The Project Gutenberg EBook of ber die brgerliche Verbesserung der Weiber, by 
Theodor Gottlieb von Hippel

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Title: ber die brgerliche Verbesserung der Weiber

Author: Theodor Gottlieb von Hippel

Release Date: January 7, 2017 [EBook #53912]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

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  BER DIE
  BRGERLICHE VERBESSERUNG
  DER WEIBER

  [Illustration]

  BERLIN, 1792.
  _in der Voischen Buchhandlung_




I.

FORMALE UND MATERIALE DER GEGENWRTIGEN SCHRIFT.


Man sagt: der strengste Beweis der Wahrheit sei, wenn gewisse
Dinge jeder Bemhung sie lcherlich zu machen und zu travestiren,
widerstehen, und wenn sie trotz allem Lcherlichen, womit wir
sie behngen, doch ehrwrdig bleiben. Wenn die krumme Linie die
Schnheits-Linie ist; so wird man es schwerlich bedenklich finden,
dem Lachen die Schlssel zum Himmelreiche der Wahrheit anzuvertrauen.
Ein milicher Umstand! der mich bei der gegenwrtigen Schrift in
eine nicht geringe Verlegenheit verwickelt, da ich einen Gegenstand
vorhabe, worin bei weitem der grte Theil des Ernsthaften mit dem
Lcherlichen, nicht von Anbeginn und von Natur, sondern durch
Verjhrung, so im Gemenge liegt, da hierbei nicht so leicht ein
Divisions-Exempel auf eine Auseinandersetzung gewagt werden kann. Wenn
ein Ritter von chtlustiger Gestalt den Kampf beginnt -- wer und was
kann vor ihm bestehen? welche Festung von System und Dogmatik sich
halten? _Sokrates_, der Weiseste, nicht unter den _Knigen_, sondern
unter den _Weisen_, dieser Erzkern in einer hlichen Schale, dieser
(wiewohl nicht mit sonderlichem Geschmacke gekleidete) Engel unter den
Menschen, ward in _den Wolken_ zur Farce; und welch ein Autor kann auf
einen heitern Recensenten- und Leser-Himmel sicher rechnen? -- Selten
gab es einen, der nicht aus dem Regen unter die Traufe gerieth, und
noch nie ging ein Licht in der Welt auf, ohne seinen _Aristophanes_
zu finden, der es, mir nichts, dir nichts, geradezu ausblies, oder --
unter dem Scheine des Rechts, als wollt' er es schneutzen -- es neckte
und verdunkelte. Fast scheint auf diese Weise das Lcherliche das
tgliche Brodt der Menschen zu seyn, und man wird sich ohne Zweifel
am besten befinden, wenn man in Zchten und Ehren mitlacht, oder seine
Schrift, des Bildes und der berschrift des Ernstes ungeachtet, zu
einem Tone stimmt, der nicht ernsthafte Blen (die lcherlichsten von
allen) giebt. -- Ihr werdet lange nicht so viel ber mich weinen, wie
ihr ber mich gelacht habt, sagte _Scarron_, der Ehevorfahr _Ludwigs
des XIV._, zu denen, die sein Sterbelager umringten und weinten.
Diese Vorstellung war im Stande, ihn im Sterben aufzuheitern -- und
warum auch nicht? -- Jetzt, da selbst die heilige Moral nicht mehr
im Klosteranzuge ihr Glck machen kann und will, vielmehr frhlich
und guter Dinge einhertritt, und die Becher, welche sie mit ihrem
herzerfreuenden Wein anfllet, zu bekrnzen gebeut; jetzt, da sogar
jede widerliche Auenseite des Menschen eher seines Herzens Hrtigkeit
als dessen Reinheit zu verrathen scheint: jetzt ist Frhlichkeit ein
lebensartiges Ingredienz geworden, und Lachen und Weinen leben in einer
so glcklichen Ehe, da jene philosophischen Gaukler, von denen der
eine nicht aus dem Lachen und der andere nicht aus dem Weinen kommen
konnte, schwerlich Professuren auf unsern Akademieen erhalten wrden.
Kinder, die der Natur am nchsten sind, lachen und weinen ber eine
und dieselbe Sache, und eine liebenswrdige Braut reit sich weinend
aus den Armen ihrer verwaiseten Mutter, um in eben dem Augenblicke
sich lachend in die Arme ihres Vielgeliebten zu strzen. -- Unser
Leben ist Ebbe und Fluth, immerwhrender Wechsel von Freude und Leid;
und sollten nicht alle Gegenstnde des gemeinen Lebens Spuren und
Eindrcke von der _comdie larmoyante_ des _verwnschten Schlosses
von Planeten_ zeigen, auf dem uns eine Menschen-Rolle angewiesen ist?
-- die schwerste vielleicht in Gottes weitem und breitem Weltall! --
vielleicht auch die leichteste, je nachdem sie gespielt wird. -- Aller
unvergelichen Bemhungen so mancher _edlen Ritter_ ungeachtet, welche
die Menschheit und durch sie _die Erde entzaubern_ wollten, ist das
Abentheuer noch nicht bestanden -- O der verdammten Hexe, der Snde,
die das _Verderben_ so braver _Leute_ ist! -- Wenn wir gleich durch die
Erinnerung des Todes nicht unseres ganzen Lebens Knechte sind; so sind
doch die Gedanken an den Tod und an Gott _die_, welche uns in jedem
Falle zu einem _Memento!_ bringen. Wahrlich! es war Philosophie, wenn
des Kniges _Xerxes_ Majestt ber sein Heer sich freute und traurig
ward. -- Jeder Schmerz hat seine Wollust; und wie schal ist nicht das
Vergngen, das nicht durch etwas Bitterkeit gewrzt wird! Vom Glck ist
dem Weisen nur zu trumen erlaubt; das Unglck, als das gewhnliche
Loos der Menschheit, mit Fassung zu ertragen, bleibt ihm unablliche
Pflicht: und es giebt in der That berall eine Mittelstrae, eine
gemigte Frhlichkeit und ein Lcheln, das bei warmen Thrnen im Auge
Statt finden kann. Alle vier und zwanzig Stunden giebt es Nacht und
Tag, ein Licht, das den Tag regiert, und eins, das die Nacht regiert.
-- Noch nher kann ich dieses Exordium legen, wenn ich bemerke, da
das schne Geschlecht, der Natur getreu, die gute und vollkommene
Gabe von oben herab besitzt, alle seine Bitterkeiten, deren es sich zu
seinen Wehr und Waffen zu bedienen pflegt, so zu bezuckern, und ihren
Ernst, vermittelst eines ihn lindernden Lchelns, so zu ermigen, da
ich keinen Augenblick Bedenkzeit nehmen darf, diesem liebenswrdigen
Beispiele zu huldigen und mich der beiden Gesichter des _Janus_ mit
patriotischer Freiheit zu erinnern. Auch scheint die Last, welche das
schne Geschlecht trgt, einem und bei weitem dem greren Theile
desselben so sanft und sein Joch so leicht zu seyn, da es vielleicht
im Diensthause Egyptens und bei den Fleischtpfen eines gemchlichen
wirklichen Alltags-Lebens zu verbleiben wnschen wird, ohne die
beschwerliche Reise nach Kanaan, wo Milch und Honig der Natur fliet,
antreten zu wollen. Selbst Damen von Bedeutung scheinen oft nicht zu
wissen, da sie in ihrem Prunk von Purpur und kstlicher Leinwand Leid
tragen, und da ihr Leben in Herrlichkeit und Freude eine _Leibes-_ und
_Lebens_strafe ist, die man ihnen im heimlichen Gericht zuerkannt hat.
-- Wo viel Glanz ist, da ist wenig Geschmack -- so wie gemeiniglich
Bigotterie und Sittenlosigkeit _getreue Nachbarn und desgleichen_ zu
seyn pflegen. Wahrlich! es ist der hchste Gipfel der Krankheit, wenn
Patienten Fieberhitze fr blhende Gesundheit halten und jede Arznei
von der Hand weisen; und so bersteigt es auch den gewhnlichen Grad
des menschlichen Verderbens, wenn Sklaven auf alle Rechte Verzicht thun
und ihre Verfassung auf das gute Glck der Denkungsart ihrer Gebieter
grnden. -- Und wer ist Schuld an diesem Gerichte der Verstockung?
das andere Geschlecht? wird man diesen Stab brechen, da selbst der
Naturverkndiger _Rousseau_, der alle Welt, und besonders die schnere
Hlfte derselben, zur Natur bekehren wollte, trotz dieser _gewaltigen
Predigt von Bue und Glauben_ am liebsten mit _vornehmen Damen_ umging?
Wie konnte seine Eitelkeit sich gtlich thun, wenn Standespersonen ihn
hervorzogen, ob er gleich ber das Verderben der hheren Stnde bei
aller Gelegenheit auer Athem kam! -- -- Doch ich will dem zweiten
Theile dieses Kapitels nicht vorgreifen. Mag sich meine Schrift in die
Zeit schicken, und von allen Seiten ihr Heil versuchen --! Mit der
Anrufung der heiligen Zahl der drei mal drei Schwestern soll sie sich
nicht brsten, da ein dergleichen _Oremus_ blo potischen Arbeiten die
Bahn zu brechen gewohnt ist; aber um alles in der Welt wnschte ich
nicht, da ihr die Ehre erwiesen wrde, die Bibliothek der erlauchten
Republik des _Plato_ zu zieren. -- Zur Sache.

Als _Ludwig den Vierzehnten_ wegen der neuen Lasten, die er seinem
schon gedrckten Volke zugedacht hatte, wirklich eine Art von
Gewissens-Schauer anwandelte, fand er in dem leidigen Troste seines
Beichtvaters _Tellier_, _da das Vermgen seiner Unterthanen sein
Eigenthum sei_, ein so sanftes Kssen fr dieses aufgewachte Gewissen,
da er sich kein Bedenken gemacht haben wrde, die Auflage, die ihn
beunruhiget hatte, aus dem Stegreife zu verdoppeln; und ohne Zweifel
ist dieser Khlerglaube der Grund zu jener Behauptung: _ich bin der
Staat_.

Die Gewohnheit wird so leicht zur andern Natur, da die Franzosen,
welche die Plackereien eines _Terray_, und die Hrte eines _Meaupou_
ertrugen, sich hinreichend glcklich schtzten, wenn nur ein kleiner,
vielleicht der unwrdigste, Theil die durch die Zehnten der Wittwen
und die Sparpfennige der Elenden gefllten Freudenbecher des Staats
in unmigen Zgen leeren konnte, whrend der andere grere und
arbeitende Theil, unter dem Joche der Willkhr der Despotie und der
Drftigkeit schmachtend, doch noch immer das Glck hatte, so gut es
sich thun lie', zu springen und zu singen, zu hpfen und zu pfeifen.
-- Bei einem so leichten, ber Alles sich wegsetzenden und mit einem
_Chanson_ sich aus aller Noth helfenden Vlkchen, war diese Zuchtruthe,
theils mit Peitschen, theils mit Skorpionen, um so weniger fhlbar,
da es an den Gallatagen und Staatsfesten der Ausgezeichneten unter
ihm, durch ein Freibillet vermittelst der Augen Theil nahm -- und
dieses Vlkchen lernte es je lnger je mehr ertragen, da jene den
_Freudenkelch_ fr sich allein behielten und es _fr sie alle_ thaten.
Die Brocken, die etwa dem Knstler und der Putzmacherin von den Tischen
dieser _reichen Mnner_ fielen -- waren ihnen eine Segenserndte, und
die Hunde der Groen leckten ihnen ihre Schwren -- Dies Jammer und
Elend ist kommen zu einem seligen End, und Laternenpfhle scheinen ber
Frankreich das Licht der Natur und einer Gleichheit aller Menschen
so stark verbreitet zu haben, da man vor lauter Licht das Licht
zuweilen nicht zu erblicken scheint. Es giebt Menschen, die den Wald
nicht vor den Bumen sehen, und gar zu hell macht dunkel: auch giebt
es moralische Blendlinge, die das Glck oder Unglck haben, da etwas
flittern zu sehen, wo das gesunde Auge des Verstandes nichts wahrnimmt.
Wie wr' es, wenn ich ohne Feldgeschrei und Sturmglocke, wie weiland
_Diogenes_, laternisirte und mit einer Handleuchte in der schnen Welt,
wo so viel berfluss von tausend und abermal tausend Dingen fr Geld
oder fr gute Worte zu haben ist -- Menschen suchte? -- Ob ich finden
wrde? -- Einige Auflsungen sind mit Brausen verbunden; bei einigen
entstehet eine Hitze, bei einigen eine Klte. -- Da Ew. Excellenz sich
nur ja nicht ereifern, vielmehr Hochdero Galle fr Ihren ungetreuen
Liebhaber _Num._ 30. besparen! -- Eine Schwalbe macht keinen Sommer,
und meine Laterne ist mit einem Hauch Ihres Eifers ausgeblasen. Wollten
Ew. Excellenz in aller Zucht und Ehrbarkeit Sich in einen wohlgemeinten
Wortwechsel mit mir einzulassen geruhen; Sie wrden, wie ich nach der
Liebe hoffe, Sich eines andern besinnen, und vielleicht berzeugt
werden, da ich weniger Vorwrfe verdiene, als alle Ihre Liebhaber
bis auf den _sub Num._ 30., der es freilich auer der Weise macht,
woran inde ich und meine Schrift auch nicht auf die entferntste Weise
Schuld sind -- Bin ich gleich kein galanter, so bin ich doch ein treuer
Verehrer eines Geschlechtes, unter welchem Sie und viele andere Ihres
Gleichen so unrichtig _Excellenz_ heien, wogegen andere trefliche
Weiber, welche diesen Ehrennamen zehnfach verdienen, aus Hof-Etiquette
nicht so genannt werden.

_Keinem anderen als einem Deutschen konnte wohl ein solches Buch
einfallen!_

Auch unter den Franzosen gab es Sonderlinge, die, wenn sie gleich
freilich nicht mit der Thr ins Haus fielen, und an keine brgerliche
Verbesserung des schnen Geschlechtes dachten, ihm doch ein anderes
Verhltni anwiesen. Ich habe geglaubt, man msse dem bel die Wurzel
nehmen und den Staat nicht aus dem Spiele lassen.

_Frankreich, wo jetzt alles gleich ist, lie unser Geschlecht
unangetastet._

Unverzeihlich! wie konnte ein Volk, das (wie weiland _Voltaire par
et pour_ die Komdianten lebte) _par et pour_ das schne Geschlecht
existirt, bei der weltgepriesenen allgemeinen Gleichheit ein Geschlecht
vernachlssigen, das eine Knigin hat, derengleichen es gewi wenige in
der Welt gab. --

Wenn ich nur selbst wte, wie ich mich hier ins Mittel legen knnte,
um aus diesem _excellenten_ Handel mit Ehren herauszukommen! -- Wohlan!
ich will den gegenwrtigen Weltlauf der Damen copiren, die in Einem
Athem trotzen und bitten, fluchen und segnen -- --

Vielleicht war das menschliche Geschlecht blo darum so vielem Wechsel
von Licht und Finsterni, von Veredlung und Herabwrdigung, von
Paradies und Fall ausgesetzt, weil man die Rechnung ohne die schne
Welt machte. Es ebbte und fluthete, je nachdem man von dieser andern
Hlfte Notiz nahm und je nachdem man sie als etwas Wesentliches in der
Menschheit oder als etwas Beilufiges ansah, das schon die Ehre haben
wrde, der Principalsache zu folgen. Man sah das schne Geschlecht,
wie den Reim, kaum fr etwas mehr, als fr eine Krcke an, wodurch
sich der Gedanke forthilft; und bei Messiaden und andern Werken der
Dichtkunst, wo man ohne Krcken ging -- mute das andere Geschlecht
sich gefallen lassen, zu kurz zu kommen. Jener Rmische Rechtsspruch:
Mit dem Rechtsma, mit dem man Andere mit, mu man sich selbst messen;
schien hier vllig seine Kraft verloren zu haben, wenn er gleich zu
jenen ins Herz geschriebenen gehrt, die zu bertreten eine Snde
wider den heiligen Geist ist. -- Wie ist ein Stoff zu organisiren,
wenn es nicht auf die Vereinfachung des Vielfachen angelegt wird? Wie
ist dem menschlichen Geschlechte zu rathen und zu helfen, wenn man
so entsetzlich einseitig verfhrt? Der Himmel der alten Welt hatte
seine Gttinnen so gut wie seine Gtter; nur unter den Menschen soll
es keine anderen Gtter geben neben den Mnnern von Gottes Gnaden! --
Ist es ein Seelenfest, wenn entfernte, einander vllig fremd gewordene
Gegenstnde in der Geisterwelt sich zusammen finden; wenn sich oft das
Allerverschiedenste in einem Berhrungspunkte des Denkens trifft, wo
seine ursprngliche Verwandtschaft wieder einleuchtend wird; wenn sich
dergleichen von einander abgekommene Gegenstnde Hnde und Trauringe
geben und eine Himmelsstimme sich hren lt: was Gott zusammen fgt,
soll der Mensch nicht scheiden; ist es unaussprechliche Wonne, wenn
Freunde nach langen See- und Landreisen sich wieder an Stell' und Ort
umarmen und sich an die paradiesischen Jahre ihrer Jugend erinnern, wo
sie Ein Herz und Eine Seele waren: wie weit herrlicher wird es seyn,
wenn das andere Geschlecht sich wieder zu dem unsrigen verhlt, wie
_Eva_ zu _Adam_, und nicht wie Ew. Excellenz zu _Num._ 30! -- Lat
uns dies Werk der Zeit berlassen, die bisweilen aus unbegreiflicher
Gte Combinationen zusammen bringt, auf welche, nach dem gewhnlichen
Laufe der Dinge, weder zu rechnen, noch Jagd zu machen war -- Lat uns
auf den Zeitpunkt uns freuen, wo der Tag der Erlsung fr das schne
Geschlecht anbrechen wird, wenn man Menschen, die zu gleichen Rechten
berufen sind, nicht mehr in der Ausbung derselben behindert -- und
wenn man das, was so augenscheinlich gleich ist, nicht so willkhrlich
unterscheidet. -- Ich wrd' ein Frauenknecht in bester Form seyn,
wenn ich behaupten wollte, da diese goldene Zeit vom Himmel fallen
werde. Verdienst und Wrdigkeit sind die Bedingungen menschlicher
Glckseligkeit, und der Mensch, sein eigener Bildner, kann aus dem
Marmorwrfel, den die Natur ihm zuwarf, einen Gott und ein Thier
machen -- nach Belieben. Blo auf die Behauptung schrnk' ich mich ein,
da der Stoff, woraus eine _Venus_ ward, sich eben so gut zu einem
_Merkur_ verarbeiten lt; da den Weibern das _Recht der Gerade_
gebhrt; und da, wenn die Natur das menschliche Geschlecht zu schaffen
_anfing_, sie den greren Theil uns selbst berlie, um die Ehre der
Schpfung mit uns zu theilen. Thtigkeit ist die Wrze des Genusses,
und Genu die Wrze der Thtigkeit. -- Es ist dem Menschen angeboren,
sagt _Cicero_ (mit andern Worten), da, wenn er sich Gott denkt, die
menschliche Natur vor ihm schwebt. -- Man definire den Menschen, wie
weiland der gttliche _Plato_, als _ein zweifiges Thier ohne Federn_,
oder als ein _Geschpf_, das sich wie ein Tanzmeister _gerade_ hlt,
als Gott, als Thier: nirgends sind Weiber ausgeschlossen; nur mssen
sie auch nicht sich selbst ausschlieen -- und wollen und werden sie
das? _Wesley_, der Stifter des Methodismus, hatte die Maxime, da
es ohne Fasten und Frhaufstehen unmglich sei, in der Gnade zu
wachsen -- Was gilt das beste Recht, wenn man sich desselben unwrdig
macht! Das fruliche Geschlecht soll in der Gerechtigkeit, und nicht
in der Gnade, wachsen; inde kann ich ihm kein anderes als dies
Methodisten-Recept verschreiben: _Wachsamkeit und Enthaltsamkeit_ --
Welch ein Frst, und wr' es der reichste und mchtigste, ist glcklich
ohne persnliches Verdienst --? _Thomas Payne_, der den Vorwurf, ein
Frstenfeind zu seyn, hchlich von sich ablehnt, und protestirend
versichert, da Niemand treuer als Er wnschen knne, die regierenden
Herren zu der glcklichen Lage der Privatmnner zu erheben, bedachte
nicht, da jeder Frst nicht nur ein politisches, sondern auch ein
Privatleben fhrt -- da Frsten mehr persnliche Verdienste zeigen
mssen, als andere, wenn sie geliebt und bewundert werden wollen, und
da sie Frsten bleiben und doch sich persnlich auszeichnen knnen.
Das ist, mit Ewr. Excellenz gndiger Erlaubni, der Fall mit Ihrem
Geschlechte. -- _Quand le bon ton parot, le bon sens se retire._ -- --

Eine _Gardefou_, eine Warnungstafel, den Blden zum Besten: da ich
hier mit keiner wirklichen Excellenz wirklich colloquirt habe; denn
auerdem, da ich alsdann gewi weniger zum Wort gekommen wre, wrd'
ich auch meine wenigeren Worte unschwer zu verzuckern nicht ermangelt
haben. -- Wenn der Knstler auf bloe Portraite eingeschrnkt ist und
keine Ideale mehr wagen darf, so agonisirt seine Kunst, und auch sein
Genie liegt in den letzten Zgen; doch mu man in seinen Idealen eine
auserlesene Sammlung von Portraiten finden, falls sie den Namen Ideale
verdienen sollen. In einer _Venus_ lag ein Extrakt von fnfhundert
schnen Mdchen -- Meine Excellenz ist in der Ideenwelt; sie wird
inde hoffentlich kenntlich genug geblieben seyn, und man kann ihren
Widerschein gewi mehr als fnfhundert mal finden. Die eigentliche
Absicht war, vermittelst dieses magischen Spiegels mein Mthlein an
der geflligen Ungerechtigkeit zu khlen, die unser Geschlecht dem
schnen beweiset -- ohne da das letztere es dazu anlegen will, sich
von seinen Knigen zu befreien, wie weiland _Rom_, nachdem _der stolze
Tarquin_ wegen seiner Tyrannei vom Throne gestoen und diese Handlung
mit dem Grundgesetze bezeichnet ward: die knigliche Regierung auf
immer und ewig abzustellen. Sehr viel mehr als ein _Balken-Knigreich_,
das man aus einer alten Fabel kennt, war und ist unsere Herrschaft doch
nicht -- und es giebt ein moralisches Nestelknpfen, kraft dessen (zum
wahren Glck des Ganzen) nur wenige Mnner zur eigentlichen Herrschaft
gelangen. -- Damit ich inde dieses erste Kapitel, welches einer
Parlements- oder gar National-Versammlungs-Rede nicht unhnlich ist,
einlenke, so glaub' ich, dem Buche _ber die Ehe_, diesem belobten und
betadelten Ehe-Katechismus, mit dem ich es weder halten noch verderben
mag, nicht zu nahe zu treten, wenn ich zur Zerstrung der galanten
_Bastillen_, der huslichen Zwinger und brgerlichen Verliee, worin
sich das schne Geschlecht befindet, mit einem einzigen Operations-Plan
Markt halte, und _die brgerliche Verbesserung der Weiber als ein
diensames Mittel diesen Zweck zu beschleichen_, empfehle, anbei aber
glaubensvoll versichere, da dieser weniger im Schwei des Angesichts
zu erringende, als so zu erhaltende _Stand im Staate_, beiden
Hemisphren des menschlichen Geschlechtes heilsam seyn werde, zeitlich
und ewiglich. -- Ruhig und berzeugend gehet die Vernunft, und nur da,
wo man sie mit ungleichen Waffen unrhmlich bekmpfen will, wo das
Vorurtheil den Handschuh wirft, und Gewalt ihr den Weg vertritt, pflegt
auch sie ihren eigentlichen wohlberdachten Plan aufzugeben, und ihm
einen andern unterzulegen, wodurch nicht das Bessere befrdert, sondern
Schlechtes mit Schlechterem verwechselt wird: etwas Blindes mit etwas
Lahmen; man verndert, ohne zu verbessern. Ein untrgliches Merkmahl
aller Schwachkpfe, vom Thron bis auf den letzten Officianten-Sessel.
-- Es gab, Gottlob! von je her Weiber, und es giebt ihrer noch, denen
ihr Stand der Erniedrigung eine zu starke Probe ist; Weiberkpfe,
die nicht ihre Weiblichkeit, sondern die willkhrliche Behandlung
derselben von Seiten unseres Geschlechtes beseufzten, und die
ihrer Erlsung entgegen sahen -- meine Schrift soll ihnen keine
Heerfhrerdienste leisten. -- Man kann durch Lehren lernen, und durch
Gehorchen sich im Befehlen unterrichten. Ich leg' es so wenig darauf
an, das andere Geschlecht Knall und Fall von seiner Sklaverei zu
befreien, da ich mich vielmehr begnge es aufzumuntern, diese Erlsung
zu verdienen. Des _Himmels wrdig werden_, heit nicht viel weniger,
als _ein activer Himmelsbrger seyn_. -- -- Findet auch selbst diese
bescheidene Absicht steinichte cker und steinerne Herzen -- immerhin!
-- es ist ja nichts weiter als ein Buch, das ich verbreche; wahrlich
eine Kleinigkeit. Wirkte je eins? auf frischer That? an Stell' und Ort?
u. s. w. Erfahrungen, Empfindungen solcher positiven bel, welche der
menschlichen Natur widersprechen, wirken; und wenn gleich die Mehrheit
der Hnde vielfltig entschieden hat, und noch entscheiden kann, so
gilt doch dieser _Vorzug_ der _Thter_ nicht von der Pluralitt der
_Leser_, die sich zu Denkern etwa wie Eins zu Hundert verhalten. Und
du lieber Gott! selbst die Denker! sind sie nicht eine so unsichtbare
Kirche, da nur der Herr die Seinen kennet? Wahrlich! es hat auf die
Wirkung keinen Einflu, ob ein Buch zehn, fnf oder nur Eine Auflage
erlebt; und der Autor, der nach der Anzahl der verkauften Exemplare ein
angeworbenes Heer mit ihm gleich denkender Menschen, die vermittelst
seines Buches Handgeld genommen, berechnen will, scheint weder Bcher
noch Menschen zu kennen -- man mu ihn in die Schule schicken. Einer
jeden Schrift, sie sey we Standes oder Ehren sie wolle, stehet das
gewhnliche Schicksal aller Schriften bevor: gelesen und vergessen
zu werden; falls sie sich blo auf Meinungen einschrnkt (die
unschdlichsten, unwirksamsten Dinge in der Welt, wenn anders der
Censor ihnen nicht einen Schein von Bedeutung beizulegen die ungtige
Gte hat.) -- Gelingt es mir inde, Leben und Erfahrung in mein
Bchlein zu legen und einen Geist in die todten Buchstaben zu hauchen;
so werd' ich wenigstens auf einen Theil der Ehre rechnen knnen,
welche sich der mndliche Vortrag gegen den schriftlichen herausnimmt,
indem es von ihm heit: der Glaube kommt durch die Predigt. --

Bei solchen Umstnden ist mein Zweck freilich eine Reise um die Welt,
ohne da ich mein Zimmer verlasse. Ob dies gerade die gemchlichste
Art zu reisen sei, mag unentschieden bleiben; die unfruchtbarste ist
sie wenigstens nicht. _Newton_ ma in seinem Lehnsessel die Erde, und
bestimmte, ohne den _Chimborasso_ bestiegen und in _Tornea_ gefroren zu
haben, ihre Figur, Jahre lang frher, als die Herren _Condamine_ und
_Maupertuis_; auch bin ich nicht der Erste, der so reiset. --

Wie, wenn ich die gegenwrtige passive Existenz des schnen
Geschlechtes in ihrer wahren Ble zu zeigen glcklich genug wre, um
den Vorzug verdchtig zu machen, im Nichtthun stark zu seyn! wenn ich
einem genugierigen Volke, das fr den sinnlichen Luxus oft selbst den
moralischen verschwendet, indem es fr die Nothwendigkeit knickert,
konomischere Grundstze beibrchte, und es bewegen knnte, ber Leib
und Seele _Credit_ und _Debet_ zu verzeichnen und Buch zu halten! wenn
meine wohlgemeinten Vorstellungen bewirkten, da die Weiber nicht in
dem Grade mnnlich wrden, wie die Mnner weiblich, sondern da Mann
und Weib sich Mhe gben, wirklich Mann und Weib zu seyn, da jetzt,
aus verjhrter Unordnung, in Hinsicht der Geschlechter Niemand recht
wei, wer Koch oder Kellner ist! wenn ich, frei von jeder Explosion,
blo jenes Ziel nher brchte, welches die Natur in eigner hoher Person
angewiesen hat! wenn mich das gewhnliche Schicksal der Reformatoren
nicht trfe, die Alles auer der Jahreszeit hervorbringen wollen, denen
es an Geist und Nachdruck gebricht, den Zeitpunkt schneller herbei zu
fhren, und die, was noch rger ist, sich auf die Pulsschlge der Zeit
so wenig verstehen, da sie gemeiniglich _zu frh_, und, wenn das Glck
gut ist, _zu spt_ zu kommen die Ehre haben! -- Des hoffnungstrunkenen
Schriftstellers! Man hat in unserer Zeit so sehr die brgerliche
Verbesserung der Juden empfohlen; sollte ein _wirkliches Volk Gottes_
(das andere Geschlecht) weniger diese Sorgfalt verdienen, als das
_so genannte_? -- Liegt der Same der Erbsnde nicht in den Mttern?
und lagen die Verhinderungen einer moralischen Verbesserung des
menschlichen Geschlechtes -- welche Verbesserung die besten Menschen
in der Welt, und unter diesen FRIEDRICH DER ZWEITE, anfnglich so
thtig bezweckten, nachher aber betrbt aufgaben -- nicht vorzglich
darin, da man das _schne_ Geschlecht in seinen Ruinen lie und
diesen Tempel blo aus _unserm_ Geschlecht errichten wollte? Ist es
nicht unverzeihlich, die Hlfte der menschlichen Krfte ungekannt,
ungeschtzt und ungebraucht schlummern zu lassen --? Gesellschaft setzt
unter den Verbundenen eine Gleichheit voraus, wozu es der Urheber
der Menschen auch angelegt hat, der die Menschen aufrichtig machte;
nur leider! suchen sie viele Knste. In allen Gesellschaften, woran
Weiber Theil nehmen, verbreitet sich Anstand; und sollte dies nicht
auch der Fall beim Staate seyn, in dessen Geschfte ein andres Licht
und Leben kommen wrde, wenn Weiber den Zutritt htten, in ihnen ihr
Licht leuchten zu lassen und ihnen einen anderen Schwung beizulegen?
-- Wir haben fr unsere Gesellschaften noch keine Pflichtvorschriften;
und doch fhrt man sich hier ohne Gesetzbuch so exemplarisch, da oft
Ungezogene, die der Staat aufgab, mit augenscheinlichem Vortheile
in diese Schule gingen, und aus ihr als gebesserte Menschen zur
Universitt des Staates gebracht wurden. -- Ich getraue mir (den
Gegenbeweis unverschnitten) auer Zweifel zu setzen, da in allen
weiblichen Regierungen gewisse feine Zge des Anstandes aufzuspren
seyn wrden, welche bei einem groen Theile der Menschen mehr bewirken,
als ein wohlbestallter Codex voll kunstgerechter Strafflche. Dieser
se Geruch der Empfehlung, dieses Gewrz des Wohlgefallens -- wie
liebenswrdig! Die Gesetzgebung der GROSSEN KATHARINA DER II. hat
davon laute Spuren. -- Schon die Gegenwart der Frau vom Hause, die
doch das Hausrecht gewi nicht in aller Strenge handhaben kann, macht
den Mnnern die Sprache der Bescheidenheit nothwendig -- und will man
einwenden, da die Ohren alsdann gerade nur so viel keuscher geworden
wren, als das Herz unkeusch; so vergit man, da ein gewisser Schein,
eine gewisse Heuchelei, die man _Lebensart_ nennt, unter den Menschen
so nothwendig ist, da die Menschen ohne diese Lebensart nicht, wie
ein Paar _Augures_ der alten Zeit, wenn sie einander begegneten, oder
ein Paar der neuern, wenn sie ein _Consilium_ wegen der letzten hlung
eines Patienten halten, ber einander lachen, sondern sich verabscheuen
wrden. -- Die Reinheit der Zunge wirkt zurck; und wessen das Herz
voll ist, geht der Mund ber. --




II.

GIEBT ES AUSSER DEM UNTERSCHIEDE DES GESCHLECHTES NOCH ANDERE ZWISCHEN
MANN UND WEIB?


Als nach dem Rathe, den Gott ber das Schpfungswerk gehalten hatte,
dieser Plan ausgefhrt werden sollte; schuf Er das erste und beste
Paar von Menschen gleich im mnnlichen und mannbaren Alter, so da
ihre Hochzeit keine Stunde ausgesetzt werden durfte. Sie kamen mit
den erforderlichen Jahren zur Welt, wie regierende Herren ihrem
neuen Adel Ahnen verehren -- Das _Mnnlein Adam_ hatte zwar die
Ehre der Erstgeburt; inde ward _Frulein Eva_ vollkommen dadurch
entschdigt, da sie aus einer Rippe _Adams_, dieser dagegen nur aus
einem Erdenklo zur Welt gebracht wurde --! _Eine Schpfung also
aus der zweiten Hand?_ Warum nicht gar aus der dritten --! Schuf
nicht eben die Schpferhand, welche _Adam_ geschaffen hatte, auch
_Eva_? und gereichet diese Rippen-Hieroglyphe nicht in mehr als Einer
Rcksicht zum Vorzuge des Weibes? Keins erzog das andere; Keinem fiel
es ein, sich ber das andere zu erheben und Vaterrechte zu behaupten.
-- Elternrecht, das schnste und ehrwrdigste, das die Menschheit
kennt, der Urquell der liebenswrdigsten Tugenden, hat (wer sollt' es
denken!) die Ungleichheit unter den Menschen erzeugt. Gute Eltern,
solch eine ungerathene, ausgeartete Tochter! Sind inde viele Laster
nichts anders als ungezogene Tugenden; sind, nach dem Ausspruch
eines Heiligen, unsere Tugenden blo schne Snden: so wrde man ein
Verbrechen an der Menschheit begehen, wenn man nicht auch dem Bsen
und dem Ideal desselben, dem Teufel, Gerechtigkeit erweisen wollte.
-- Wenn man ja, nach der ltesten Urkunde das menschliche Geschlecht
betreffend, einem Theile dieses ersten Menschenpaares einen Vorzug vor
dem andern beilegen wollte; so wrde _Eva_ den Zankapfel von jedem
_Paris_ erhalten -- _weil sie schner als Helena war? und weil jeder
Paris bei aller Sinneseinfalt eine Mannsperson bleibt?_ Nein! sondern
weil _Adam_ durch sie zum Falle gebracht ward, oder (wie diese hohe
und tiefe, erhabene und schne Hieroglyphe nicht unrichtig gedeutet
werden kann) weil er sich durch sie zum Gebrauch und zur Anwendung,
zum Durchbruch der Vernunft hinaufstimmen lie. Der seligen Stimmung!
-- _Eva_ war das Pupillen-Amt, welches die Majorennitts-Erklrung
ber den unmndigen _Adam_ aussprach, nachdem er zeither vielleicht
unter der Vormundschafts-Direktion der braven _Eva_ gestanden zu haben
scheint, die sich schon zuvor in einigen Stcken manumittirt haben
mochte -- Sie zerbrach die Ketten des Instinkts, der die Vernunft
nicht aufkommen lie, und triumphirte -- _Eva_ sollte _die Vernunft_,
ihr zum Andenken, heien. Die erste Hauptrevolution konnte, wie jede
Revolution, nicht ohne Drangsale und Unruhe seyn. Diese sind nach der
Natur des Menschen so nothwendig, da ich nichts wei, es sey etwas
Theoretisches oder Praktisches, was, wenn es sich anders auszeichnet,
nicht durch Zerrttung und Leidenschaft empfangen und geboren wre --
Nur immerwhrend kann dieser Braus und Saus nicht seyn und bleiben.
Die Wellen mssen sich legen und die Vernunft mu endlich obsiegen --
So ging es bei der ersten Revolution, und so mu es bei einer jeden
andern gehen, wenn sie anders diesen Namen verdienen soll. Diese
Lobrede auf _Eva_, welche ihr von wegen der Vernunft-Revolution so
wohl gebhrt, wrde vielleicht zu einer theologischen, juristischen,
medicinischen oder philosophischen Disputation, oder zu einem Aufsatze
fr irgend ein zeitverkrzendes Journal, hinreichende Gelegenheit an
Hand und Kopf geben, wenn man nur wte, wie man den ungebetenen Gast
von Assistenzrthin, die Schlange, aus dem Spiel bringen knnte. -- Mit
diesem Eheteufel ist leider! nichts anzufangen -- Kurz und gut, sagt
der glubige _Thomas Payne_, ich bin dem ganzen Teufel von Monarchie
feind. -- Da es aber, mit Herrn _Payne's_ Erlaubni, auch gar hliche
Republikteufel geben kann und giebt; so ist es am Besten, alle Teufel
zum Teufel zu jagen. Vielleicht die beste Gerechtigkeit, die man ihnen
erweisen kann. --

Die Schpfungsgeschichte erwhnet, nach dem klaren Inhalt derselben,
keines andern als des Geschlechtsunterschiedes. _Lasset uns Menschen
machen_ -- _und er schuf sie ein Mnnlein und ein Frulein_ -- -- Es
ist eine weit sptere Epoche, wenn es heit: _Dein Wille soll deinem
Manne unterworfen seyn und er soll dein Herr seyn!_ Und denkt man
sich unter der Geschichte des Falles ein Bild von der Befreiung des
Menschen von dem paradiesischen Joche des Instinkts, und vom Ursprunge
des gesellschaftlichen Zustandes, zu welchem die weise _Eva_ die
Gelegenheitsmacherin und Heroldin war; so scheinen diese prophetischen
Worte den traurigen Zustand zu verkndigen, den _Eva_ ihrem Geschlechte
durch diese Heldenthat zuzog. -- Ob inde die Natur der Sache jene
allererste Urkunde und ihre Auslegung besttigen wird? Zu bersiebnen
sind dergleichen alte und wohlbetagte Dinge nicht; und wozu auch diese
gefhrliche Beweisart --? wozu, da wir Vernunft und Erfahrung als
_Zeugen zum ewigen Gedchtni_ anrufen knnen. Aus dieser zweier Zeugen
Munde bestehet alle Wahrheit. --

