milord, da ruchlose unmenschliche Hnde
aus einem Fenster Staub und Auskehricht auf Knig Richard herunter
schtteten.

York.
Der Herzog, der grosse Bolingbroke, von einem heissen feurigen
Hengst getragen, der, als ob er seinen emporstrebenden Reuter kenne,
mit langsamem aber stolzem Schritt dahergieng, sezte also, wie ich
sagte, seinen Zug fort, indem alle Zungen ihm entgegenriefen: Gott
erhalte dich, Bolingbroke!  Unzhliche weitoffne Augen schossen
ihre verlangende Blike nach ihm, und das Zujauchzen war so gro,
da ihr gedacht httet, die Mauren selbst mit den Bildern womit sie
bermahlt sind, htten auf einmal zu ruffen angefangen: Gott
erhalte dich, willkommen, Bolingbroke!  Inde da er, sich immer
von einer Seite zur andern drehend, mit entbltem Haupt, und alle
Augenblike bis unter seines stolzen Rosses Kopf sich bkend, ihnen
antwortete: Ich danke euch, meine Mitbrger; und so zog er langsam
die Strasse durch.

Herzogin.
O Jammer!  Armer Richard!  Wie gieng es ihm indessen?

York.
Wie in einem Schauspiel die Augen der Leute, wenn ein beliebter
Schauspieler die Scene verlt, sich unachtsam von demjenigen
wegwenden, der zunchst auftritt, in der Einbildung, da sie nichts
als ein langweiliges Gewsche von ihm zu erwarten haben; eben so,
oder noch verchtlicher, runzelte sich jede Stirne, da Richard kam;
niemand rief.  Gott erhalte ihn!  Keine erfreute Zunge hie ihn in
seiner Hauptstadt willkommen; sondern Staub wurde auf sein
geheiligtes Haupt geschttet, den er mit einem so sanftmthigen
Schmerz und mit einem Gesicht, worinn Thrnen und Lcheln, auf eine
so herzrhrende Art kmpften, von sich abschttelte, da, htte
nicht Gott, aus irgend einer furchtbaren Ursache, die Herzen der
Menschen verhrtet, sie nothwendig htten schmelzen, und Barbarey
selbst ihn htte beweinen mssen.  (Aber der Himmel hat seine Hand
in diesen Begebenheiten, und in seinen hohen Willen mssen wir den
unsrigen ergeben.  Wir sind nun Bolingbroks Unterthanen, und ihm
hab' ich nun auf ewig meine Treue angelobt.)



Vierte Scene.
(Aumerle zu den Vorigen.)


Herzogin.
Hier kommt mein Sohn, Aumerle.

York.
Der Aumerle war, und es nicht mehr ist, weil er Richards Freund war.
Ihr mt ihn nunmehr Rutland nennen, Madam; ich bin Brge im
Parlament fr seine Treue gegen den neuen Knig worden.

Herzogin.
Willkommen, Sohn; wo sind nun die Veilchen, die den grnen Schoo
des jungen Frhlings bestreuen?

Aumerle.
Madam, ich wei es nicht, und bekmmre mich wenig darum.  Gott wei,
da es mir gleichgltig ist, ob ich bin, oder ob ich nicht bin.

York.
Gut, betragt euch wohl in diesem Frhling einer neuen Zeit, sonst
mchtet ihr abgeschnitten werden, eh ihr geblht habt.  Was giebts
neues von Oxford?  Dauren diese Lustbarkeiten und Ritterspiele noch
immer fort?

Aumerle.
So viel ich wei, noch immer.

York.
Geht ihr auch dahin?

Aumerle.
Wenn Gott es nicht verhindert, so ist es mein Vorsaz.

York.
Was fr ein Siegel ist das, so aus deinem Busen heraushngt--Wie,
du erblassest?  La mich die Schrift sehen.

Aumerle.
Es ist nichts, Milord.

York.
So ist auch nichts daran gelegen, da ichs sehe.  Ich will
befriedigt seyn, la mich die Schrift sehen.

Aumerle.
Ich bitte Euer Gnaden um Vergebung; es ist eine Kleinigkeit, die
ich aus gewissen Ursachen nicht gerne sehen lassen mchte.

York.
Die ich aus gewissen Ursachen sehen will, Herr.  Ich frchte, ich
frchte--


Herzogin.
Was knnt ihr frchten, Milord?  Es wird nichts als irgend eine
Handschrift seyn, die er wegen seiner Equipage zum Einzug
ausgestellt haben wird.