Die Natur scheint bei Bildung der beiden Menschengeschlechter nicht
beabsichtiget zu haben, weder einen merklichen Unterschied unter
ihnen festzustellen, noch eins auf Kosten des andern zu begnstigen
-- Der Geschlechtsunterschied kann nicht zur Antwort dienen, wenn die
Frage ist: ob das mnnliche Geschlecht mit wesentlichen krperlichen
und geistigen Vorzgen vor dem weiblichen ausgestattet worden sei?
Andere Unterschiede, als die welche auf die Geschlechtsbestimmung
gehen, zu entdecken, hat dem anatomischen Messer bis jetzt noch nicht
gelingen wollen; und doch behauptet dies Instrument bei der goldnen
Regel: _Erkenne dich selbst_, einen unleugbaren Einflu; und berhaupt
hat das brave Eisen dem menschlichen Geschlechte weit mehr Dienste
geleistet, als das prahlerische Gold -- Wer zuerst den Magneten die
_Eisenbraut_ nannte, bewies fr Magnet und Eisen eine Achtung, die
beiden gebhrt. -- Was htte die Natur veranlassen knnen, die Eine
Hlfte ihres hchsten Meisterstcks zu beglcken und zu ehren, die
andere dagegen zu verkmmern und zu vernachlssigen, und zwar gerade
in umgekehrtem Verhltnisse? Bei Erreichung jenes groen Naturzwecks,
wo Menschen das gttliche Ebenbild des Schpfers darstellen, hat
das weibliche Geschlecht einen ungleich wesentlicheren Antheil als
das mnnliche, und zwar sowohl in Hinsicht der Substanz als der
Form. Dieser Absicht recht weise vorzuarbeiten, sollte die Natur
die Weiber haben schwcher bilden oder unvollendet lassen wollen?
Nicht eben schwcher, sagte ein Weiberfeind, als er diese Stelle
im Manuskripte las, aber weniger gang und gebe. Mgen Weiber Stahl
seyn, die Mnner Eisen --. Nicht also; und warum ein Vergleich auf
Schrauben, da das schnurgerade Recht auf der Weiberseite ist! Wir,
glaubt man, wren Gottlob! vllig ausgeschaffen; und nun zerbrach
der Meister die Form von Thon, und das andere Geschlecht, in der
Reprsentantin _Eva_, war ein Unternehmen auf gutes Glck, auf
den Kauf, eher hingeworfen als zu Stande gebracht, angefangen und
nicht vollendet --! Das Weib, dem das eigentliche Geschft bei der
Vermenschlichung der gttlichen Schpfung anvertrauet ward, sollte
die Merkzeichen der Ohnmacht und der Drftigkeit an sich tragen?
Die allmchtige Natur sollte ihre Stellvertreterin schwach gelassen
haben, um nicht nur _schwache_ Personen ihres _eigenen_ Geschlechtes,
sondern auch _starke_ des _unsrigen_ zur Welt zu bringen? Doch
scheint es so; und freilich, wenn Erfahrung spricht, mu Vernnftelei
schweigen, knieen und anbeten -- Der einzige Winkelzug, der ihr brig
bleibt -- Erfahrung! und was lehrt sie? Das andere Geschlecht sey im
Ganzen kleiner, schwchlicher angelegt, besitze weniger krperliche
Krfte, und sey mehrern Krankheiten unterworfen. Bedarf es weiteres
Zeugnisses, um die Vernunft zu der Schlufolge zu bequemen: dies
wren Geschlechtsunvollkommenheiten, von welchen die Weiber bei der
Ordnung der Dinge nicht entbunden werden konnten? Alles ist gut,
was nicht anders seyn kann, und im _Mu_ liegt eine Schatzkammer von
Beruhigungsgrnden, vermittelst deren man bei ein wenig Philosophie
das: _ich Mu_, mit dem: _ich Will_, so auszushnen wei, da hier
jeder Fluch sich in Segen, und die _arge bse_ Welt sich in die _beste_
verwandelt. Friede mit der Natur und mit dem schnen Geschlechte; und
Friede mit uns Allen! Wie aber, wenn es so gut Trugerfahrungen als
Trugschlsse gbe? wenn der Schein betrge? Die Vernunft frchtet sich
vor den Sinnen; und wenn wir die Operation an uns vollziehen zu lassen
vllig entschlossen sind, wenden wir doch in der Stunde der Anfechtung
das Auge weg -- Vernunft, Herz und Sinne arbeiten sich in die Hand;
und nicht nur das Herz des Menschen, sondern auch seine Vernunft und
seine Sinne sind trotzig und verzagt: wer kann's ergrnden? Bald dnkt
der Mensch sich, ein Gott, bald weniger als ein Thier zu seyn -- Nackt
und blo kommt er zur Welt, und wenn andere Thiere bewaffnet und
bedeckt sind, knnen Se. Majestt der Mensch sich nicht entbrechen,
das knigliche Recht an Thieren auszuben, um sich zu ernhren und zu
bekleiden -- Diese Finanzregierung wird oft so sehr mit dem Stabe Wehe!
gefhrt, da die Thiere bei der Natur die bittersten Klagen gegen ihre
Allerdurchlauchtigsten Beherrscher fhren knnten -- und auch ohne
Zweifel fhren, wenn anders der Apostel _Paulus_ recht beobachtet hat.
Denn in der That die Natur hlt ein schreckliches heimliches Gericht,
das schrecklichste, das gedacht werden kann! Noth lehrt beten, bitten
und nehmen; allein sie ist auch eine weise Lehrerin der Migkeit --
und wer diese ihre Stimme verkennt, in dem ist nicht die Liebe des
Allvaters, dessen Kind Alles ist, was Leben und Athem hat. Nichts
mehr als weinen kann der Mensch ohne Lehrmeister, zum Zeichen, da er
bei weitem nicht das hchste Loos zog; -- denn da er sich nicht zu
berechnen versteht, so ist der Gewinn oft schdlicher als eine Niete.
Lieber! dergleichen Klagen sind durch das Machtwort: _Vernunft_,
berwunden. Ohne Schwche hrt der Mensch auf, Mensch zu seyn -- und
wer es in diesem Erdenleben auf etwas Hheres anlegt, begiebt sich in
Gefahr, weniger zu werden und den Zweck des Schpfers zu verrcken.
Kennen wir ein edleres Geschpf auer ihm, in welchem die Kraft liegt,
sich Gott und eine reine Tugend zu denken? -- und diesen Vorzug hat
auch der Verworfenste nicht aufgegeben -- Einen Augenblick, nicht
aber immer, kann der Mensch auf das Ebenbild Gottes Verzicht thun --
Ist die Vernunft nicht mehr als Alles? und verdient sie diesen Namen,
wenn sie nicht Begierden einschrnken kann? Kann man nicht das Thier
am Menschen fast vergttlichen und seine Leidenschaften, wie die
Meereswoge, bedrohen --? Wo _sie_ ist, da wohnt Menschheit, und bei den
Strahlen ihrer Gottheit diese Wrde im andern Geschlechte verkennen
wollen, heit: keine Regel brig lassen, seinen eigenen Werth zu
bestimmen. Nicht steinerne Gesetztafeln wrde man zerbrechen, sondern
am gttlichen Geiste, der in uns ist, sich versndigen -- -- Kann etwas
_Sache Gottes_ seyn, was der _Vernunft_ widerspricht? oder will Gott
seine Sache je durch solche Mittel gefhrt wissen? Durch die Vernunft,
den Widerhall seines Mundes, ist Er nicht fern von einem Jeglichen,
der mittelst ihrer Ihm hnlich ward und in Ihm lebet, webet und ist.
-- -- Mein Feldzeichen ist keine nichtswrdige Prconisirung, sondern
Wahrheit und Gerechtigkeit. Ist das weibliche Geschlecht in der Regel
wirklich kleiner, als das mnnliche? ist nicht die Gre berhaupt
etwas sehr Relatives, welches in Klima, Nahrungsmitteln und andern
uns unbekannten Ursachen wesentlichere Bestimmungsgrnde findet, als
in dem Geschlechtsunterschiede? Jenseits der Wendecirkel und unter
der Linie ist die Menschenart weit kleiner, als innerhalb derselben.
ber den zwanzigsten und sechzigsten Grad der Breite hinaus wrden
unsere Werbehuser ungefhr so viel Glck machen, wie ein Besuch der
_Boucaniers_ auf _Tierra del Fuego_ in den Hhlen der _Pescherhs_.
Reisende behaupten, da Mnner und Weiber dort gleichen Strich
halten, und da, wenn ihnen nicht der Unterschied der Kleidung und
etwa der Bart aushlfen, die beiden Geschlechter von einander nicht
unterschieden werden knnten. Oder sollten diese Klimate hier etwa der
Entwickelung des weiblichen Krpers gnstiger seyn? Mit nichten; ihr
frhes Dahinwelken widerspricht dieser Muthmaung: schon das dreiigste
Jahr bedeckt sie mit Runzeln. Auch in gemigtern Himmelsstrichen giebt
es Verschiedenheiten in Rcksicht der Gre, und unter ihnen Racen, die
sich von den brigen auszeichnen, so wie die Bewohner der Marschlnder
in der Regel grer sind, als die Bergbewohner, als ob die Natur diesen
Menschen den Berg mit in Anschlag gebracht htte -- und am Ende, was
thut die Gre?

Aber die Schwchlichkeit gegen den nervigen, eckigen, mnnlichen
Krperbau gehalten! Freilich wrde sie mehr beweisen; doch frcht'
ich, die Erfahrung sagt auch hier weniger, als wir sie sagen lassen --
Ehe wir die Fehde beginnen, ist die Musterung der Heere nothwendig.
Verabschieden wir unser elegantes, luftiges Vlkchen, lt das andere
Geschlecht seine Damen der hheren Klassen sammt ihren Zofen zu den
lieben Ihrigen heimkehren -- was gilt die Wette? Selbst wenn unsere
eleganten Damen mit unsern eleganten jungen Herren sich in Fehde
einlieen -- auf welcher Seite wre Hoffnung zu gewinnen? -- Bei
Vlkern, die auf der ersten Stufe der Cultur stehen, ist das Schicksal
des weiblichen Geschlechtes hart: bei Jgernationen, denen Hausthiere
unbekannt sind, ist das Weib das lastbare Thier, welches den Mann zur
Jagd begleitet und das erbeutete Wild nach der Htte trgt; bei den
Hirten- und Ackervlkern ist ihr Schicksal, wo mglich, noch schwerer:
sie bauen das Feld, treiben Fabriken und Manufakturarbeiten, indem sie
das, was ihnen der Acker und die Heerden zur Nahrung und Bekleidung
darbieten, zum Gebrauch bereiten oder veredlen, und auch noch das
(freilich sehr einfache) Hauswesen besorgen, whrend der Ehrenmann
sich dem Miggange berlt -- Auch unter Nationen, wo die Cultur
schon Fortschritte macht, ist, bei der arbeitenden Klasse des Volkes,
der Antheil des andern Geschlechtes an den Geschften gewi nicht
von _der_ Art, da davon auf eine grere Schwchlichkeit der Weiber
geschlossen werden knnte. Die Arbeiten bei Bestellung des Bodens und
bei der Erndte -- sind sie nicht unter beide Geschlechter so ziemlich
gleich vertheilt? Es wird schwer fallen, zu bestimmen, welcher Theil
hier mehr bersehen werde. Bei der Musterung aller Gewerbe, die den
Kunstflei und die Hnde der Menschen beschftigen -- ist nicht der
Antheil der Weiber mit einem betrchtlicheren Aufwande von Krften
verknpft? Der Schnitter kehret heim zu seiner Htte mit frohem
Herzen, um nach ermdender Arbeit der Ruhe zu pflegen, wenn, auch bei
der einfachsten lndlichen Haushaltung, noch vielfache Geschfte fr
das Weib brig bleiben, das im Schweie seines Angesichts die Garben
band, wozu nicht minder Anstrengung von Krften erfordert wird. Jene
von Gesundheit strotzende, mit der chten Sommerfarbe geschminkte
Dirne ist eine lebendige Widerlegung dieser mignstigen Behauptung,
und sie wird es mit Jedem aufnehmen, der es wagen will, die Krfte
ihrer Muskeln in Versuchung zu fhren. Weiberkrankheiten sind nur
die Geiel _der_ Weiberklasse, die den Ehrennamen _Weiber_, so wie
die in ihrem Kammerdienste sich befindenden Treugehorsamsten den
Ehrennamen _Mnner_, nur von wegen des Staats und zur Parade fhren.
Darf und soll die Natur bel verantworten, welche Lebensart, Sitten
und Conventionen, deren Name Legion ist, ber sie gebracht haben?
Gefhrten unserer Thorheiten, Spiegesellen unserer ppigkeit gehren
nicht auf das Conto der Natur, die den Menschen so einfach schuf,
und allenthalben, wo er seine Htte aufschlug, fr Wohnung, Nahrung
und Kleidung reichlich und tglich sorgte. Hat sie je gewollt, da
er Gewrze aus Indien ziehen sollte, um sein Blut zu vergiften? oder
angreifende Leckerbissen, um seine Nerven zu schwchen? Setzte sie
dem Indier Eis, und dem Bewohner der Eiszone Wein vor? gab sie nicht
vielmehr einem Jeden das ihm angemessene und beschiedene Theil?
Und wie, grundgtige Natur! der ausgeartete Haufe deiner Kinder
klaget dich wegen Krankheiten an, wozu er die Anlsse, trotz allen
Gefahren und Hindernissen, aus Osten und Sden mit rastloser Begierde
zusammen brachte, whrend das Huflein deiner gengsamen Kinder, den
mtterlichen Vorschriften folgsamer, mitten unter diesen unschlachtigen
ausgearteten Menschen _vor Dir_ wandelt und fromm ist, ohne von
hysterischen Plagen und dem zahllosen Heere von Krmpfen zu wissen,
gegen die weder die _Materia medica_, noch vielleicht die ganze weite
und breite Natur, Mittel im Vermgen hat? Nennt die Natur nicht
ungerecht, wenn ihr unnatrliche Wege wandelt! Nur gegen natrliche
Krankheiten scheint die Natur Mittel zu besitzen; gegen bel, welche
Folgen unserer unnatrlichen Cultur sind, hat sie weder Kraut noch
Pflaster, und ihr einziges Mittel ist nur: thut Bue und glaubet an
das Natur-Evangelium! O, da ihr Bue thtet und glaubtet! -- Ohne da
wir werden wie die Kinder und in dies Philanthropin heimkommen, dem
wir den Rcken kehrten -- sind wir verrathene und verkaufte Menschen,
zu denen bisweilen die wohlmeinende Stimme erschallt: Adam wo bist
du? die sich inde, so gut sie knnen, vor sich selbst zu verstecken
suchen -- Am fnften Akt scheitern besonders die meisten Frauenzimmer,
so wie ein groer Theil der Theaterdichter -- Die Liebe, das Glck
des Lebens, wird ihr Unglck; ihr Herz war gebildet, die Tugend zu
lieben, und nicht das Schicksal, sondern ihre Nachlssigkeit, macht
es zur Verbrecherin -- Die arbeitende Klasse kennt keine besonderen
Weiberkrankheiten. Schwangerschaften und Geburten werden nur durch
Nebenumstnde, die ihren Grund in Lebensart, Sitten und Kleidung haben,
erschwert, und sind so wenig Krankheiten, da rzte sie geradesweges
als Heilungsmittel vorschreiben knnten -- und zuweilen wirklich
vorschreiben. Bei einigen so genannten Wilden hlt nicht das Weib,
sondern der Mann, die Entbindungsferien. Kaum ist es seiner Brde
entledigt; so badet es sie in dem nchsten Flusse, reicht dem neuen
Ankmmling die Brust, ersparet sich das Milchfieber und das Ammenkreuz,
und besorgt die Hausgeschfte nach wie vor, whrend der Mann, auf
seinem Lager hingestreckt, sich pflegen lt, und von seinen Nachbarn
Wochenvisiten und Glckwnsche annimmt, weil er -- man denke der Mhe!
-- durch sein Weib ein Kind geboren hat. Da es Helden giebt, deren
die Geschichte mit Lob und Preis gedenkt, weil sie in hchsten Gnaden
geruheten, sich Schlachten gewinnen und Siege erkmpfen zu lassen,
ohne da sie sich dem kleinsten Gefecht aussetzten und zum Bette der
Ehren die mindeste Neigung fhlten, indem sie, wenn es hoch kam, weit
ber die Schuweite hinaus sehr behaglich zusahen, wie viele Arme und
Beine ein Paar Lorbeerreiser kosteten: -- so mag es mit dem Wochenbette
dieser Mnner so genau nicht genommen werden. Ihr, die ihr der
Schwangerschaften und Geburten halben die Weiber fr schwcher haltet
als Euch; sagt: wie htte die Natur ihr grtes Werk, die Fortpflanzung
des menschlichen Geschlechtes, absichtlich mit solchen beln in
Verbindung bringen; wie htte sie den Becher des kstlichsten Nektars
mit Wermuth vermischen; wie einer Handlung, ber welche sie die besten
ihrer Segnungen aussprach, mit so schrecklichem Fluche begleiten und
auf unsere Seite lauter Wonne, auf die andere dagegen lauter Trbsal
legen sollen! Allerdings sind Schwangerschaften, Entbindungen, Stillung
des Suglings mit einem Aufwande von Krften verbunden; allein, in dem
weiblichen Krper, wenn er unverdorben ist, findet sich Stoff genug,
diesen Aufwand nicht nur zu bestreiten, sondern auch dessen Abgang ohne
Zeitverlust zu ersetzen. Der Einwand, den man von so vielen Modefrauen
ableitet, gilt nicht; denn diese erscheinen bereits so kmmerlich an
Lebensstoff und Krften, da jede Schwangerschaft ihr luftiges Gebude
bis auf den Grund erschttert, und jede Geburt es zu zerstren droht
-- Planreiche Erfinder, die ihr Rechenmaschinen erdachtet, einem
Gliedermanne Schach spielen lehrtet, Luftreisen unternahmt, und durch
Desorganisation Leute weiter bringt, als wenn sie _in gradum doctoris
utriusque medicincae_ promovirt htten; ihr denen die Geister so
zu Gebote stehen, wie dem Hauptmann von Kapernaum seine Knechte:
-- spannt eure Saiten tiefer, und lat euch zu einer Kleinigkeit
herab; erfindet eine Kunst, vermittelst deren unsere galanten Damen
von der Last Kinder zu gebren, befreiet werden knnen. Lat Shne
und Tchter wie pfel und Birnen wachsen; macht, da sie wie Kohl
verpflanzet werden -- Sollten auch durch diese Erfindung in den ersten
Jahren (kein Meister fllt vom Himmel) die politischen Volkszhler
ein _Minus_ wahrnehmen; so wrde doch selbst in diesen Jahren der
magern Khe der Metallwerth des menschlichen Geschlechtes Alles ins
Reine bringen, und _Summa Summarum_ wre um so mehr ein unlugbares
_Plus_, da der Staat, anstatt aus Scheidemnze, aus Gliedern von chtem
Schroot und Korn bestehen wrde! -- Was gilt ein Persisches Heer nach
Parasangen gemessen, gegen einen Macedonischen Phalanx! Doch nein!
ziehet eure Schuhe aus, diese Sttte ist heilig. Den rechtmigsten,
den allerheiligsten in der Vernunft gegrndeten Ansprchen der Menschen
auf die Mittheilung der Wahrheit soll hier nicht durch Spott zu
nahe getreten werden, der, so wie die ble Nachrede, immer etwas
zurcklt -- Nur Menschenliebe nhere sich diesem feurigen Busche!
Jene Kraft der Trgheit, die im Krper ihr Wesen oder Unwesen treiben
soll, um ihn bestndig in seinem gegenwrtigen Zustande zu erhalten,
der sich der Ruhe widersetzt, wenn der Krper in Bewegung, und der
Bewegung, wenn er in Ruhe ist, hat nicht die Ehre mir zu gefallen.
Eine Kraft, die nur widersteht und nicht von selbst zu wirken vermag,
ist eine Kraft, mit der sich wenigstens nicht prahlen lt. Der
edelste Staat mu sich zuweilen zum Angriffskriege verstehen, und es
giebt Straf- und Wiederzueignungskriege, wodurch wir unser Recht und
das was man uns schuldig ist, einfordern, und den zur Verantwortung
ziehen, der sich an uns vergriff -- Der ist weder klein noch gro,
der beides nur in dem Grade ist und uern kann, als man sich ihm
widersetzt -- Lat beide Geschlechter zu ihrer Lauterkeit und Wahrheit
heimkehren, und wir werden je lnger je mehr finden, da Mann und
Weib auch in diesem Sinn Ein Leib sind -- aber auch Eine Seele? Noch
hat es den Psychologen nicht gelingen wollen, in dem Gebiete der
Geister weit genug vorzudringen, um bestimmen zu knnen, ob es unter
ihnen einen wesentlichen Unterschied gebe; wenigstens gab es keinen
_Geister-Linn_, der sie klassificirte. _Rorarius_ mag es verantworten
wenn er bei den Thieren mehr Vernunft findet, als bei Menschen,
_Helvetius_, wenn er die Seelen, denen ein Krper mit einem Huf zu
Theil ward, mit denen, die einen Krper mit Hnden erhielten, in
Eine Klasse setzt, und Beide mgen es mit dem _Cartesius_ ausmachen,
da sie seine Maschinenwelt zerstren. Es giebt auch philosophische
und Vernunftketzer; denn der Grund zu allen Behauptungen wird aus
der Natur genommen: einer Urkunde, die das mit allen Urkunden gemein
hat, da ein Jeder, was er darin sucht, auch darin findet. Jede
Geschichte, jedes Faktum mu sich bequemen, sich nach uns zu richten,
und der wahrhafteste Mann trgt zuvor etwas von seinem Selbst in jene
Geschichte und jenes Faktum, so, da Alles was der Mensch berhrt,
etwas von seinem Ich, von seinem Selbst, erhlt. Das beste Wasser hat
keinen Geschmack; und so geht es auch den meisten Thatsachen, die
wir selten ungewrzt erhalten -- und wenn der Wrzler auch nur Salz,
die kmmerlichste und beste Specerei, darzu thun sollte -- Freunde
und Feinde nehmen von einander so viel an, da man unverkennbare
Zge der hnlichkeit unter ihnen entdeckt. Feinde? Allerdings; und
ich behaupte, da sie noch leichter als Freunde sich in einander
abdrcken -- Ein Freund, der unser Widerhall ist, hat wenig Reitz
fr uns; allein eben das, wodurch Feinde am meisten hervorragen,
was am meisten interessirt und auf ihre Seite tritt, pflegt unsere
Nachahmung abzugewinnen: so wie man in den Wald schreiet, so erfolgt
die Antwort. Eine ganze Schaar von Variantensammlern und Commentatoren
trgt ihren Sinn und Unsinn so lange in jede Urkunde, bis eine
_Authentica_ erscheint, und diese mag denn, geliebt es Gott! den Werth
und Unwerth des Unterschiedes zwischen den Menschen- und Thierseelen
entscheiden, wenn nur wir es nicht wagen, unter den menschlichen
Seelen Rangordnungen zu bestimmen, die nicht mehr und nicht weniger
Realitt haben, als Trume und ihre Deutungen. Giebt es denn etwa
auch Geschlechtsunterschiede unter den Seelen? giebt es Seelen, die
ausschlielich bestimmt sind, weibliche Krper zu bewohnen --? und
wer ist der khne Argonaut, der dieses unbekannte Meer beschifft
hat? womit hat dieser Apostel der unsichtbaren Welt sein Evangelium
besttiget? Wo Satz und Gegensatz einander so nahe sind, da sie sich
die Hnde bieten knnen, da liegt jedem die Pflicht auf, seinen Satz
mit aller Strke zu beweisen und dann dem Publico das Richteramt zu
berlassen. Erfahrungen wider Erfahrungen, ehe es noch ausgemacht
ist, ob die Seele mit sich selbst Erfahrungen anzustellen vermag. Nur
im Spiegel kann die Seele sich wahrnehmen; und wer wei nicht, da
dieser Spiegel das Bild sehr unvollkommen und oft sehr unrichtig
wiedergiebt! -- Der Spiegel stellt uns verkehrt dar, und es ist ein
unangemessener Ausdruck: der Mensch ist getroffen wie aus dem Spiegel
gestohlen -- Allerdings knnen einzelne Erfahrungen wohl dienen, eine
subjektive berzeugung hervorzubringen; eine allgemeine Wahrheit auf
diesen Grund zu bauen, reichen nur Erfahrungen hin, die so allgemein
sind, wie die Wahrheit, der sie zur Unterlage dienen sollen. Wie lange
ist es, da wir in diesem Fach Erfahrungen anstellen? Welche Methoden
schlugen wir ein? Waren diese so wohl gewhlt, da sich nach ihnen
richtige Resultate erwarten lieen? Haben wir wirklich bereits einen
solchen Vorrath von Erfahrungen, da wir ein System wagen knnen,
nach welchem fr eine ganze Hlfte des menschlichen Geschlechtes eine
so nachtheilige Unterscheidungslinie sicher gezogen werden kann?
oder drft' es uns ber kurz oder lang nicht mit dieser gehen, wie
weiland Sr. Unfehlbarkeit jenseits der Alpen mit der berchtigten
Demarcationslinie? Mit einem System geht es gemeiniglich, wie mit
einem Instrument, auf das wir uns verstehen. Haben wir bei dem
System, wovon hier die Rede oder die Frage ist, den gewissen Vortheil
unwiderlegbar berechnet? oder ist es eins wie viele andere seiner
Brder, bei denen nichts weiter als Sprachverwirrung obwaltet, wie bei
dem Thurm zu Babel; dessen Spitze bis in den Himmel reichen wollte?
Nimmt man den meisten Systemen die Sprachverwirrung, was bleibt brig?
-- Noch behauptet die Erfahrungsseelenkunde unter den Wissenschaften
nur einen precren Rang; sie stehe inde oder falle, die Wahrheit
verliert nichts, die vor ihr war und nach ihr seyn wird. Strke der
Seele, Muth, berlegenheit des Verstandes, ein greres Maa von
Urtheilskraft, Festigkeit des Willens, eine grere Strke des Gefhls
und andere dergleichen Seelenvorzge der Menschen sind es, die sich die
Mnner auf Kosten des weiblichen Geschlechtes als Erstgeburtsrechte
zueignen. Sie sind mit dem Erdenall, das man zuweilen Erdenball heit,
von Gott belehnt -- die edlen Lehnstrger! -- Da sie inde Klger
und Richter in Einer und selbsteigner Person sind, so scheinen sie
noch gtig zu seyn, wenn sie Weiber bei Menschenseelen rechtskrftig
belassen. -- Ob nun (nachdem es dem mnnlichen Geschlechte rhmlichst
gelungen, die andere Hlfte der menschlichen Schpfung, welche nach
ihrer Bestimmung mit ihm ein Ganzes ausmachen sollte, zu unterjochen
und sie an den Menschen- und Brgerrechten nur bittweise, nur in so
weit es seinem Majesttsrechte nicht zu nahe tritt und ihm nicht
die Krone bricht, gromthigen Antheil nehmen zu lassen) -- ob nun
alle jene Erscheinungen Wahrheiten oder Tuschungen sind, ist eine
Preisfrage, die mit vielen andern es gemein hat, da die Antworten auf
dieselbe von beiden Seiten hinken. -- Auf diese Erscheinungen inde dem
schnen Geschlechte alle jene Geistesfhigkeiten abzulugnen und ihm in
falschem Spiel seinen Rang abzugewinnen, heit gerade so verfahren, wie
gegen die Amerikaner, denen man, auf die Aussage einiger Beobachter,
die keinen Bart unter ihnen gesehen hatten, dieses mnnliche, brigens
sehr beschwerliche, Ehrenzeichen nicht nur absprach, sondern aus dem
Mangel desselben auch die richtigen Folgen ableitete, da die Natur
ihnen die Keime dazu versagt habe, und da sie mithin zu einer weit
geringern Menschenklasse gehrten, nicht minder da sie unmglich von
Einem Erzvater mit uns abstammen knnten. Was fr eine Hauptrolle der
Bart spielen kann, der denn doch, nach dem bekannten Sprichworte,
keinen Philosophen macht! Besser wr' es freilich gewesen, wenn man
sich die Mhe gegeben htte, zu untersuchen, ob die Abkmmlinge des
_Mankokapak_ dies mnnliche Unterscheidungszeichen, das brigens
immer ehrenwerth und ntzlich seyn und bleiben mag, nicht eben so
unbequem fanden, wie die Shne _Japhets_, und ob sie, in Ermangelung
des Aufklrungsmetalls, des Eisens, nicht zu einem andern Mittel ihre
Zuflucht genommen haben, diesen beschwerlichen Gast los zu werden. --
Nach genauerer Beobachtung fand sich der Bart, und die Pradamiten
bten abermals einen Sieg ein, den sie schon vermittelst eines so
stattlichen Arguments in ihren Hnden glaubten -- Das weibliche
Geschlecht uert nicht jene hervorragenden Geistesfhigkeiten, heit
bei weitem nicht: die Natur hat ihm die Anlagen dazu versagt, und also
-- o der unbrtigen Schlufolge! -- steht es eine Stufe niedriger
auf der Jakobsleiter der Schpfung. Sind _wir_ etwa Gott hnlich,
und hat das andere Geschlecht blo die Ehre _uns_ von Gottes Gnaden
hnlich zu seyn? Warum nicht gar --! Nicht durch Krper, durch Sinne,
durch Einbildungskraft nhern wir uns dem Urgeiste, sondern durch
den Geist; und wie? fehlt es den Weibern an Verstand und Willen? an
der Flle des Geistes? berlegen wir nicht oft durch sie? Wrzen sie
nicht in unzhligen Fllen mehr mit dem Salze der Erden, ohne das
nichts schmackhaft ist, mit Vernunft? und ihre Tugend -- ist sie
nicht vielfltig reiner, als die werthe unsrige? bersteigt unsere
Eitelkeit die weibliche nicht an allen Enden und Orten? War jener
Phariser und sein ganzer Jesuiterorden nicht aus unserm Geschlechte?
Kann ein braves Weib (und deren giebt es viele) ohne Schrecken und
Entsetzen an den _Phariser neuerer Zeit_ denken, der mit seinen
Bekenntnissen vor Gottes Thron treten, dem Weltgerichte entgegen gehen
und sagen will: Wer besser ist, werfe den ersten Stein? Wrde nicht
selbst _Therese_ mehr als Einen Stein haben heben knnen, wenn sie
nicht durch diesen Gerechten wre verdorben worden? Knnen die Anlagen
sich entwickeln und Keime treiben, wenn keine wohlthtige Hand sie
pflegt? wenn alles so gar sich vereinigt, sie zu unterdrcken und,
wo mglich, auszurotten? Sind nicht von Zeit zu Zeit aus dem andern
Geschlechte groe Seelen aufgestanden, die alle jene ihnen aberkannten
Geisteseigenschaften in einem sehr vorzglichen Grade besaen? Woher
diese eben nicht so seltenen Erscheinungen, wenn es nicht Anlagen dazu
in den Weiberseelen gbe, und es nur eines Zusammentreffens gnstigerer
Umstnde bedrfte? einer pflegenden Hand, um diese zu entwickeln und
ihren Krften jenen Schwung beizulegen, ohne welchen sie nie ihre
eingeengte Bahn verlassen htten? Oder wollen wir der Natur lieber
Migriffe aufbrden, um nur unser System zu retten? eher das vierte
Gebot in Hinsicht dieser unserer guten Mutter so grblich bertreten,
als unsere vermeintlichen Standesrechte aufgeben? Ohne die groen Namen
der Fabelwelt von den Todten zu erwecken, denen man denn doch nicht
jeden Funken der Wahrheit abstreiten wird -- wer wage es, _Zenobien_,
und einer _Anna Komnena_ einen ber ihre mnnlichen Zeitgenossen
hervorragenden Verstand und Urtheilskraft, einer _Elisabeth_
Herrschertalente, _Marien Theresien_ Muth und Standhaftigkeit
abzusprechen? Will man den Gesichtspunkt nher rcken? Es sey und gelte
zwei weltberhmte Namen! CATHARINA DIE ZWEITE und _Voltaire_. Nicht
die Selbstherrscherthaten der ERSTEREN, nicht die Kriegeslorbeern,
die SIE in IHR Diadem geflochten, nicht der postische Nimbus, der
die Gtter der Erden umgiebt -- IHR Briefwechsel entscheide, wo SIE
nicht im Kaiserglanz, nicht mit den Palmen einer Weltberwinderin
erscheint -- und seht! SIE bleibt gro, wie SIE ist -- und _Voltaire_?
klein, so klein, wie er war, so bald die Wahrheit ihm ihren magischen
Spiegel vorhielt. Sein theures Selbst ist immer die erste Person;
die groe Frau mu sich mit der zweiten begngen. SIE soll -- man
denke! -- _Constantinopel_ erobern, oder wenigstens zu _Taganrok_
IHRE Residenz aufschlagen, damit er kommen und IHR die Fe kssen
knne, weil es in _Petersburg_ fr den _alten Eremiten von Ferney_ zu
kalt sei. Noch nicht befriedigt, da DIE KAISERIN seinen Uhrmachern
fr 8000 Rubel Uhren abnimmt, soll SIE sogar, um seine Fabrikanten in
Nahrung zu setzen, einen Uhrenhandel mit _China_ in Gang bringen. IHR
weises Stillschweigen versteht er entweder wirklich nicht, oder --
was glaublicher ist -- er will es nicht verstehen, bis SIE ihm denn
endlich mit seinen, einer Kaiserin und eines potischen Philosophen
so unwerthen Mercantilgeschften an ein _costiges Handlungshaus
assignirt_. Die prosaischste Leidenschaft unter allen, der leidige
Geitz, brachte _Voltaire'n_ vom Parna auf eine Brse -- Knig
_Friedrich Wilhelm der Erste_ charakterisirte seine Gemhlde durch die
Losung: _in tormentis pinxit_. In der That, _Voltaire_ schrieb hier
in ebenderselben Seelenstimmung. Sonst pflegt das Genie den Dichter
ber sich selbst und alle Regeln hinweg zu setzen und ihm Dinge zu
inspiriren, die grer als er selbst, die gttlich sind, und die er
selbst nicht umhin kann, mit Ehrfurcht und Bewunderung anzustaunen.
Wo ist hiervon die kleinste Spur? Wir sind ehrgebiger, weil wir
ehrschtiger sind; und _Voltaire_ war beides in tausend Fllen, nur
hier gewi nicht: Sein Instrument, das er sonst meisterlich spielte,
ist vllig verstimmt; und war es bei diesen Umstnden Wunder, da seine
Schmeicheleien Gallicismen wurden, wie man sie an der _Seine_ tglich
zu Tausenden hren kann? Die Briefe DER KAISERIN fhren die Sprache der
Natur; nur in Fllen, wenn SIE dem eitlen _Voltaire_ ein Opfer bringen
will, zahlt SIE ihm Mnze von seinem Geprge, so wie jener Frst
einem unverschmten Poten Verse mit Versen bezahlte. Nur auf eine
scherzhafte Weise spricht SIE von IHRER Person, whrend die ganze Welt
nicht aufhren kann, ehrfurchtsvoll IHREN Namen zu nennen; IHRER groen
Thaten erwhnt SIE so wenig, als wenn sie sich von selbst verstnden --
Immer beschftiget, IHRE _unermeliche Monarchie_ reich an Menschen und
an edler Denkart zu machen, entwirft SIE, whrend SIE die _Ottmannli_
schlgt, die Confderirten in Pohlen zerstreuet, der Pest gebietet
und den Rubereien des _Pugatschef_ widersteht, _ein Gesetzbuch_
fr IHR Volk, das SIE aus allen Zungen und Sprachen unter dieses
Gesetz versammelt, um, wie am Pfingstfeste, Einen Geist ber dasselbe
auszugieen und es zu Einem Ziele zu veredlen. Gleich stark im _groen_
und _kleinen Regierungsdienste_, fhrt SIE die Inoculation der Blattern
ein, beschftiget SICH mit der Erziehung, erndtet tausendfltig von
den durch sie gestifteten Anstalten, erfindet und ordnet Feste an fr
den _Prinzen Heinrich_, und hat -- Mue ohne Anstrich von Eitelkeit,
an den eitlen _Voltaire_ zu schreiben. Diese Seelen mit einander
abgewogen, und die Wagschale wo mglich in der Hand eines hheren
Wesens -- welche wird fallen? welche steigen? Doch warum hheren
Wesens? So tief fielen die Menschen noch nicht, um nicht Ehre zu
erweisen, wem Ehre gebhrt -- Wozu eine vollstndige Nomenklatur von
berhmten Weibern, von solchen die das Schicksal zu Kronen berief,
und die sie mit Wrde trugen? -- Es sei genug, eine _Margaretha von
Dnemark_, eine _Christina von Schweden_, eine _Sophia Charlotta
von Preuen_ zu nennen; und von denen, die, wenn sie Mnner gewesen
wren, diesem Geschlecht Ehre gemacht htten -- verdienen nicht eine
_Cornelia_, die edle Mutter der Gracchen, eine _Arria_ und die durch
so viele Gerchte gegangene _Johanna von Arc_ unsere Bewunderung? Nach
diesen Beispielen wird man mir ohne Zweifel den Beweis erlassen, da
es den weiblichen Seelen nicht an groen Anlagen fehle. -- Herbst und
Winter rauben selbst den Steineichen ihre Bltter; allein die Wurzeln
bleiben. Warum jene Anlagen nicht zur Regel werden, sondern Ausnahmen
sind? warum sie nicht hufiger entwickelt werden? sind das Fragen?
Hat denn _unser_ Geschlecht einen so groen berflu von edlen Seelen?
Nur selten ist die Ehre, womit _Ulysses_ und _Aeneas_, nicht von der
unpartheiischen _Gttin der Gerechtigkeit_, sondern von dem oft sehr
partheiischen launigen _Gott Apoll_ kanonisirt wurden. Ohne Zweifel
nahm _Homer_ seine _Penelope_, _Andromache_, _Nausikae_, _Arete_
aus der Natur; und noch immer scheinen mir die grere Gleichheit
des dienenden und herrschenden Standes, die gemeinschaftlichen
Arbeiten der Weiber und der Sklavinnen, die Vertraulichkeit die von
dem Umstande kam, da sie unter einander aufgewachsen und erzogen
waren, die Art der weiblichen Arbeit und der Ertrag des Nutzens
derselben jene Zeit fr die Weiber unendlich ertrglicher gemacht
zu haben, als die bleierne, in welche das weibliche Geschlecht zu
fallen das anscheinende Glck hatte, und welche leider! noch nicht
von ihm genommen ist. Im Heldenalter waren die Sitten, wie die Liebe
(von jeher lebten Liebe und Sitten in der genauesten Verbindung)
roher, und es blieb im Takt! Die _damaligen bel_ des weiblichen
Geschlechtes waren ungerathene Kinder des Ungefhrs, dem man, bei so
vielen wohlgerathenen, auch jene verzeihen kann; die bel der folgenden
und der jetzigen Zeit sind constitutionell, grnden sich auf Unfakta
und inconsequente Vernnftelei! -- Frwahr, es wrde eine unerhrte
und nach den angenommenen psychologischen Grundstzen unerklrbare
Erscheinung seyn, wenn unter dem eisernen Drucke des Despotismus das
Freiheitsgefhl nicht endlich seine Spannkraft verlieren; wenn aus
Mangel an Pflege und Wartung der herrlichste Boden nicht verwildern,
und endlich jeder ntzliche Keim ersticken; wenn ber den Gedanken von
entrissenem Rechte, und da dieses unwiederbringlich verloren gegangen
sey, nicht endlich auch das Andenken an jene Rechte selbst und die
demselben entsprechenden Gefhle, der Glaube an sich selbst und an
seinen selbststndigen Werth, verlschen sollte. Wenn Schonung, Achtung
und Pflege der ursprnglichen Menschenrechte, wenn vorzgliche Cultur
und Wartung aller edlen und groen Keime, welche die Natur in die Seele
der Weiber legte, nie Statt findet -- was ist da am Ende zu erwarten?
Ein Kahn, der sich zu sehr auf die eine Seite neigt, mu umschlagen --
und unser Geschlecht? wenn es eben den chemischen Versuchen auf nassem
und trocknem Wege, den Feuer- und Wasserproben, ausgesetzt wrde; wenn
diese Hiobsleiden, womit wir das andere Geschlecht heimsuchen, ber
uns verhngt wrden -- was wre aus uns geworden? wrden wir noch so
viel Urkundliches an uns behalten haben, wie das andere Geschlecht --?
Wrde der Mann, der Mensch, nicht bei uns weit mehr aufhren, als bei
jenem? -- O des groen Musters, welches das andere Geschlecht, nicht
mit Pomp, wie die Stoiker und ihr Erzmrtyrer _Peregrinus Proteus_,
beim Sterben, sondern ganz natrlich giebt, indem es nicht blo seine
Feinde liebt, sondern auch, und -- das sagt mehr -- seinen Freunden
vergiebt! -- Jenes groe Wort ist sichtbar an ihm -- _da es die
Schwachheit eines Menschen und zugleich die Zufriedenheit eines Gottes
besitzt_. -- Doch warum soll ich zurck halten? So lange die Weiber
blo _Privilegia_ und nicht _Rechte_ haben; so lange der Staat sie
nur wie parasitische Pflanzen behandelt, die ihr brgerliches Daseyn
und ihren Werth nur dem Manne verdanken, mit welchem das Schicksal
sie paarte -- wird nicht das Weib den groen Beruf der Natur: das
Weib ihres Mannes, die Mutter ihrer Kinder, und, kraft dieser edlen
Bestimmungen, ein Mitglied, eine Brgerin, und nicht blo eine
Schutzverwandtin des Staates zu seyn -- nur immer sehr unvollkommen,
und je lnger je unvollkommener, erfllen? Die Lnge trgt die Last.
Man gebe ihm aber seine Rechte wieder, und man wird sehen, was es
ist und was es werden kann! Warum eine Kritik meiner namentlichen
Beispiele? warum ein Vorwurf, da es nur blutwenige Ausnahmen gebe?
Nach dem reinen Wein unserer Philosophen kann die Tugend nicht wie
eine schne Kunst nachgeahmt werden und nach Beispielen (wren sie
gleich die ersten und besten) sich bilden. Aus dem ersten Princip der
Selbstgesetzgebung soll sie flieen, wenn sie anders cht und rein seyn
will. Nur da ist Energie der Seele, wo man aus sich selbst schpft
-- und was gilt Mannigfaltigkeit ohne hchste Einheit? was einzelne
schne Zge ohne Alles anordnende und ins Reine bringende Principien?
-- -- Die Franzsischen Prinzen, die ihr Vaterland verlieen, erklrten
ffentlich: an Gott, an den Knig und an ihr Schwert sich wenden zu
wollen. Drei Instanzen, wo der liebe Gott sich gefallen lassen mu,
die erste, das heit im juristischen Sinne die geringste, zu seyn. Das
andere Geschlecht hat nur _Einen Gerichtshof_: an Gott. berall Mnner
-- Mnner, bei denen nicht Wichtigkeit des Grundes, sondern Mehrheit
der Grnde gilt; und welcher Grnde? -- _Raisons d'tat_ --? ich greife
mir vor; wer kann sich aber zurckhalten? In der That, die Gesetze sind
in Rcksicht der Weiber fast noch inconsequenter, als eine thrichte
Liebe! So sehr sie auf Einer Seite die brgerlichen Rechte der Weiber
in Absicht auf ihre Personen und ihr Vermgen beschrnken, weil sie
dieselben fr schwach und unvermgend, ihr eigenes Beste wahrzunehmen,
erklren; so verpflichtet sie sich halten, das ganze Geschlecht zu
einer immerwhrenden Vormundschaft zu verstoen: so schnell hrt doch
diese Schwche auf, Schwche zu seyn, so bald von Verbrechen und
Strafen die Rede ist; beide Geschlechter werden mit einem und demselben
Mae gemessen -- und in der Kirche, in den Gerichtshfen, (hoffentlich
auch im Himmel) ist kein Ansehen der Person zwischen Mann und Weib: sie
sind einerlei Leib und einerlei Seele. Ehre dem _Divus Justinianus_,
der, mit mehr Zusammenhang als unsere Gesetzgeber, wegen der grbsten
Vergehungen dem schnen Geschlechte keine Zurechnung zumuthete, und
es ber alle Strafen wegsetzte! -- Nach seiner Meinung war ein Weib
so gut, da es zu nichts taugte, wogegen es bei uns doch wenigstens
einer Bestrafung -- welch ein Vorzug! -- wrdig geachtet wird. Bei
uns steht es unter dem Gesetze; bei ihm stand es nur unter der Gnade.
-- Wahrlich! man kann nicht lugnen, da es bei uns einen Schritt
zur Verbesserung gethan hat, obgleich seine Vollendung, die im weiten
Felde geblieben, noch ein Wunder in unsern Augen ist -- Ja wohl, ein
Wunder! -- Die Ewigkeit der Hllenstrafen hat ihre Bestreiter gefunden,
und dieses Hllenrthsel wird zu unserer knotenlsenden Zeit, wo die
kalte Philosophie so manches abkhlt, durch die ewigen Folgen ins Reine
gebracht, welche von keiner bsen Handlung getrennt werden knnen;
die Sklaverei des andern Geschlechtes inde bleibt ein Wurm, der nie
stirbt, und ein Feuer das nie verlischt. -- _Gerechtigkeit!_ man hat
dir die Binde genommen; und doch siehst du nicht, da, wenn gleich
alle Handlungen, die mit den Personen und dem Vermgen des andern
Geschlechtes in Beziehung stehen, ohne einen gesetzlichen Beistand
ungltig sind und ohne allen brgerlichen Effekt bleiben, deine armen
Unmndigen durch alle sittliche und brgerliche Gesetze in eben dem
Mae wie die Mnner verbunden werden! Selbst nicht bei Gesetzen wider
die Contrebande ist nach dem Curator die Frage, und ob in dessen
Assistenz dem Kaiser nicht gegeben ward, was des Kaisers ist -- und
doch ist ein Weib dem Staate nur durch den Mann verwandt und zugethan:
Nur _er_ huldigte ihm und seinen Gesetzen. Ist es Wunder, wenn Weiber
die Gesetze befolgen, wie die Nonne den Psalter singt? wenn sie den
ernsthaften Anordnungen des Staates eine Folie des Lcherlichen
unterlegen, und sich da noch Auslegungen derselben erlauben, wo blinder
Gehorsam erfordert wird? War je eine rgere Lwengesellschaft? und
trift es irgendwo klrer ein, da man grere Diebe laufen lt, und
kleinere zu hngen sich nicht entbricht? Staaten, die zum Schutze der
Menschenrechte entstanden, entziehen ihn der Hlfte ihrer brgerfhigen
Einwohner! -- Es ist natrlich, wenn der Wille sich da strubt, wo
die Vernunft so viele Steine des Anstoes und Felsen des rgernisses
findet -- -- Leiden einzelner Menschen (besonders wenn diese nicht
die verdammlichen Urheber davon sind) vollenden, und nichts was gro
war, kam ohne sie je zur Reife; Leiden aber, die einem ganzen Volke
nicht von der Natur und vom Schicksal, sondern blo willkhrlich
zugefgt werden, hemmen allen Muth: sie erschlaffen und entseelen die
edelsten Vlker, so da man ihre Sttte nicht mehr findet. -- Ewig
Schade um alle die Fortschritte, die durch jene mnnliche Grausamkeit
gehemmet werden! Welch ein Stoff mu im andern Geschlechte liegen, da
er allen diesen Hindernissen noch bis jetzt so stattlichen Widerstand
leistete! -- Doch, unmglich knnten die Weiber noch seyn, was sie
sind, und die Lage behaupten, in der sie sich befinden, wenn nicht
Geschlechterneigung und Reitze ihnen Subsidien geleistet htten. So hat
bis jetzt die Natur den Menschen noch nie ganz verlassen, wenn er ihr
auch unerkenntlich den Rcken kehrte! Ein gewisser glcklicher Zustand,
nach welchem den Menschen wenig zu wnschen, allein eben darum viel
zu befrchten brig bleibt, macht sie unglcklich: -- sie erstreben
nichts; ihre Seele verliert den Schwung, ihr Geist das Geistige; und
so wie dieser glcklich-unglckliche Zustand das Schicksal vieler
regierenden Herren ist, die ihren Beruf nur von der Seite der Hoheit
und der Macht kennen, auf Kleinigkeiten fallen, und Nebendinge der
Regierung, oder gar solche die ihres Amtes nicht sind, zu Hauptsachen
erheben: so scheint er auch berhaupt auf dem kniglichen Geschlechte
der Mnner zu ruhen. Dieses sucht mehr durch Ausflchte, als durch Muth
und Weisheit, den Gefahren zu begegnen; es spielt mehr den Herrn und
Meister, als da es beides wre; an Willkhr gewhnt, verlernt es, auf
Mittel zu sinnen; zur Herrschaft geboren und erzogen, denkt es nicht
darauf sie zu verdienen; es vernachlssigt sich, da es keinen Anreitz
hat und zu keinem edlen Wettlaufe sich in seinem Hause anstrengen
darf; es fllt zusammen, da es sich nicht die Mhe giebt, sich gerade
zu halten. Man sage nicht, da die Mnner bei andern Mnnern Licht
anschlagen knnen; Tyrannen sind verzagt, und kriechen berall, wo sie
nicht befehlen drfen. Wahrlich! nicht nur Weiber, sondern auch wir,
haben durch jene Herabwrdigung des andern Geschlechtes verloren --
wer am meisten? Ist es zum Beispiel ein Wunder, wenn das fruliche
Geschlecht falsche Mnze gegen falsche Mnze wechselt, und die Tyrannei
des Herrn Gemahls mit Augendienst erwiedert? -- Ist es ein Wunder,
wenn alle beide sich das Leben verbittern, und bei dem wohlseligen
Hintritt des Herrn Gemahls -- Gott trste ihn! -- die am pompreichen
Leichengerste wohlangebrachten Genien die einzigen sind, die ohne
End' und Ziel, Thrnen vergieen, womit sie den letzten Funken der
umgekehrten Fackeln auslschen, whrend die trostvolle Frau Wittwe,
unter einer ehrwrdigen Decke, ihre Rolle meisterlich spielt und
frhlich und guter Dinge ist? -- Von Anbeginn ist es nicht so gewesen.