York.
Ich glaube du bist nicht klug, Weib--Jung, la mich die Schrift
sehen.

Aumerle.
Ich bitte euch, haltet mir's zu Gnaden; ich kan es nicht sehen
lassen.

York.
Ich will es aber sehen, sag ich--

(Er reit ihms weg und liet es.)

Verrath!  Schndlicher Hochverrath!  Nichtswrdiger!  Verrther!
Sclave!

Herzogin.
Was ist es dann, Milord?

York.
He!  wer ist da drinn?  Sattlet mein Pferd.  Himmel, was fr eine
Verrtherey ist das!

Herzogin.
Wie, was ist es, Milord?

York.
Meine Stiefel her, sag ich; sattlet mein Pferd.  Nun bey meiner
Ehre, bey meinem Leben, ich will dein Anklger seyn, Bsewicht.

Herzogin.
Was ist es dann?

York.
Still, nrrisches Weibsbild.

Herzogin.
Ich will nicht still seyn; was ist es, Sohn?

Aumerle.
Meine gute Mutter, gebt euch zufrieden, es ist nichts mehr, als
wovor mein armes Leben gut stehen mu.

Herzogin.
Dein Leben!




Fnfte Scene
(Ein Bedienter kommt mit Stiefeln herein.)


York.
Gieb mir die Stiefel her; ich will zum Knige.

Herzogin.
Schlag ihn zu Boden, Aumerle--(Armer Junge, du bist betubt.) Weg,
Schurke, und komm mir nicht mehr vor die Augen.

(Zum Bedienten.)

York.
Meine Stiefel!

Herzogin.
Wie, York, was willt du thun?  Du willt den Tod deines eignen Kinds
befrdern?  Haben wir noch mehr Shne?  Oder knnen wir noch mehr
bekommen?  Willt du meinen einzigen Sohn in meinem Alter von mir
reissen, und mich des glkseligen Namens einer Mutter berauben?
Ist er nicht dein eigen?

York.
Du zrtliche Thrin!  Wolltest du diese schwarze
Zusammenverschwrung verheeren?  Ihrer Zwlfe haben das Sacrament
empfangen, und sich die Hnde darauf gegeben, den Knig zu Oxford
zu ermorden.

Herzogin.
Das soll er nicht; wir wollen ihn hier behalten.

York.
Weg, nrrisches Weib.  Wr' er zwanzigmal mein Sohn, so wollt' ich
ihn angeben.

Herzogin.
Httest du seinetwegen chzen mssen wie ich, du wrdest
mitleidiger seyn.  Aber nun merke ich deine Gedanken; du argwhnest,
da ich deinem Bette ungetreu gewesen sey, und da er ein Bastard
sey, nicht dein Sohn; liebster York, liebster Gemal, denke nicht so;
er ist dir so gleich als man seyn kan; er ist weder mir noch
irgend jemand aus meiner Verwandtschaft hnlich, und doch lieb ich
ihn.

York.
Aus dem Weg, widerspenstiges Weibsbild.

(Er geht ab.)

Herzogin.
Geh ihm nach, Aumerle; besteig' sein Pferd, sporn' es so gut, da
du vor ihm zum Knig kommst, und bitt' um Gnade, eh er dich
anklagen kan.  Ich will nicht lange dahinten bleiben; wenn ich
schon alt bin, so will ich doch noch wol so schnell reiten als York;
und nimmer will ich vom Boden aufstehen, bis Bolingbroke dich
begnadigt hat.  Hinweg.

(Sie gehen ab.)



Sechste Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Bolingbroke, Percy, und andre Lords treten auf.)


Bolingbroke.
Kan mir niemand Nachricht von meinem ungerathnen Sohne geben?  Es
sind volle drey Monate, seitdem ich ihn das leztemal sah.  Wenn ja
eine Plage ber uns hngt, so ist es er; ich wollte zu Gott,
Milords, da er gefunden wrde.  Fragt zu London in den
Weinschenken nach ihm, denn dort sagt man, hlt er sich tglich in
Gesellschaft zgelloser lderlicher Leute auf, sogar mit solchen,
die in holen Wegen lauren und die Reisenden berauben, inde da der
junge ausgelassene Bube eine Ehre darinn sucht, eine so schndliche
Rotte zu beschzen.

Percy.
Gndigster Herr, es sind etwann zween Tage, da ich den Prinzen sah,
und ihm von den Ritterspielen zu Oxford erzhlte.

Bolingbroke.
Und was antwortete der Busch-Klpfer?

Percy.
Er sagte, er wolle in ein Bordel, und der gemeinsten Meze einen
Handschuh abziehen, ihn ihr zu Ehren auf den Hut steken, und damit
den herzhaftesten Ritter aus dem Sattel heben.

Bolingbroke.
So lderlich als wild; und doch seh' ich durch beydes einige Funken
von Hoffnung schimmern, welche mit zunehmenden Jahren glklich
ausschlagen mgen.  Aber wer kommt hier?  (Aumerle zu den Vorigen.)

Aumerle.
Wo ist der Knig?

Bolingbroke.
Was hat unser Vetter, da er so starr und wild aussieht?

Aumerle.
Gott erhalte Euer Majestt.  Ich bitte euch, etliche Augenblike mit
Euer Majestt allein sprechen zu drfen.

Bolingbroke.
Entfernet euch, und lat uns hier allein; was ist dann nun die
Sache, Vetter?

Aumerle (kniend.)
Auf ewig mgen meine Knie in die Erde wachsen, und meine Zunge an
meinen Gaumen, oder Euer Majestt ertheile mir Gnade, eh ich rede!

Bolingbroke.
Was ist dein Fehler, vorgesezt, oder wrklich begangen?  Wenn nur
das erste, so gro er seyn mag, so vergeb' ich ihn dir, um deine
knftige Liebe zu gewinnen.

Aumerle.
So erlaubet mir, Gndigster Herr, da ich den Schlssel umdrehen
darf, damit niemand herein komme, bis meine Erzhlung zu ende ist.

Bolingbroke.
Das magst du.

York (hinter der Scene.)
Gndigster Herr, nehmt euch in Acht, seht euch vor, ihr habt einen
Verrther bey euch.

Bolingbroke (zu Aumerle.)
Nichtswrdiger, ich will bald mit dir fertig seyn--

Aumerle.
Halt deine rchende Hand zurk, du hast keine Ursache zu frchten.

York.
Mach die Thr auf, sichrer, unbesonnener Knig; ffne die Thr,
oder ich werde sie einstossen.



Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)


Bolingbroke.
Was giebt es, mein Oheim?  Sprich, komm erst zu Athem; sag uns, wie
nah ist die Gefahr, damit wir uns waffnen knnen, ihr entgegen zu
gehen?

York.
berlies diese Schrift, so wirst du die Verrtherey kennen, von
der ich, athemlo wie ich bin, noch nicht reden kan.

Aumerle.
Erinnre dich, indem du liesest, deines gegebnen Versprechens.  Es
reuet mich, lies meinen Namen nicht, mein Herz ist kein
Bundsgenosse meiner Hand.

York.
Nichtswrdiger, dein Herz war ein Verrther, eh deine Hand es war--
ich ri es aus des Verrthers Busen, Knig.  Furcht, nicht Liebe
zeugt seine Reue; habe kein Mitleiden mit ihm, oder dein Mitleiden
mchte eine Schlange werden, und dein Herz durchstechen.

Bolingbroke.
O grauliche, verwegne und mchtige Verschwrung!  O rechtschaffner
Vater eines verrtherischen Sohns, du reine, unbeflekte
Silberquelle, aus welcher dieser Strom durch sumpfige rter
geflossen, und so sich selbst verunreinigt hat.  Der berflu
deiner Verdienste soll diesen tdtlichen Fleken von deinem
verbrecherischen Sohn abwaschen.

York.
So wrde meine Tugend die Kupplerin seines Lasters seyn; und wie
verschwendrische Shne ihrer kargen Vter Gold, so wrde er durch
seine schndliche Thaten meine Ehre verprassen.* Meine Ehre lebt
nur, wenn seine Schande stirbt; du tdtest mich, du tdtest den
rechtschaffnen Mann, wenn du den Verrther leben lssest.

{ed.-* Von hier bis zur 9ten Scene lauter Reime im Original.}

Die Herzogin (hinter der Scene.)
O!  Gndigster Herr, um Gottes willen, lat mich ein.

Bolingbroke.
Was fr ein hellstimmiger Supplicant macht dieses ngstliche
Geschrey?