III.

WOHER DIE BERLEGENHEIT DES MANNES BER DIE FRAU ENTSTANDEN?

RCKBLICKE AUF DIE LTESTE ZEIT.


Wenn die Weiber mit den Mnnern von der Natur zu gleichen Rechten
berufen sind; wenn sie sich im Besitz von gleichen Krper- und
Geistesanlagen befanden und zum Theil noch befinden: _wo_, _wann_
und _wie_ entstand denn die berlegenheit des Mannes ber das Weib?
was gab dem Manne das Schwert in die Hand? und was verwies das Weib
an die Spindel? Diese Fragen, die jeder sich aufwerfen mu, der zu
fragen versteht, wenn gleich die grere Kunst zu antworten ihm nicht
gegeben seyn sollte, haben allerdings nicht wenig von der Natur
jenes weltberhmten Knotens, der, da er geschrzet war, auch wieder
htte aufgelset werden sollen, den aber _Alexander_, nach der Weise
vieler unserer Dichter, zu zerhauen die unsthetische Dreistigkeit
hatte. Stnden wir dem _Wann_ und _Wo_, der Zeit und dem Raume nach,
nher; so wrde es wahrscheinlich keines _Oedips_ bedrfen, um bei
dieser Meisterfrage eine akademische Prmie von dreiig Silberlingen
zu gewinnen, und das _Wie_ obendrein zur allgemeinen Befriedigung zu
beantworten. Allein da ber das _Wann_ und _Wo_ in keiner Chronik
und keiner Topographie ein todtes, geschweige denn ein lebendiges,
Wort zu finden ist; so mssen, bis die Hieroglyphen an den Pyramiden
enthllt seyn werden, oder bis uns ein bisher verborgenes Denkmahl
darber seine Aufschlsse nicht lnger vorenthlt, das _Irgendwo_ und
das _Irgendwann_ bei dieser groen Katastrophe zur Unterlage dienen,
und das _Wie_, in Ermangelung der Geschichte, durch eine Conjektur
der Vernunft aufgelset oder -- zerhauen werden. Alles, wobei es auf
Thatsachen ankommt, kann nur bis auf einen gewissen Zeitpunkt hin
verfolgt werden. Da wo die Sonne der Geschichte untergeht und sogar der
Mond der Fabel sein entlehntes Licht entzieht, bleibt der Vernunft
nichts brig, um sich zu orientiren, und sie irret in dem unbegrenzten
Meere der Mglichkeit, ohne zu wissen, woher und wohin? Was hier ber
Geschichte und Fabel hinausgeht, ist (da die ersten Sagen der Vlker
davon, als von einer Sache, die vor ihnen war, sprechen) derjenige
Zustand des Menschen, wo jedes einzelne Individuum, ohne einige
Verbindung mit andern seiner Art, in der vollkommensten Unabhngigkeit,
blo von den Frchten des Bodens den es durchstrich, lebte, ohne durch
eine andere Zubereitung, als die man von der Natur selbst erhielt,
ihr zu Hlfe zu kommen. Die Menschen hingen vom Boden und sonst von
nichts weiter ab -- Ob es einen dergleichen Zustand wirklich gegeben?
ob je der Mensch (das geselligste unter allen bekannten Thieren, trotz
jenen frommen Orang-Utangs in der Thebaischen Wste, und ihren jngeren
Brdern, die es doch behaglicher gefunden haben, sich aus Eremiten
zu Cnobiten umzuformen) in einem solchen Zustande war -- mag _Hans
Jakob_ verantworten, an dessen Grabe es heit: _Ici_ _repos l'homme
de la nature et de la vrit_ -- Dergleichen Hans Jakobsche Kinder
der Natur hat weder _Colombo_, noch sein Mrtyrer von Nachfolger,
_Cook_, gesehen -- Allenthalben wo diese hinkamen, waren schon die
ersten Umrisse der Gesellschaft gezeichnet, Familienverhltnisse
(wenn gleich unvollkommen) gegrndet und Spuren (wiewohl freilich oft
nur sehr schwache) von Cultur und Kunstprodukten vorhanden. Bei den
allerrohesten Vlkern fanden sie schon Htten, eine Art von Zubereitung
der Nahrungsmittel, und bei den meisten auch die ersten Anfnge zu
einer Bekleidung des Krpers. Wo sie sich lange genug aufhielten, und
wo es ihnen glckte, sich durch Zeichen zu verstndigen, berzeugten
sie sich, da diese dem Naturstande anscheinend so nahe angrnzenden
Menschen schon lange, und weit ber ihre berlieferungen hinaus,
immer an dieser Stelle und diesem Orte gestanden hatten. Auch nicht
die mindeste Ahndung ging unter ihnen im Schwange, da es auer dem
Punkte, wo sie sich befanden, noch andere ober- oder unterwrts geben
knne. So einfach und in so geringer Zahl ihre Familien-, Haus- und
Nahrungsgeschfte auch immer seyn mochten, da ihre Bedrfnisse noch
wenig ber die der thierischen Natur hinausgingen; so leicht ihre
Nothdrftigkeiten gestellt werden konnten, da die Kunst sie nicht
verwhnt hatte: so waren unter den beiden Geschlechtern doch schon
_Casten_ errichtet, und eine Scheidung vorgefallen in dem, was Gott
zusammen gefgt hat. Je unvollkommener auf der Einen Seite hier die
gesellschaftliche Verfassung war; je schwerer es fiel, das thierische
Bedrfni zu befriedigen, weil die Natur den Boden, oder die Wlder
(die kniglichen Residenzen dieser Menschen) oder die Flsse und Meere
nur karg mit den Mitteln dazu ausgestattet hatte: um desto hrter
war das Loos, welches dem weiblichen Theile dieser halbgezhmten
Menschenklasse fiel. Das Leben des Mannes war vorzglich zwischen
Genu und Ruhe getheilt, wenn ihn nicht dringendes Bedrfni zur Jagd
oder zum Fischfang aufforderte. Das Weib begleitete ihn nur selten
als Gehlfin, weil ihm die Pflicht die Speisen zu bereiten oblag,
whrend das Mannthier seine Glieder in der Sonne dehnte. Freilich nur
schwache, unbefriedigende Data zur Auflsung der aufgeworfenen Frage;
inde doch etwas, um uns auf _Mehr_ zu bringen -- wie jene bermacht
entstand, welche auf die eine Hlfte des menschlichen Geschlechtes
alles _Lstige_ wlzte, und sich dagegen allen _Vortheil_ weislich
vorbehielt. -- Scheint nicht die Natur durch Schwangerschaft und
Geburt den ersten Fingerzeig _zu diesem Verlust ber die Hlfte_, bei
der Theilung des menschlichen Werthes, gegeben zu haben? Wenn dieses
Antheil, das den Weibern zufiel, auch noch so sehr erleichtert wird;
wenn es auch noch so kstlich ist: -- kann es auf eine andere Rubrik
als auf Mhe und Noth gerechten Anspruch machen --? Der Mann scheint
zum Vergngen berufen zu seyn, das Weib dagegen zu Kummer und Elend --
Wenigstens liegen in dem Familienverhltni, in der Art und Weise wie
die Keime der Geselligkeit sich zuerst bei den Menschen entwickelten
und worauf ihn vielleicht das Zeugungs-Geschft brachte, entfernte
Winke und Hieroglyphen, wodurch der gesellschaftliche Zustand, welcher
dem menschlichen Geschlecht einen so erstaunlichen Schwung gab, der
Einen Hlfte des Geschlechtes so nachtheilig ward -- Wiederholung der
nmlichen Umstnde pflegt die Drftigkeit derselben zu bedecken, als ob
Ermdung Ergnzung wre; und selbst unsere Philosophen sind oft in dem
Falle jenes Kranken, dem der Arzt erlaubte, tglich einen Lffel voll
Wein zu nehmen, und der sich einen Lffel von vier Quart machen lie
-- sie sind da am beredtsten, wo sie am krzesten seyn knnten, weil
sie hier am wenigsten wissen. -- Es sei mir erlaubt, jene Data durch
Rckblicke auf die Geschichte, das Noth- und Hlfsbchlein in allen
Lebensfllen, zu verstrken oder zu schwchen -- meine Leser mgen den
eigentlichen Ausdruck suchen; doch, wenn ich bitten darf, nicht auf
meine Kosten, sondern mir zum Besten.

Schon in den ltesten urkundlichen Nachrichten ber den
gesellschaftlichen Ursprung der Menschen, finden sich Spuren von einer
Ungleichheit der beiden Geschlechter, und von Zurcksetzungen des
weiblichen -- wohin auffallend die Vielweiberei gehrt.

Wie despotisch ist der Gedanke, da ein Mann sich befugt halten
konnte, mehr als Ein Weib zu besitzen, indem bei einer Berechnung an
den Fingern sich herausbringen lt, da er durch diese Verschwendung
Andere zum Darben bringt! Wahrlich, die Vielweiberei ist ein Umstand,
der sich weder mit Seele noch mit Krper vertrgt, und nicht nur
der Vernunft, sondern selbst einer Leidenschaft widerspricht, die
(wie die Kinder reicher und vornehmer Leute) durch die Schule der
Vernunft gelaufen ist. Wo ein Mann mehr als Ein Weib hat, wird jener
Tyrannenrath erfllt: Theile und regiere (_divide et impera_). Die
Weiber muten auf diesem Wege des ihnen so nachtheiligen mnnlichen
Luxus ihre Abhngigkeit im hchsten Grade fhlen; und wenn gleich die
Sultanin des Tages sich einen Vorzug vor ihren Colleginnen anmate: so
whrte dieses Ansehen, das sie sich gab, doch nicht lange, und bald
berzeugte sie sich, da unter Sklavinnen keine Rangordnung Statt
finde.

Die Geschichte der _Sara_ und _Hagar_ scheinet zu beweisen, da die
Kebsweiberschaft nicht gleich anfnglich blo in dem eignen Belieben
des Mannes gestanden, und da er anfnglich verpflichtet gewesen, die
Genehmigung seiner Frau einzuholen, eh' er sich ein Kebsweib beilegen
konnte. Auch scheinet sich aus dieser Kebs-Geschichte zu ergeben, da
dergleichen Contrakte nicht auf die ganze Lebensdauer gegangen, und da
oft noch vor Ablauf der contraktmigen Zeit der Engel des Gewissens,
und der Schutzgeist warnender Umstnde dem Manne zugerufen:

    _sto die Magd hinaus mit ihrem Sohne!_

Schon hab' ich mein Herz ausgeschttet, da der erste Grund zu der
mnnlichen Anmaung eines Vorzuges vor dem Weibe, in dem Gange
aufzusuchen sei, den die Bildung des gesellschaftlichen Zustandes
nahm. Ob die Art, wie die geselligen Keime sich bei den Menschen
entwickelten, die einzig mgliche; oder ob unter mehreren mglichen
_die_, auf welche die Menschen von der Natur geleitet wurden, der
schmale Weg sei, der zum Leben fhret: das sind Nebenfragen, die,
so wie ihre Stammmutter, vielleicht noch lange, vielleicht immer,
unentschieden bleiben werden.

So viel scheint ausgemacht, da diese Keime sich berall durch hnliche
Veranlassung entwickelt haben mssen, indem sie (ein Beweis, dessen ich
gern entbriget wre) fr das weibliche Geschlecht einerlei nachteilige
Folgen hervorgebracht haben. Die Gesellschaft ist die Quelle alles
Glcks und alles Unglcks, das je dem menschlichen Geschlechte zufiel;
und noch ist nicht erschienen, was die Menschen durch sie werden
knnen und durch sie -- seyn werden. Wir wissen aber, da, wenn es
erscheinen wird, wenn wir das heilige Gesetz beobachten, und dasselbe,
so wie Gott, nicht frchten sondern lieben, wir Gott hnlicher seyn
und die Krone des Lebens tragen werden. Eine Hoffnung, die _Plato_
nicht den _Traum des wachenden Menschen_ nennen mu, und bei welcher
Glaube an das menschliche Geschlecht zum Grunde liegt. Knnt' ich doch
hinzufgen: _wahrer und lebendiger Glaube!_ aber noch ist solcher in
Isral nicht gefunden -- Dieser Glaube ist _Welt-Patriotismus_.

Darf ich mir ein- fr allemal die Erlaubni auswirken, rckblicken zu
drfen, ohne von irgend einer kritischen Feder das Schicksal von _Loths
Weibe_ zu befrchten zu haben?

Zum Fischefangen und Vogelstellen hat jeder Mensch noch immer einen so
besonderen Hang, da gereimte und ungereimte Warnungstafeln aushngen
mssen, um den Menschen von diesen Urbeschftigungen abzuleiten, und
ihn, bei den erweiterten und verzrtelten Bedrfnissen, zu andern
nothwendig gewordenen knstlichern Nahrungsquellen zu gewhnen.
Der bekannte _St. Evremont_ war bis an sein Ende wohlbestallter
Entenhter zu St. James; jener Schweizer in Frankreich erbat sich die
Anwartschaft auf die Hofstelle des Rhinoceros -- jener Gelehrter bei
dem Hofe FRIEDRICHS II den vacant gewordenen Atheistenplatz; und zu
wie vielen Rhinoceros- und Atheisten-Posten mssen sich Menschen nicht
herablassen, um ihr tgliches Brot nach der heutigen Auslegung zu
erreichen, wovon der Vogelsteller und Fischfnger kein lebendiges Wort
wute, keinen Traum oder todten Gedanken kannte!

Ob Jger _Esau_ auch ein Fischfnger gewesen, ist nicht bemerkt, und
die Herren Juristen wrden ohne allen Zweifel einen artigen Fang
machen, wenn es _ausgemittelt_ wre, (ein Lieblingswort dieser Herren,
die doch so oft _zweckreich_ und _mittelarm_ zu seyn pflegen) da der
Fischfang schon in den ltesten Zeiten unter der Jagd begriffen gewesen
sei.

Warum das weibliche Geschlecht sich nicht die blutarme Fischerei
zugeeignet habe, um dem nach Blut drstenden Manne das Wild zu
berlassen? ist eine Frage, die sich bei dieser Gelegenheit von selbst
aufwirft. Vielleicht nahm das Weib an allem Theil -- vielleicht stand
es dem Manne nirgends nach; vielleicht hinderten es nur die letzten
Stunden der Schwangerschaft, und sechs Stunden nach der Niederkunft,
an den Geschften des Oberjgermeisters, seines Mannes, unmittelbaren
Antheil zu nehmen -- Die Gottheit der Jagd, _Diana_, war bei den
jngeren Alten _generis foeminini_ --

Dieser Stillstand, den Schwangerschaft und Niederkunft verursachten,
war, von so kurzer Dauer er auch immer seyn mochte, ohne Zweifel der
Grund des weiblichen Falles. In diesen Zwischenzeiten der Mue war
es vielleicht, wo das Weib, durch einen dem Geschlecht eigenen und
mit seiner Bestimmung vielleicht genau zusammenhangenden Instinkt
zu sparen, sich sein Sklavenschicksal bereitete. Warum folgte es
nicht der gttlichen Lehre: sorget nicht fr den andern Morgen; es
ist genug, da ein jeder Tag seine eigene Plage habe! So lange die
Nahrungsquellen ergiebig waren, fiel dem Manne nie der Gedanke an das
Aufbewahren ein; sein Jagdrevier war seine Speisekammer, zu der alles,
was Leben und Odem hatte, gehrte -- eine lebendige Speisekammer,
bei der er vor dem verdorbenen Geschmack an faul gewordenem Wildbret
sehr sicher war! einem Geschmack, der bei allem -- das leidige Geld
nicht ausgenommen -- Statt findet, was man in Scheuren sammelt, denen
ohnedies das Motto angeschrieben ist: _du N_ -- _heute wird man deine
Seele von dir fordern; und was wird seyn das du gesammelt hast?_
-- Doch auch dem Geitzhals, dem Teufel, mu man einen Vertheidiger
beiordnen --; und in der That ist die Sorge fr den andern Morgen, wenn
sie rechter Art ist und in ihren Schranken bleibt, eine nicht gemeine
Vernunftuerung. Der Gedanke: heute ohne Hunger zu jagen, um morgen
nicht aus Mangel an Wildbret fasten zu drfen, enthlt -- ungeachtet
jener gttlichen Lehre, fr den andern Morgen nicht zu sorgen -- so
viel berlegung in sich, wie in den Kpfen einer ganzen Heerde von
Wilden nicht Platz hatte. Auch hier mute das Weib dem Manne aushelfen,
und wo es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn
gebrochen zu haben. Jene Verlegenheit, in die es die letzten Stunden
der Schwangerschaft und die ersten nach der Geburt verwickelten,
leitete es, kraft des instinktartigen Gefhls, zur Selbsterhaltung,
die ihm wegen der Erhaltung des Suglinges noch dringender ward, an
der Hand der Vernunft, weise und mchtig auf Vorrath zu denken, sich
heute etwas zu entziehen, um morgen nicht ganz entbehren zu mssen.
Diese Aufbewahrung von Vorrthen, welche anfnglich blo gelegentlich
und nur so lange geschah, als es die Umstnde verlangten, ward nach
und nach, je nachdem die Menschen sich mehrten und die Nahrungsquellen
rmer wurden, wiederholt, und mit der Zeit bestndig. Wenn es wahr
ist, da in vielen Fllen Thiere die Lehrer der Menschen gewesen sind;
so wird das Vorrathsammeln ohne Zweifel zu dem Lektionskatalogus
dieses Unterrichtes gehren. Der Instinkt (der sich zur Vernunft, wie
der Tanzbrleiter zum Hodogeten, verhlt) hat seine Kinder schneller
und sicherer an Ort und Stelle gebracht, als die sich Zeit nehmende
kalte Vernunft die werthen Ihrigen. Gewi sammelten die Biene und die
Ameise frher als der Mensch; vielleicht versteckte das Alterthum
diese Wahrheit unter der Fabel von den Myrmidonen. -- Nicht etwa blo
Neugierde, wie einige wollen, sondern Beobachtungsanlage lenkte
ohne Zweifel zuerst das Weib auf diese Experimental-Unterweisung.
Vorrthe erforderten bestndige Aufsicht, nhere Einrichtung und
Bearbeitung; und so entstand Hausrath. Irgend ein Zufall, und ohne
Zweifel die Anhnglichkeit mancher Thiere an den Menschen, lehrte ihn
(wahrscheinlich zuerst das Weib), einige Gattungen von Thieren zu
seinem bestndigen Brauch und Dienste zu zhmen; und so vermehrte sich
durch diese Dienstboten, die man im Falle der Noth auch zur Nahrung
nahm, der Haushalt. Jetzt muten die Geschfte getheilt werden; und
da whlte denn der Mann die Jagd, das Weib den Haushalt. So ward das
Weib allmhlich die Befehlshaberin der Hausthiere, und eh' es sich's
versah, das erste Hausthier selbst. Das arme Weib! Doch was kann weiter
befremden? ward es doch durch jene Revolution, wodurch es die Freiheit
an's Licht brachte, eine Sklavin!

Allmhlich fingen die Vortheile und Nachtheile, welche mit den unter
beiden Geschlechtern so sehr verschiedenen Lebensarten verknpft
waren, immer mehr an sichtbar zu werden. Der Krper des Mannes, durch
die Beschwerlichkeiten der Jagd oder Fischerei abgehrtet, fest,
gelenk und stark, behauptete auch einen Einflu auf seine Seele. An
Gefahren gewhnt, ward er durch diese Gewohnheit muthig, unerschrocken,
standhaft, und fhlte seine berlegenheit ber Alles, was nicht Mann
war, mithin auch ber sein Weib, dessen krperliche Krfte aus Mangel
an Gelegenheit unentwickelt blieben, und das, aus Unbekanntschaft mit
Gefahren, diese zu frchten anfing, da hingegen der Mann, vertraut
mit der Gefahr, sie vermeiden oder bestehen lernte. Mit kleinlichen
Gegenstnden und mit Thieren umgeben, die Zaum und Gebi geduldig
trugen, sank das Weib nach und nach an Krper und Seele zu einer
niederen Stufe herab, und lernte geduldig, sich bei seinem Despoten
mit der Stelle einer ersten Sklavin begngen. Sklavin! Ohne Zweifel
brachten zahm gemachte Thiere den Menschen auf diesen unmenschlichen
Gedanken, und dies schreckliche Wort wrdigte die Menschheit so tief
herab, da die verrufene Mnze keine Spur mehr von Bild und berschrift
der vorigen Zeiten an sich trug. So wie unfehlbar das Weib durch den
Besitz gezhmter Thiere das Hirtenleben erfand und einfhrte, so wird
eben dasselbe, da es mehr an Einen Ort und an Eine Stelle gebunden
war, auch zu Anpflanzungen und zum Ackerbau Gelegenheit gegeben haben.
Gewi hat es den ersten Sallat zum Wildbraten des Mannes bewirkt. Eine
Wurzel, Krner -- die, in Ermangelung eines Alderman-Schmauses, von
einem antipythagorischen Bohnenmahl brig geblieben waren, und die man,
weil es fettere Bissen gab, nicht achtete -- wurzelten und mehrten
sich um die Htte herum, bis es dem Weibe einfiel, absichtlich zu
pflanzen und zu sen. So entstand von der Hand des Weibes vielleicht
der erste Garten, den englischen Garten _Eden_ ausgenommen; und der
Gartenbau ist auch grtentheils in den Hnden der Weiber geblieben,
bis auf den heutigen Tag. Auch hat das Weib wahrscheinlich in Allem
zuvor Probe gegessen und dem Manne zur Sicherheit, theils wegen der
Unschdlichkeit, theils wegen des Wohlgeschmacks, gedient. -- Noch
jetzt ist das hchste Ziel der Kochkunst ein Vorzug der Weiber. --
Der Wechsel, den das Weib an seinem eignen Krper erfuhr, gewhnte
es an die Witterung, und lehrte es so sehr auf die Zeit merken, wie
den Unbestand der Witterung berstehen; und so ward durch das Weib
vielleicht beides, das Hirtenleben und der Ackerbau, -- erfunden oder
zu Stande gebracht? -- Wie viel lt sich hierber conjekturiren! Der
gemeine Acker- und Gartenbauer rumt dem lieben getreuen Erdenvasallen,
dem Monde, noch jetzt viel Einflu auf seine Erzeugnisse ein: er
pflanzt seinen Kohl und was Bltter treiben soll, im Vollmonde, und
das, wodurch unter der Erde Wurzeln oder Knollen hervorgebracht werden
sollen, bei Mondesabnahme. Die Phasen des Mondes sind ihm noch Epochen
in seinem Wirthschafts-Kalender; und was kann ihn anders auf diese
Mondweisheit gebracht haben, als die _Weise_ der Weiber --? Von beiden
Hauptnahrungsquellen, dem Hirtenleben und dem Ackerbau, wute der
ins Grere gehende Mann das Weib abzubringen, um es an den Haushalt
zu fesseln -- wozu Se. Gestrengigkeit das Weib _verurtheilt_ hatte.
Verurtheilt? Mit nichten; durch einen Machtspruch, durch einen
Justizmord, des Landes verwiesen hatte. -- Noch jetzt genieen Erfinder
selten die Ehre der Erfindung, und verdienen sie vielleicht auch nicht,
weil fast immer ein Ungefhr sie darauf bringt -- Erfindungen und
Offenbarungen werden gemacht, man wei nicht wie! --

Ackerbau und Viehzucht sind, so wie Ursache und Wirkung, mit
einander verbunden; und es ist schwer zu begreifen, warum Hirten
und Ackerbauer sich gleich anfnglich haben trennen und beneiden
knnen. Da nichts natrlicher war, als da das Vieh keine Anpflanzung
schonte, und da dieser Umstand die Hirten und Ackerbauer in bestndige
Grnzstreitigkeiten verwickeln mute; so htten diese Zwiste beide
Theile sehr bald zu freundschaftlichen Verabredungen bequemen sollen.

Die Jagd allein, der Ursoldatenstand, scheint eine Erfindung des
Mannes zu seyn; und da der Mann seine Beute oft sehr weit suchen mute,
so gab sie die erste Ursache zur Herabwrdigung des Weibes. Bei dem
Ackerbau und der Viehzucht htte es sich gewi lnger in Ehren und
Wrden erhalten knnen, wenn die Jagd nicht schon den Mann bewaffnet
und er allen Vortheil und Nachtheil des Soldatenstandes in sich
vereinigt gehabt htte. Er stand bei seinem Weibe im Quartier. -- Noch
jetzt bin ich ein Feind der Jagd, weil sie dem Weibe jeden Schritt
zur weiteren Cultur vertrat und alle jene bel erzeugte, denen das
menschliche Geschlecht durch Kriege oder Menschenjagden unterworfen
worden ist. -- Zwar sagt man, da der Krieg oft ein Weg zur Cultur
gewesen sey und werden knne; und freilich ist es nicht das erste
mal, da aus dem Bsen etwas Gutes wird: Ist und bleibt aber, dieser
Metallverwandlung des Guten und Bsen unbeschadet, Krieg nicht ein
Originalbel? Im Reiche Gottes, dessen Sonnenaufgang und Morgensegen
wir mit Danksagung erwarten, wird man so wenig Menschen wrgen und
sich zur Erkenntlichkeit dem Wrgengel blo stellen, als in der andern
Welt freien und sich freien lassen. --

Die Flecken in der Sonne -- die man ungefhr wie die Flecken ansieht,
womit die reinlichste Hausfrau in der Kche sich ihre Manschetten
bespritzt, wie es dem Geschftsmanne an seinem Schreibtische mit
Tinteflecken nicht besser geht -- sind nicht, was sie scheinen. In der
physischen Welt ist berhaupt alles gut, sehr gut! -- Und wie? dies
sollte uns nicht zu der Hoffnung Anleitung geben, da es auch in der
moralischen Welt zu jener Stufe der Cultur kommen werde, wo man des
Bsen nicht bedarf, um Gutes daraus zu lernen? Fehden waren es, die
ihren Ursprung aus der Vermehrung der Menschen und aus der Verminderung
des Wildes (des einzigen und nchsten Nahrungsmittels fr den rohen
Menschen) hatten; der Menschen wurden mehr, des Wildes ward weniger:
und so konnte es nicht fehlen, da nicht Streitigkeiten und Befehdungen
entstanden, welche Familienkriege nach sich zogen.

Zwei Familien, die der bermacht zu weichen gezwungen waren, stieen
vielleicht durch einen Zufall auf eine dritte, der sie einzeln nicht
gewachsen gewesen wren, die ihnen aber jetzt ihr Jagdrevier berlassen
mute; und dieser Umstand war es, der zwischen beiden, wenigstens so
lange die Gefahr dauerte, ein gesellschaftliches Band knpfte, ohne da
es unter ihnen zu einer Verabredung und Constitution kommen durfte.
Durch Irrthum und Thorheit gelangen die Menschen zur Wahrheit, und
durch Mhe und Streit zur Vereinigung und Gesellschaft. Ist mir doch
schon wieder der traurige Gedanke im Wege, da das Bse so oft ein
Vorspiel, ein Prludium zu dem Textliede des Guten seyn mu! -- Oft
oder allemal? Oft, Freunde; denn es giebt Original-Gutes, Gutes aus
der Wurzel -- und dies knnte man _gttlich Gutes_ nennen! Gott ist
original-gut! --

Das Hirtenleben und der Ackerbau (das neue Testament, wozu die Menschen
nach dem alten Testamente des Jagdlebens sich aufklrten) gab nicht
minder zu Zwisten Gelegenheit, wozu die Tagdieberei des Hirten, und
das Vorurtheil, als ob er eben darum Gott lieber wre und von ihm
mehr beglckt wrde, mittelst des argen, bsen Neides nicht wenig
beigetragen haben mag: Neid ist Geitz, und dieser ist, wie jeder von
uns wei, die Wurzel alles bels. Der Hirt schonte die Anpflanzungen
des Ackermannes nicht, und ehe dieser pfnden konnte, war jener mit
seiner Heerde ber alle Berge, und wute sich listig der Berichtigung
des Pfandgeldes zu entziehen. Dies zwang den Ackerbauer, mehr auf
seine Vertheidigung bedacht zu seyn; und da er sich gedrungen sah,
mehr Hnde anzuwerben, um den Acker zu bestellen (Hnde, die zusammen
bleiben muten, um die Zeit abzuwarten und die Witterung zu benutzen,
oder ihr zuvor zu kommen:) so bauete ein Haus das andere, wie ein Wort
das andere zu geben pflegt. Hierdurch waren die Ackerbauer mehr im
Stande, sich den Ausschweifungen des zahmen Hirten und des wilderen
Jgers zu widersetzen. Aus den Ackerbauern wurden Bauherren: (eine
Wrde, die ihnen selbst von den berwundenen Horden der Jger oder der
Hirten zugestanden ward;) und nur spt hat sich das Blatt gewendet, so
da wiederum Frsten und Herren jagen, und Sklaven den Acker bauen.
-- So drehet sich Alles in der Welt, und die Menschen folgen so
groen Beispielen; Familien und Reiche, Aufklrung und Verfinsterung,
Gutes und Bses: Alles geht auf und unter. -- Zu der Zeit, als auf
den Trmmern von Familiengesellschaften brgerliche Gesellschaften
errichtet wurden, war das Schicksal der Weiber schon, wie es schien,
unwiederbringlich entschieden.