Herzogin.
Ein Weib, und deine Tante, grosser Knig, ich bin's.  O lasset mich
vor, habet Mitleiden mit mir, lat die Thr ffnen.  Eine Bettlerin
bettelt, die zuvor noch nie gebettelt hat.

Bolingbroke.
Unsre Scene hat ihre ernsthafte Gestalt verlohren, und hat sich in
den Bettler und den Knig verwandelt; mein gefhrlicher Vetter,
lat eure Mutter herein, sie kommt ohne Zweifel fr euch zu bitten.

York.
Wenn du vergiebst, wer es auch sey, der dich um Gnade bittet, so
wird deine Gnade die Aufmuntrung zu neuen Verbrechen seyn.
Schneide dieses eyternde Gelenk ab, so bleibt das brige gesund; wo
nicht, so wird der ganze Leib angestekt werden.



Achte Scene.
(Die Herzogin von York zu den Vorigen.)


Herzogin.
O Knig, glaube nicht diesem hartherzigen Mann; wer kan jemand
andern lieben, der sich selbst nicht liebt?

York.
Du aberwiziges Weibsbild, was machst du hier?--

Herzogin.
Geduld, lieber York; hret mich, Gndigster Herr.

(Sie kniet.)

Bolingbroke.
Steht auf, meine Tante.

Herzogin.
Noch nicht, ich bitte euch; ewig will ich hier auf meinen Knien
ligen, bis du durch die Begnadigung meines armen Sohns mir das
Leben giebst.

Aumerle.
Kniend fg' ich zu meiner Mutter Bitte die meinige.

York.
Und kniend heit mich meine Treue wider beyde bitten; nimmer wirst
du gedeyhen, wenn du Gnade widerfahren lssest.

Herzogin.
Bittet er im Ernst?  O betrachtet sein Gesicht; seine Augen lassen
keine Thrnen fallen, sein Bitten ist nur Verstellung, seine Worte
kommen nur aus seinem Mund, unsre aus dem Herzen; er bittet nur, um
nicht erhrt zu werden, wir bitten mit Herz und Seele; seine mden
Knie, ich wei es, hoffen freudig aufzustehen; die unsrige sollen
knien, bis sie in den Boden wachsen.  O so lat dann unser
aufrichtiges Flehen seine heuchlerische Bitte berschreyen!

Bolingbroke.
Meine liebe Tante, steht auf.

Herzogin.
Nein, sagt nicht, da ich aufstehen soll, ihr habt dann zuvor seine
Begnadigung ausgesprochen.  O wr ich deine Amme, und sollte dich
reden lehren, Gnade sollte das erste Wort seyn, das deine Zunge
aussprechen lernte.  Noch nie verlangte ich mit Ungeduld ein Wort
zu hren als izt, o Knig, sprich Gnade, so erhltst du zwey Leben
mit einem Wort.

Bolingbroke.
Steht auf, meine gute Tante.

Herzogin.
Ich bitte nicht, um Erlaubni, zu stehen; Vergebung ist alles,
warum ich bitte.

Bolingbroke.
Ich vergebe ihm, wie der Himmel mir vergeben soll!

Herzogin.
O!  du bist ein Gott auf Erden!  Wo ist ein Wort, das aus einem
kniglichen Munde schner tnt?  O!  Sag es noch einmal, mein
ngstlich-zweifelndes Herz gewi zu machen.

Bolingbroke.
Von ganzem Herzen vergeb' ich ihm.  Aber was unsern getreuen
Schwager, den Abbt, betrift--und alle brige von dieser zusammen-
verschwornen Rotte, die soll unerbittliches Verderben an den Fersen
ereilen!--Mein geliebter Oheim, sorget dafr, da eine hinlngliche
Anzahl von Truppen nach Oxford, oder wo diese Verrther immer seyn
mgen, abgeordnet werde.  Ich will sie haben, sobald ich wei wo
sie sind, und ich schwre sie sollen in dieser Welt nicht leben!
Lebet wohl, Oheim; und ihr, Vetter, Adieu; eure Mutter hat euch
gute Dienste gethan; es ist nun an euch, einen guten Gebrauch davon
zu machen.

Herzogin.
Komm, mein alter Sohn; ich bitte den Himmel, da er dich neu mache.

(Sie gehen ab.)



Neunte Scene.
(Exton und ein Bedienter treten auf.)


Exton.
Hrtest du die Worte nicht, die dem Knig entfuhren: "Hab ich denn
keinen Freund, der mich von diesen unaufhrlichen Besorgnissen
befreyen mag?" Sagte er nicht so?