Die Waffen, welche die Mnner bei jenen Umstnden fhren muten, und
welche sie fast nie aus den Hnden lieen, whrend die Weiber fr das
Hausbedrfni ihrer Mnner und Kinder besorgt waren, gaben diesen ein
entscheidendes bergewicht ber jene, welche, weil sie mit Waffen
nicht umzugehen wuten, sich vor ihnen frchteten. Sie erschraken
vor Gefahren, welche die Mnner, mehr damit bekannt, verachteten. An
Krper und Seele war ihnen der Mann, wenn ich so sagen darf, unter
der Hand berlegen geworden; und da er sich im ausschlieenden Besitze
der Schutz- und Trutzwaffen befand, so vertheidigte er nicht blo
seine Person, sondern auch sein Eigenthum, wozu er seine Familie und
in derselben sein Weib rechnete, das er jetzt als durchaus von ihm
abhngig ansah.

Whrend da die Einsichten des Mannes durch seinen vergrerten
Wirkungskreis sich vermehrten; whrend da seine Geschfte mit der
brgerlichen Gesellschaft einen hheren Schwung nahmen, indem seine
Begriffe sich zu generalisiren anfingen: schrumpfte die Seele des
Weibes je mehr und mehr in die Grnzen des Haushalts ein. Dieser
bestand wegen Einfachheit der Bedrfnisse, dem Vater _Homer_ zufolge,
in dem Zeitalter der Heron, selbst bei kniglichen Familien, noch
blo im Weben und andern dergleichen Handarbeiten. Nach und nach
verlor sich die weibliche Spannkraft gnzlich. Schade! -- Durch die
Umstnde, da alle Geschfte des Staats den Weibern entzogen, und
diese, bei Entstehung der brgerlichen Gesellschaften, schon zur
Besorgung des Haushalts verwiesen waren, wurden sie nicht Brgerinnen
des Staats, sondern Schutzverwandte. -- Schon sehr zufrieden, da
der Staat ihnen diese Gnade angedeihen lie, begngten sie sich
mit einigen Begnstigungen vor den Sklaven, die man ihnen blo zu
_spendiren_ schien. Wunderbare Wege! Doch, ging man nicht von der
Posie zur Prosa, von dem Tanze zum Gange, vom Singen zum Reden,
vom Roman zur Geschichte --? Es wirkte eine Reihe von Ursachen,
(wozu wahrscheinlich die, wiewohl grtentheils miverstandene,
Natur die erste Veranlassung gab) da nach und nach eine ganze
Hlfte des Menschengeschlechtes ihre ursprnglichen Menschenrechte
verlor und gegenwrtig einige berbleibsel davon unter dem Titel von
Begnstigungen, wohl zu merken, nur so lange geniet, als es der andern
Hlfte gefllt, ihr dieselben zu lassen; -- und doch, ist das dritte
Wort dieser unterdrckenden Menschenhlfte: Recht und Gerechtigkeit,
Gesetzgebung und Gesetzhandhabung! -- Warum in Fllen dieser Art
ngstliche Geschichtsaussprung? Der Geist, der in uns ist, bleibt
immer die beste Quelle aller Geschichte; er gleicht im Wesentlichen
dem Geiste aller derer, die vor uns waren, und giebt dem, der sich
mit ihm einlassen kann, und jedem, der sich selbst verstndlich zu
machen wei, wichtige Fingerzeige von Nachrichten, die weit ber den
Zeitpunkt schriftlicher Zeugnisse, und weit ber die historische
Gewiheit hinausreichen. Jedes Kind bringt das Andenken an die Kindheit
der menschlichen Vernunft in Anregung, und die Hauptzge derselben
drngen sich Jedem auf, der Augen zu sehen, Ohren zu hren, ein Herz
zu fhlen, und Vernunft zu ergnzen, zu vergleichen und zu verbinden
hat. Mit Meinungen der Vorzeit kann uns nicht gedient seyn; und die
Handvoll aufbehaltener Thatsachen sind so sehr mit jenen Meinungen in
Verbindung, da man ohne Philosophie bei den historischen Quellen der
Vorzeit auerordentlich zu kurz schiet. Kann man ohne philosophischen
Kopf bei den historischen Quellen auslangen? In uns liegt das Vermgen,
aus jenen Bruchstcken der alten Welt, wo nicht ein Gebude, so doch
eine Htte zu zimmern, und ein Ebenbild unseres Geistes, eine Einheit
zu schaffen, die ohne Forscherblick weder in der Weltgeschichte, noch
auch in der Geschichte jedes einzelnen Menschen, gefunden werden kann.
Ohne diesen Geist der Wahrheit ist und bleibt jede Lebensbeschreibung
ein Roman, der Verfasser gehe so offen zu Werke als mglich, oder
verstecke sich unter die Bume im Garten. -- Zu Geschichtforschern,
Auslegern des menschlichen Geistes, zu Seelengelehrten, zu Sehern,
gehrt Studium seiner selbst; und nur in dieser Rcksicht ist _sich
selbst zu kennen_ eine groe Lehre! Nur ein Geschichtschreiber, der
diese Salbung empfing, wei die Reihe der Dinge zu bersehen, und
Ursache und Wirkung unter Einen Hut zu bringen. -- Es giebt historische
Ergnzungen, wo uns so wenig ein lstiges Ungefhr untergeschoben wird,
da wir weder gerade noch seitwrts etwas gegen diese Ergnzungen
einwenden mgen, wenn wir auch knnten. --

Seht! nicht berlegenheit des Krpers, nicht bermacht des Geistes
gab dem Manne das Schwert in die Hand; die Lage der Sache begnstigte
diesen Schritt. ber seinen Unterhalt bestand der Mann den Kampf mit
seines Gleichen. Madam beschtzte zwar anfnglich zu Hause ihre Kinder,
und geno die Ehre, in dieser Festung zu commandiren, und whrend der
Feldzge ihres Mannes Proviant und Montirungsstcke zu besorgen; inde
ward sie auch hier sehr bald von ihrem erstgebornen Sohn entsetzt, der,
noch zu jung und zu ohnmchtig dem Heere seines Vaters zu folgen, sich
hier zum Commandanten aufwarf, bis er, mit Vorbeigehung seiner Mutter,
diesen Posten seinem zweiten Bruder anvertrauen konnte.

Was fr eine Vernderung diese Umstnde whrend eines Zeitraums von
mehrern Jahrhunderten oder Jahrtausenden in dem Charakter, der Denkart
und selbst in den krperlichen Eigenschaften beider Geschlechter nach
und nach hervorgebracht haben, ist am Tage. Andere Verhltnisse und
Resultate als diese Machtvortheile, waren aus jenen Vorgngen ohne
Wunder nicht zu erwarten; doch nicht eines einzigen, sondern eines
Zusammenflusses von Wundern htt' es bedurft, allen diesen zuflligen
ueren Veranlassungen eine andere Folgenrichtung zu geben. -- Der
Anfang steht oft in unserm Vermgen, die Mitte selten, das Ende nie.
-- Warum sollt' ich es bergen, da wir Mnner von Gottes Gnaden es
so gern bemnteln, wie wir zu dieser berlegenheit gekommen sind?
berhaupt sind Mntel die mnnliche Originaltracht, in die wir uns so
bedchtig verhllen, um nur so viel von uns zu zeigen, als hchstnthig
ist; die Weibermntel sind Copien von den unsrigen. -- Nhme man uns
den philosophischen Mantel; entkleidete man uns von der Reverende der
wohlehrwrdigen Hypothesen und von allen unwesentlichen, fremdartigen
Behelfen, hinter deren Wolken wir uns so unmnnlich verbergen: wie
weit seltener wrden wir bestehen in der Wahrheit! -- Um alles in
der Welt mchten wir die andere Hlfte des menschlichen Geschlechtes
berreden, nicht _wir_, sondern die _Natur_ habe sie zurckgesetzt
und uns unterworfen; und doch sind _wir_ es, die seine Bedrfnisse
erregen, und Meinungen herrschend machen, wodurch wir, so wie durch
jene Bedrfnisse, den Meister ber die schne Welt spielen. Jene Clubs
und geheimen Gesellschaften, die, ohne da sie den Degen ziehen,
Macht, Gewalt und Herrschaft erschleichen, sind Copien des Ganges,
den die Mnner einschlugen -- Und die Bibel? Bis jetzt haben noch
alle philosophische Sekten, die gedrckte, die streitende und die
triumphirende, und jede neue Staatsreform, bis auf die _Franzsische
Constitution_, sich in der Bibel getroffen gefunden.

Es ist das knstlichste Spinnengewebe von Grnden, wodurch wir das
weibliche Geschlecht zu einer ewigen Vormundschaft verurtheilen; und
selbst bei den feierlichsten Ehegelbden, die man sich am Myrtenfeste
vor Gott und den (freilich durch ein Lucullus-Mahl bestochenen)
Hochzeitszeugen ablegt, verlangt das kirchliche Formular, da, wenn
gleich beide Theile gegenseitig sich zu ehren verheien, doch die
geehrte Mnnin dem Manne gehorchen und ihm als ihrem Herrn huldigen
soll. Ist es zu verwundern, wenn die heiligste aller Zusagen, die
Ehetreue, so schnde gebrochen wird, da diesen Principalpunkt so
viele Nebenverheiungen schwchen? Wie ist die Preisfrage eines
feinen Kopfes: warum in verschiedenen Staaten, wo Eide das tgliche
Brot in Gerichten sind, das Ehegelbde (der wichtigste Contrakt, den
Menschen mit einander schlieen knnen) ohne Eid vollzogen wird, zu
lsen? Etwa durch die Bemerkung, da der Gegenstand so gro wie das
Verbrechen des Vatermordes sei, welches in weisen Gesetzbchern weiser
Vlker ohne Strafe blieb? Etwa, weil keine Formel stark genug ist, das
Ehegelbde zu besiegeln? und weil, um das Grte zu sagen, man zur
Natur der Sache, zum einfachen _Ja Ja, Nein Nein_ zurckkommen mu?
Wichtige Grnde! doch schwerlich werden sie bei der Unterlassung des
Eheeides entscheiden; denn mte sonst nicht unsere Eidmethode lngst
verbessert seyn? Oder wie? schwrt man bei der Ehevollziehung etwa
darum nicht, weil die Gelbde nicht gehalten werden, nicht zu halten
sind? nur da gehalten werden drfen, wo die Natur in speciellen Fllen
mitwirkt? Ei, Lieber! wer hlt seinen Amtseid? und wird dieser Eid
erlassen? Der grten Versuchungen zu falschen Aussagen ungeachtet,
findet der Richter, oder -- was mehr sagen will -- der Gesetzgeber
keine Bedenklichkeit, Eiden auszuweichen; und geht denn wirklich das
Versprechen der ehelichen Treue, auf welchem die Wrde, Sicherheit
und Wohlfahrt des Staates, das Glck des huslichen Standes, (des
angenehmsten und trstlichsten im menschlichen Leben) und aller Flei,
alle Betriebsamkeit beruhen, ber das Vermgen der Menschen? Hast du
nicht liebe getreue Ehegenossen gekannt? Ein menschliches Schauspiel,
das Engel zu sehen gelsten knnte! Unglcklicher! was ist dir die
Menschheit werth, wenn sie so tief gesunken wre! Ich suche den Grund
dieser, von unseren eidereichen Vorfahren auf uns gleich eidgierige
Nachkommen gebrachten, denkwrdigen Gewohnheit in der Befrchtung,
da man Eide einer baaren Lcherlichkeit aussetzen wrde, wenn man
sie durch den unnatrlichen, vom andern Geschlechte zu bernehmenden
Umstand, sich der unerkannten Gewalt des Mannes unterwerfen zu wollen,
entheiliget htte. Diese _Homagial-Umstnde_ entfernten den Eid bei
der Ehe _in vielen protestantischen Staaten_; und die auserwhlten
Rstzeuge von Reformatoren hatten nicht unrecht, den Eid aus der
Trauungsformel zu verabschieden, oder ihm einen Laufpa zu behndigen.
Soll aber die durch die Natur und Erfahrung laut widerlegte mnnliche
Macht und Gewalt ber das andere Geschlecht sich durch leidige
Knstelei erhalten? Werden wir, wenn Natur und Wahrheit ihre Rechte
zurckfordern, die keiner Verjhrung unterliegen, noch immer gewinnen
und den Sieg behaupten? Durch Wiederfragen antworten, heit, wo nicht
gar spotten, so doch: die Frage keiner eigentlichen Antwort werth
achten. Wer kann sich aber, wenn er auch wollte, dieser Zwittergattung
von Erwiederung enthalten? wer der Fragantwort ausweichen: ob die
Natur je so tief in Ohnmacht und Schwchlichkeit versinken knne,
da sie sich ungestraft berauben lasse, ohne das Raub_schlo_ oder
Raub_nest_ zu zerstren? Lngst sind Mnner nur Titularherren, Besitzer
_in partibus infidelium_. -- Und wie! Deutsche, deren Vorfahren ihre
Weiber achteten, da der Rath derselben ihnen wichtig, ihre Aussprche
ihnen heilig waren, wenn sie die Zukunft aufklrten, vielleicht
weise genug, sie nach ihrem Willen zu _lenken_ -- (eine ehrwrdige
prophetische Kunst!) Deutsche, die, wenn es gleich von ihnen heit,
_da sie viel fr Geld thun_, ihre Weiher nicht wie die Rmer (als
wren sie Hausrath) einkauften; Deutsche -- sollten ihrer Vorfahren so
unwerth seyn! Was ist anstndiger: mit dem andern Geschlechte gleichen
Schritt zu halten, oder uns von ihm, ohne da wir es wissen, leiten
und fhren zu lassen? Nur die _Zeichen_ der Regierung sind uns werth,
die _Regierung_ verkaufen wir fr ein schndes Linsengericht; und
eine kluge Frau lt sich von dem Manne zur Regierungs-Reprsentantin
erkiesen, dem hier kein Hochverrath ahndet, und der (weil doch
Hochmuth dem Falle vorausgeht) seine Frau selbst zum Throne fhrt,
und sich hinreichend begngt, da Alles unter seinem Namen expedirt
wird, Alles unter: _Wir von Gottes Gnaden_. -- Wenn nun aber ein so
betrogener Mann, der seine Frau zur List erniedrigt, der seine Kinder
zu hnlicher Denkart herabwrdigt, und ffentlich mit sich spielen
lt, bei dem allen nicht unglcklich ist; wenn er einen menschlichen
Richter in Hausangelegenheiten, einen treuen Rathgeber in Fllen, wo
er unentschlossen schwankt, in seiner Frau findet: -- was wrde sie
ihm seyn, wenn sie von Rechtswegen gleich und gleich mit ihm wre! Wie
unendlich leichter wrde der Stand des huslichen und Staatslebens
werden, wenn wir eine so herrliche Bundesgenossenschaft anerkennen und
schtzen lernten! -- _Eigensinn_, _Trgheit_ und _Stolz_ fesseln uns an
alte Meinungen und Gebruche: drei Gtzen, die man auch _Augenlust_,
_Fleischeslust_ und _hoffrtiges Leben_ zu nennen pflegt! -- Lat uns
diesen Gtzendienst mit einer vernnftigen Verehrung der Natur und
ihrer Gesetze vertauschen! Schon lange sind die Weiber durch Leiden
geprft und bewhrt, um der Herrlichkeit werth zu werden, welche die
Natur an ihnen so gern offenbaren mchte. Das Ende vom Liede dieses
Abschnittes.

In der That scheint eine hhere Vernunft es mit Vorbedacht und Vorsicht
darauf angelegt zu haben, da der Anfang des menschlichen Geschlechtes
in einem tiefen heiligen Dunkel bleiben sollte. Chaos war eher als die
Welt, Finsterni eher als Licht, Nacht eher als Tag; und wohl uns, wenn
die menschlichen Handlungen, eben so wie alle Naturbegebenheiten, nach
allgemeinen Naturgesetzen bestimmt, und von einem inneren Lichte, das
der groe Haufe nicht selten kann, und das nur Sonntagskindern selbst
in der dicksten Finsterni leuchtet, gelenket werden!

Heil uns, wenn bei den unablssigen Bemhungen der Menschen, alles
unregelmig zu machen, jene gttliche Regelmigkeit ihren festen
Schritt hlt, und die Weisheit ihre ursprnglichen hohen Anlagen bei
der spten Entwickelung rechtfertiget! Heil uns, wenn wir Alle, und
auch selbst die unter uns, welche am wenigsten daran denken, Mitglieder
der gttlichen unsichtbaren Kirche sind! wenn der, welcher blo fr
sich denkt und oft sogar des Andern Teufel ist, doch, ohne da er es
wei, die gttliche Absicht befrdert, die Welt ihrem moralischen Ziel
immer nher bringt und selbst Teufeleien zum Besten kehret! O, der
herrlichen Veredlung der moralischen Metalle!

Wer kann bei dieser Idee gleichgltig seyn! wer wnscht nicht, sich
jenen jngsten Tag der Menschheit lebhaft vorzustellen und den Gang
des menschlichen Geschlechtes von Anbeginn bis auf unsere letzte
_betrbte_, und die in der Hoffnung erwartete _letzte frhliche_
Zeit in einer Karte zu bersehen! -- Wie oft wrde auf diesem
Menschheitsgemhlde die Weisheit des Einzeln als Thorheit, und die
Thorheit im Groen als Beitrag zur Weisheit erscheinen! Nur da
kein Mensch hieraus Gelegenheit nehme, in seinem verkehrten Sinne
zu thun was nicht taugt, vielmehr nach bestem Wissen und Gewissen
seine Tage so anlege, da die Stimme seiner theoretischen und
praktischen Vernunft, seiner Einsicht und seines Gewissens, nicht
unbefolgt bleibe! Zwar kommt es hier immer noch blo auf den Glauben
an die Menschheit an, der durch so manche unerhrte, unerklrliche
Begebenheiten nicht nur in Hinsicht einzelner Menschen, sondern auch
ganzer Nationen schwankend gemacht wird; wer wollt' inde auch bei
einem Senfkorn dieses Glaubens verzweifeln! Vater der Menschen, strk'
uns diesen Glauben! Wie planlos da alles durch einander luft! wie viel
Zerstrungssucht, Hader, Neid, Zank, Zwietracht! Alles verschworen, die
Wnsche des Menschenfreundes zu vereiteln und der gttlichen Bestimmung
entgegen zu arbeiten! Doch jene goldreine Zeit wird kommen, wo die
Menschheit mehr von Schlacken gelutert seyn wird! nur da nicht, was
bei menschlichen Handlungen glnzt, uns sogleich etwas Gttliches
scheine! Nicht Alles was glnzt, ist Gold. Nur da wir uns durch
nichts, selbst nicht durch den herrlichsten kosmopolitischen Zweck,
zum Handeln bestechen lassen, vielmehr auf nichts weiter denken, als
unsere Pflicht mit strenger innigster Redlichkeit zu bewirken und sie
_menschmglichst_ (ein theures werthes Wort!) zu erfllen! Nur da
wir bei unseren heiligen Verbindlichkeiten nicht an den Morgen der
Folgen denken, sondern lauter und rein thun, was wir schuldig sind,
und Alles brige DEM berlassen, der allein weise ist! Wer sich das
Ansehen giebt, der gttlichen Regierung nachhelfen zu wollen, ist ein
Gotteslugner in einem besondern Sinne -- -- Sollte inde die Natur dem
verzagenden Beobachter nicht wenigstens, wie _Ariadne_, einen Leitfaden
zugeworfen haben, um sich aus diesen Labyrinthen herauszuhelfen? um,
da er in Allem eine gttliche Endabsicht voraussetzen kann, dieselbe,
trotz allen Kreuz- und Querzgen von eigenen Absichten der Menschen,
auch bewundern und sich an ihr und an der allmhlichen Erreichung
derselben erfreuen zu knnen? Nichts wrde diese Gesinnungen und diese
Hoffnungen strker befestigen, als wenn wir, von den Urzeiten ab,
in allen den Krmmungen, die das menschliche Geschlecht einschlug,
eine geheimnivolle Entwickelung dieser Anlagen zu bemerken und den
Finger einer Vorsehung zu finden im Stande wren. So bald Geschichte,
Erfahrung und Nachdenken etwas von diesem ihrem Gange entrthseln
knnen; so ist hierzu ein Plan gezeichnet, und wir sind in diesen
vierzig Jahr-Wochen des Wstenumweges nach Kanaan nicht ganz und gar
verlassen und versumet. Doch noch hat diese herkulische Arbeit keinen
Anfnger, viel weniger einen Vollender; und da die Einbildungskraft
in dieser Hinsicht kein leidiger Trster ist, so lt sie uns in, mit
und unter ihrer Beihlfe, wenn gleich nicht lebendige berzeugung, so
doch beruhigende Hoffnung erlangen. Ist der Mensch ein Miniaturstck
von Welt, ein Mikrokosmus; so mag die Geschichte des einzeln Menschen
immerhin einen Schattenri von der Geschichte der Menschheit abwerfen,
und den Anfang derselben, so wie ihren Fortgang, in Hieroglyphen
dem Auge des Sehers, wenn gleich nicht vllig, so doch kennbar,
darstellen. Jeder Mensch feiert durch sein Leben das Leben des
menschlichen Geschlechtes, und wird, wo nicht die Quintessenz, so doch
ein kurzer Auszug von der Geschichte der moralischen Welt. Wenn man
ohne sonderliche Vorurtheile (denn ist es mglich, sich ber diese
Egyptischen Plagen vllig wegzusetzen?) einen Plan entwerfen knnte,
wie die Menschenwelt gehen mte, wenn sie anders den letzten Zwecken
der Vorsehung gem wandeln wollte; so htte man freilich von der
moralischen Welt eine treue Probe, die mit den Bruchstcken, welche wir
davon geschichtlich besitzen, stimmen und die Data da ergnzen wrde,
wo in der wirklichen Welt Alles wst und leer scheinet. Jetzt aber
werden wir, hier und da viel oder wenig abgerechnet, wenigstens ein
Ungefhr von dem herauszubringen im Stande seyn, was herauszubringen
war; und sollten wir nicht Alles mit einer reinen Idee dieses Ganges
bereinstimmend finden, so wird doch ein groer oder kleiner Theil
stimmig seyn. Die erste Periode unseres Lebens ist so dunkel wie die
Genesis der Welt, von der wir, da sie unter dem Herzen ihrer Mutter
lag, nichts wissen. Ist unsere Kindheit (wo wir keinen Willen haben,
sondern nach Instinkten und nach Leitung der Eltern, die uns entwarfen,
leben, weben und sind) nicht jener Weltperiode hnlich, die wir den
_Stand der Unschuld_ nennen? und sie mag um so mehr so heien, da uns
in derselben nichts zugerechnet werden kann. Der Mensch fhlt sich; das
heit: er emancipirt sich, giebt oft noch vor der Zeit sich _veniam
aetatis_, glaubt in seiner Vernunft einen Gott zu haben; und seht!
mitten in dieser Selbstvergtterung sinkt er, und oft so tief unter den
Menschen herab, da er kaum zu kennen ist -- Leidenschaften strzen ihn
-- Fall auf Fall! -- Anfnglich sind diese Leidenschaften ungebetene
Gste, die man gemeiniglich lieber gehen als kommen sieht; doch ber
ein Kleines werden sie Vernunftgenossen, Herzensfreunde, Busen- und
Schoolieblinge, deren Umgang, wenn das Gewissen dagegen einwendet,
der Mensch bis auf's Blut so vertheidigt und rechtfertiget, da das
sich selbst gelassene Gewissen sich anfnglich hintergehen, bald
hernach sich anstecken lt, und endlich selbst leidenschaftlich wird.
-- Spt nur, und wenn der Tag seines Lebens khl geworden, kommt der
Mensch durch die Stimme seines Gewissens, das sich wieder erholt hat,
zum Nachdenken. Adam, wo bist du? wohin ist es mit dir gekommen? Das
Fieber des Selbstbetruges legt sich; die Vernunft hat Zwischenstunden,
kommt allmhlich zu Krften, und entwirft sich Gesetze, die der Mensch
wenigstens im Durchschnitt erfllt -- Ganz wird er nie aufhren
Mensch zu seyn -- wie sollt' er auch eine ihm wildfremde Rolle vllig
ausfhren knnen? Bei den Fehlern des Alters erinnert er sich der
Snden der Jugend, sinkt, fllt, steht auf, und sieht am Ende ein, da
der Mensch nie zur Vollstndigkeit gelangen kann; doch jaget er ihr
nach, und versucht, ob er jenes Ziel erreichen werde, die Krone des
Lebens. --

Das Weib -- ist wie der Mann; es giebt hier keinen Unterschied: sie
sind allzumal Menschen, und mangeln des Ruhmes, den sie haben sollten
-- -- Das Verhltni der Geschlechter gegen einander? Allerdings der
Hauptpunkt, worauf es bei dieser ganzen Abschweifung ankam! Der gerade
Gang aller kleinen und groen Gesellschaften -- den ich aber aus mehr
als Einer Ursache auch selbst nach den ersten Strichen nicht darstellen
mag. _Adam_ und _Eva_ leben anfnglich im Stande der Unschuld; dann
wird _Adam Eva's_ Untergebener, gehorsam bis zur Ausschweifung; bald
darauf verwandelt er sich in ihren Gebieter, welches er lange bleibt,
bis sie endlich beiderseits in Frieden, Einigkeit und Gleichheit mit
einander leben, und zu jenem Stande der Unschuld, wiewohl mit weit
mehr Einsicht und weit mehr Glckseligkeit, zurckkehren. Genug --
auch dieser Handzeichnung vom Verhltnisse der Geschlechter will ich
weder Farben geben, noch sie vollenden -- Ein jeder wird an diesen
Strichen sich selbst kennen, und _durch_ diese Selbstkenntni den
Gang der Menschenwelt und der beiden Geschlechter -- Mchte doch auch
in Hinsicht des Geschlechterverhltnisses Eine Heerde und Ein Hirt
werden! -- Doch, dieser Wunsch ist im dritten Kapitel zu frh; wer
wird sich selbst in den Kauf fallen --? wer sich vor dem fnften Akt
verheirathen? --




IV.

NHERE ANGABEN, WOHER DIE BERLEGENHEIT DES MANNES BER DIE FRAU
ENTSTANDEN IST.

BETREFFEN NEUERE ZEIT.


Das Schwert gab dem mnnlichen Geschlechte Machtvortheile ber das
weibliche; aber dem natrlichen Mae von Leibes- und Seelenkrften
konnte es eben so wenig eine Handbreit zusetzen, als der Nichtbesitz
der Waffen dem weiblichen Geschlecht eine Handbreit zu nehmen im Stande
war, wenn gleich nicht geleugnet werden kann, da dieser Nichtbesitz
Furchtsamkeit, Mitrauen in Krfte, welche die Weiber nicht kannten,
zur Folge hatte. Als die Griechen und Rmer in ihren Kriegen mit den
Indiern der Elephanten ansichtig wurden, erschraken sie ber diese
Kolossen, und der Muth entfiel ihnen; doch, er nahm wieder zu, als sie
diesen Kriegespopanz mehr kennen und verachten gelernt hatten. Sie
berzeugten sich, wie wenig diese unbehlflichen Massen der Gewandtheit
eines gebten Kriegsheeres die Wage halten knnten; und ob sie gleich
hierdurch keinen wesentlichen Zuwachs an Krften erhielten, so ward
doch durch diese Erfahrung das Zutrauen auf ihre Krfte vergrert. Es
hatte mit diesem Zutrauen eben die Bewandni, wie mit dem Credit der
Kaufleute, wodurch sie reicher als durch Schtze sind. In der That,
wir haben an krperlichen Krften und an den Resultaten derselben,
Muth und Tapferkeit, gegen unsere Vter so wenig gewonnen, da wir
es wohl weislich bleiben lassen mssen, in ihren Rstungen und mit
ihren Waffen zu fechten; wrden sie aber, mit aller jener krperlichen
berlegenheit, mit allem jenem Muth und jener Tapferkeit, nicht gegen
die erste beste unserer Armeen das Feld rumen mssen? Wir haben
uns durch Glck und Kunst solcher Krfte bemchtigt, gegen die sie
nicht zu stehen vermgen. Verstrken aber alle diese Dinge unsere
Leibeskrfte und unsere Geistesvorzge? sind wir dadurch wesentlich
mchtiger und tapferer geworden, als unsere Vorfahren? Haben wir auf
diesem Wege ein Recht erlangt, sie unter uns zu erniedrigen, sie zu
entwrdigen und zurckzusetzen? -- Gerade so, und nicht anders, verhlt
es sich mit unsern Anmaungen gegen das weibliche Geschlecht. Dadurch,
da die Gesellschaften nach und nach dauerhafter und fester wurden;
dadurch, da sie gewisse Formen erhielten, vermittelst deren, sie
uerlich sich immer hnlicher wurden; dadurch, da man in diese Formen
allmhlich mehr Verhltni zur Masse brachte; kurz, dadurch, da die
brgerlichen Gesellschaften ihre gegenwrtige Gestalt erhielten, ward
den Weiberrechten nicht im mindesten gefrommt. Diese ursprnglichen
Rechte waren einmal verloren gegangen, und es blieb dabei, da man
Weiber mit zum Hausgerthe des Oberhauptes der Familie rechnete, womit
mancher nothdrftig, mancher berflssig versehen war; sie hatten
nur noch Werth fr ihn, in so fern sie dazu dienten, durch klugen
Austausch seine Habe zu erweitern und sein Inventarium zu vergrern.
Die Menschen wurden Brger; allein sie fingen ihre Brgerschaft nicht
damit an, diesen ihren brgerlichen Verfassungen Ordnung, Dauer und
Regelmigkeit beizulegen. Noch jetzt lernt, man in der Gesellschaft
gesellig seyn, und nichts lt sich so wenig theoretisch begreifen, als
diese Kunst. Die ersten Gesellschaften dehnten sich blo durch Gewalt
der Waffen ber andere aus, und gaben sich Mhe, ihre freien Nachbarn
nicht zu ihren Mitbrgern und Freunden, sondern zu ihren Sklaven zu
machen. So entsprang, erweiterte und bildete sich der Rmische Staat;
und da dies der Uranfang aller groen brgerlichen Gesellschaften
war, bezeuget die Geschichte vom finstern Anfange bis zum angeblich
lichten Ende. Immer hatte man Waffen in den Hnden, man mochte seinen
Freunden und seinen Feinden Gesetze vorschreiben, man mochte ber
Anordnungen zum Besten des Staates rathschlagen, oder ber Brgerrechte
entscheiden. So waren und blieben die Mnner in Rcksicht ihrer Weiber
in Machtvortheilen, und lieen ihnen Gnade fr Recht widerfahren,
wenn sie ihnen einige Brosamen von ihrem berflusse zuwarfen; das
heit: wenn sie ihnen einige Vortheile vor den Sklaven zugestanden.
Inde fanden es die Griechen, und vorzglich die Rmer, billiger oder
(besser) politischer, das weibliche Geschlecht in die Staats- und
Gesetzordnung mit einzuschlieen. -- Wie es der Orient mit den Weibern
gehalten hat, ist auer dem, was der Jdische Gesetzgeber in Rcksicht
ihrer anordnet, nicht bis auf unsere Zeiten gekommen; doch scheint
ihr ehemaliger Zustand in diesem Vaterlande des Despotismus und der
Vielweiberei vor dem jetzigen sich nicht ausgezeichnet zu haben, da
_Asien_ und _Afrika_, seitdem die Griechen und Rmer daselbst bekannt
wurden, in der Cultur eher zurck- als vorgeschritten sind. -- Der
Mensch ist zur Freiheit geboren; sie ist die Sonne, deren Einflu
Alles hervorbringt. -- Da, wo Freiheit unterdrckt wird, kann nichts,
was menschlich ist und heit, zu Krften kommen. -- Dort ist noch
die Ehe, dieser wichtigste und heiligste Vertrag im Staate, nichts
mehr und nichts weniger, als ein Kauf- und Tauschhandel; Weiber sind
eine Waare des Luxus, weil der _Zenana_ (Harem) einen wesentlichen
Theil eines Indischen Pallastes ausmacht, und die Stelle derjenigen
rter vertritt, wo der Europer seine Prachtliebe zur Schau trgt.
Anstatt Meisterstcke der Mahlerei und Bildhauerkunst aufzustellen,
anstatt die Natur durch die Kunst zu verschleiern, stellt man sie
nackt und blo dar; und anstatt in einen Tempel des Geschmackes zu
fhren, fhrt man in ein B--. Die Weiber sind dem Indier Gegenstand und
Werkzeug des Vergngens und Zeitvertreibes; und seht da den hchsten
Gipfel des weiblichen Werthes! Liebe kennt er nicht; denn diese kann
in Hinsicht des Geschlechtes sich durchaus nicht so theilen. --
Thierisches Bedrfni ist das Heiligthum seines Altars der Liebe, und
verschwenderische ppigkeit das Ziel seiner huslichen Glckseligkeit.
-- O des in Armuth reichen Menschenthiers!

Was inde Griechen und Rmer dem weiblichen Geschlechte durch ihre
Gesetzgebung an brgerlichen Rechten zugestanden, war nur ein sehr
drftiger Theil desjenigen, was ihnen von Naturwegen eignete und
gebhrte, und was ihnen sonach weder durch Feuer noch durch Schwert,
weder durch gute noch durch bse Gerichte genommen werden konnte.
Wahrlich ein Raub von besonderer Art, wobei man nicht nur den
Leib, sondern auch die Seele entwendet, und den sich besonders die
weltberhmten rechtlichen Rmer zu Schulden kommen lieen! Kann man
berhaupt zu einem Rechte Zutrauen fassen, das sich nicht grmte,
nicht schmte zu behaupten: die Sklaven wren fr nichts zu halten,
(_servi pro nullis habentur L. 32 D. de Reg. Jur._) und welches den
an sich so schdlichen als drolligen Einfall geltend machte, es gbe
Menschen, die nur den Werth von Sachen htten? Durch diese gerichtliche
Taxe verlor die ganze Menschheit; und so lange man den Sklaven Bild
und berschrift von Menschen nicht zu nehmen vermag -- wer wird
mehr entehrt, sie oder ihre Herren? Was nun besonders die unerhrte
Unerkenntlichkeit der Rmer betrifft, die durch das andere Geschlecht
zu Menschen gemacht, die durch die Sabinischen Jungfrauen erzogen
waren -- und die ohne Zweifel jene Spuren der Menschlichkeit, die sie
von ihren Gouvernantinnen lernten, in alles Rmische brachten, um ihm
den bitteren Geschmack der Rohheit zu benehmen -- wer kann dieser
_Rmischen Unerkenntlichkeit_ sich ohne Mimuth zurck erinnern? Welch
eine demthigende Ehre, die man den Weibern erwies, sie auf immer unter
Vormundschaft zu setzen, ihren brgerlichen Handlungen die brgerlichen
Folgen zu entziehen, und sie durch eine feierliche Sanktion zu Schatten
der Mnner im Staate zu machen! Alle Gesetze in Hinsicht des andern
Geschlechtes scheinen in Donner und Blitz gegeben zu seyn; wenn sie
gleich sich das gesetzliche Ansehen (das pedantischste von allen)
geben, den Evangelienton anzunehmen, sieht man, so bald man ihnen nher
tritt, doch so viel Donner -- und Blitz -- Gesetzlichkeit in ihrem
Evangelio, da man sich sogleich berzeugt, kein Frauenzimmer habe hier
mit votirt. --

Die hchste Beleidigung ist, zu erklren, da man durch Jemanden nicht
beleidigt werden _knne_; und durch das Privilegium, nicht Unrecht thun
zu _knnen_, hat man die damit Privilegirten in keine vorteilhaftere
Sicherheit gestellt, als die Bldsinnigen. Weibliche Personen vom
tiefsten Sittenverderbni wollen geschmeichelt seyn, da sie uerlich
die Tugend ehren, die ihr Geschlecht am meisten ziert; und wie? die
Gesetze selbst berauben das ganze Geschlecht alles Nervs, alles Muthes
die Freiheit zu lieben, aller Vernunft den Despotismus nicht zu
frchten? wie? man erniedrigt ein ganzes Geschlecht zur Sklavenklasse,
aus dessen Mitte man mehrere, und bei weitem nicht die vorzglichsten,
anbetet und als Gttinnen in den Himmel versetzt?