Bedienter.
Das waren wrklich seine Worte.

Exton.
"Hab' ich keinen Freund?"--sagte er; er sagte es zweymal, und
zweymal mit einer gewissen Heftigkeit.  That er's nicht?

Bedienter.
Er that es.

Exton.
Und indem er's sagte, sah' er mir starr ins Gesicht, als wollt' er
sagen--Ich wnsche, du wr'st der Mann, der mein Herz dieser
Besorgnisse erledigen mchte--er meynte den Knig zu Pomfret.  Komm,
wir wollen gehen--Ich bin des Knigs Freund, und will ihm von
seinem Feinde helfen.

(Sie gehen ab.)



Zehnte Scene.
(Verwandelt sich in das Gefngni zu Pomfret-Castle.)
(Knig Richard tritt auf.)


Knig Richard.
Ich studiere schon lange, wie ich dieses Gefngni, worinn ich lebe,
mit der Welt vergleichen wolle; und weil die Welt volkreich ist,
und hier kein anders Geschpf als ich selbst, so kan ich nicht
damit zurecht kommen.  Und doch will ich's versuchen--Mein Gehirn
soll das Weib meiner Seele werden, und meine Seele, der Vater; und
diese zwey sollen ein Geschlecht von Gedanken mit einander zeugen,
und diese Gedanken sollen diese kleine Welt bevlkern, humorisirt,
wie die Einwohner der grossen Welt, denn kein Gedank' ist zufrieden.
Sogar die besten (die Gedanken von gttlichen Dingen) sind mit
Zweifeln untermischt, und sezen das Wort selbst dem Wort entgegen;
zum Exempel: Kommt, ihr Kleinen; und dann wieder: Es ist so schwer
zu kommen, als einem Cameel durch ein Nadelhr zu gehen.--Gedanken,
die nach Unabhnglichkeit streben, brten unmgliche Wunder aus,--
wie diese schwachen Ngel mir eine ffnung durch die steinernen
Rippen dieser Kerker-Mauren krazen knnten, und weil sie es nicht
knnen, so zerplazen sie an ihrem eignen schwellenden Stolz.
Gedanken, die nach Vergngen streben, schmeicheln sich selbst, "sie
seyen nicht die ersten Sclaven des Glks, und werden nicht die
lezten seyn," (wie schelmisches Bettelvolk, wenn sie im Stok sizen,
sich damit trsten, da schon viele da gesessen sind, und noch
viele sizen werden.) Und in diesem Gedanken finden sie eine Art von
Erleichterung, indem sie ihr eignes Elend auf dem Rken derer
tragen, die ehmals das nemliche ausgestanden haben.  So spiel ich,
in einem Gefngni, mancherley Personen, wovon keine mit sich
selbst zufrieden ist.  Zuweilen bin ich ein Frst; dann macht
Verrtherey, da ich mich zu einem Bettler wnsche, und das bin ich.
Alsdann berredet mich die Drftigkeit, es sey mir besser gewesen,
da ich ein Frst war, und dann werd' ich wieder gefrstet; und
unvermerkt besinn' ich mich, da mich Bolingbroke entfrstet hat,
und da bin ich wieder nichts--Was ich aber seyn mag, so ist doch
dieses gewi, weder ich noch irgend ein andrer, wer er seyn mag,
wird eher nicht zur Ruhe kommen, bis er nicht mehr ist--Hr' ich
nicht Musik?

(Eine Musik.)

Ha, ha!  Haltet den Tact; wie widrig die anmuthigste Musik ist,
wenn das Zeitmaa gebrochen, und die Proportion nicht gehalten wird!
So ist es auch mit der Musik des menschlichen Lebens--Wie kommt
es, da ich ein so feines Ohr habe, von dem kleinsten Miklang
einer verstimmten Sayte, oder eines verspteten Tons beleidigt zu
werden; und da ich kein Ohr hatte, die schlechte Zusammenstimmung
in meinem Staat, das gebrochne Zeitmaa in meiner Regierung zu
bemerken?  Ich verderbte die Zeit; nun verderbt die Zeit mich.  Die
Zeit hat nun ihre Stunden-Uhr aus mir gemacht; meine Gedanken sind
die Minuten, und meine jammernden Seufzer die Tne, die an mein
Herz anschlagen, und so die Stunden anzeigen--Diese Musik macht
mich nrrisch--lat sie schweigen; wenn sie gleich schon fters
nrrischen Leuten wieder zu ihrem Verstand geholfen hat, so scheint
es doch an mir, da sie kluge Leute nrrisch mache.  Und doch
gesegnet sey der, so sie mir giebt; es ist immer ein Zeichen seiner
Liebe, und Liebe zu Richard ist ein seltnes Kleinod in einer Welt,
wo der Ha allezeit den Fall begleitet.