Ist es zu leugnen, da die Rmische Gesetzgebung, und die Adoption
derselben in Deutschland, dem weiblichen Geschlechte jene _odisen_
Privilegia im hchsten Grade zuwandte und ihm den schlechtesten Dienst
erwies, den man ihm je erweisen konnte? Beide Regeln, welche von
der gesetzlichen Annahme an Kindes- oder Enkelstatt unzertrennlich
waren, (nehmlich da die Adoption die Natur nachahme, und da sie
blo zum Nothhelfer fr die erfunden sei, die weder leibliche Kinder,
noch Hoffnung und Aussicht dazu hatten) fand zwar bei dieser Adoption
des Rmischen Rechtes nicht Statt. Da inde von _Rom_ aus, und durch
die Rmer, sich Knste, Wissenschaften und Sitten in Norden und
Westen verbreiteten, so wie unsere ganze hochlbliche Cultur noch
gegenwrtig Rmisches Vaterland verrth; so trgt besonders unsere
Staats- und brgerliche Verfassung, und vor andern unser brgerliches
Recht, noch Namen und Geprge der Rmer an Stirn und Brust, seitdem
der _Justinianische Gesetz- und Rechts-Codex_ zu _Amalfi_ wieder
aufgefunden ward. Auch das _von Carmersche Neue Testament_ beziehet
sich auf jenes Rmische Sinai des Alten, und ist weniger Schpfung
als bessere Einrichtung -- Nur noch wenige Zge, eh' ich dieses Feld
verlasse -- Jene Rechts-Peinlichkeit in Rcksicht der Hermaphroditen
wrde blo lcherlich seyn, wenn der Geschlechtsstand des mnnlichen
vom weiblichen Geschlechte nicht so auerordentlich verschieden wre
-- Das Gefhl, Manns- und Weibspersonen wrden einerlei Rechte zu
genieen haben, wenn es auf die Entscheidung der Natur ankme, brachte
die Gesetzgeber, und noch mehr ihre Jnger und Prophetenknaben, in eine
nicht geringe Verlegenheit; und da Ausnahmen nicht vermuthet, sondern
bewiesen werden mssen, so deutete man (o, der Gerechtigkeitsliebe!)
_ein Gesetz, wobei die Weibspersonen nicht ausgenommen waren_, auf
_beide Geschlechter_, und die Weiber hatten die Ehre, die Worte: (_si
quis_) _wenn Jemand_, auch sich zuzueignen und -- welch ein Vorzug!
-- auch _ein Jemand_ zu seyn. Ein groes Glck, da man sie nicht
zum _Niemand_ verstie. Es ist unerklrbar, wie man auch nur auf den
Gedanken hat fallen knnen, da nicht etwa blo dem mnnlichen, sondern
auch dem weiblichen Geschlechte, nach Rmischen Grundstzen, Vortheile
zugetheilt wren! Ich finde deren keinen von letzterer Art; vielmehr
scheinen mir die so genannten Weiber-Vortheile geheime Wunden und
Meuchelstiche zu seyn, die noch mehr schaden, als wenn das Gesetz sich
ffentlich wider die Weiber erklrt htte. Was bedrfen wir weiteres
Zeugnisses, als da die Frauenspersonen auf kein ffentliches Amt
Anspruch haben; da sie (Mutter und Gromutter ausgenommen) nicht
Vormnderinnen werden knnen; da sie in Fllen, wo die Gesetze, der
Feierlichkeit des Geschftes halben, mehr als zwei Zeugen verlangen,
nicht als Zeuginnen zuzulassen, mithin nicht als Zeugen bei Testamenten
brauchbar sind, und da noch Zank und Streit unter den Gelehrten
obwaltet, ob und in wie weit ihnen diese Zeugenehre bei Codicillen zu
bewilligen sei; da sie an den Rechten der Rmischen vterlichen Gewalt
(sie war, so wie berhaupt, so besonders in Hinsicht des Vermgens
der Kinder vorzglich) keinen Antheil haben; da man sie zur wahren
Adoption unfhig erklrt, weil hier die vterliche Gewalt sich in ihrer
rechtlichen Wrde zeigt! -- Wahrlich, nach diesen Beraubungen wird man
auf die angeblichen Vortheile neugierig seyn, wodurch die Rmischen
Gesetze das andere Geschlecht zu entschdigen die Gte gehabt;
und sehet da! die Unwissenheit der Rechte kann den Weibern nicht
zugerechnet werden, wenn sie sich dieses elenden Einwandes in Fllen
bedienen, um sich durch einen Blitzableiter wegen des Schadens und
der Strafe zu sichern. Sie knnen nicht aus einer Brgschaft belangt
werden -- und kurz und gut, sie haben das Recht, alte Kinder zu bleiben
bis an ihr seliges Ende. -- Der Claudianische Rathsschlu war so
gndig festzusetzen, da, wenn eine freie Frauensperson einen Sklaven
_actualiter_ fr einen Menschen anerkannte und sich mit ihm zu weit
einlie, sie dem Herrn desselben, falls er ihr in der heiligen Zahl
Drei diesen Umgang untersagt hatte, als Sklavin zugesprochen werden
mute, so bald dieser Herr darauf antrug. So fiel sie, und -- wohl
zu merken -- auch ihr ganzes Vermgen, diesem so wohlmeinenden Herrn
anheim, der die groe Mhe gehabt hatte, sie dreimal zu warnen! --
_Justinian_ hob diese Hrte, als seiner Zeiten unwrdig, auf; und noch
schttelt man den Kopf, unentschlossen, ob dies ein Lob- und Dankopfer,
oder ein Vorwurf in Hinsicht seiner goldenen Rechtszeit sei.

Bei diesen und andern Umstnden hat man nicht etwa blo dem Geiste der
Rmischen Gesetzgebung, sondern auch ihren Cruditten das Brgerrecht
verstattet, und zu ihrer Aufnahme die Thore weit und die Thren hoch
gemacht; whrend die Franken, Sachsen und andere Bewohner Deutschlands,
nach ihrer Weise und nach Deutscher Art und Kunst, in der Cultur
fortschritten. Die Handlungsweise und die Sitten erhielten zwar eine
andere, aber doch keine Rmische Gestalt; vielmehr machte die Eigenheit
des Volks-Charakters einen sehr wesentlichen Unterschied bemerkbar:
inde wurden Deutsche Handlungen doch mit Rmischen Schneiderscheeren
verschnitten -- Aus einem Paradiese und khnen Naturgarten wurde
kleinliche Hollndische Knstelei. -- _Demosthenes_ hlt es beinahe
fr ein Gesetz des Schicksals, da immer die besten Menschen die
ungezogensten Kinder htten; und in Rom und Griechenland war es zum
Sprichwort geworden, da die Shne der Helden selten ihren Vtern
hnlich wren. Ganz anders mit den Staatsgesetzen, deren Erziehung
fast nie fehl schlgt -- Wenn Mitglieder des Staates von ihren
Rechten und Pflichten richtige Begriffe haben und gern denselben
gem handeln, so sind sie sicher aufgeklrter, als wenn sie der
Wissenschaften Menge besitzen, die zur brgerlichen Glckseligkeit
nichts Wesentliches beitragen, die den Schein haben und die Kraft
verleugnen. Wie betrbt war das Schicksal der Deutschen bei Rmischen
Gesetzen! Diese Gesetze wurden dem National-Charakter der Deutschen
und ihren vterlichen Sitten auf keine Weise anpassend gemacht.
Man fiel nicht darauf, Gesetze und Sitten so viel als mglich in
bereinstimmung zu bringen, nicht, wo weder Sitten noch Gesetze eine
Umformung annehmen wollten, diese zu verwerfen, und fr jene eine Regel
zu erfinden: man nahm es sich vielmehr mit patriotischer Freiheit
heraus, das Rmische Gesetzbuch, wie die _Sulen des Herkules_, als
Grnze anzusehen, ber welche hinaus sich kein Ruhepunkt fr den
menschlichen Verstand denken liee; man ahndete nicht einmal, da
das, was im Rmischen Staate und fr Rmer gerecht und weise war, in
Deutschland und fr Deutsche sehr unweise und ungerecht seyn knnte
-- Der unverfeinerte Geist der Deutschen Sitten hing mehr an einer
tugendhaften schlichten Denkungsart, als an gewissen durch Convenienz
so oder so bestimmten Wrtern; und die Deutschen htten von hundert
Arten der Lust nicht gewut, wenn das Rmische Gesetz (dessen um sich
greifende Alleinherrschaft man nur allmhlich und nothdrftig durch
Spiegel und Weichbilde und Willkhre beschrnkte) nicht gesagt htte:
_La dich nicht gelsten_. Kann man nicht Laster verbreiten, wenn man
sie gleich mit wahren Farben zeichnet? Giebt es nicht Snden, die
nicht anders als mit Gefahr der Verfhrung zu entschleiern sind? und
wenn es dem Dichter schwer ist, treue Gemhlde der Sitten zu liefern,
ohne den sittlichen Anstand zu verletzen -- mit welcher Weisheit mu
der Gesetzgeber verfahren, um nicht mehr zu verderben als zu bessern?
Kann der Dichter wenigstens jetzt -- und hatten die Alten so ganz ein
Recht, sich von dieser Weise auszunehmen? -- viele Dinge nach der
Natur mahlen? oder mu er nicht vielmehr seine Gemhlde unter einer
conventionellen Maske, und mithin um vieles sittlicher als die Menschen
_pro tempore_ sind, anlegen und halten? und der Gesetzgeber, so ein
Prosaist er auch sonst ist -- mu er nicht eben den Weg wandeln,
wenn er nicht mehr Schaden als Nutzen stiften will? Die Menge der
Rmischen Gesetze wrde vielleicht mehr abgeschreckt haben; inde
brachte das System, wonach sie gezimmert waren, (das nicht blo die
Rechtsgelehrten, sondern, wohl zu merken, auch der Brger, studieren
mute, wenn er nicht alle Augenblicke an einer Fiktion und einer
Feinheit oder de etwas sich Kopf und Herz stoen wollte) die Rmische
Gesetzkunst in Umlauf. Der grte Haufe lernte sie halb kennen, und
eben diese Halbkenntni erwarb ihr, nach wohlhergebrachter Gewohnheit,
eine fast mystische Verehrung, so da alles vor dem Rmischen Rechte
die Kniee beugte, und ihm huldigte. -- Und wer mag denn auch leugnen,
da es einen Schatz von Kenntni und Weisheit enthlt? und da, da
Spitzfindigkeiten und Distinktionen fr den grten Theil der Kpfe
etwas sehr Hinreiendes behaupten, es besonders zur damaligen Zeit sehr
natrlich zuging, wenn ihm so reichlich Jnger und Anhnger zufielen?
ob es gleich den Britten nie leid gethan hat, und zu thun scheint,
dieser Rechtsfahne nicht geschworen zu haben. Warum mehr Ausholung? --
Das unrmische Deutsche Weib kam unter das Rmische Gesetz, und die
Deutschen Mnner verwickelten sich selbst in das Garn, womit sie Weiber
zu fangen gedachten. Zu wenig hat die Geschichte uns von unsern in Gott
ruhenden Ahnherren hinterlassen, denen es berhaupt mehr darum zu thun
war, Thaten der Nachwelt wrdig zu thun, als sie aufzuzeichnen und
aufzubehalten. Das, was Freund und Nachbar _Tacitus_ von ihren Sitten
und Gebruchen berliefert, ist bei weitem nicht hinreichend, um uns
von ihrer Haus- und brgerlichen Verfassung einen ganz richtigen, am
wenigsten einen vollstndigen, Begriff zu machen. Nach ihm, wurde
bei den Deutschen, bei denen Sitten weit mehr als in Rom Gesetze
vermochten, (denn so, denk' ich, will _Tacitus_ bersetzt seyn) der
Ehebruch mit dem Tode bestraft; und bedarf es grerer Beweise, da
die Ehen den Deutschen nicht gleichgltig waren? Sie wachten ber
ein Geschft, wobei der Staat so sehr interessirt ist, da jede
Vernachlssigung sich ber kurz oder lang unmittelbar am Staate rcht,
mit vieler Eifersucht und Strenge, so, da auf Vergehungen dieser Art
(die unter einem Himmelsstriche wie der ihrige, bei einer einfachen
frugalen Lebensart und bei der Unbekanntschaft mit Miggang und dem
Wohlleben, den Gefhrten des Luxus, in der Regel sich nur sparsam
ereignen konnten) dennoch eine so harte Strafe gesetzt wurde.

Der Einflu der Deutschen Weiber in Staatsgeschfte war wichtig,
indem sie aus ihren Mitteln Priesterinnen gaben, die, auer
ihren gottesdienstlichen Verrichtungen, einen groen Einflu in
Staatsverhandlungen behaupteten, ihre Berathschlagungen lenkten und
ihren Kriegern in Schlachten Verachtung der Gefahr, Liebe fr das
Vaterland, und Muth gegen ihre Feinde einhauchten. Weiber waren ihren
Mnnern nicht, wie groe Staatsdiener ihren noch greren Frsten,
_rechte_ oder _linke Hand_, sondern Herz und Seele. Die Geschichte
hat uns noch einen berhmten Namen, _Vellede_, aufbehalten. Ob sie
brigens als aktive Brgerinnen an den Volksversammlungen Theil
nahmen; ob sie mit den Mnnern berall gleiche Rechte genossen: das
ist eine Frage, welche die Geschichte unbeantwortet lt; inde ist zu
vermuthen, da auch bei unsern Vtern die Weiber jene Rollen mehr aus
Connivenz, als kraft einer frmlichen Berechtigung spielten, indem ein
so wichtiger Umstand, der bei allen brigen damals bekannten Vlkern
so sehr auer der Regel war, gewi der Nachwelt wre berliefert
worden. Die Eheunlust, worber Gesetzgeber und Politiker von je her so
manchen Stab Wehe brachen -- entstand sie nicht aus der Verachtung,
welcher das andere Geschlecht ausgesetzt war? Scheint es nicht eine
Art von Degradation seiner selbst, ein Frauenzimmer zu ehelichen, das
im Grunde so ohne alle Bedeutung ist? besonders wenn man berlstige
Schwiegermtter und Basen als Beilagen _sub Ecce_ und _Vide_ erhlt!
Man lasse das Mdchen seyn wie unser Einer, und gewi wird ein
ehelustiger Jngling weniger Bedenken finden, mit ihr zu ziehen; und
werden Basen und Schwiegermtter bei der Geschlechtsverbesserung noch
Zeit behalten, sich als _Beilagen sub Ecce und Vide_ brauchen zu
lassen? --

Wenn es wahr ist, da durch den Miggang eines Brgers im Staate ein
anderer doppelt arbeiten mu, um die Faulheit von jenem zu bertragen
und Alles ins Gleichgewicht zu bringen; so besttiget sich diese
Bemerkung noch weit mehr durch die Vielweiberei, die Quelle, wodurch
zwar das _andere_ Geschlecht auerordentlich von seiner Wrde verloren,
die inde auch dem _mnnlichen_, und sonach dem _ganzen_ menschlichen
Geschlechte, einen unglaublichen Nachtheil zugezogen hat. Nicht blo
Vater und Mutter, sondern auch die Kinder sind verdorben; der Vater
kommt mit seiner Liebe zu den Kinden ins Gedrnge: er liebt sie nicht
als seine Kinder, sondern in so weit dieses oder jenes das Kind dieser
oder jener Mutter ist! -- Der Mibrauch ist eine ansteckende Krankheit,
die Alles angreift und vergiftet, was ihr zu nahe kommt -- Es ist eine
so feine als richtige Bemerkung: da die Vielweiberei geradehin zu
einer unnatrlichen Liebe fhrt, so wie Aberglaube zur Atheisterey,
Verschwendung zum Geitze. -- Doch, diese Abschweifung sollte blo den
Weg zu der Bemerkung bahnen, da, so wie dem andern Geschlechte von den
Mnnern begegnet wird, die Mnner sich von den Regenten begegnen lassen
-- Die Sklaverei, wenn sie auch nur im Kleinen, in einer einzigen
Beziehung, geduldet und gebt wird, macht ber kurz oder lang alles zu
Sklaven. Bei einer gelinden, gemigten, eingeschrnkten Regierung galt
das Frauenzimmer von jeher mehr, als in despotischen Staaten, wo die
Sklaverei der Weiber politisch nothwendig ist. Den Weibern ist ohne
Zweifel jene Gelindigkeit, Migung und Einschrnkung in der Regierung
zu danken -- Wo sie zum Worte kommen, stimmt sich Alles zur erlaubten
brgerlichen Freiheit; zur erlaubten, sag' ich, und fge hinzu, da die
Weiber zur despotischen Herrschaft von Seelen- und Krperswegen nicht
aufgelegt sind -- Zeigen sie Spuren vom Gegentheil, so waren Mnner
ihre Verfhrer. Der fromme _Haller_ sagt:

    _was Bses ist geschehn, das nicht ein Priester that?_

und ist Priester nicht ein Erzmann? ein Mann aus hherem Chor? Man
sagt, im Orient mache das Klima es nothwendig, da die Weiber in
Festungen eingeschlossen werden, und der Zwang der Harems verbessere
ihre Sitten. Lieber! kann der Zwang Sitten verbessern, wenn du ihn dir
nicht selbst durch Grundstze anlegst? oder ist die Tugend, die nicht
nur einer Schildwache, sondern einer ganzen Festung bedarf, so vieler
Umstnde werth? Was muntert mehr zur Ehe auf: -- Hagestolzenstrafen --
Vaterprivilegien? oder eine tugendhafte Frau, die bischflich nur Eines
Mannes Weib ist, und dies ihr Licht leuchten lt vor den Leuten, da
sie ihre guten Werke sehen? --

Welch ein Umgang ist reitzender, als unter Freunden und Freundinnen!
-- _Freundschaft_ kann freilich unter Einem Geschlecht existiren;
allein _Umgang_ nicht. -- Freundschaft, chte Freundschaft ist eine
Schaumnze, die man nur im hchsten Nothfall angreift; Umgang ist
Ausgabegeld, fr das wir tgliches Brot kaufen: und was wren wir ohne
ihn? Wie viele Menschen, die zu jener hohen Stimmung der Freundschaft
keinen Beruf empfingen, wrden ohne Umgang lebendig todt seyn! Die
Freundschaft bittet nicht, sie fordert; sie borgt nicht, auch wenn ihr
Antrag noch so mchtig wre, sie kassirt nur Schulden ein -- Freunde
befinden sich in Gemeinschaft der Gter des Lebens; ihr Sinnbild ist,
nach dem Ausspruche des _Aristoteles_: Eine Seele in zwei Krpern.
Zu historischen Belgen mgen _Damon_ und _Pythias_, _Orestes_ und
_Pylades_ dienen, deren Freundschaft strker als Leben und Tod war.
-- Ein Alter hielt _den_ schon fr uerst glcklich, der nur _einen
Schatten_ von einem Freunde angetroffen htte. Der Umgang, wenn
beide Geschlechter daran Theil nehmen, ist ein dergleichen Reich der
Schatten, ein Elysium diesseits des Grabes -- und an dem Eingange
stehen die Worte: hasse, als stnde dir eine Zeit bevor, worin du die,
welche du jetzt hassest, lieben wirst; liebe die Menschen, als wenn
du dich nicht wrdest entbrechen knnen, sie einmal zu hassen -- Ein
Fingerzeig, der ein Hochverrath am Tempel der Freundschaft seyn wrde;
doch Freundschaft hat keinen Tempel, selbst nicht eine Kapelle von
Menschenhnden gemacht: das Herz ist ihr Heiligthum. Noch oft wird mich
das selige Wort _Freundschaft_ entzcken. -- Verzeihe, lieber _**s_,
da ich hier abbreche; bald sehen wir uns wieder. -- -- --

Die Herren Alten hatten den Weibern die Schnecke zum Sinnbilde
ausersehen; allein durch sklavische Eingezogenheit verliert die
Ehe von beiden Seiten, und die Mnner ohne Zweifel am meisten. --
Die Egyptischen Damen muten mit bloen Fen ausgehen, damit sie
einheimisch blieben; und wer erinnert sich nicht an die Geschichte
jenes Weibes, das ein ffentliches, den Mnnern geheiligtes Haus
vorbeigegangen war? -- Dieser unbetrchtliche Umstand veranlate
eine Wallfahrt nach _Delphi_, um in heiliger Krze und Einfalt zu
erfahren, was dieser Vorgang bedeute? Wer wollte nicht lieber an der
_Wirthstafel_, als bei _Lucullus_ vorlieb nehmen, wenn bei letzterem
die Menge der Leckerbissen das Vergngen des Umganges und einer
gemischten Gesellschaft ersetzen sollte? -- Die Rmische Sprache
scheint zum Umgange mit Frauenzimmern, und zum Umgange berhaupt,
wenig zu taugen, weil die Rmer jenes Salz der Erde nicht kannten.
Zwar hat jede Nation in ihre Sprache Spuren ihrer Lieblingstugenden
und Lieblingssnden gedruckt: so kommen die technischen Benennungen
des Seewesens aus dem Hollndischen; die Soldatenworte aus dem
Franzsischen, die Baukunst, die Mahlerei und Bildhauerkunst beweisen
durch ihre Ausdrcke, da Italien ihr Vaterland ist, und das Jagdwesen
erkennet Deutschland fr sein Revier: inde scheinen alle neuere
Sprachen, die Deutsche selbst nicht ausgenommen, durch den Umgang mit
dem andern Geschlecht etwas Eigenthmliches erhalten zu haben, das der
alten Welt gebrach. -- Wenn das ewige Feuer, welches die Vestalinnen
unterhielten, dazu diente, Licht anzuznden, wie ein allgemeiner
Brunnen, Wasser zu schpfen; so ist es ein schnes Bild von dem
Dienste, den das schne Geschlecht durch die Verfeinerung des Umganges
der Welt erwiesen hat: Wir alle haben bei ihm Licht angezndet; -- und
die Regel: beherzige deinen Krper in der Einsamkeit, bilde deinen
Geist in der Welt, deinen Willen durch das Gesetz, deinen Verstand
durch Freiheit, ist so richtig, wie irgend eine Regel es nur seyn
kann. -- Weiber sind berufen, angegriffen zu werden und sich zu
vertheidigen, und in beides eine so _feine Lebensart_ zu mischen, da,
wenn sie nicht die Ehre verdient _Schamhaftigkeit_ zu heien, diese
doch nicht ohne jene bestehen kann. Krperlicher Genu, er sei von
welcher Art er wolle, ist kurz, und dmpft jenes beglckende sanfte
Feuer des Umganges eher, als da er es dauerhaft machen sollte. -- --

Auch das Recht, das die Mnner sich blo anmaten, die Weiber verstoen
zu knnen, ohne es den letztern gleichfalls zuzubilligen, hat das
andere Geschlecht entwrdiget. Warum ward dieses Verstoungsrecht nicht
wechselsweise und beiden Theilen verstattet? Das Weib wrde sicher
von diesem Rechte nur selten Gebrauch gemacht haben, da der grte
Theil seiner Reitze, gleich Rosen, sehr bald dahin welkt, und da es,
nach wenigen in den Armen eines _Adams_ verlebten Wochen, so unendlich
viel minder gilt, wogegen sein _Adam_ unverwelklich bleibt. -- So
bald Mann und Frau die Trennung nicht gemeinschaftlich wollten, (in
welchem Fall' es Ehescheidung gewesen wre) so htte die Verstoung
als eine bloe Gewaltausbung eine unerhrte Sache seyn mssen. Aller
dieser wunderbaren, das andere Geschlecht erniedrigenden Gesetze und
Gewohnheiten ungeachtet, wuten sich doch wenigstens Einige desselben
so auszuzeichnen, da das ganze Geschlecht durch sie gewann; und es
ist -- zum unsterblichen Lobe des schnen Geschlechtes sei es gesagt!
-- in Hinsicht seiner der Fall am ftesten gewesen, da man nicht
allgemein ein Recht ausbte, welches ein unnatrliches, ein hartes
Gesetz einrumte. Von dieser Seite sind Gewohnheiten (_consuetudines_)
das ehrwrdigste, das ich kenne; sie beweisen da, wo ihrer eine
ungewhnliche Anzahl vorhanden ist, nicht unrichtig jenen groen, edlen
Menschendrang nach Recht, Billigkeit und Freiheit, und da ber die
brgerliche Einrichtung der Mensch nicht verloren ging -- Was hlf' es
auch dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewnne und nhme Schaden an
seiner Seele!

Wie wr' es, wenn ich nach diesen Bemerkungen im Allgemeinen noch
einmal dem Rmischen Rechte ein Rauchopfer anzndete und den Grund
der gesetzlichen Hrte gegen das Frauenzimmer zu entwickeln suchte?
Jede Sache hat innere Data, die, wenn man sie mit Einsicht und
Bescheidenheit nutzt, die ueren oft berwiegen; inde hat es dem
Rmischen Rechte nie an Helfershelfern, Commentaroren, Epitomatoren
und Auslegern gefehlt, und einem dieser gelehrten Herren gehrt ohne
Zweifel die Behauptung, da die _Eifersucht_ der Ursprung der meisten
weiblichen Rechte gewesen sei. Diese Behauptung inde ist fr mich
so wenig berzeugend, wie der Glaube lebendig ist, da _schuldige
Verehrung_ und _Achtung_ hierzu den Grund gelegt haben. So entfernt
ich bin, den zweizngigen _Prokop_, der den _Upravda_ in seinen acht
Geschichtsbchern erhhet und in seinen Anekdoten erniedrigt (recht als
wenn Jemanden das im Testament mit Lob und Dank zugebilligte Legat,
im Codicill mit Verachtung und Bitterkeit entzogen wird) nachzubeten,
und berhaupt auf die Rechnung eines Gesetzsammlers und Gesetzgebers
alle Fehler und Vorzge eines zusammengebrachten Gesetzbuches zu
schreiben; so ist doch _Justinian's_ Schwche gegen seine Gemahlin
_Theodora_ unleugbar, die weiland eine Komdiantin war, und der er
nicht wenig Einflu in die Regierungsgeschfte ja, wenn man will, in
das Allerheiligste derselben, die Gesetzgebung, einrumte. Warum gab
_Justinian_ seinen Liebesgrillen nicht eine andere Richtung? Wie sehr
bertraf ihn _Franz der Erste_, glorwrdigen Andenkens, der zuerst die
Sitte begann, da Damen an den Hof kamen, als wodurch das, was man
_Hof_ nennt, eigentlich erschaffen ward! Ihnen zu Ehren wurden Blle,
Komdien und Turniere angestellt, und _Franz des Ersten_ herzbrechendes
Sinnbild war ein Salamander in den Flammen, als ob er nicht anders
als in der Liebesgluth leben knnte. Bei seinen Hofleuten warf er
sich zum Werber und Ehebefrderer auf, und gern war er ein allezeit
fertiger Frsprecher bei ihren Schnen. Traf er ein verliebtes Paar, so
verlangte er zu wissen, was es sich sagte, und mit Vergngen, legte er
ihrer Zunge von seinem Salamanderfeuer Geist und Flamme bei. Freilich
war auch sein Gang kein Richtsteig; doch -- kam er der Sache nicht
nher, als der gesetzgalante _Justinian_, der das grte Sibyllinische
Buch, _die Welt_, dem schnen Geschlechte noch mehr verriegelte,
wogegen _Franz I._ es ihm ffnete? -- Wie konnte man berhaupt von der
damaligen Zeit, wo alle Gelehrsamkeit auf so schwachen Fen stand oder
ging, Helden- und Meisterzge der Gesetzgebung erwarten?

Es giebt, sagt man, nach der Verschiedenheit der weiblichen Rechte,
auch verschiedene Beweggrnde zu ihrer Bewilligung -- und in jedem
Gesetz ist der Grund, weshalb es gegeben ward, am sichersten
aufzusuchen. Zwar ist es nicht immer der, welchen die gesetzgebende
Majestt anfhrt; inde wird man ber die Floskeln des angegebenen
Grundes sich eben so leicht wegsetzen, als wir heut zu Tage wissen,
wie wir uns mit dem _allgemeinen Besten_ und der _angestammten Huld
und Gnade_ einzuverstehen haben. Schwche des Geschlechtes ist zum
Beispiel die Ursache, warum es keine Brgschaft gltig bernehmen kann;
und da diese Schwche selbst nach den _eigenen Worten des Gesetzes_,
nicht den Mangel an berlegung andeutet: so scheint sie eher in
jener Gutmthigkeit zu bestehen, die zu Menschen-Wort und Verheiung
nicht den Glauben verloren hat; und ist dieser _Glaube an Menschen_
Schwche? Ist er es, so kann es von ihm in That und Wahrheit heien:
wenn ich schwach bin, bin ich stark. Eine wohlgewhlte Strafe fr den
Betrger wrde vielleicht weit wirksamer seyn, als der _Vellejanische
Rathschlu_, da sie auch gutmthige Mnner aus der Verlegenheit zu
ziehen im Stande wre; und wenn Lgen, als die Wurzel alles bels, mit
der gehrigen Hrte bestraft, oder auf eine sonst gute Manier aus der
Welt verbannt wrden -- welch ein Gewinnst! Das Kindergebren, das
gemeiniglich zu den Hauptbeweisen der Schwche gezhlt wird, welche
die Gesetze dem schnen Geschlecht auerordentlich hoch anzurechnen
geruhen, legt geradezu ein Naturzeugni seiner Strke ab. Ich wnschte
nicht, da dieses Geschft an unser Geschlecht kme. Wie sehr wrde
unser Heer von Stutzern, diese hybriden Geschpfe, und wie noch mehr
der Staat zu bedauern seyn! Welch ein _Minus_ wrde sich schon im
ersten Jahre an gebornen Kindern, und welch ein _Plus_ an gestorbenen
Kindbettern finden --! Zhlt die Tage beider Geschlechter, welche
Krankheit zu heiligen erniedrigt; und ich wette, es wird in der Balanz
_Credit_ und _Debet_ beider Geschlechter sich heben. --

Auch die _Schamhaftigkeit_ wird als ein authentischer Grund der
weiblichen Rechtsunterdrckung -- wohl zu merken, von den Gesetzen
selbst! -- angefhrt. Ein Grund, worber sich die Schriftgelehrten
schmen wrden, wenn sie das knnten! Wegen der Schamhaftigkeit soll
das schne Geschlecht nicht Theil an gerichtlichen Handlungen nehmen?
Wie gtig die Gesetze sind! als ob in den Gerichten die Schamhaftigkeit
Gefahr liefe, oder gar aufgegeben wrde! Was knnte denn hier zu
unerlaubten Begierden verleiten und ein von diesen entferntes Herz
dazu entflammen? Ehe _beide_ Geschlechter sich zu dieser Tugend
entschlieen, und sich von jedem verfhrerischen Worte Rechenschaft
abfordern -- giebt es Schamhaftigkeit? -- und was gilt sie einseitig?
-- Die Schamhaftigkeit ist eine Tugend, die, wenn ich so sagen darf,
_in der Ehe lebt_; wenn sie nicht von Mnnern und Weibern zugleich
gebt wird, so artet sie in Ziererei und weibliche Taschenspielerknste
aus -- Und wie? ist den Reinen nicht alles rein? Eine Ehefrau kleidet
eine edle Freimthigkeit, ein unverstelltes Wesen, unendlich besser,
als jene klsterliche Heuchelei. Mit ungewaschenen Hnden essen,
verunreinigt den Menschen nicht; und der Tugend sich mit seinem Munde
nahen, sie mit seinen Lippen ehren und das Herz von ihr entfernen --
ist das nicht ein Greuel?

Macht man inde mehr auf einen reinen Mund Anspruch, als auf ein reines
Herz, so hat die Gesetzstelle gewonnen Spiel, welche (_L. I.  5. D.
de postulando_) behauptet, da man die weibliche Schamhaftigkeit in
Labyrinthe der Versuchung fhren wrde, wenn es dem schnen Geschlecht
erlaubt werden sollte, sich in Rechtsangelegenheiten zu mischen. O,
der berfeinen Besorgni! Ist das Reich Gottes nicht in uns? Tugenden,
die nie das Glck gehabt haben, in Versuchung zu kommen, sind, wie die
Scheidemnze, von sehr verdchtigem Schrot und Korn, ob sie gleich
gemeiniglich den Vorzug haben in Cours zu bleiben. -- Jenes Recht der
Gegenwehr, kraft dessen wir allem widerstehen, was uns zu nahe zu
treten versuchen will -- wenn es nie in Anwendung gebracht wird, setzt
es nicht die Menschen ber kurz oder lang aus aller Disciplin, so da
sie zuletzt von ihren eigenen Schatten in die Flucht geschlagen werden?
Sind die schrecklichsten Schandthaten in der groen Welt oder in der
Einsamkeit empfangen und geboren? oder will man dem schnen Geschlecht
die Fhigkeit und das moralische Vermgen etwas zu thun oder zu lassen,
zu Deutsch _das Recht_ genannt, in bester Form Rechtens aberkennen?
Haben wir nicht bedacht, da Recht aus der leidenden Verbindlichkeit
entsteht, und da kein Recht seyn wrde, wenn keine Verbindlichkeit
wre? da, wenn die Natur zu einem Zwecke durch ihr heiliges Gesetz
verbindet, sie auch den Schlssel und das Recht zu den Mitteln
verliehen hat? Oder kann man ohne Mittel zum Zwecke gelangen? Stehet es
nicht jedem frei, das zu thun, ohne was er seiner Verbindlichkeit nicht
nachkommen oder sie nicht erfllen knnte?

Sehr consequent in Rcksicht Rmischer Rechts-Grundstze hat _Divus
Justinianus_ (_Nov._ CXXXIV. _Cap._ IX.) angeordnet, da kein
Frauenzimmer gefnglich eingezogen werden solle. Auch wegen der grten
Verbrechen will er sie nur mit dem Kloster bestrafen und sie blo
der Aufsicht anderer Weiber anvertrauen -- Wir inde geben dieses
Gesetz aus mnnlicher Machtvollkommenheit auf, ohne dem Geschlechte
andere Rmische Rechtswohlthaten zu erlassen. Wer sollte denken,
da man mit Wohlthaten so sehr ins Gedrnge kommen, so geplagt und
belstigt werden knnte! wer sollte denken, da man dem mit Wohlthaten
so berhuften Rmischen Frauenzimmer ehemals nicht gestattete, den
Volksversammlungen beizuwohnen! da man es der Ehre nicht wrdigte,
zum Volke zu gehren, und da eben aus dieser Herabsetzung ihm der
Vorzug erwuchs, mit Bestande Rechtens in den Rechten unerfahren zu
seyn und sich mit dieser Gesetzunwissenheit, wie mit einem Orden, zu
schmcken! -- Nicht nur unschdlich, sondern rhmlich, war ihm, diese
Wohlthat der ewigen Kindheit, vermge deren es im Reiche des _Saturnus_
in einem immerwhrenden Frhling lebte, schwebte und war -- Es
verschenkte alles das Seinige, um von Almosen zu leben; es vertauschte
Gold gegen Flittern, Schaumnzen gegen blanke Rechenpfennige. Doch
alles ist kein Vergleich gegen den Tausch des Rechtes gegen Gte
-- der mnnlichen Worte: _ich fordere_, gegen die weiblichen: _ich
bitte_. Wie konnte man aber auch einer, in der gesetzlichen Herrschaft
des Eheherrn befindlichen Gattin, einer der Gewalt eines Andern
untergeordneten Sklavin, mehr als Gnade und Wohlthaten erweisen?
Nicht sie, sondern ihr Mann hatte Kinder -- Auf ihre Familie hatte
sie Verzicht gethan, um zu ihres Herrn Familie einzugehen -- Schon
lngst hatte man verlernt, da die Ehe eine gleiche Gesellschaft sei,
da die Herrschaft im Ehestande eine beiderseitige Herrschaft der
Eheleute neben einander bleibe, und da der Mann sie sich nur durch
einen _ausdrcklichen_ Vertrag zueignen knne? Nicht auch durch einen
_stillschweigenden_? Ach freilich! htt' ich doch diese stumme Snde
beinahe vergessen. Die Geschichte gedenkt eines naseweisen Knaben,
_Papirius_, im Besten, weil er, seine Mutter zu betrgen, schon in
frhen Jahren reif genug befunden war. Er begleitete, nach damaliger
Sitte, seinen Vater, wenn Se. wohlweise Gestrengigkeit auf das Rathhaus
ging; und da seine Mutter die Debatten des Tages vom _Papirius_ zu
wissen verlangte, so schob er ihr eine baare Unwahrheit unter. Es
wre, sagte er, die Frage zur Motion gediehen: Ob es besser sei, da
ein Mann zwei Weiber, oder ein Weib zwei Mnner habe. -- -- Welch
eine Erniedrigung, da eine Mutter bei einem Knaben, und, was noch
mehr sagen will, bei ihrem leiblichen Sohne, nach den Dekreten einer
obrigkeitlichen Sitzung forschen mu! und welch eine bertretung des
vierten Gebotes, da ein Sohn seine Mutter durch eine Unwahrheit
vorsetzlich zu einem weiblichen Auflauf bei der National-Versammlung
mileiten konnte, der sich entschlo, (ohne Zweifel in besserer Form
und Ordnung als die Parisischen Fischweiber) wider das vermeintliche
Dekret, da ein Mann zwei Weiber haben knne, zu protestiren. Es heit,
_Papirius_ habe von Stund' an, und nach diesem _examine rigoroso_
ein Patent als ordentlicher Beisitzer des hohen Rathes erhalten, und
dagegen sei allen brigen Auscultatoren und Referendarien der Zutritt
zu den Raths-Sessionen untersagt worden! Freilich verdienten solche
altkluge, auf Treibhusern gezogene Kenntnisse des _Papirius_, und ein
so stattlicher Mutterbetrug, Aufmunterung und Belohnung! -- Sollten
inde alle jene so bermige Wohlthaten nicht unter Einen Hut zu
bringen seyn? Wir knnen in Ansehung dessen, was in anderen Fllen
geschieht, wo nicht schon sicher wissen, so doch mit Zuverlssigkeit
vermuthen, mit was fr einem Mae der Einsicht in den Grund der Sache,
aus welchen ffentlichen und geheimen Artikeln von Anreitzungen,
Absichten und Nebenabsichten, fr die Beibehaltung des Alten geeifert
wird. Wenn mich nicht alles trgt, so hat die _Furcht_ der Mnner,
durch die Weiber _unterjocht zu werden_, die ersteren zu jener
berhufung mit Wohlthaten gebracht. Nach Art der Hofleute, die kein
moralisches Aequinoctium annehmen, wo Gutes und Bses sich die Wage
hlt, scheinen die Mnner, die schon unter sich so viele Feinde und
Widersacher zhlen, sich von Seiten der Weiber den Rcken decken zu
wollen -- Wr' es das erstemal, da man seine Herrschaft durch das
Hausmittel zu sichern suchte, die, welche man beherrscht und gern ewig
beherrschen mchte, von reiner Erkenntni und Besserung hochbedchtig
zurckzuhalten? Und wie! es stand noch kein Prediger in der Wste auf,
der diesen Mnnerdnkel in seiner Ble zeigte, und auf diesen Staat
im Staate aufmerksam machte? -- Es gab Gtter und Gttinnen, die fr
Opfer und Geschenke feil waren. So ging es dem andern Geschlechte,
das auch Opfer auf Kosten seiner Rechte annehmen mute, und das,
wenn gleich die Menschheit es so sehr zierte, sie doch gegen jene
Gttlichkeit aufzugeben gezwungen ward. Jemanden Gte erweisen, indem
man ihm Gerechtigkeit entzieht, heit: ein Naturgesetz mit Fen
treten, und sich mit einem positiven brsten; die Erstgeburt fr ein
schndes Linsengericht verkaufen, Mcken seihen und Kamele verschlucken
-- O, der blinden Leiter, die, mit pharisischer Heuchelei das andere
Geschlecht einschlferten, im Trben fischten und durch Schein des
Rechts die natrlichen in das Herz geschriebenen Rechte zu vertilgen
suchten! -- Die Natur lt sich nicht zwingen. -- _Furcht!_ Fiel dies
Wort auf? Es sollte auffallen -- Seht! ich will mein Herz ausschtten
und zur Ehre des mnnlichen Geschlechtes bekennen, da keine bsere
Absicht, als _die Furcht, das andere Geschlecht wrde uns beherrschen_,
den Grund zu unserer Herrschaft ber dasselbe gelegt hat. Auch dachten
wir vielleicht unserer Seits bei diesem Plane nicht, den Weibern
eben schwer zu fallen und ihnen Schaden oder Leides zu thun; sondern
_ihnen und uns ntzlich zu werden_. Vielleicht war ein Plan dieser
vermeintlich _nutzreichen Art_ der Anfang mancher andern, jetzt so
ausgearteten Herrschaft. Die _Furcht_ schuf Gtter, sagt ein Alter;
-- nicht auch die _Liebe_? Wir sollen Gott frchten und lieben, fngt
_Luther_ jede Erklrung der zehn Gebote an -- und doch treibt die Liebe
die Furcht aus --!

Sehet euch um! noch jetzt werdet ihr finden, da Mnner, die ihre
Weiber _anbeten_, vorzglich jedem Beitrage zur Verbesserung des
anderen Geschlechtes ausweichen. Und warum dieser befremdende
Widerstand? Das Gefhl von dem Werthe seines vortreflichen Weibes
verstrkt die _Furcht_ des Herrn Gemahls. Die Verehrung, die er ihm
widmet, unterdrckt den Gedanken, dem Geschlechte in ihm Gerechtigkeit
zu erweisen -- Auch der beste Mann ist neidisch auf groe Eigenschaften
seines Weibes, die ihm gefhrlich werden knnen; er will mit seinen
Wohlthaten ihm den Mund stopfen, die Vernunft und den Willen
desselben einschrnken und mileiten, damit es nicht Gerechtigkeit
begehre -- Eine besondere Art, mit Geschenken das Recht zu beugen,
eine Wechselschuld nicht zu bezahlen, allein dem Wechsel-Glubiger
ein Geschenk zu machen, das jene Schuld berwiegt! -- Dergleichen
Mnner bemhen sich auerordentlich, sich ihren Weibern von der
besten Seite zu zeigen; und da sie wohl einsehen, wie sehr weit sie
von ihren Weibern in allem zurckgelassen werden: so legen sie ein
auerordentliches Gewicht auf ihren Staatsberuf, und rechnen sich
die Amtsgeschfte uerst hoch an, um sich bei ihren Weibern in
Achtung zu erhalten. -- Das arme Geschlecht! wie sehr es doch durch
blauen Dunst hingehalten wird --! Man erzhlt von einem Trkischen
Gesandten, er habe auf die Frage: wie ihm das Frauenzimmer in ***
gefalle; geantwortet: ich bin kein Kenner von Mahlerei -- Ist nicht
jeder Beamte im Staate geschminkt? -- Man nehme ihm das Wei und Roth,
das der Staat ihm Ehrenhalber auflegt; und wir werden weder Gestalt
noch Schne an ihm finden --- Wir mgen uns nicht anstrengen, um mit
dem andern Geschlechte Schritt zu halten; und das mten wir oft ber
unser Denken und Vermgen, wenn wir ihm gleich kommen wollten. Wir
gehen ihm sonach Rthsel auf, die der Auflsung nicht werth sind; wir
verlangen Traumdeutungen von ihm, ohne da wir ihm den Traum bekannt
machen; wir suchen es in das Spielwerk der Welt zu verwickeln, und
es dem Ernste und Nachdenken so viel als mglich zu entziehen: --
und doch ist dieser Miggang -- welches Weib wird nicht dazu auf
eine grobe und subtile Art verurtheilt? -- der Grund von allem jenem
bel, wovon reelle Beschftigung das Weib, seinen Mann und die Welt
befreien wrde. -- Die _Thtigkeit_ hat drei Grazien zu Tchtern:
_Tugend_, _Wissenschaft_ und _Reichthum_; allein welche Thtigkeit?
die, wozu Mnner aus Machtvollkommenheit die Weiber verurtheilen, oder
jene, die man bei selbstgewhlten Geschften anwendet? die, wo Lied-
und Tagelohn bezahlt wird, oder jene, wo das freiwillig bernommene
Geschft sich selbst belohnt? Aufgegebene Arbeiten knnen zwar zu
andern unaufgegebenen erwecken, die ber jene unendlich erhaben sind;
doch mssen die aufgegebenen nie von so einfrmiger Art seyn, wie die
weiblichen es sind, falls sie die einmal in Bewegung gesetzte Seele
zu edler Wirksamkeit hinaufstimmen sollen -- Wann wird Thtigkeit aus
selbsteigener Wahl einmal aufhren der knigliche Vorzug der Mnner
zu seyn! wann werden Weiber zu dem Menschenrechte gelangen, Geschfte
nicht frs Brot, nicht auf den Kauf, sondern mit Lust und Liebe
treiben zu knnen! o, wann! -- -- Wie sehr wrde man die Erklrung der
siebenten Bitte durch die Verbesserung des weiblichen Verhltnisses zum
Staate verkrzen! Man verbietet mit Recht nicht nur das Laster, sondern
auch den Schein desselben, weil Schamlosigkeit, wenn sie ins Publicum
dringt, ein allgemeines Verderben des Staates bewirkt, und ein gewisses
Zeichen seines nahen Sturzes ist. -- Doch bedenkt man nicht, da eben
die Ausschlieung des andern Geschlechtes von allen ffentlichen
und ernsthaften Beschftigungen es geradesweges auf den Gedanken
bringen mu, alle jene ehrwrdigen Sachen zu enttrohnen, den Werth
derselben, den inneres Gehalt oder Lieblingsgrillen ihnen beilegen, zu
verringern, und der jungen naseweisen Welt der Jnglinge allen jenen
Ernst so zu verekeln -- da, wenn sie sich ja Geschften widmen, sie
die Maximen des Lcherlichen in Anwendung bringen, welche sie zu den
Fen des schnen Geschlechtes gelernt haben. Es werden wenige Dinge
seyn, die sich von dem Roste der Pedanterie rein halten knnen, auer
wenn das Frauenzimmer, dieses einzige Verwahrungsmittel gegen jenes
Geschlechtsbel, dabei eingeflochten wird.

Der Mensch ist zur Nachahmung geneigt, und es ist eine bekannte
Bemerkung, da man das in seinem Hause im Kleinen einfhrt, was im
Staat im Groen gng und gebe ist; das Haus pflegt ein Miniaturstck
des Staates zu seyn. Wenn aber gleich in despotischen Staaten der
Despotismus auch in Privathusern wthet, und um so mehr mit gutem
Bedachte wthen zu mssen das Ansehen gewinnt, da grere Freiheit
der Weiber dem Staat unberwindliche Nachtheile zuziehen, und dieses
Geschlecht, geboren der Natur getreu zu seyn, alles jene unnatrliche
Wesen der Despotie an die gehrige Stelle und den rechtmigen Ort
bringen wrde; so ist doch auch in Republiken das schne Geschlecht
noch nie zu einem anstndigen Grade von Besitz seiner Rechte gediehen
-- Zwar gewinnt es dort durch mindere Pracht; allein eben dieser Gewinn
lehret die Herren Staats-Reprsentanten aufs Wort merken. Die Weiber
spielen ein etwas ernsthafteres Spiel, als in Despotie und Monarchie;
aber man erlaubt ihnen nicht, dieses Ziel zu berschreiten: ihre
anscheinenden Vorzge sind avanturirt (erabentheuert) -- Es bleibt
Spiel was sie treiben -- Ihr Tichten und Trachten sind Kleinigkeiten
von Jugend auf und immerdar; und, was noch rger ist -- der
widernatrlich zusammengeordnete Putz entstellt die natrliche Schne
des Krpers so sehr, da die _Frage_ der Gemahlin des Kaisers von
_Marokko_, an die geputzte Frau des Hollndischen Consuls: _bist du das
Alles selbst?_ -- oft _ihr Glck versuchen_ knnte.

In der Aristokratie sind die Herren Aristokraten zum Neide und zur
Eifersucht so berufen, da sie zu verlieren befrchten, wenn sie ihren
Weibern einen Vorzug verstatteten -- und da selbst die Franzsische
Revolution ihren Zustand -- obgleich Weiber die Fahne derselben gefhrt
-- nicht verbessert hat; so scheinen wohl die Verschiedenheiten der
Regierungsformen nicht bestimmt zu seyn, diesen Schaden Josephs zu
heilen: hchstens bleiben die armen Weiber beim _Mehr_ oder _Weniger_
stehen.

Es ist wider die Vernunft und wider die Natur, sagt ein Philosoph
der Welt, da Weiber die _Hausherrschaft_ fhren; allein _Reiche_
knnen sie regieren -- Im ersten Falle erlaubt ihnen ihre Schwche
diesen Vorzug nicht; im andern stimmt diese sie zur Leutseligkeit und
Migung. -- Mich dnkt, diese Bemerkung ist Sophisterei. Wer will
denn, da Weiber das Hausregiment fhren sollen? Nur da, wo, nach dem
altdeutschen Reim eines Reformators, ein Jeder seine Lektion lernt,
wird es wohl im Hause stehen. -- Es ist zu verwundern, da jetzt, da
das halbe menschliche Geschlecht auf weiter nichts sinnt, als sich
mit Ehren unter die Haube zu bringen, noch so viel Policei im Punkte
des Punktes herrscht -- und da, da das Frauenzimmer zu einer ewigen
Vormundschaft verdammt wird, es seine Rache blo aus der ersten Hand
vom Ehemanne nimmt, und brigens in der greren Welt so sittsam und
menschenfreundlich bleibt. Strenge Aufmerksamkeit auf einen sich selbst
gegebenen Punkt unterdrckt das Gefhl des Schmerzes, und die grte
Krankheit verliert einen groen Theil ihrer Feindseligkeit durch die
Unterhaltung mit einem guten Bekannten, welche aber, wohl zu merken,
den Kranken unvermerkt, uerst leicht und ohne angreifende bergnge
beschftigen mu. Ist die Ehe, nach jetziger Sitte, viel mehr als
eine Krankenunterhaltung, wodurch man so sehr die lange Weile als
die Anstrengung vermeidet, und vorzglich das andere Geschlecht von
jenem schrecklichen Gefhle seiner Abhngigkeit und Unterdrckung
ableitet? -- Lieen die Mnner sich fter als jetzt merken, da sie
das Verhltni der Geschlechter besser, als die Natur, zu ordnen
wten, wie weiland _Alphonsus_ das Schpfungswerk weit besser als
der Schpfer Himmels und der Erden zu verstehen vorgab: so wre
den Mnnern hherer Klassen schon lngst von ihren aufgeklrten
Damen der Krieg angekndigt; jetzt aber, da Mnner diese Saite fast
gar nicht berhren, oder hchstens sich ber diese Sache etwa so
auslassen, wie _Machiavell_ ber die Tyrannen: -- jetzt bleibt es in
besseren Volksklassen beim Frieden, und in den geringeren ist der
Unterschied zwischen mnnlichem und weiblichem Werth und Unwerth zu
unbedeutend, oder jene geringeren denken zu wenig an ihre Bestimmung,
um anders als thierisch zu wissen, da zwei Geschlechter unter den
Menschen sind -- Wird dann etwa (im Jubeljahr) unter uns ein _St.
Pierre_, ein _Bayard_, ein _Heinrich IV._ geboren; so lt das
andere Geschlecht, des Verdienstes dieser hervorragenden Mnner
halben, dem ganzen mnnlichen Geschlechte Gnade widerfahren. -- --
Lat uns aufrichtig seyn! Alles wodurch Menschen sich auszeichnen
knnen, ist dem Frauenzimmer benommen. Ein Cartel erniedrigt es so
tief, wie eine ungerchte Beleidigung den Ehemann; und in die Klasse
der Unedlen, der Knechte, ward es unter dem Schreckbilde, da die
Grnzen seiner frulichen Schamhaftigkeit verletzet werden knnten,
verstoen, damit nur unser Geschlecht sicher bliebe, nie von ihm zum
Zweikampfe gefordert zu werden -- Nicht die hnlichkeit, sondern
das Gesetz bestimmt vermge der Ehe den Vater; es benennt ihn, und
leidet keinen Widerspruch. Wie war es mglich, da, da die Natur
unmittelbar die Mutter bestimmt, da, da diese so unbezweifelt gewi
wie unsere Existenz und der Tod ist -- die Kinder in solch eine
Unerkenntlichkeit ausarteten! da nicht gutgesinnte unter ihnen sich
vereinigen, um ihre Mtter aus der Schmach zu reien, in der sie von
wegen des Geschlechtes schmachten! Das mnnliche Geschlecht spielt mit
auerordentlichem Glck -- Wenn die Vter ihren Tchtern vermge des
Geschlechtstriebes nicht so liebreich zuvorkmen, wie es gemeiniglich
der Fall ist; vielleicht wrden diese schon lngst eine Conspiration
veranlat haben, um Menschen aus Mdchen zu machen, die jetzt aus Sitte
nicht sehen, hren und denken drfen, die allein in der Einsamkeit
das Recht haben dreist zu seyn, und nur im Selbstumgange jenen
schrecklichen Klosterzwang ablegen knnen, der sie in Gesellschaft zur
entsetzlichsten Einsamkeit verdammt. Was kann man von dieser Erziehung
erwarten, die von der Heuchelei dirigirt wird, nach welcher selbst
der Plan, zur Heirath Anla zu geben, so insgeheim ausgefhrt werden
mu, da oft das lauteste _Nein_ das herzlichste _Ja_ bedeutet! --
Alle jene Gesetze zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechtes,
jene Aufmunterungen zur Ehe, die Drei-Kinder-Ehre -- was sind sie
anders, als unnatrliche Hlfsmittel, die alle aufhren wrden, wenn
man Mnner und Weiber in den Gang der Natur einlenkte? -- Wie wrde
sich hier Alles von selbst verstehen! -- Man trachte zuerst nach dem
Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; und in Wahrheit, alles
Andere wird von selbst zufallen. Darum Leute im Staat ehren, weil
sie in der Ehe leben, weil sie Kinder, weil sie drei Kinder haben;
darum, weil man die meisten Kinder hat, zuerst im Rathe votiren --
ist eben so wunderbar, als die Seele nach dem Krper messen; und
jener General hat sich mit uns ausgeshnt, der Specialkarten verwarf,
und nur Generalkarten wollte, weil er General war, oder der es nicht
begreifen konnte, da man ein groer Mann seyn und doch nicht ber
vier Zoll messen knne. -- Vielleicht kommt noch die Zeit, da man
belohnt wird, weil man essen und trinken oder schlafen kann! Mit
Volksmenge allein ist dem Staate nicht gedient, wohl aber mit Brgern,
die mit der natrlichen Beschaffenheit und der Gre desselben in
richtigen Verhltnissen stehen, die frei, arbeitsam, wohlhabend und
wohldenkend sind. Und selbst die Volksmenge! wrde sie nicht ber die
Hlfte vermehrt werden, wenn man das andere Geschlecht zum Volk zu
machen sich entschlieen, und Weiber zu Colonisten im Staat aufnehmen
wollte? Man wende einmal die Mnze um; und der Revers der Sache --?
Zu elenden Kunstgriffen mu man sich herablassen, wenn man die Winke
der Natur vernachlssiget -- Merkwrdig ist es, da selbst Weiber zu
einer gewissen Zeit in _Rom_ durch Kinder sich aus der bestndigen
Vormundschaft hinaus gebren konnten! -- Die Freigeborne mute deren
drei, die Freigelassene vier haben. --

Heil den Gesetzen, die nicht ansehen, was vor Augen ist, sondern die
nach dem Beispiele des Stifters des Christenthums das Herz verlangen;
die es auf den inneren Menschen anlegen; die nicht uere Schden
verbinden, sondern heilen; nicht Palliative bewirken, sondern das Blut
reinigen! --

Derjenige, der spter bezahlt, bezahlt weniger -- Die bndigste
Antwort, wenn von der Erlaubni, Zinsen zu nehmen, die Frage ist. Wie
viele Verzgerungs-Zinsen werden wir dem andern Geschlechte schuldig
werden --! Als _Cromwell'n_ gerathen ward, seine Tochter _Carl dem II_
zu geben, nachdem er _Carl den I_ hatte enthaupten lassen, war seine
Antwort: Nein; denn knnte er wirklich vergessen, was ich that, fgte
er hinzu, so wr' er nicht werth, eine Krone zu tragen --

Sollten die Weiber nicht dereinst ber kurz oder lang ihre Existenz
den Mnnern beweisen, so wie weiland _Alcibiades_ die seinige den
Atheniensern, die ihn zum Tode verurtheilt hatten? Sollten sie nicht
auch ein _Sparta_ finden, um ihren Atheniensern von Mnnern den
Krieg anzukndigen? sie, die schon jetzt whrend ihres fnfjhrigen
Pythagorischen Stillschweigens so deutlich zu erkennen geben, wie sehr
sie verdienen fr mndig erklrt zu werden? sie, die mit zwei Augen
mehr sehen, als _Argus_ mit hundert? sie, die schon jetzt, noch ehe
erschienen ist, was sie seyn werden, privilegirte Seelen aufzuweisen
haben, die es mit unserem Geschlechte aufnehmen? sie, welche die
Sphre ihrer Zeitgenossen durchbrechen und, ohne sich nach Brcken
umzusehen, mit Geistesflgeln sich erheben und, wenn es nicht gehen
will -- sich hinaus denken und wie _Felix_ auf einen gelegenern
Augenblick warten? -- Oder wie! ist es Wollust, keine Wollust zu
genieen? ist es ein Gttermahl, zu fasten? ist blo Streben unsere
Tugend, und Hoffnung unser Glck --? Beweiset nicht ein groer Theil
der Weiber, da edle Seelen auch in Ketten frei sind, wie ein Herrscher
bei entgegengesetzter Denkart sich in _^selbsteigener^ Sklaverei_
befindet? Der schlechteste Herr, der nur zu finden war! So diente
_Alexander_, und _Diogenes_ war frei -- _Alexander!_ dem ein Seeruber
in die Augen zu sagen den Alexander-Muth hatte: kleine Diebe hngt man
-- _Diogenes!_ der, als _Alexander_ ihm Gelegenheit gab, sich eine
Pension zu erbitten, (und eine grere, als alle zusammen genommen, die
FRIEDRICH II seinen Leib-Philosophen und Dichtern gab) nur verlangte,
da Se. Alexandrische Majestt geruhen mchte, ihm, der werth sei, von
der Sonne beschienen zu werden, diesen Vorzug nicht lnger zu rauben.
-- _Diogenes_ beurlaubte _Alexandern_: der reiche Bettler den armen
ihm die Cour machenden Weltbesitzer. -- Grndet sich fortschreitende
Vervollkommnung des menschlichen Geschlechtes, und wahre, nicht
Schein-Aufklrung, auf eine unpartheiische Kenntni der Natur, und auf
die Einsicht, ihre Gaben recht zu gebrauchen; so kann kein politischer
Zwang Menschen behindern, an ihrem Glcke zu arbeiten, und die Wrde
der Gerechtigkeit und ihre wahren Verhltnisse zu Allem, auer sich,
einzusehen. -- Selten wird ein Mann leugnen oder nur bezweifeln, was
allgemein angenommen ist; ein Weib aber rechnet es sich zum Vorzuge,
tglich dergleichen Ausnahmen zu machen. Oft thut ein Weib es frher,
als es die Umstnde beprft hat; und wenn es dann aus der Noth eine
Tugend zu machen sich gedrungen sieht, so ist es angenehm zu bemerken,
wie es Grnde sucht und findet, wodurch es bei seinem Wagestck von
_Nein_ sich bei Ehren erhlt, und sich, wenn nichts mehr, so doch den
Vorzug erwirbt, sonderbar zu scheinen. Ein Glck, das dem Verstande in
Nothfllen brig bleibt, um zu zeigen, wie viel man zu thun im Stande
gewesen wre, wenn man nicht zu vielen Hindernissen unterliegen mssen.
Wir sind mehr fr die Gewohnheit, Weiber mehr fr die Neuheit -- Beide
Neigungen lassen sich aus der Lage beider Geschlechter ziemlich richtig
erklren. Was geht dem andern Geschlechte ab, um wrdig zu seyn, in
den vorigen Stand zurckgesetzt (_in integrum_ restituirn) zu werden?
Die Thrnen der Weiber sind nicht blo Beweise der Schwche, sondern
auch Beweise der in ihnen wohnenden Kraft. Sind Thrnen nicht schon im
gemeinen Leben fter Anzeigen des Entschlusses, als der Reue? und haben
nicht Schuld und Unschuld ihre Thrnen? Da brigens nicht blo Weiber
und Kinder greinen, (wenn von Verstellung der Geberde bei Thrnen die
Rede ist) sondern auch Mnner, wird selbst dem gemeinsten Beobachter
nicht entgangen seyn. Die Launen der Weiber werden in der That zu wenig
von uns beobachtet; wir wrden hier oft auch bei kleineren Gewssern
tiefe Grnde finden, da hingegen jetzt diese Launen auf Flgeln der
Morgenrthe uns entfliehen, auch selbst wenn wir sie zurck zu halten
bemhet sind. -- Die Weiber wissen die wenigste Zeit, wie sie mit sich
selbst daran sind, und sie sollten mir danken, da ich ihnen hier
eine nicht kleine Entdeckung mache -- sie sollten manches, was zu
ihrem Frieden, zum wahren, zum Frieden Gottes gehrt, in ihrem Herzen
bewegen, um eine Strke recht beurtheilen zu lernen, die sich blo --
auf ihre angebliche Schwachheit grndet. Von Liebenden sind uns alle
Ergebenheits-Bezeugungen verhat, wenn _wir_ nicht der eigentliche
Gegenstand der Neigung sind. Mnner! habt ihr von euren Weibern mehr
als den Schein der Liebe? und verdient ihr mehr? -- Verdient ihr nicht,
da sie euch nur in dem Grade lieben, wie Sklaven Tyrannen bedienen?
Es giebt Augenliebe, wie Augendienst. -- Htte man die Weiber blo
von einigen, augenscheinlich _origetenus_ und von Haus aus mnnlichen
Dingen ausgeschlossen; wer unter diesem sanften Volke htte gemurret
--? Es htte sein _Marlbrough s'en va t'en guerre_ geleiert, und damit
wre Alles vergeben und vergessen gewesen. --

Die Macht kann berall weniger ausrichten, als die Weisheit. Wer sich
Gott als den _Mchtigsten_ denkt, ist sein _Knecht_; wer ihn sich aber
als den _Weisesten_ vorstellt, verdient den Namen seines _Kindes_. --
--




V.

VERBESSERUNGS-VORSCHLGE.


Soll es denn aber immer mit dem andern Geschlechte so bleiben, wie es
war und ist? sollen ihm die Menschenrechte, die man ihm so schnde
entrissen hat, sollen ihm die Brgerrechte, die ihm so ungebhrlich
vorenthalten werden -- auf ewig verloren seyn? soll es _im_ Staat
und _fr_ den Staat nie einen absoluten Werth erhalten, und immerdar
beim relativen bleiben? soll es nie an der Staatsgrndung und
Erhaltung einen unmittelbaren Antheil behaupten? soll es nie _fr_
sich und _durch_ sich denken und handeln? ohne End' und Ziel nur
als Scheidemnze gelten? Werden wir uns bei diesen Fragen mit einer
wohlweisen Rmischen Rechtsfiktion oder einem wohlhergebrachten
Verjhrungs- und Besitzrechte aushelfen knnen, um sie ab- und zur
unangenehmen Ruhe zu verweisen? Werden wir selbst unser mnnliches
Gewissen mit Bedenklichkeiten ber die mglichen Folgen, mit
Mibruchen und was dergleichen Popanze mehr sind, wodurch man Kinder
schreckt, beruhigen und diese Angelegenheit der Menschheit auf die
lange, ja lange Bank schieben knnen --? Dann ist freilich der schne
Morgen der Erlsung noch nicht nahe. -- Werden wir uns aber hierbei
entbrechen knnen, uns selbst noch _Gothen_ und _Vandalen_ zu heien,
was weiland unsere Vter waren, wenn wir nicht dieses Unrecht je eher
je lieber zu vergten suchen? Mibrauch des Rechtes verwirkt nicht
das Recht. Menschenrechte knnen niemals, Brgerrechte nur durch
Felonie verloren werden; und was ist Felonie? Dies aus dem Lehnsrecht
entlehnte Wort (keine sonderliche Abkunft!) bezeichnet Alles, was man
der Lehnsverbindlichkeit zuwider thut oder unterlt, und wird aus dem
Lehns-Contrakte beurtheilt. Da es sowohl fr den Lehnsherrn als fr den
Vasallen Rechte und Pflichten giebt, die sie einander schuldig sind;
so kann nicht nur der Vasall, sondern auch der Lehnsherr der Felonie
schuldig werden. Und wie? geht denn wegen einer jeden Handlung oder
Unterlassung, die dem Lehns-Contrakte zuwider ist, schon das Lehn
verloren? Ist der Lehnsherr, da er nichts mehr und nichts weniger als
ein Mensch ist, nicht vielmehr verbunden, den Vasallen zur Leistung
der contraktgemen That, und zur Vermeidung der contraktswidrigen
Unthat von Rechtswegen anzuhalten und auf Schadenersetzung anzutragen?
Werden Contrakte durch zugefgte Contraventions-Strafen geschwcht,
oder vielmehr verstrkt? Knnen die Handlungen eines Andern Jemanden
zugerechnet werden? und wenn der Vasall wegen Felonie das Lehn
verliert, ist der Lehnsherr nicht verpflichtet, es nach dessen Tode
demjenigen wieder zu geben, dem es nach dem Ableben des der Felonie
schuldig und des Lehnsbesitzes unwrdig befundenen Vasallen zufllt?
Kann je durch Felonie das Lehn aufhren? -- und wer machte denn den
Mann zum Lehnsherrn, und das Weib zur Vasallin --? sind sie nicht
beide gttliche Lehnstrger? -- Die Erde knnte vielleicht eher ein
Weib-, als ein Mannlehn heien, und ist ohne Zweifel ein vermischtes
_Feudum_. -- Man lasse doch die Weiber-Felonie an seinen Ort gestellt
seyn, wovon Natur und Geschichte kein lebendiges Wort wissen, und
vergesse nicht, da Gott dem Menschenpaar, welches ^ER^ (o, der
Menschenwrde!) abschattete, dieses Erden-Lehn anvertrauete, und da
zwischen seinem Lehnrecht und der Stmperei des menschlichen keine
Vergleichung denkbar ist. -- So weit von brgerlichen Rechten! -- ber
Menschenrechte kann nur Gott richten; und in seine Hnde zu fallen --
wie wohl thut das, wenn wir die gehegten und ungehegten Banken der
Menschen dagegen halten! --

Ist es etwa Furcht, oder ist es blo eine Grimasse derselben, die wir
vorgeben, um jener gegrndeten und rechtmigen Forderung mit Anstand
ausweichen zu knnen? _Werdet wie die Kinder_, ist ein wohlgemeinter
Rath; denn nur die kindliche Furcht ist nicht unmnnlich: sie besteht
in der Sorgfalt, dem auszuweichen, was den ewigen Gesetzen des Wahren
und Guten entgegen ist. Jene knechtische, wenn man aus Furcht vor der
Strafe thut, was die Gesetze wollen, oder unterlt, was sie nicht
wollen, ist unmnnlich, so wie ihre Verwandtin, die Befrchtung,
vermittelst deren wir den Gelegenheiten zuvorkommen wollen, wodurch wir
dergleichen Strafen und Strafgerichten unterworfen werden knnen.

Wir wollen ein Geschlecht frchten, das zur Liebe geschaffen ist, und,
wenn es zrnt, selten die Sonne ber seinen Zorn untergehen lt? das
bis auf Einen Punkt (und dieser ist eine Snde wider den heiligen Geist
des Geschlechtes) dem Beleidiger zwei Drittheile des Weges entgegen
kommt, um ihm Vershnung anzubieten! Wie viel mehr Ursache haben wir,
uns selbst zu frchten, als ein Geschlecht, das, wenn man es in seine
Rechte einsetzte, uns, wo nicht Erkenntlichkeit, so doch Wohlwollen
schuldig wre, und diese Schuld kraft seines Wesens und Seyns so gern
abtragen wrde!

Man sagt, es sey schwer zu hoffen, da das menschliche Geschlecht,
welches von der Natur sich so weit und breit zu entfernen die
Ungezogenheit gehabt, das durch keine Religionsempfindung sich leiten,
durch keine Staatstuschungen sich blenden lasse, sich zu Gesetzen
bequemen werde; und so liege denn die Furcht nicht so sehr aus dem
Wege, als man es gemeiniglich denke. -- Lieber! wie kannst du fordern,
da das Menschengeschlecht sich ewig am Gngelbande wohl befinden
werde? Erregen jene Staatstuschungen und jene Religionsempfindungen,
wenn sie nicht von Grundstzen abstammen, nicht einzig und allein
Unglauben und Mitrauen in Rcksicht der Gesetze? Sollte der Mensch
nie zur Achtung fr Pflicht gebracht werden? Sollte er nie zu
dem Hauptprincip des Lebens gelangen: sei vernnftig? -- Sollen
denn Sinnlichkeiten ihm mehr als die moralische Vernunft und das
Sittengesetz gelten --? Wird er sich nie so weit erheben, seiner
geistigen Natur wrdig zu seyn, und fr das, was er nicht siehet,
Ehrfurcht und Achtung zu fassen --? Soll denn blo Weichheit des
Temperaments ihn zur Neigung bringen? oder giebt es auch auer der
Temperamentsneigung, die, wenn sie gelutert wird, eine Herzensneigung
heien knnte -- giebt es auer ihr auch eine Geistesneigung, so wie
es ein Geistesvergngen geben kann --? Fr nichts, was in die Sinne
fllt, hat der stolze Mensch in die Lnge Achtung -- es familiarisirt
sich mit ihm, und es ist wie unser einer. -- Das einzige Mittel des
grten Helden und des grten Gelehrten, sich bei bermenschlicher
Ehre (was soll aber die?) zu erhalten, ist: sich zurck zu ziehen.
Sobald wir uns nher zeigen, geben wir uns wohlfeiler. -- Je hher die
Spannung war, je schneller lt sie nach. Alles, auer sterben, mu
der Mensch _lernen_ -- Zu Allem, es sei gut oder bse, kann er sich
gewhnen -- Ein scheues Pferd fhrt man zu dem Gegenstande zurck,
den es frchtete; und wie? hier, wo das hchste Ziel seiner Wrde auf
dem Spiele steht, sollte der Mensch auf seinen Nachdruck Verzicht
thun? -- Mit nichten -- Wir knnen und werden dahin kommen, da wir
die Gttlichkeit der Gesetze in ihrem Heiligthum, in unserer Seele,
verehren und unser Herz durch jene berzeugungen des Geistes gewinnen.
Noch wrde sich freilich der Gesetzgeber grblich verrechnen, wenn er
seine Gesetze auf festes Zutrauen zur Vernunft und zur Weisheit seiner
Brger calculirte; allein wird die Menschheit nie die Kinderschuhe
ausziehen? Ist dies -- nun, so bleibe Alles Altflickerei, und der
Mensch schme sich, da er _Mensch_ heit. -- Ist die Menschheit inde
im Stande, zu jenem Grade der Vollstndigkeit zu gedeihen, den sie
sich vorstellen kann, jene Tugend zu ben, die ihr im Ideal Freude
macht --; so entferne man den Nebel der Tuschung, wodurch man Menschen
betrog, die ber kurz oder lang zum Gebrauche der Vernunft kommen
und sich betrogen finden mssen. Mnner, wrdet ihr die Furcht nicht
barbarisch und unmenschlich finden, wenn man euch Alles und Jedes
von Freiheit blo darum entzge, weil ihr es mibrauchen knntet --?
Wie wollet ihr denn jene Furcht nennen, die euch abhlt, dem andern
Geschlechte seine Ehre wiederzugeben? Die Zeiten sind nicht mehr, um
das andere Geschlecht berreden zu knnen, da eine Vormundschaft wie
bisher fr dasselbe zutrglich sei, da sie seinen Zustand behaglicher
und sorgloser mache, als eine Emancipation, wodurch es sich mit
Verantwortungen, Sorgen, Unruhen und tausend Unbequemlichkeiten des
brgerlichen Lebens belasten wrde, die es jetzt kaum dem Namen nach
zu kennen das Glck habe. Wahrlich ein abgenutzter Kunstgriff des
unmenschlichen Despoten, wodurch er seinen feigen Sklaven das Gewicht
der Ketten erleichtern will! als ob die Freiheit mit allen ihren
Ungemchlichkeiten nicht der gemchlichsten Sklaverei vorzuziehen
wre! _Glauben Sie nicht, da das Wirtembergische Land Ihrentwegen
geschaffen ist_, schrieb FRIEDRICH II an den jetzt regierenden _Herzog
von Wirtemberg_; _sondern berzeugen Sie Sich, da die Vorsehung Sie
hat geboren werden lassen, um ihr Volk glcklich zu machen_. Und
Mnner! ihr wollt glauben, eine halbe Welt wre zu eurem _bon plaisir_,
zu eurem eigentlichen Willen, das ist verdollmetschet: zu eurem
Eigenwillen, da? Thiere wirken; Menschen handeln -- Warum soll das
Weib nicht _Ich_ aussprechen knnen? Wahrlich ein sanftes Wort, denen,
welche die neidlose _Natur_ verstehen -- Wer die _Kunst_ versteht,
ist neidisch und verrth den Meister nicht -- Ist es nicht der grte
Menschenvorzug, sich selbst zu kennen? Unser Werth ist unsere Sache;
unsere Wrde ist die Sache Gottes und gerechter Menschen. Hat Gott bei
dem anderen Geschlecht etwas versehen? oder sind es die Mnner, die
sich an diesem Geschlechte wider den Willen des Schpfers versndigen!
Warum sollen die Weiber keine Person seyn? warum nicht wissen: das
ist mir gut, und das ist gut, oder das ist vortheilhaft, und das ist
recht? Vieles, und fast das meiste, was mit Vergngen anhebt, leistet
bei weitem nicht, was wahrhaft vortheilhaft ist -- Aus chtem Vortheile
tugendhaft seyn, heit sonst mit andern Worten: es in Reinheit seyn.

Frankreich schreckt eben jetzt mit der Freiheit diejenigen Mchte,
welche die zu weit gegangenen Beschlsse der Nationalversammlung
einzuschrnken drohen. Gott! zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts --
wo kein Gespenst, und wr' es eins von nicht ganz kleinem Range, ein
Poltergeist, mehr Wirkung thut -- kann man mit _Freiheit_ schrecken --!
Dahin wr' es gekommen? Ach! auch selbst dem, der an der Kette erzogen
ist, blitzt der Name _Freiheit_ auf, dieser gttliche Funke, durch den
wir sind was wir sind, und der uns so wenig schrankenlos macht, da er
uns vielmehr fester als Alles an das Allerheiligste der Gesetze bindet.
Das weibliche Geschlecht kam um die Menschenrechte ohne seine Schuld,
blo durch den Schwung, den die menschlichen Angelegenheiten bei den
Fortschritten zu ihrer Cultur nahmen; Brgerrechte, die es leider!
sehr zeitig und schon bei Entstehung kleinerer Familienstaaten verlor,
hat es nie, weder durch Unterhandlungen noch mit Gewalt, zu erringen
gesucht, und erwartet sie noch heute mit aller Selbstverleugnung von
unserer Gerechtigkeit und Gromuth. Und wir wollen es vergeblich warten
lassen? und das Gesuch, welches die Natur fr die Weiber einreicht, zu
einer Zeit da Menschenrechte laut und auf den Dchern gepredigt werden,
mit einem aufrichtigen und deutlichen _Nein_ abweisen?

Die neue Franzsische Constitution verdient eine Wiederholung meiner
Vorwrfe, weil sie fr gut fand, einer ganzen Hlfte der Nation nicht
zu gedenken, ob sie gleich einem kleineren Theile derselben, der
berall wo er sich befindet, auf das Duldungsrecht beschrnkt ist,
die Rechte aktiver Brger zugestand. Alle Menschen haben gleiche
Rechte -- Alle Franzosen, Mnner und Weiber, sollten frei und Brger
seyn. Jene Vorschlge zur _dgradation civique_, wodurch die Mnner
vermittelst einer feierlichen besonderen Formel der Ehre eines
Franzsischen Brgers fr unwrdig proclamirt werden sollten, falls sie
durch Verbrechen diese Strafe verdienten, sind nicht auf das andere
Geschlecht ausgedehnt. ber dieses sollte blo der Fluch ausgesprochen
werden: Euer Vaterland hat euch einer infamen Handlung berfhrt
befunden --

_Mirabeau_, der zur gegenwrtigen Generation von Menschen sein
Zutrauen verloren haben mochte, setzt, wie alle groe Thter, sein
Zutrauen auf Erziehung, und weiset in seinem Posthumus _Travail sur
l'ducation publique_, die sein Arzt und Freund _Cabanis_ herausgab,
das Frauenzimmer zur Huslichkeit und zu stillen, sanften Tugenden
an, (ist denn nicht jede Tugend sanft und still?) worauf das Glck
der Familien, und am Ende das Glck des Staates so sehr beruhe. Ohne
mich in den Streit einzulassen, der ber den Grafen und Nichtgrafen
_Mirabeau_ von Freunden und Feinden bertrieben worden, sei es mir
erlaubt, der Behauptung zu widersprechen, da Jemand in seinem
Privatleben ein elender Mensch, dagegen doch der tugendhafteste Brger
und der hchste Grad desselben, ein geschickter Officiant, seyn knne.
Ein Mensch, der gegen Alles gleichgltig zu seyn vermag, was gut oder
bse, gerecht oder ungerecht ist, ein nicht rechtschaffener Mensch,
kann kein rechtschaffener Brger seyn. _Horaz_ sagt: nur _Jupiter_
gehe ber den Weisen; der Weise sei reich, frei, gerecht, ein Knig
aller Knige -- Da das andere Geschlecht vom Menschen auf den Brger
zu schlieen gewohnt ist und jene Rollenspieler, die Nichts aus
Grundstzen, Alles aber nach Zeit und Umstnden sind, sehr richtig
berechnet; -- ist es Wunder, da diese Glcks- und Unglcksritter das
andere Geschlecht zu entfernen suchen? --

Wir irren, wenn wir uns berreden, da Weiber fr die Ehrensache der
Menschheit, fr den Kampf der Freiheit mit der Alleingewalt, keine
Sinne besitzen. Sie haben nicht blo durch ihren lauten Beifall
bezeugt, da sie den Werth der Freiheit zu schtzen wissen, und da
das Gefhl fr dieselbe noch lichterloh aufflammen kann; selbst thtig
haben sie mitgewirkt, die Fesseln zu brechen, die man der Nation
anlegte, und wahrscheinlich lag es nicht an ihnen, da sie bei diesem
Schauspiele nur Rollen vom zweiten Range spielten.

Die berhmte Verfasserin der Geschichte der Knigin _Elisabeth_, Mad.
_Keraglio_, vertheidigt seit der Revolution in ihrem _Journal d'tat
et du Citoyen_ die Rechte der Menschheit mit Freimuth, Wahrheit und
Strke. Weiber fhlten jene Zurcksetzung, jenes tiefe Stillschweigen
bei einem so schnen Anla, jene Verstoung, wenn es Staatsdienst gilt
-- Eins unter ihnen wagte es, ihren Unwillen laut werden zu laen. In
einem an die Nationalversammlung abgelassenen Briefe bemerkt es, da
kein Wort in der Constitution von den Weibern vorkomme, obgleich die
Mtter Brgerinnen des Staates seyn mten. Es schmeichelt sich mit
dem Befehle, kraft dessen den Mttern erlaubt seyn werde, in Gegenwart
der Brgerbeamten diesen feierlichen Eid abzulegen. Diese ehrwrdige
Ceremonie wrde es wnschenswerth gemacht haben, Mutter zu seyn. Die
Geschichte sagt nicht, was von den Reprsentanten der Nation auf diese
Adresse einer edlen Franzsin beschlossen worden ist. Betrbt feire ich
heute ihr Andenken, heute den 18ten Mrz 1792, da ich in ffentlichen
Blttern lese, da die Franzosen, ungerhrt durch diesen Wink, es dahin
kommen lassen, da das andere Geschlecht dringender um diese Rechte
angehalten. Schner wrde es gewesen seyn, wenn man dem Geschlechte
mit der Brgerehre zuvorgekommen wre, und bei dieser ernsthaften
Sache kein rgerni des Lachens gegeben htte. Wehe dem Menschen,
durch welchen dergleichen rgerni kommt! Wrden wohl alle jene
Laternenscenen sich ereignet haben, wenn Weiber Aktivvotantinnen in
Frankreich gewesen wren? Durch geheimen Einflu wird in jedem Staate,
besonders in freien, Alles verdorben -- Doch ist es die Frage, ob die
Pariser Damen schon die Selbstberwindung gehabt haben, so weit zur
Natur zurckzukehren, da sie die gute Sache menschlich und brgerlich
beherzigen knnen -- -- Wahrlich! zu Deutschen Weibern ist greres
Vertrauen zu fassen -- Wem Gott Kraft gab, gab er dem nicht auch das
Recht sie anzuwenden? sollen denn die Weiber ihr Pfund im Schweituche
vergraben, ohne es auf Wucher anzulegen, der dem Staate tausendfltige
Frchte bringen wrde?