Eilfte Scene.
(Ein Stallknecht kommt herein.)


Stalknecht.
Heil, kniglicher Herr!

Knig Richard.
Grossen Dank, edler Pair.  Der Wohlfeilste von uns beyden ist um
zehn Groschen zu theuer.  Wer bist du?  Wie kommst du hieher?
Wohin niemand kommt, als ein schwermthiger Sclave, der mir zu
essen bringt; um mein Unglk zu verlngern.

Stalknecht.
Ich war ein armer Stallknecht in deinem Marstall, Knig, wie du
noch ein Knig warst; und da ich unlngst nach York reisen mute,
so hab' ich um die Erlaubni angesucht, meinen ehmaligen Herrn
sehen zu drfen.  O wie weh that mir's im Herzen, wie ich in den
Strassen von London, an dem Krnungs-Tag zusehen mute, wie
Bolingbroke auf dem wei- und roth getpfelten Barber, euerm
Leibpferd, ritt; auf diesem Pferd das ihr so oft geritten, und das
ich mit so grosser Sorgfalt abgerichtet hatte.

Knig Richard.
Ritt er auf meinem Barber?  Sag mir, mein guter Freund, wie gieng
er unter ihm?

Stalknecht.
So stolz, als ob er den Boden aus Verachtung nicht berhren wolle.

Knig Richard.
So stolz, weil er Bolingbrok auf seinem Rken hatte?  Die
Schindmhre hat Brodt aus meiner kniglichen Hand gefressen; diese
Hand hat ihn so oft durch streicheln stolz gemacht.  Und er
stolperte nicht?  Er fiel nicht, und brach diesem bermthigen Mann
den Hals, der seinen Rken usurpirte?  Um Vergebung, du gutes Pferd!
du verdienst mein Schelten nicht; du warst dazu geschaffen, dem
Menschen unterthan zu seyn, und zum Tragen gebohren.  Ich war zu
keinem Pferd gemacht, und doch trag' ich die Last eines Esels, und
lasse mich von dem trottenden Bolingbroke mit Sporrn zerfleischen
und zuschanden reiten.



Zwlfte Scene.
(Ein Hter mit einer Schssel, zu den Vorigen.)


Hter.
Kerl, mach' Plaz, du darfst nicht lnger bleiben.

(Zum Stallknecht.)

Knig Richard.
Wenn du mich liebst, so ist es Zeit, da du gehst.

Hter.
Milord, beliebt es euch zu essen?

Knig Richard.
Kost' es vorher, wie du gewohnt bist.

Hter.
Milord, ich darf nicht; Sir Pierce von Exton, der krzlich auf des
Knigs Befehl hieher gekommen ist, hat mir's verboten.

Knig Richard.
Der Teufel hole Heinrichen von Lancaster und dich!  Die Geduld geht
mir aus.

(Er schlgt den Hter.)

Hter.
Hlfe, Hlfe, Hlfe!--(Exton und Bediente zu den Vorigen.)

Knig Richard.
Wie?  was soll das bedeuten?  Kommt ihr mich zu ermorden?--
Unglkseliger, stirb durch dein eignes Schwerdt!

(Er reit einem sein Schwerdt aus der Hand und stot ihn nieder.)

Geh du und fll' einen andern Plaz in der Hlle aus,

(er tdtet noch einen; Exton schlgt ihn mit einem Streich zu Boden,
)

diese Hand soll in unauslschlichem Feuer brennen die mit des
Knigs Blut des Knigs eignes Land befleket hat!--Erheb' erhebe
dich, meine Seele, einen himmlischen Thron einzunehmen, indem mein
sterblicher Theil zur Erde sinkt.

(Er stirbt.)

Exton.
So voll von Tapferkeit als kniglichem Blut!  Und dieses hab' ich
nun vergossen!  O wie wollt ich, da diese That gut wre!  Aber der
Teufel, der mir sagte, ich thue recht, sagt izt, da sie in die Tag-
Bcher der Hlle eingeschrieben ist.  Ich will nun diesen todten
Knig zu dem lebenden tragen; ihr, schleppt die brigen fort, und
sorgt, da sie hier begraben werden.