Auf Vernunft und auf ihr Meisterstck, die Gesellschaft, kommt
es an, ob jener Kraftsanwendung freier Lauf zu lassen oder ob sie
einzuschrnken sei; nie aber kann der Staat sich herausnehmen, sie ganz
unterdrcken zu wollen. Und wie? er wollte ein Ruber der Freiheit
seyn, welche zu befrdern die Hauptabsicht seiner Existenz ist?

Wenn Stnde nur durch ihres Gleichen reprsentirt werden knnen; wenn
so gar unsere Vorfahren durch Ebenbrtige sich die Gesetze zumessen
und Recht sprechen lieen: wie kann man Weiber vom Staatsdienste
ausschlieen, in so weit er sich mit der Gesetzgebung oder
Gesetzausbung beschftiget? Will man etwa den Weibern die Weihe zu
diesen Mysterien abschlagen, um sie nicht unsere Schwche da sehen
zu lassen, wo wir den hchsten Grad unserer Strke hieroglyphisch
vorgeben? Man kann dreiig Jahre dienen und nur Ein Jahr leben, wie
weiland _M. Plantius_, welcher nur von _der_ Zeit an sein Leben zhlte,
als er aufhrte fr das ffentliche, und anfing fr sich zu leben --
Ein lehrreiches Zeugni auf Kosten des Staatsdienstes! Ist das Leben
fr den Staat des Ehrennamens: _Leben_, werth, wenn es uns fr unsere
eigene Person sterben lt, uns vom selbsteigenen Leben entfernt --?
Nur als uns selbst knnen wir den Staat, unsern Nchsten lieben;
Alles darber ist vom bel. Wenn man nicht durch den Staatsdienst
vervielfltigt lebt, so liegt es entweder an uns oder am Staate; in
beiden Fllen bleibt die Krankheit gefhrlich -- Ist es nicht der
gewhnliche Fall, da wir vor lauter Rderwerk nichts ausrichten, vor
lauter Eingngen das Thema vergessen? Kommt nicht vor lauter kluger
Vorsichtigkeit gemeiniglich Kleinheit zum Vorschein --? Die meisten
Staatsbeamten sind Accoucheurs eines Berges, der eine Maus zur Welt
bringt, die inde bei der Taufe die prachtvollsten Namen erhlt, und
fast mit noch mehr Paukenhall ins Publicum gebracht wird, als wenn
ein Schriftsteller sich selbst recensirt. Wer in groen Residenzen
zu leben die Gnade gehabt hat, wird mich am leichtesten verstehen
-- Welcher Schwei des Angesichts! -- Collegia und Ausschsse, das
_Plenum_ und _Committs_, Gerichte und Commissionen! was fr eine
Menge Papier wird getragen, geschrieben, gelesen! -- Agioteurs von
einer andern Art -- Papierhndler von hherer Wrde! Scheint es doch,
als wre Alles gegen Alle, weil Alle gegen Alle sind (_bellum omnium
contra omnes_); und doch bezwecken jene herkulischen Beschftigungen,
jene Versammlungen, Richtersthle und Aktenberge das allgemeine Beste,
dessen Flor in den Kirchen bebetet und in Schauspielhusern beklatscht
wird, (beides _ex officio_, von Amtswegen.) Ist es klug oder nthig,
da man so viele Holzhauer und Wassertrger, Virtuosen und Znftler
in Athem setzt, um eine einzige Staats-Mange anzulegen? so viele
Meister politischer Art und Kunst, um ein Staatsregierungs-Exercitium,
ja Exercitium, zusammen zu stmpern? Nur Einen Hebel verlangte jener
Weise, um die Welt zu heben; und wenn das allgemeine Wohl solch eine
Anstrengung braucht, so liegt es gewi, oder mich trgt Alles, an dem
politischen Oberrechenmeister -- Wahrlich diese so beschftigten
Herren dienen nicht dem Staate, sondern der Staat dient ihnen -- Der
Weise, der diesem Staatspiele nher tritt und dessen _joujou_ bis auf
sein Schach kennt, berzeugt sich, da Ein Kopf hinreichend ist, dies
Alles zu lenken. Waren nicht schon _Petrus_ und _Paulus_ streitig?
Ist nicht Ein Kopf vermgender, das Ganze zusammen zu halten und zu
bersehen? Man verlangt sonach nicht ohne Grund Einen Principalmeister;
wo aber Einer zu finden? Wer wird die Selbstverleugnung haben,
die vielen Knste zu verlassen und der Natur zu huldigen? wer den
Wortsturm aufgeben, das brausende Meer bedruen, und zur Stille des
Denkens und Handelns eingehen? Wer, ohne zu befrchten, da er beim
Frsten und beim Volke verliere --? Das Volk wird durch den Schein
dieser fast bermenschlichen Anstrengung hintergangen, und der Frst
desgleichen, der, wenn es nicht so viel Schwei kostete, sich gewi
nher mit diesen Staatsarbeiten bekannt machen wrde -- und da mchten
denn die hohen und nchsten Staatsgehlfen sehr leicht auf eine
kleine Rolle zurckgesetzt werden und aus Staatsrthen in Schreiber
zusammen schrumpfen! -- Ich setze wenig oder nichts von Menschenbeln
auf Rechnung der Frsten; gewi das Meiste gehrt auf das Conto der
Minister, die nicht schwach nicht stark, nicht kalt nicht warm, sondern
unentschlossen und lau sind, sich von jedem Winde hin und her treiben
lassen, Jeden um seine Meinung befragen und, wenn sie deren unzhlige
gesammelt haben, nicht wissen, wozu sie sich entschlieen sollen. --
Wer selbst keine Meinung hat -- wie kann der aus so vielen die beste
finden? Hierzu kommt, da Gemchlichkeit und ewiger Hang zum Vergngen
sie noch stumpfer machen -- Sie kommen nicht aus den Beten heraus,
die sie abzuspielen haben! -- Noch rger sind die, welche nicht ber
ihren theoretischen Leisten gehen, immer Schuster bleiben, die sie
sind, und in armseliger Pedanterie Trost suchen und finden, wenn ihnen
nichts einschlgt -- Was knnen wir dafr, da der Staat, den wir zu
regieren haben, sich nicht nach unserem _Orbis pictus_ und einem
_Compendio_ schmiegen will, das uns zum Pharos demthigst empfohlen
worden? -- Allerdings! und welche Greuel, wenn die Minister gar Genies
zu seyn sich einbilden und zu Dero Haupt ein so unumstliches Zutrauen
gefat haben, da das groe Wort: ER _hat es gesagt_, ihren Commis
hinreichend scheint, die einleuchtendsten Vorstellungen abzuweisen
und zu entkrften! -- Das _Recht des Vernnftigern_ ist ihnen, nach
ihrer, zwar etwas freien, inde wie sie glauben nicht unverstndlichen,
bersetzung, das _Recht des Strkeren_; und freilich -- wer darf
es wagen, der Gewalt, so lange sie am Ruder ist, den Verstand
abzusprechen? Jene gewaltigen Genies berechnen Alles an den Fingern --
_Newton_ knnte von ihnen rechnen lernen; und freilich, wenn die Data
zu ihren Berechnungen richtig wren -- wer wrde ihnen gleich kommen?
Zur Calculatur geboren, sind sie im gttlichen Zorn Minister und
Staats-Administratoren geworden --

Stumpfe Kpfe, ihrer eigenen Schwche bewut, sind fr Collegia.
Das Sprichwort: vier Augen sehen mehr als zwei; bringt sie zur
Multiplication der Augen -- die blinden Leiter! In der Oper hilft
Jeder, der Schriftsteller, Spieler und Snger, zum Ganzen -- und
da fallen Coloraturen, Lufe, schmelzende, verzweiflungsvolle,
schmachtende, frchterliche Gnge vor, die der Verfasser den Spielern
und Sngern in Mund und Kehle legt -- Hier aber verlt sich entweder
Einer auf den Andern, und sieht die Stunden, die er wohl bezahlt
absitzen mu, als eine ihm angewiesene Schlafzeit an, worin er sich
strkt, um desto geistreicher am Spieltische zu glnzen; oder er hauet
die Kreuz und Quer ein, so da nach vielstndigem Zank die Sache am
Ende weit bler als am Anfange steht, und der kleinere Theil die
schrecklichste Mhe von der Welt hat, nicht die Angelegenheit ins Reine
zu bringen, sondern das _per plurima_ herausgebrachte Schlu-Votum von
den Ungereimtheiten so vieler disparaten Meinungen zu subern und zu
lutern, und es W. R. I., oder -- wenn es hoch kommt -- verstndlich zu
machen. Der so witzige als einsichtsvolle Vorschlag, da die Minoritt
der Stimmen gelten sollte, ist der auffallendste Beweis, was man sich
zu diesen vierzig Percken oder ihren Stcken zu versehen habe -- Viele
Kche versalzen den Brei, und Ein Kopf ist mehr werth, als ein ganzes
Synedrium von -- -- Kinnbacken. --

Wenn die Staats-Officianten auf die Pflicht angenommen wurden, nichts
zu verderben und sich leidend zu verhalten -- wie viel weiter wre
die Welt! - Sind das die hohen Collegia und hohen Sthle, von denen
man das schne Geschlecht ausschliet --? Man sollte sie aufnehmen,
wie in freien Reichsstdten politische Kannengieer und Aufwiegler
zu Rathsgliedern, damit sie schweigen -- Vielleicht htte man dies
Stratagen auch wirklich schon segensreich in Anwendung gebracht, wenn
man zu der Verschwiegenheit des schnen Geschlechtes mehr Zutrauen
fassen knnte. _Johnson_ sagt: man kann so sehr ein Mann nach der Welt
seyn, da man nichts mehr in der Welt ist. Sollte man nicht weit eher
so sehr ein Staats-Officiant seyn knnen, da man bei weitem zu der
Ehre ein Staatsbrger zu seyn, unfhig ist? -- Wahrlich, um sich wieder
zu orientiren, sollte man die Weiber zum Staatsdienste vociren --
wozu sie unstreitig einen gttlichen Ruf haben, an dem es den meisten
Taugenichten von hohen Staatsbeamten ermangelt.

Ist es zu leugnen, da man in jedem Gesetz-Codex von den Grundstzen
der natrlichen Gleichheit ausgehen, und mit dem Paradiese anfangen
kann und mu, wenn nur der Sndenfall nicht vergessen wird? Jene
Grundstze der Gleichheit werden und mssen so gar bei ihrer Anwendung
auf den Staat das Resultat politischer Ungleichheit unter den Brgern
herausbringen. Bei jener natrlichen Gleichheit gewinnt das andere
Geschlecht allerdings; allein auch die politische Ungleichheit kann
nie ein ganzes Geschlecht unwrdig proclamiren, in welchem es in der
Regel mehr Mndige, als in dem unsrigen giebt, und wozu vielleicht kein
anderer Grund vorhanden ist, als da die Gesetzgebung blo aus Mnnern
besteht. Soll ich bemerken, da ich hier nicht blo vom Gebrauche des
Mundes und der Zunge, sondern der Seele und des Herzens rede? So bald
Strke, Obermacht und Verjhrung nicht Gesetze abnthigen; -- und wehe
der Staatsgrundlegung, die solche Ecksteine in Anwendung bringt! --
so bald jede regelmige Gesellschaft so gar eben dazu entsteht, um
jene natrlichen Hervorstechungen in's Gleichgewicht zu bringen: so
hat das andere Geschlecht ein Recht, vom Staate zu fordern, da er ihm
Gerechtigkeit erweise, da er ber die Schwchlichkeit des Krpers,
welche zum grten Theil durch Vorurtheil entstanden ist, die Strke
der Seelen der Weiber nicht vergesse. Macht denn nicht die Seele den
Hauptbestandtheil der Menschen? Die natrliche Gleichheit erfordert
eine politische Ungleichheit, weil die Erhhung des natrlichen
Werthes des Menschen nur durch eine gegenseitige politische Verbindung
derselben unter einander mglich ist, und hervorragende Menschen
durch Gesetze, so wie Genies durch Regeln, in Ordnung gehalten werden
mssen. Kann aber dieser an sich nicht unrichtige Grundsatz auf ein
ganzes Geschlecht gedeutet werden? Ist es gerecht, billig, rathsam und
nur menschlich, da unser ganzes Geschlecht zu einer Standeserhhung
gebracht und als der Mittelpunkt angesehen wird, um dessenwillen das
andere Geschlecht existirt? -- Es giebt nur zweierlei Thatsachen, von
denen wir Begriffe haben: Natur und Freiheit; und sowohl zur Physik
als zur Moral, haben Weiber unverkennbare Anlagen. Will man Natur und
Freiheit sinnlich abbilden, so mssen beide in Gestalt eines Weibes
dargestellt werden. Und was ist ihnen denn im Wege? das positive
Gesetz? Kein Gesetzbuch, und wrde es mit Engelzungen reden, kann
_Formula concordiae_ und eine Augspurgische Confession werden. Gesetze
erziehen Menschen, und mssen sich, wenn Menschen mndig werden, von
Menschen erziehen lassen. -- Angenommen, Weiber wren krperlich
schwach -- angenommen! und was wre da die Pflicht der Gesetze? in
den Schwachen mchtig zu seyn. Nicht die Starken bedrfen des Arztes,
sondern die Schwachen.

Wei ich denn nicht, da manche Frau bei manchem Manne auch jetzt sich
wohl befindet? Was inde blo auf persnlicher Gesinnung beruhet, mu
seiner Natur nach wandelbar seyn; und es ist auch bei den tolerantesten
Gesinnungen im Staate nothwendig, da keine intolerante Stelle im
Gesetzbuche bleibe. Wer steht fr den Nachfolger im Reiche? Weiber
wissen ihre Mnner zu berzeugen, als htten Weiber keinen Willen. Doch
eben wenn sie auf ihren Willen in bester Form Rechtens Verzicht zu thun
scheinen, werden sie Alleinherrscherinnen, ohne den starken Glauben
ihrer Mnner zu schwchen, als ob diese ganz allein regierten -- Sie
regieren nicht mit Gewalt (_vi_), sondern heimlich und bittweise (_clam
et precario_).

Der Liebhaber glaubt in dem Dienst einer Gttin zu seyn, welche
Apotheosen so sehr in ihrer Gewalt habe, wie Facultaten Doktorhte.
Der glckliche Geliebte dnkt sich wenigstens halb Gott, weil er so
glcklich ist, einer solchen Gottheit zu dienen -- Erwacht er ber
ein Kleines aus diesem Traume; seht! so verwandelt sich die Raupe
nicht in einen Schmetterling, sondern in einen Zuchtmeister, und die
entgtterte Frau wird seine Sklavin; der Brutigam wird nicht Ehemann,
sondern Ehevogt. So hrten Monarchen auf, Gtter und _Divi_ zu seyn,
und hatten die Gte zu den Menschen herabzusteigen; doch wrdigten
sie, um ber anderen Menschen zu seyn, diese anderen eine Stufe unter
die Menschen hinab -- Halbe Wahrheit ist gefhrlicher, als eine ganze
Lge; diese ist leichter zu kennen, als jene, welche sich in Schein zu
verkleiden pflegt, um doppelt zu betrgen. Mnner, lat doch Menschen
seyn, die Gott zu Menschen schuf! _Lat uns Menschen machen_, hie
es, _ein Bild das uns gleich sei; und er schuf sie ein Mnnlein und
ein Frulein_. Sie sind Bein von unserm Bein, und Fleisch von unserm
Fleisch; und warum nicht Brger wie wir? warum nicht, da ihnen weder
Sinn noch Kraft zu Brgertugenden gebricht, und es blo darauf ankommt,
da sie zu Brgerinnen erzogen werden! Jetzt freilich, wie sie da sind,
zum Spielzeug, fr Mnner gemodelt; jetzt, wenn sie auf einmal aus
dem Gynceum auf den groen Schauplatz des gemeinen Wesens, einen fr
ihren Krper und ihre Seele so fremden Boden, treten und mnnliche
Rollen spielen sollten: jetzt wrden sie kaum ertrglich debtiren.
Wer fordert dies aber von ihrem Kopfe und von ihren Hnden? Sie sollen
eben den Weg gehen, den wir gingen, eben die Wsten betreten, die uns
auf der Bahn nach Kanaan beschwerlich wurden; nur durch Erziehung,
Unterricht und Erfahrung sollen sie das Ziel erreichen, dessen sie
so wrdig sind -- Das Licht braucht beinahe acht Minuten, um von der
Sonne zu uns zu kommen, und wir sehen die Vernderungen, die in der
Sonne vorgehen, jedesmal acht Minuten nachher. _Pythagoras_ legte
seinen Schlern zuvor Schweigen auf, ehe ihnen die philosophische Zunge
gelset ward. Dies mgen Fingerzeige fr Mnner und Weiber seyn: fr
_diese_, um nicht auf Meisterrechte Ansprche zu machen, ehe sie die
Lehrlingsjahre zurckgelegt haben; fr _jene_, von einem Geschlechte,
das so lange vernachlssiget ward, nicht vor der Zeit Frchte der
Bue zu fordern. Der Verstand und die Natur kommen sehr leicht in
richtigen Einklang; und wenn Mittel unbedeutend scheinen, wenn sie es
wirklich sind -- wer wird Mittel nach eigener, und nicht vielmehr nach
der Gre des dadurch zu erreichenden Zweckes schtzen? Eine Eiche
von einem nicht kleinen Alter kann noch sehr jung heien, wenn ein
gleichzeitiges Gestruch und eine zu seinen Fen blhende Blume an der
Grnze ihres Lebens sind -- Nicht im einzelnen Falle, in allen Fllen,
nicht im einzelnen Menschen, sondern im Geschlechte, offenbaren sich
die Ehre und der Zweck der Menschheit. -- Woher jetzt der Unterschied
in der Erziehung beider Geschlechter, der sich bei der Wiege anhebt
und beim Leichenbrette endiget? warum ein so wesentlicher Unterschied,
als wren beide Geschlechter nicht Eines Herkommens, nicht Eines
Stoffs, und nicht zu einerlei Bestimmung geboren? -- Die Scheidewand
hre auf! man erziehe Brger fr den Staat, ohne Rcksicht auf den
Geschlechtsunterschied, und berlasse das, was Weiber als Mtter, als
Hausfrauen, wissen mssen, dem besondern Unterricht; und Alles wird
zur Ordnung der Natur zurckkehren. Noch lange ist Erziehung nicht
das, was sie seyn knnte und sollte. Nur sehr spt fiel man auf das,
womit man htte anfangen sollen: den Zweck der Erziehung zu bestimmen,
das Ziel aufzusuchen und seinen Lauf darnach zu richten. Statt da wir
sonst, wie irrende Schafe, ohne Plan und Regel in das Weite liefen, sei
es unsere erste Sorge, heimzukehren zu der Natur und nicht auer uns
uns selbst zu suchen! -- Was hlf es dem Menschen, wenn er die ganze
Welt gewnne und an sich selbst Schaden litte! -- Ohne jenen Zweck der
Erziehung zerreit das Band, welches alle einzelne Theile zusammen hlt
-- und in Kindern liegt das Reich Gottes. --

Zwar hat man in unsern Tagen angefangen, dies wichtige Staatsbedrfni
zu beherzigen; aber auch kaum nur angefangen. Die Staaten und ihre
Reprsentanten selbst, deren erstes und wichtiges Interesse die
Erziehung ist, scheinen dieses Bedrfni entweder noch nicht genug zu
fhlen; oder wohl gar sich fr verpflichtet zu halten, den gemachten
Versuchen, Brger zu bilden, Hindernisse in den Weg zu legen. Wenn
die Befehlshaber des Volkes bedchten, da nichts als eine gute
Erziehung sie auf immer in dem Besitz gesetzlicher und auf Vertrge
sich grndender Vorzge sichern kann; sie wrden zu dieser ihrer
Zeit bedenken, was zu ihrem Frieden dienet. Lange hat man Erziehung
und Unterricht, die doch ihrem Wesen, ihrer Form und ihrem Endzwecke
nach so sehr unterschieden sind, fr Eins gehalten. Lange muthete
man Lehrern zu, die in der Regel selbst keine Erziehung hatten, sie
sollten zugleich Erzieher seyn; und man wute nicht zu begreifen, wie
man gelehrt seyn und doch keine Sitten haben knnte. Fest glaubte man
an das goldene Sprichwort: da Knste und Sitten Schwestern und Brder
sind, und Niemand dachte daran zu untersuchen, ob Knste und Sitten
sich wie Ursache und Wirkung verhielten.

Rechnet man zu diesen Mngeln den Umstand, da die Hlfte des
menschlichen Geschlechtes entweder ohne alle Erziehung blieb, oder
verzogen ward, und da gerade dieser Hlfte der wichtigste Theil der
Erziehung berlassen war; so ist es fast noch Wunder, da wir Menschen
sind. Ohne allen Zweifel bestimmte die Natur das andere Geschlecht
zu diesem groen Erziehungsgeschfte, und versah es mit den nthigen
Anlagen und Fhigkeiten, mit den empfnglichsten Sinnen, mit den
feinsten Empfindungen, in der edelsten Sprache, selbst im Kleinen
und Zuflligen das Wahre vom Falschen, das chte vom Scheinbaren
zu unterscheiden -- um jene groe Bestimmung zu erfllen --. Die
_Sokratik_, die _Sokrates_ von seiner Mutter, einer Weisemutter (_sage
femme_), lernte, indem er auf Seelenentbindungen ausging und ein weiser
Mann (_homme sage_) ward, ist wahrlich dem andern Geschlecht eigen,
welches nie, auch beim Heihunger, den Magen der Wibegierde der
Kinder mit Kentnissen berstopft, sondern jeden neuen Begriff ihnen
einzeln zu denken giebt und ihn so viel wie mglich in Empfindung zu
verwandeln sucht. Jedem geistigen Gedanken geben Weiber einen Krper,
bekleiden ihn und verleihen ihm eine sinnliche Form. _Robinet_ meint,
die Natur habe den Weibern einen Hang zur Geschwtzigkeit gegeben,
damit sie die fr die Kinder zu starke Wrterkost ihnen desto leichter
vorkauen knnten -- Heit das nicht, einer herrlichen Naturgabe einen
bsen Leumund machen? _Rousseau_ sagte zu _Grtry_, der ihm seine
Hand bot, um ihm ber einen Haufen Steine zu helfen: _Laissez moi me
servir de mes propres forces_; und wem ist jene Entwickelung der in den
Kinder-Seelen liegenden Ideen natrlicher, als dem andern Geschlechte?
-- Es spinnt sie heraus, knpft das Sinnliche an geistige Begriffe
durch Bilder und Gleichnisse -- Wir sind fr heroische Methoden;
folgt inde nicht nach einer Bravurarie jederzeit eine Leere, da ein
zu lebhafter Eindruck dem Effekte des Ganzen schadet? -- -- Es kommt
nicht darauf an, eine gute Empfindung zu erregen, sondern die Summe der
Empfindungen zu ziehen und auf sie zu wirken. Wie richtig sind hier
_wenn_ und _wie_! Alle Wege des Wanderers zwecken ab, an einen Ort zu
kommen; alle kleine Flsse gehen zum groen Meere -- -- --

Wie ist es aber mglich, da Weiber diesem Berufe gengen knnen,
wenn jene Anlagen und Fhigkeiten so wenig entwickelt werden! Man
vernachlssiget sie nicht blo; man unterdrckt sie absichtlich. Das
Kind ist geschlechtslos; warum sind wir der weiseren Natur zuvor
geeilt? warum haben wir frher die Geschlechter abzusondern angefangen,
als die Natur uns dazu einen Wink gab? Das Kind ist gesellig, nicht
weil es durch einen besondern Trieb dazu gereitzt wird, sondern aus
Bedrfni und um thtig zu seyn. Nicht das moralische Gefhl, welches
den Menschen an seines Gleichen kettet, um sich ihnen mitzutheilen, um
durch den Umgang mit Andern das Eckige seines Charakters abzuschleifen
und um sich durch Andere zu vervollstndigen -- nicht dieses Gefhl
macht das Kind gesellig. Was kennt es mehr als sein Bedrfni? Es will
genhrt und vergngt seyn: darum ist es gesellig; es ist gesellig
zum Zeitvertreib -- Wo es diese Absicht erreicht, befindet es sich
wohl; Geschlechtsunterschiede stehen, so wie moralische und geistige
Eigenschaften, mit seiner Gesellschaft in gar keiner Beziehung --

Erst um das zwlfte Jahr fangen unter dem Europischen Himmel die
Geschlechtskeime an bei dem weiblichen Theile sich zu entwickeln
und nie gewohnte Unruhe, eine vorher unbemerkte Ahndung und sanfte
Sehnsucht zu erwecken. So lange sollte unter Kindern Alles bis auf
die Kleidung gleich bleiben, weil die Natur es so will. Erziehung,
Unterricht, Zeitvertreib knnen fr beide Geschlechter einerlei seyn,
weil in diesem Zeitraume die Bildung sich mit dem Menschen beschftigen
und fr die Entwickelung jener Anlagen sorgen soll, ohne alle Rcksicht
auf anderweitige Bestimmungen, als auf die erste ehrwrdigste: einen
Menschen nach der urkundlichen Deutung der Natur darzustellen.

Auf diesen einzigen Endzweck mssen es alle pdagogische Bemhungen
anlegen, und indem sie den jungen Kindern Hebammendienste leisten, den
Spielraum fr die ersten Versuche der erwachenden Krfte erweitern, und
nur nach und nach mit groer Vorsicht es wagen, den ppigen Auswuchs
zurckzuhalten, und dergestalt mittelbar den Trieben der Natur die
eigentliche Richtung zu geben. Der Unterricht bedarf in diesem Zeitraum
eben so wenig besondere Rcksichten auf Geschlechtsunterschied, als
auf knftige brgerliche Verhltnisse. Hat das Kind von diesem Allen
selbst nur Ahndungen? geschweige denn Begriffe! und bleibt nicht aller
Unterricht in dieser Rcksicht fr dasselbe todter Buchstabe, bis nach
dem Laufe der Natur Empfnglichkeit fr diese Lehre sich entwickelt?
Aller Unterricht mu sich in diesem Zeitraum auf das einschrnken, was
der _Mensch_ glauben, wissen und thun soll.

Warum der Unterschied zwischen weiblichem und mnnlichem Unterricht,
da Mann und Weib noch nicht geboren sind? Sind Spiele fr Kinder
das, was sie seyn knnten und sollten? Nur in unsern Tagen, als die
Erziehungskunst einen neuen Schwung erhielt, fing man an, den groen
Einflu derselben zu bemerken; allein machte man nicht, wie gewhnlich,
einen schlechten Gebrauch davon, wenn man das Spiel zu einem
allgemeinen Unterrichtsmittel erhob? Spiele mssen nie zur Methodik
werden; wohl aber knnen sie Anlsse zur Bereicherung des Gedchtnisses
und zur bung des Verstandes seyn. Wenn sie den Unterricht erleichtern,
so ist und bleibt ihr Werth blo subjektiv. Bei Spielen der Kinder mu
jederzeit die Absicht zum Grunde liegen, sie auf eine ihrer Fhigkeit
und ihrem Alter angemessene Art zu beschftigen. Nur drfen die Kinder
diese Absicht nicht errathen; sonst ist das Spiel verloren. Frh inde
mssen Kinder angewhnt werden, Spiel und Geschfte zu unterscheiden,
um diese achten und lieb gewinnen, jene aber entbehren zu lernen,
wenn sie anders nicht ewig Kinder bleiben sollen. Doch warum mehr
Bemerkungen ber einen Gegenstand, der jetzt das dritte Wort unserer
Schriftsteller ist, und auf allen Dchern gepredigt wird! Ich kehre
mit dem Vorschlage zurck, da so lange bis das Kind zum Mdchen oder
zum Knaben heranreift, beide unter den Hnden und der Aufsicht des
weiblichen Geschlechtes bleiben sollten. Der Staat und das weibliche
Geschlecht wrden dabei gewinnen. Alle Kinderschulen sollten Weiber
zu Aufseherinnen und Lehrerinnen haben, weil die Natur das weibliche
Geschlecht dazu mit ausgezeichneter Fhigkeit hinreichend ausgestattet
hat. Reinlichkeit, ein zur Erhaltung der Kinder so nthiges und
wichtiges Erforderni, Sanftmuth, Geduld, Ausdauer bei anscheinend
kleinlichen Beschftigungen, Mittheilung, Redefertigkeit, und andere
zur Kindererziehung unentbehrliche Eigenschaften, scheinen dem
weiblichen Geschlechte von Natur eigen, bei dem mnnlichen dagegen
blo Kunstfertigkeiten zu seyn. Wie sich Natur zur Kunst verhlt; so
wrde sich auch eine Kindererziehung durch Weiber gegen die jetzige
verhalten. Schon gegenwrtig ist ihr Antheil gro; was wrden wir
ohne ihren Beistand vermgen? O, was fr eine Schule fr Mtter
mittleren Standes, wenn eine Hauscapelle weinender und heulender
Kleinen ihre Geduld prft, und die Kinderfragen heranwachsender
neugieriger, verschmter Mdchen und dreister Buben sie in Verlegenheit
setzen! Ich begreife nicht, wie manches treffliche Weib so heterogene
Angelegenheiten zu bestreiten vermag -- Dort windet sie dem kleinen
Feldmarschall _Jakob_ Gabel, Messer und Scheere aus der Hand; hier
reit sie dem vielfrigen Domherrn _Peter_ schdliche Dinge aus dem
Munde; bald verscheucht sie von der kleinen schlafenden _Jette_ die
Fliegen; und wie schwer ist der Wildfang _Karl_ zu befriedigen, der
von Einem Zeitvertreibe zum andern abspringt! Wie viele Vigilien und
wie viele Tageslasten sind ihr Theil und Erbe bei den ihr obliegenden
Familiensorgen! -- Ist nun gleich die Dame hheren Standes, die nach
Landes-Sitte und Brauch das strenge Recht fr sich hat, ihre Kleinen
wie Findelkinder zu behandeln, bei weitem so beschftiget nicht; ist
sie es inde nicht immer weit mehr, als ihr geschftiger Miggnger
von Gemahl, der, mit groen Kleinigkeiten und vornehmen Gebrechen
beladen, auer der Spinnstube seines hohen Collegiums, noch so viel
anderes anzuspinnen hat, was freilich fast immer darauf hinausluft,
schlichte Dinge zu verwickeln, und den leichtesten Sachen einen
Anstrich von Bedeutung zu geben! Des groen Staatsspinners! -- *Doch
wie? wrden Weiber wegen ihrer Furchtsamkeit und aus Gefhl ihrer
Schwche die Kinder nicht noch mehr verzrteln, und das menschliche
Geschlecht nicht noch weichlicher machen, als es gegenwrtig schon
ist?* Ein Einwurf, der nicht ohne Grund zu seyn scheint; allein nichts
mehr als ein Gespenst, welches unsere Einbildungskraft in Schrecken
setzt, aber desto mehr verschwinden mu, je mehr die Weiber sich ihrem
Ziele nhern. Zrtlichkeit oder eigentliche Schwchlichkeit des Krpers
ist oft ein Erbtheil der Geburt, und ungleich seltener eine Folge der
weichlichen Erziehung. Im letzten Falle kann die Geschicklichkeit des
Erziehers im Knaben- und Jnglingsalter wieder herstellen, was bel
verstandene Zrtlichkeit im Kindesalter verdarb; da aber, wo der
Keim schon krnkelt, wird die pflegende Hand der Kunst, anstatt eines
Baumes, immer nur ein Zwerggewchs erziehen. Vllig wird jene Furcht
verschwinden, wenn die Ordnung der Natur, die wir umkehrten, wieder in
den vorigen Stand gebracht wird, und wir frs erste uns entschlieen,
das andere Geschlecht bei diesem Geschfte zu leiten. Schon hat man
zum Theil aufgehrt, das Kind in eine Puppe zu verwandeln, es in
Federn zu ersticken, und, wenn es sich des einzigen Mittels seiner
Lunge bediente, um sich aus seiner peinlichen Lage zu befreien, es
mit Theriak oder einer sanften Hirnerschtterung zu betuben; und
gewi, man wird aufhren, Kinder der Luft und dem Wasser zu entziehen,
so bald die Weiber sich selbst bei dem Einflusse dieser Elemente
behaglicher fhlen werden. Schon hat man die bisherige Knabenkleidung
verdchtig zu machen gesucht, und dem Kinderanzuge berhaupt den
Zwang vorgerckt, wodurch der Einflu der Luft auf den ganzen Krper
verloren geht, die Ausdnstung gehemmt, die Brust verengt, das
Herz unterdrckt, Saft und Kraft -- wenn gleich (was leider nur
selten der Fall ist) Alles unverdorben auf die Welt gebracht seyn
sollte -- frhzeitig erschlafft und die Maschine bereilt wird. Die
tyrannische Mode! Selbst unsere Mahler und Bildhauer sind ihrethalben
der traurigen Verlegenheit ausgesetzt, zu einem idealischen Costume
ihre Zuflucht zu nehmen, da die Ungereimtheiten der Mode nicht bei
dem Altare des Geschmackes bestehen -- Eine feine Rache, welche die
Natur an ihren Verchtern nimmt --! Bei Gelegenheit der brgerlichen
Weiberverbesserung wre nichts leichter, als eine Kleiderordnung in
physischer und moralischer Rcksicht in Gang zu bringen, sie wohlfeil,
natrlich und einfach zu stellen, und diese Sache gleich fern von
bertreibung und Montirungssucht in Erwgung zu nehmen. Nur aus
unverzrtelten, festen, wackern _Kindern_ werden unverzrtelte, feste,
wackere _Leute_! -- Lasset die Weiber erst sich selbst stark fhlen,
und sie werden an Leib und Seele starke Kinder leiblich gebren und
geistlich wiedergebren -- sie zur Welt bringen und erziehen. Warum
soll denn die Haut mit der Sonne in Feindschaft leben? Fehlgeschlagene
Hoffnungen, Unterdrckungen, Collisionen sind der Geschmeidigkeit des
Charakters, den Grazien der Sitten ungnstiger, als jenes unbiegsame
uere. Vom Gefhl einer edlen Freiheit, hangen Muth, Freimthigkeit
und jene umfassende Heiterkeit ab, die auch durch die finsterste
Stirn bricht und auf der rauhesten Oberflche durchschimmert -- Und
was gilt euch mehr: jene zweideutigen Aussprche zu Delphi, oder eine
unbiegsame Aufrichtigkeit? Aufrichtigkeit bahnt den Weg zur moralischen
Allmacht -- wogegen durch lebensartige Feinheit der Absicht ganz
entgegengesetzte Wirkungen resultiren -- Je nachdem man auf diesen
oder jenen Umstand Licht fallen lt; je nachdem thut er Wirkung --
Hat die Furchtsamkeit ihren Grund nicht blo in dem Gefhl des Mangels
an krperlichen Krften und in der Beschrnktheit des Verstandes? Ein
berhmter Englischer General bemerkte, da seine Truppen nie mehr Muth
hatten, als wenn ihr Magen mit Pudding und Roastbeef angefllt war.
Hunger macht feige, Mangel blde, Unterdrckung verzagt. --

Die Weiber zu _Sparta_ kannten weder Weichlichkeit noch Furchtsamkeit.
_Ich habe ihn fr das Vaterland geboren_, war die heroische Antwort
jener Spartanerin, als man ihr die Nachricht brachte, ihr einziger Sohn
sei in der Schlacht gefallen.

Entwickelt sich der Unterschied der Geschlechter im Knaben und Mdchen,
so mu der Brger auf den Menschen gepfropft, der Stand des Brgers
an den der Natur geknpft, und die Vorbereitung zu mannigfaltigen
untergeordneten Bestimmungen erffnet werden; und nun ist es Zeit zu
einem sichtbaren Merkzeichen der Absonderung der Geschlechter.