(Sie gehen ab.)



Dreyzehnte Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Trompeten; Bolingbroke, York, Lords und Gefolge treten auf.)


Bolingbroke.
Mein geliebter Oheim York, die neueste Nachricht die wir haben, ist,
das die Rebellen unsre Stadt Cicester in Glocesterschire in Brand
gestekt haben; aber wir hren nicht, ob sie geschlagen oder
gefangen worden--
(Northumberland zu den Vorigen.) Willkommen, Milord, was bringt
ihr neues?

Northumberland.
Zuerst wnsch' ich deiner geheiligten Person und Regierung
vollkommne Glkseligkeit; die nchste Zeitung ist, da ich die
Kpfe von Salisbury, Spencer, Blunt und Kent nach London geschikt
habe.  Die Umstnde ihrer Gefangennehmung sind aus diesem Papier
ausfhrlich zu ersehen.

Bolingbroke.
Wir danken dir, werther Percy, fr deine Mhe, und werden deine
Verdienste nach Wrden zu belohnen wissen.  (Fizwater zu den
Vorigen.)

Fizwater.
Gndigster Herr, ich habe die Kpfe von Broccas und Sir Bennet
Seely von Oxford nach London geschikt, von zween jener zusammen-
verschwornen Verrther, die eure Majestt zu Oxford zu unterdrken
suchten.

Bolingbroke.
Deine Bemhungen und Verdienste sollen nicht vergessen werden,
Fizwater; ich wei und schze ihren Werth.  (Percy und der Bischoff
von Carlisle zu den Vorigen.)

Percy.
Das Haupt der Zusammen-Verschwornen, der Abbt von Westmnster, hat,
von Schwermuth und Gewissens-Bissen erdrkt, seinen Leib dem Grab
abgetreten; aber hier ist Carlisle, der euerm kniglichen Urtheil
ber sein Verbrechen sich unterwirft.

Bolingbroke.
Carlile, di ist dein Urtheil; whle dir irgend eine stille
geheiligte Freystdte aus, und geniesse darinn deines Lebens; und
so wie du in Ruhe leben wirst, sollst du ruhig sterben: Ob du
gleich immer mein Feind warest, so ehr' ich doch deine Tugend.
(Exton tritt mit einem Sarg auf.)

Exton.
Grosser Knig, in diesem Sarg berliefre ich dir deine begrabne
Besorgnisse.  Hierin ligt athemlos der grste von deinen Feinden,
Richard von Bourdeaux, von mir hieher gebracht.

Bolingbroke.
Exton, ich danke dir nicht; deine fatale Hand hat Schmach und Fluch
ber mein Haupt, und ber dieses ganze ruhmvolle Land gebracht.

Exton.
Aus euerm eignen Munde, Gndigster Herr, that ich diese That.

Bolingbroke.
Man kan Gift nthig haben, aber man liebt es nicht, und ich dich
eben so wenig; ob ich ihn gleich todt wnschte, so ha ich doch den
Mrder, und liebe nun den Ermordeten.  Nimm du die Schuld eines
bsen Gewissens fr deine Mhe, aber weder meinen Beyfall noch
meine Gnade.  Geh, wandre wie Cain durch den Schatten der Nacht,
und zeige nie dem Tag dein verabscheutes Antliz.  Milords, ich
schwre euch, meine Seele ist bekmmert, da Blut mich besprengen
soll, damit ich wachsen mge.  Kommt, leget die Farbe der
kummervollen Traurigkeit an.  Ich will einen Zug in das gelobte
Land thun, um dieses Blut von meiner schuldigen Hand abzuwaschen.
Folget mir in stillschweigender Trauer, und weinet mit mir ber
dieser unzeitigen Baare.

(Sie gehen alle ab.)


Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Leben und Tod Knigs Richard
des zweyten, von William Shakespeare (bersetzt von Christoph
Martin Wieland).





End of the Project Gutenberg EBook of Leben und Tod Konigs Richard des
zweyten, by William Shakespeare

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK KONIGS RICHARD DES ZWEYTEN ***

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          be used to convey punctuation intended by the
          author, and additional characters may be used to
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     [*]  The eBook may be readily converted by the reader at
          no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
          form by the program that displays the eBook (as is
          the case, for instance, with most word processors);
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