Diese Geschlechts-Einkleidung wird alle besorgliche Folgen, welche
die Natur-Uniform etwa bei den Schwachen, die doch immer unter uns
sind, erregen mchte, unausbleiblich vertilgen, Knaben und Mdchen,
die als Kinder vertraut waren, in Fremde (wenn gleich nicht in
Wildfremde -- und weshalb auch das?) umschaffen, und Alles bis auf die
Rckerinnerung ihrer ehemaligen Bekanntschaft vertilgen. Wrde nicht
diese Geschlechts-Einkleidung auf einmal den einzigen Unterschied, den
die Natur beabsichtiget hat, zwischen beiden Geschlechtern festsetzen,
ohne dadurch einen brgerlichen Unterschied herauszubringen oder zu
erzwingen, und ohne dadurch Sitten und Wohlstand im mindesten in
Gefahr zu setzen? Dies wre der Glockenschlag, welcher Erziehung
und Unterricht der Geschlechter- und Brgerbestimmung nher bringen
wrde. -- War nicht schon bei den Rmern eine hnliche Einrichtung in
Hinsicht auf das mnnliche Geschlecht? und sagt nicht die Geschichte,
da der Jngling Vaterlandsliebe und alle groe Eigenschaften eines
Rmers mit der _toga virili_ (mit dem Mannskleide) anlegte? Es ist
eine Schande, eine Stunde lnger zu leben, als man htte leben sollen;
-- allein es bleibt eine eben so groe Schande, eine Stunde frher
zu leben anzufangen, als man dazu fhig ist -- und so wie das Ende
das Werk krnt, und der letzte Tag der Richter aller seiner Vorgnger
ist, so sollte man gewisse Tage aussondern, und sie zu Denkmhlern
machen. Jener Tag der Geschlechtsabsonderung, der brgerlichen
Einsegnung, wrde zu diesen festlichen Tagen gehren. Ganz mte
das Erziehungsgeschft in dieser neuen Epoche noch nicht den Hnden
der Weiber entzogen, noch weniger ein Unterschied in Erziehung und
Unterricht zwischen beiden Geschlechtern veranstaltet werden, bis auf
die Verpflichtungen, zu denen jedes von der Natur besonders berufen
ward, welche, in so fern sie fr diesen Zeitraum gehren, bei jedem
Geschlechte durch Personen des seinigen gelehrt werden mten; wogegen
alles brige ohne Rcksicht auf diesen Unterschied, so wie die Umstnde
es forderten oder erlaubten, von Personen beiderlei Geschlechts gelehrt
werden knnte. Da Mann und Weib eigentlich nur Ein Mensch sind; so kann
auch selbst nach jener Geschlechtsabsonderung keine vllige Scheidung
eintreten: Was Gott zusammen fgt, soll der Mensch nicht scheiden
-- In der Epoche, welche bei Mdchen etwa bis zum 16ten, und bei
Knaben bis zum 18ten Jahre dauern knnte, mten beide Geschlechter
zu den brgerlichen Bestimmungen vorbereitet und in Allem, was darauf
Beziehung hat, ohne da man auf den Geschlechtsunterschied Rcksicht
nhme, unterrichtet werden. Da hierbei die vllige Entwickelung des
Menschen nicht aufzugeben oder nur bei Seite zu setzen ist, versteht
sich von selbst. Wrden bei dieser soliden Einrichtung nicht mit
dem mannbaren Alter beide Theile ohne Unterschied unbedenklich da
hingestellt werden knnen, wo sie, dem Staate ntzlich zu seyn,
Anlage zeigten? Entwhnt dem grten aller bel, der langen Weile,
die mehr als der Tod zu frchten ist, mten jetzt der Jngling und
das Mdchen Geschfte angewiesen bekommen, wozu sie mit Neigung
und Geschicklichkeit versehen sind. Ehre, Rechte und Belohnungen
werden alsdann nicht ein Geschlechts-Prrogativ, sondern Folgen des
persnlichen Verdienstes. Weiber, die bisher ein Etwas ohne Namen und
Rechte waren, wrden auf diese Weise Personen und Staatsbrger werden.
-- _Plato_ wollte die Vertheilung des Privatvermgens den Gesetzen
in die Hnde spielen. So viel Gerechtigkeit auch in dieser Idee zu
liegen scheint, zu so vielen Ungerechtigkeiten wrde sie verleiten.
-- Das Vermgen der Weiber inde, wenn sie gleich ganz allein darber
zu verfgen glauben, _scheint_ blo ihrer Gewalt unterworfen zu seyn;
denn eigentlich sind Mnner die Eigenthmer desselben, die mit diesem
Kreuz, das sie wohlbedchtig in Hnden behalten, sich zu segnen nicht
ermangeln. Wie viele Kassen-Defraudationen hier vorfallen, liegt
am Tage. -- Blo der Entschlu der Weiber, sich dem Staate nicht
entziehen zu wollen, setzt sie in das Eigenthum ihres Vermgens, und
sie werden nur sich selbst nthig haben, um zu denken und zu handeln.
Er beleidigte nicht mich, sondern den, fr den er mich ansahe, sagte
Knig _Archelaus_, als man ihn auf der Strae mit Wasser begossen
hatte; -- und so wird das andere Geschlecht sich oft erklren mssen,
und sich gern erklren, ehe jene Grundstze, es ehren zu wollen, weil
ihm Ehre gebhrt, zur Gewohnheit geworden sind.

Die Physiokraten halten in ihrem System die producirende Klasse der
Staatsbrger fr die ntzlichste, und da fr den Staat der Nutzen
das Einzige ist, was die Rangordnung der Brger bestimmt; da dieser
Nutzen die Brger klassificirt: wie wollen wir denn eine ganze
Hlfte des menschlichen Geschlechtes, welche an der Hervorbringung
und Fortpflanzung desselben den wesentlichsten Antheil hat, von der
Brgerehre ausschlieen? und da wir sie schon ohne Urtheil und Recht
willkhrlich aus angestammter Machtvollkommenheit ausgeschlossen haben,
ihnen die Wiedereinsetzung in den Paradiesstand verweigern? Werden sie
nicht, gehrig dazu vorbereitet, mit Ehren rathen, helfen, frdern in
allen Staatsnthen? Bis jener hingeworfene Umri einer neuen Ordnung
der Dinge in seinem ganzen Umfange in der brgerlichen Gesellschaft
eingefhrt werden kann, ffnet, Mnner! der jetzigen weiblichen
Jugend je eher je lieber unsere Educations- und Lehranstalten, und
erlaubt ihr, an der Erziehung und dem Unterrichte, so wie er hier
gelehrt und gelernt wird, Theil zu nehmen, ohne euch von der Furcht
vor nachtheiligen Folgen abwendig machen zu lassen. Prft jene
hmischen Alltagszweifel: es wird Ansto, Aufsehen, rgerni geben,
es wird nachtheilige Folgen haben; -- prft, und ihr selbst werdet
sie unentscheidend finden. Man kann sich vor der Furcht, und auch vor
der Hlfe frchten. Soll eine verwerfliche Einrichtung der Dinge,
und wenn sie tausend mahl tausend Jahre gewhrt htte, auch bei dem
unbehaglichen Gefhl des Nachtheiligen, bei der gewissen Aussicht einer
besseren Zukunft, darum noch ungestrt fortdauern, weil ihre Abnderung
mit Schwierigkeiten, vielleicht mit anscheinend bedenklichen Folgen,
verknpft seyn _kann_? Wre je in der Welt etwas Groes unternommen
worden, wenn wir das Fr und Wider so ngstlich abgewogen htten?
Wre der Mensch da, wo er gegenwrtig ist, htte er je so merkliche
Fortschritte gethan, wenn er, nach der Weise des Elephanten, ehe
er den Fu weiter fortbewegt, ngstlich untersucht htte, ob der
Boden, den er betreten wolle, auch fest sey? -- Ansto! Wie man dies
Wort von weitluftigem Bedeutungsbezirk nimmt. Unsere symbolischen
Vorfahren htten gewi den schrecklichsten Ansto genommen, wenn in
einem Erziehungshause Kinder mit und ohne Vorhaut zusammen gekommen
wren, um an allerlei Unterricht Theil zu nehmen. Welchen Nachtheil
fr das Christenthum wrde man befrchtet haben, wenn ein Abkmmling
des Stammes Juda mit dem Sohne eines General-Superintendenten aus dem
blinden Heiden _Cicero_ Menschen- und Brgerpflichten gelernt htte!
Und wer kennet nicht Staaten, wo dies ohne das leiseste Gerusch der
Eiferer bewirkt wird, und ohne da die Grundfesten des Christenthums
auch nur die mindeste Erschtterung befrchten?

_Die Sittlichkeit wrde Gefahr laufen!_

Wie denn das? Werden nicht schon jetzt Mdchen und Jnglinge von
einem und demselben Geistlichen, zu einer und derselben Zeit, auf
eine und dieselbe Art in der Religion unterrichtet? Die Anstalt ist
schon da; sie darf nur ausgedehnt werden. Und was kann uns behindern,
_die_, denen wir in der Kirche gleiche Rechte mit uns einrumen, in
die Brgergemeinschaft aufzunehmen? Werden Mdchen und Knaben durch
gemeinschaftlichen Unterricht zu _Christen_ vorbereitet, warum sollen
wir sie nicht gemeinschaftlich zu _Brgern_ erziehen? Sollte denen,
welchen die erforderliche Anlage zu Himmelsbrgern zugestanden wird,
der Beruf zur Staatsbrgerschaft abgesprochen worden? Warum leiden in
dieser Gemeinschule die Sitten nicht, obgleich der Religionsunterricht
in Jahren ertheilt wird, wo der Geschlechtstrieb uerst reitzbar ist?
Sind die Schler und Schlerinnen dort nicht eben so wie hier unter
Aufsicht? wird ein kluger Lehrer und Erzieher den Veranlassungen zur
Erweckung des Geschlechtstriebes nicht berall geschickt auszuweichen
wissen, und jede Belehrung ber die knftige Bestimmung seiner Zglinge
so einzulenken verstehen, da die Folgen nicht schdlich, sondern
segensreich ausfallen?

_Wird das andere Geschlecht unseren Erwartungen entsprechen? wird es
unsere Bemhung lohnen?_

Wir wollen also erndten und uns der Mhe berheben, zu pflanzen? Auf
welche Art werden wir uns von der Tragbarkeit des Bodens versichern,
wenn wir ihn nicht anbauen? Hat denn nicht bis itzt jeder Boden dieser
Art den auf ihn verwendeten Flei gelohnt? und drfen wir hier einen
andern Erfolg befrchten, wenn wir es unserer Trgheit nur abgewinnen
knnen, einen ernstlichen Versuch anzustellen? In Alles was die Natur
hervorbrachte, legte sie Keime, die nur einer Veranlassung bedrfen,
um entwickelt zu werden. Wrden nicht die Weiber jedem brgerlichen
Stande, zu welchem man ihnen Zutritt vergnnte, Ehre machen? Und
welches brgerliche Geschft knnte, so lange sie durch ihre besondere
Geschlechtsbestimmung nicht daran behindert wrden, unter ihren
wohlwollenden Hnden sich schlechter befinden? Mte das Ganze wegen
des Wetteifers, der zwischen beiden Geschlechtern entstehen wrde,
nicht unendlich gewinnen? Nicht die Nymphe _Egeria_, welche _Numa_
selbst, nicht _Pythia_, welche die Helden des Alterthums um Rath
fragten, wenn sie Gesetze geben, wenn sie Lnder erobern wollten, nicht
die _Aspasien_ und _Phrynen_, zu denen ein _Perikles_, ein _Sokrates_
in die Schule ging, um Weisheit und Regierungskunst zu lernen --
sollen sich hier der Beispiellehrsthle bemchtigen. Jene hat die
Fabel in ein therisches Gewand gehllt und sie unserm Auge zu weit
entrckt, als da wir sie noch ferner dem Geschlechte zum Vortheil
anrechnen knnten, ob sie gleich seinen Namen fhren und keine Fabel
ohne Wahrheits-Ingredienz anfngt und vorhanden ist -- So hie der
Grosoncle eines von den weltberhmten Lgnern neuerer Zeit, _Josephs
Balsamo_, der sich _Graf Cagliostro_ nannte: _Cagliostro_ -- Lauter
Lgen halten so wenig zusammen, da nie etwas Vernnftiges, etwas
Ganzes herausgebracht werden kann -- Will man den potischen Tugenden
jener weiblichen Heldennamen keine Glorie und keinen Ehrenschein
einrumen -- immerhin! wir haben auch prosaische Beispiele, um
auer Zweifel zu setzen, da, ungeachtet das weibliche Geschlecht
(wenn gleich nicht durch ein frmliches Gesetz, so doch durch ein
stillschweigendes bereinkommen, welches oft noch grausamer und
drckender ist) von der Stoa, der Akademie und dem Prytaneum entfernt
gehalten wurde; ungeachtet man den Weibern die Schulen des Unterrichtes
und der Weisheit verschlo, sie dennoch Gelehrte und Weise unter sich
aufweisen knnen, die ihre Namen durch Thaten und Schriften unsterblich
gemacht haben. Es wrde nicht schwer fallen, in vielen Fchern des
weitluftigen Gebiets menschlichen Wissens und menschlicher Kunst
weibliche Namen aufzufinden, die sich einen Anspruch auf Achtung und
Ruhm erwarben. Schon erwies ich einigen in so weit Gerechtigkeit,
als sie sich durch groe Eigenschaften auszeichneten. Wohlan! die
Geschichte mag auftreten, und uns bezeugen, welchen wichtigen Antheil
das weibliche Geschlecht an der Ausbreitung der christlichen Religion
nahm, und wie gro in dieser Rcksicht sein Verdienst um Sittlichkeit
und Aufklrung ist! Der Stifter dieser wohlthtigen, die Rechte
der Menschheit vertretenden und menschenfreundlichen Religion (die
sich so himmelweit von jenen _heidnischen Culten_ unterscheidet,
welche ber die Gtter die Menschen vergaen, und eben so von den
_Jdischen_, die den Menschen durch ueren Zwang allmhlich zum
Geiste der Tugend gewhnen wollten, aber das Volk, bei der besten
Absicht seines Heerfhrers _Moses_, in der Wste der Heuchelei und
der uerlichkeit lieen, ohne da es je das moralische Kleinod
erreichte, wozu diese Umwege es anlegten) unterrichtete die _Schwester
seines Freundes Lazarus_, und gab der _Maria_ vor der blo huslichen
_Martha_ den Vorzug: _Maria hat das beste Theil erwhlt, das nicht
von ihr genommen werden soll_. Die Geschichte der Apostel gedenkt
einer frommen _Tabea_, die sich nicht nur durch ihren Wandel unter
den Neubekehrten auszeichnete, sondern auch thtigen Antheil an der
Ausbreitung der Lehre nahm, die sie angenommen hatte. Nennet die
Kirchengeschichte nicht eine Menge von Weibern, die mit Heldenmuth
ihren Glauben bekannten, und sich weder durch Martern noch Verheiungen
in ihrem Bekenntnisse wankend machen lieen? die bei dem Verzicht auf
alle Hoheit, auf Ehre und berflu, unter Verachtung, Hohn, Mangel und
Verfolgung ihrer berzeugung mit unerschtterlicher Standhaftigkeit
anhingen? Der Stifter der christlichen Religion bewundert so oft das
glubige Zutrauen des andern Geschlechtes zu seiner Lehre, und hat
dasselbe so wenig von der Theilnahme an den Vorzgen der vernnftigen
lauteren Milch seines Unterrichtes ausgeschlossen, da er es vielmehr
mit auf die Erhebung desselben und auf Befreiung von den Ketten,
die es trug, angelegt zu haben scheint. Und in der That, wenn diese
Religion in ihrer reitzenden kindlichen Gestalt erscheinen will --
zeigt sie sich nicht in Kindern und ihren Pflegerinnen, den Weibern?
Weibliche Herzen sind, wenn ich so reden darf, mit den Lehren dieser
Religion gleichsam amalgamirt; denn in Wahrheit, die hchste Stufe
der Menschheit ist nicht speculirende Vernunft, nicht Philosophie
allein, sondern ein gewisses Etwas, das, wenn es Regierungskunst heit,
eine Kunst ist, der die Natur selbst sich unbedenklich unterwirft
-- Ein khler Trunk kann Lebensgeister zu der Wohnung, die sie fast
schon verlassen hatten, zurckrufen, kann aber auch ein Gift fr
den erhitzten Wanderer werden: Das Schwert, das uns beschtzt, wird
leicht unser Mordgewehr. Die gebildete Freiheit, die sich so sehr
von der unregelmigen und von dem hchsten Grade derselben, der
Zgellosigkeit, unterscheidet, knnte _christliche Freiheit_ heien.
Und ihre Schule? -- ist die Schule der Weiber. -- Wenn Mnner mit
Verzichtleistung auf ihre Strke, die so leicht in Leidenschaft
ausartet, eigentliche Christen werden, und Selbstrache, Blutvergieen,
alle Machtsprche und Machtbeweise aufopfern sollen; so whnen sie, da
sie bei diesen christlichen Tugenden ihr Geschlecht einben -- Es ist
schwer Gutes zu wollen und zu thun, wenn das so leicht auszufhrende
Bse noch obendrein Ehre bringt -- Ich mag diesem Gegenstande
wohlbedchtig nicht nher treten -- -- --

berall wo Genieflug und Kunstflei der Menschen hinreicht, treffen
wir Weibernamen an, die um den Preis ringen. Es sind nicht Weiber,
die auf einem ganz entgegen gesetzten Wege ihre Eitelkeit zu
befriedigen suchten, weil sie auf dem geschlechtsblichen nicht
fortkamen; sondern solche, die, von ihrem Geiste getrieben, jene
Krfte anlegten, welche die Natur ihrem Geschlechte so reichlich
und tglich gespendet hat. Welch eine ehrenvolle Stelle nimmt _Anna
Comnena_ unter den Byzantinischen Geschichtschreibern ein! Die
_groe Tochter Heinrichs des Achten_, die England nicht durch das
Parlament regierte, sondern deren Wink fr dieses, Staatsgesetz war,
vor der es die Knie beugte, die, wenn sie gleich nicht den stolzen
_Philipp_ so doch seine unberwindliche Flotte berwand, hat eine
ihr wrdige Geschichtschreiberin an der _Keraglio_ gefunden. In den
Jahrhunderten der Unwissenheit, wo tiefe Mitternacht die Vlker
Europens von einem Ende bis zum andern bedeckte, wo alle Sehnen des
Geistes vllig abgespannt waren, versuchte es die Nonne _Roswitha_,
das heilige Feuer der Gelehrsamkeit wieder anzuznden. _Die Dacier_
und _die Reiske_ thaten sich durch Sprachkenntnisse hervor; und wie
viele machten sich nicht in England, Frankreich und Deutschland durch
Schriftstellertalente berhmt? Wem sind die Namen einer _Macaulay_,
einer _Genlis_, einer _Sevign_, einer _la Roche_ unbekannt?

_Weiber entdeckten nichts, erfanden nichts. Es gab unter ihnen keinen
Newton -- keinen_ -- -- --

Und warum? war es nicht ein Ungefhr, das von Anbeginn unter Menschen
Erfindungen zu Stande brachte? Schien nicht die Natur bei allen
menschlichen Erfindungen sich den Haupttheil zu reserviren? legte _sie_
nicht dies beste Brot vor das Fenster? Wurden jene Entdeckungen und
Erfindungen nicht den Erfindern und Entdeckern in die Hand gespielt?
Lag es an Weibern oder an der ihnen verweigerten Gelegenheit, wenn sie
hier zurckblieben? -- Man rume ihnen Kanzeln und Lehrsthle ein,
und es wird sich zeigen, ob sie (der schuldigen Achtung fr _Paulus_
unbeschadet, welcher nicht will, da die Weiber in der Gemeine sich
sollen hren lassen) nicht eben so gut unsere berzeugung zu gewinnen
wissen. Ohne allen Zweifel werden sie sich einen noch leichteren
Zugang zu unserm Herzen bahnen. Schon sind uns hier die Quker mit
ihrem Beispiele vorgegangen. Die Predigten der Weiber wrden sich zu
den Predigten vieler unserer Seelenwchter sehr oft verhalten, wie die
von _Bourdaloue_ zu denen von einem Stmper seiner Zeit: Wenn dieser
predigte, ward _gestohlen_; wenn jener auftrat, ward _wiedergegeben_.
So wie es bei Krpern eine Ansteckung giebt, so auch bei Gemthern
und Seelen; und wenn es allgemein nicht unrichtig ist, da schon in
den _Augen_ Tod und Leben liegt, und da gewisse Leute vermittelst
derselben beides, tdten und lebendig machen, knnen: so ist dies
besonders der Vorzug der Weiber -- Die ganze Zauberei scheint sich
aus den Augen herzuschreiben -- Auge und Athem sind die Seelenvocale
der Liebe und des Hasses; und wer versteht die Augensprache besser
als die Weiber? Sie knnen vermittelst derselben lange Reden im
Zusammenhange halten; und wer ist, der von dieser Beredsamkeit nicht
ein Zeugni abzulegen im Stande wre? -- Sind es aber blo die Augen,
die bei den Weibern reden? Das ganze Leben der Weiber bestehet mehr
im Reden als im Handeln: ihre Reden sind gemeiniglich Handlungen;
und wenn wir einen Mann verachten, dessen Leben eher ein Lexikon als
eine Geschichte vorstellt, so ist dies nicht der Fall bei dem schnen
Geschlechte, das gewaltiglich spricht -- Das Leben eines Weibes wrde
ein Conversations-Gemhlde seyn -- wie bewunderungswerth ist es,
selbst in anscheinend unwichtigen, oder so genannten Nebenfllen!
Was Weiber _sagen_, fliet oft weit mehr aus ihrem Herzen, als das,
was Mnner _thun_; und so haben ihre Reden fr den denkenden und
empfindenden Menschen auch oft mehr Interesse, als viele Handlungen
der Mnner. Durch Reden kann man, wenn ich mich so ausdrcken darf,
seinem Gedankengemhlde ein gewisses Colorit mittheilen; und wie viele
Nancen giebt es hier, wenn man blo bei seinem Herzen Unterricht
nimmt! Man sollte frchten, da Weiber, an Toiletten gewhnt, ihre
Gedanken und Empfindungen an diesem Altar durch Putz verderben wrden.
Nein! diese Seelen-Toiletten berlassen sie gern unserm Geschlechte
-- Selbst wenn viele unter ihnen von Amts- und Geschlechtswegen
Musterkarten des modischen Putzes und der gng' und geben Hofeitelkeit
werden mssen, verndert ihr Ausdruck nicht seine Natur; Milch und
Honig bleibt ihre Rede. -- -- Heit Genie Weisheit? Wrterkram und
Sophisterei Vernunft? Alles was nicht auf gesunden Menschenverstand und
moralische Religion berechnet werden kann, ist nicht wahre Weisheit
und chte Vernunft. Falsche Perlen und Glanzgold, womit Weiber ihren
Krper schmcken, berlassen sie in Hinsicht des Geistes den Mnnern
-- Die tiefste Wahrheit kann in eine Volks-Idee gekleidet werden,
und eine Wahrheit, die kein _Sokrates_ in das gemeine Leben bringen
kann, ist nicht viel mehr als Sophisterei, womit man seinen Kopf
nicht verderben und sein Herz nicht verflschen sollte -- Weiber
sind geborne _Protestantinnen_, und haben die Religion der Freiheit,
die Anweisung Gott im Geist und in der Wahrheit anzubeten. Bei dem
systematischen Gerste der Religionslehren finden sie kein Interesse,
und schwerlich werden sie je durch Doktorhte in der Gottesgelahrtheit
gereitzt werden. Sie legen es nicht darauf an, Gottes Existenz zu
erweisen; vielmehr sind sie dem Neumonde von Philosophie anverwandt
und zugethan, der den unerweislichen Gott fr ein Postulatum der
Vernunft erklrt, weil er zu unserer Glckseligkeit nothwendig ist.
Wer gewisse Dinge erweisen will, sagte _Frau v._ **, zweifelt
entweder selbst, oder will den Zweifeln Anderer mit Hflichkeit
zuvorkommen. Ein theures wahres Wort --! Das Minimum von Glauben, ein
Glaubens-Senfkorn, und die Vorstellung von der Mglichkeit der Existenz
Gottes, ist hinreichend, um _Alles_ aus uns zu machen, was aus uns
gemacht werden kann, und unsere Tugend menschenmglichst untadelhaft
und rein darzustellen in der Liebe -- Der Zweifel anderer, besonders
in gutem Geruch stehender, kluger Mnner verwickelt oft wider Denken
und Vermuthen (knnte man nicht sagen: wider Verstand und Willen?)
in Zweifel -- Weiber haben Gott _im Herzen_; und da sie wohl wissen,
da wegen der zweckvollen Einrichtungen der Natur die Grundursache
als verstndig gedacht werden mu: so kmmert es sie nicht, wie viel
oder wie wenig die speculative Vernunft zu diesem Glauben beitrage.
Der moralische Beweisgrund (er verdiene den Ehrennamen _Beweis_ oder
nicht) wirkt in ihnen einen lebendigen Glauben. Wie viele haben Gottes
Existenz tapfer demonstrirt und durch ihr Leben diese Demonstration
noch tapferer widerlegt! -- Seinen Willen thun, bleibt der beste
Beweis, da er sey. Das grte Problem ist, den Menschen den _Willen_
beizulegen; an _Einsicht_ fehlt es ihnen weniger. _Franklin_, ein
Mann, degleichen weder das Griechische noch das Rmische Alterthum
aufzuweisen hat, sagte: Gbe es einen Gottesleugner, er wrde sich
beim Anblick, von _Philadelphia_, einer so wohleingerichteten Stadt,
bekehren; und die Erde, _diese groe Stadt Philadelphia_, sollte
so viel nicht ber den Gottesleugner vermgen, so bald er aufhrt,
Alles nach seiner, eigenen kleinen Elle zu messen? Nicht auf unsere
Meinungen, sondern auf das kommt es am Ende an, was diese Meinungen
aus uns machten. -- -- Das Glck der Unschuld, die Wrde der Natur,
der Drang nach Freiheit, die Freude eines stillen Lebens, der hohe
Werth der Kunst sich in sein Schicksal zu finden, sind Hauptgegenstnde
der Weiber. Wie man aus dem Umgange den Menschen kennt, so bestimmen
seine Lieblingsgegenstnde seinen Verstand und seinen Willen -- Jene
Verschiedenheiten des Ausdrucks, jenes Zurckhalten, ist bei Weibern
nicht wie bei uns Heuchelei; um Alles wrden sie gewisse Dinge nicht
sagen, einer gewissen sittlichen Reinheit der Sprache nicht ungetreu
werden, und in plumpe Zweideutigkeiten und Zoten fallen, wenn auch
diese Sittsamkeit und Enthaltung weniger Reitze htte. Die Keuschheit
des Krpers ist mit der Keuschheit der Seele und der Sprache in genauer
Verbindung -- Weiber kennen so wenig die Regeln als die Grnzen der
Sprache, berschreiten die ersteren, und erweitern die letzteren --
Wie manche glckliche Bereicherung hat die Sprache ihnen mittelbar
und unmittelbar zu danken! Das Mittelmige kann im Geschlechte gar
nicht aufkommen; was sich unterscheidet, ist vorzglich -- Sie reden
zwar noch, wenn sie schweigen; keiner ihrer Blicke ist sprachlos;
ihre unarticulirten Ausdrcke der Leidenschaften, wodurch Menschen
tief in das Herz der Menschen dringen, sind unberwindlich --:
allein, wer ist beredter als sie, wenn sie wirklich sprechen! -- Jene
sprachlose Beredsamkeit kann weiter Niemand als sie auf Worte bringen
und bersetzen. Mnner sagen oft nichts, wenn sie zu viel sagen, so
wie man nichts beweiset, wenn man zu viel bewiesen hat. In den Worten
der Weiber, auch wenn sie berflieen, liegt Absicht, Gewicht und
Nachdruck. Auge und Sprache sind Ein Herz und Eine Seele, und Weiber
haben nicht nur in ihrem Blick, in ihrem Auge und auf ihrer Zunge Hlle
und Himmel, Leben und Tod, Wohl und Wehe; sondern selbst ihr Hren ist
von der uersten Bedeutung -- Sie hren anders als wir; und wer kann
den Einflu leugnen, den das Gehr auf unsere Rede behauptet? -- Ich
kenne einen schwer beamteten vornehmen Mann, der in dem Rufe steht,
da er alle Menschen hre; auch hrt er wirklich Alles, was sich in
seinem Vorzimmer hren lassen will: und doch klagt alle Welt, da er
nicht hre; -- entweder ist er zerstreuet oder unfhig zu verstehen.
Es giebt eine moralische Taubheit bei dem besten physischen Gehr --
Man kann gtig und gerecht, unfreundlich und zuvorkommend hren -- Der
schchterne bescheidene Jngling zieht aus dem geneigten Gehr seines
Beschtzers Muth und Leben, und man kann abhren, anhren, aufhren,
aushren und beim Hren in eine Art von Horchen fallen, welches durch
das Ohrenspitzen in Verlegenheit, wo nicht gar in Verwirrung, setzt --
Weiber sind Meisterinnen in der Kunst zu hren, Original-Hrerinnen,
und ich wei nicht, ob sie im Hren oder im Sprechen strker sind. Es
ist leichter, mit dem Publico, als mit dem Cirkel fertig zu werden,
worin man lebt, wenn dieser Cirkel aus witzigen Weibern besteht; und
nicht der Mnner, sondern der Weiber halben bleib' ich anonymisch, so
sehr auch meine Schrift den Weibern das Wort zu reden scheint. --

Die Weiber sind viel zu sehr Kenner des menschlichen Herzens, als da
sie nicht wissen sollten, auch die verborgensten Falten desselben
auszusphen, Leidenschaften zu erregen oder dem Ausbruche derselben
zuvorzukommen. Wer wei mehr als sie, ihre Wuth zu besnftigen, je
nachdem es ihre Absichten erfordern! und gewi wrde es ihnen auf
dieser Bahn besser glcken, als den berhmtesten Demagogen. _Rom_
wrde vielleicht bald nach seiner Entstehung wieder in sein voriges
Nichts zurckgefallen seyn, wenn die neuen Rmerinnen sich nicht
ihrer Ruber angenommen, und die entrsteten Sabiner beruhigt
htten. Was wr' aus _Coriolan's_ Vaterstadt geworden, wenn die
Mutter den Sohn nicht besnftigte? Ohne den Rmischen Stolz und die
edle Aufforderung eines Weibes (_Margarethe Herlobig_) wre der
Schweizerbund vielleicht nie zu Stande gekommen -- Die berredungsgabe
eines Weibes bertrifft Alles, was Kunst je geleistet hat. Und ihre
Lehrmethode? In Wahrheit, Weiber sind uerst lehrreich: sie sind so
groe Lehrerinnen, als Erzieherinnen. Wer Weiber blo auf Gefhle und
Empfindungen reducirt, kennt weder Gefhle, noch Empfindungen, noch
die Weiber. Oder wie? lehrt das Herz etwa den Kopf? verleihet das
Gefhlsvermgen dem Erkenntnivermgen evidente Gefhle zum Vergleichen
und zum Entscheiden? Stammt das moralische Gefhl, wenn es anders ein
wirkliches Etwas seyn soll, nicht aus der Vernunft? Mu nicht der
Kopf dem Herzen Grundstze so eigen machen, da es die Achtung fr
das Gesetz als Gewohnheit, als Gefhl ansieht? -- Das Herz, unbelehrt
von der Vernunft, kann wenig oder nichts ausrichten; es mu geistisch
gerichtet seyn -- Wenn der Philosoph, der Wortfhrer der Vernunft,
nicht wre; was wrde der Dichter, der sich nach dem Haufen richten und
selbst zu Volksunarten sich herablassen mu, Gutes stiften? Der Dichter
mu seine Weihe im Tempel der Vernunft erhalten und die sesten
Gefhle an Grundstze knpfen, wenn er unsterblich seyn will. Weiber
verstehen jene Chemie, die man die hhere nennen knnte, Grundstze
in Gefhle aufzulsen, und das, was der theoretische Hexenmeister
der Philosophie in schweren Worten ausdrckt, zur Leichtigkeit einer
Gewohnheit zu bringen -- Weiber haben Sitten, Mnner Manieren: diese
werden durch Erziehung erworben, durch Nachahmung erlernt, durch
Umgang mitgetheilt; jene hangen von Herz und Vernunft ab. Man sagt:
Weiber wren krglicher in ihren Wohlthaten, und an sich und von
Natur geitzig. Nicht also; ihre Neigungen des Wohlwollens entstehen
aus Grundstzen, nicht aber aus dem vorbergehenden Rausche des
Mitleidens, wie es sehr oft bei uns der Fall ist. Seht! wie schn
wissen sie selbst bei angestammter Etiquette, bei den patentisirten
Manieren noch zu modificiren! Auch sogar bei der Liebe halten sie sich
nicht an das Formular und an die Agende.-- Wir haben unsern _Kubach_,
und alles ist in _bekannter Melodie_ -- Von Weibern knnte man sogar
sagen: _sie lieben insgesammt, doch jede liebet anders_. -- Zur
Hoffnung haben sie eine auerordentliche Anlage; berall wollen sie
Aussicht: ein Garten, der sie ihnen raubt, ist ihnen ein Gefngni --
Die gndige Frau ist in guter Hoffnung, heit: sie wird bald Mutter
werden --. Wir wollen alles frhlich um uns haben, wenn _wir_ es sind,
und legen diese Frhlichkeit unserm Cirkel so nahe, da, er mag wollen
oder nicht, er einstimmen mu -- Weiber machen Alles frhlich, wenn sie
es sind. Alle ihre Feste sind Erndtefeste, Laubhttentage, welche die
Natur geheiligt hat; bei den unsrigen werden Kanonen gels't -- sie
knnen sich ohne Tafelmusik behelfen. (Der leibliche, geistliche und
ewige Tod aller Unterhaltung.) An Gott denken, heit ihnen Andacht;
-- an sich denken, heit ihnen sterben lernen, und philosophiren sich
verlieben; und wer so denkt der denkt wohl! -- wer so handelt, ist
nicht auf unrichtiger Bahn --

Sprachen sieht man nicht ohne Grund als den Schlssel zu dem Magazin
aller Kenntnisse und alles Wissens an, und eine jede Sprache, die wir
erlernen, ist ein Schatz des Wissens, den wir fanden. Sprachen zu
lehren, wird ein besonderes Talent erfordert, welches seltener das
Theil und Erbe der Mnner, als der Weiber, ist. Unsere zeitherige
Schulmethode Sprachen zu lehren, ist gewi nicht von Weibern erfunden;
denn kaum wrden diese mit der Grammatik den Anfang gemacht haben.
Seht da den Lehrer, der es sich Lasttrgermhe kosten lt, Kindern
begreiflich zu machen, warum der Rmer die Wrter in seiner Sprache so
und nicht anders auf einander folgen lie! seht da den Schler, der
etwas begreifen soll, das schlechterdings unbegreiflich ist, so lange
er nicht wei, wie die Rmer ihre Sprache redeten oder schrieben.
Bleibt die Kunst eine Sprache sprechen zu lehren, nicht vorzglich
den Weibern eigen? und sollte ihnen nicht der Sprachunterricht
ausschlielich berlassen werden? Gedchtni, Einbildungskraft, und ein
gewisser Geist fr das Detail scheinen, wenigstens so lange sie wie
jetzt sind, vorzglich ihr Eigenthum zu seyn. Giebt es viele Beispiele,
da man bei einem Sprachmeister die Franzsische Sprache mit Fertigkeit
sprechen lernte? Wer nicht ihretwegen eine Reise nach Frankreich that,
lernte sie von Mutter oder Gouvernantin. Kaum hat der Mann angefangen,
Materialien zu begreifen und anzufassen, so will er schon zusammen
setzen, generalisiren, Capitalien machen; -- allmhlich zu sammeln,
dauert ihm zu lange. --

Wer kann den Weibern ein gewisses Kunstgefhl absprechen? und scheint
nicht weniger der Mangel an Anlagen, als ihre zeitherige Lage, Schuld
zu seyn, da sie so wenig Vorzgliches in den schnen Knsten und
Wissenschaften leisteten? An dem reitzenden Schauspiele ringender,
wenn gleich oft auch unterliegender, Krfte ist uns zuweilen mehr, als
an der Entscheidung und an prahlenden Siegen gelegen; und schlummert
nicht zuweilen auch selbst der groe _Homer_? Werden nicht selbst sehr
wache Augen vom Schlaf berwunden? schlft nicht zuweilen _Brutus_?
Schne Knste und schne Wissenschaften erfordern einen weiten
Spielraum, leiden keinen drckenden Zwang, und gedeihen nur da, wo der
Geist, sich keiner Fesseln bewut, das Gebiet der Einbildungskraft,
jenes Reich der Unsichtbarkeit, durchkreuzen kann. Auch bei der
grten Empfnglichkeit fr schne Formen und Gefhle, auch bei der
glcklichsten Organisation, wird, so lange der jetzige Druck dauert,
nichts Groes, nichts Vollendetes das Theil der Weiber seyn; eben
so wenig wie der Griechen, die bei den nmlichen Anlagen, bei dem
nmlichen milden Himmel, nie etwas, den unerreichbaren Meisterstcken
ihrer Vorfahren hnliches hervorbringen werden, so lange ihr Nacken
noch in das eiserne Joch der Trken eingezwngt bleibt. Wie wr'
es mglich, da das weibliche Geschlecht, so lang' es im Kficht
eingeschlossen ist, und ein schndes Vorurtheil seine Flgel lhmt,
sich in die hheren Regionen aufschwingen sollte? Die Seele pflegt
schwach zu seyn, wenn der Leib es ist, und Sklaverei erlaubt ihren
Gefesselten keinen Flug eine Spanne hoch ber die Erde. Doch zeigten
_Einige_, da sie Eines Geistes Kinder mit Mnnern wren; und irre ich
mich, oder ist es gewi, da sie weniger nach jedem Fnkchen eines
fremden Lichtes haschten, um es aufzufangen, als wir? Mit gebterem
Verstande, mit geschrfterer Empfindung, mit reicherer Phantasie, mit
festerem Charakter, werden sie reifere Frchte bringen, und in dem
Felde des Schnen, auf das sie ohnehin schon unleugbare Ansprche
haben, Thaten thun -- werth der Unsterblichkeit. Man klagt nicht ohne
Grund: alle Oberideale wren mit dem Heidenthume verloren gegangen;
und da die ins Groe gehende Kunst ohne Ideale nicht bestehen knne,
so schiene es, als ob unsere Dichter und Knstler sich nicht ber die
gemeine und wirkliche Natur zu erheben im Stande wren. -- Vielleicht
ist es dem schnen Geschlechte vorbehalten, sich hier neue Bahnen zu
brechen, und mit neuer verjngter Einbildungskraft zu schaffen was
verloren ging, ohne dem Segen der greren und heilsameren Wahrheit der
christlichen Religion, welche fr alle jene Ideale durch ihren weisen
und beglckenden Einflu entschdiget, zu nahe treten zu drfen.

Unser Geschlecht hat Gelegenheit, so viel von der Prosa der wirklichen
Welt kennen zu lernen, und dnkt sich, die Wahrheit zu gestehen, in
derselben so gewaltig viel, da es nicht umhin kann, der wirklichen
Welt, so _herrlich_ und _schn_ sie auch ist, keinen potischen Stoff
zuzutrauen. Unzufrieden mit Menschen, spricht es: Lat uns Gtter
schaffen, ein Bild, das uns gleich und doch Gott sei! -- Und da wird?
Seht doch, seht! ein Himmel voll Ganz- und Halbgtter, alle zusammen
nicht werth einen einzigen wackern Kerl abzugeben. An den himmlischen
_Harem_ mag ich gar nicht denken, der gewi noch weit weniger ein
einziges braves Weib aufwiegt -- Wozu der Gtterunrath? -- Mhrchen,
sie mgen nun Volks- oder Helden- und Staatsmhrchen seyn, gehren,
sagt man, fr das Kinder- und Greisenalter; wer wird inde diesen
Spielen der Einbildung nicht gern Gerechtigkeit erweisen, wenn sie
zum Ernste der Wahrheit leiten, und von der Vernunft die vollzhligen
Weihen erhalten haben? wer die Imagination nicht ehren, wenn sie
bei allen ihren Avantrier-Eigenschaften ein Sprling der Vernunft
ist? -- Nur thut unser Geschlecht zu oft so uerst nothgedrungen,
eine Abschweifung in das Reich der Mglichkeit machen zu mssen,
obgleich von der lieben Wirklichkeit noch so viel in Rckstand ist;
-- nur will es zuweilen hchst unzeitig die Einflle aus dem Reiche
der Einbildung zu Gesetzen in der Sinnenwelt, die vor uns liegt,
tausendknsteln; nur macht es sich kein Gewissen daraus, die hehre
und mchtige Religion der Vernunft, welche sich bescheidene Flgel
beilegt, mit aller Gewalt zu berflgeln und, ohne sich mit ihr und
der Volksreligion zu berechnen, blo auf Vergngen auszugehen, wo
sich doch die Vernunft ihren Aufsehersitz und ihre Stimme nicht nehmen
lt. Hier ist Stoff zum _neuen Himmel_ und zur _neuen Erde_. Und sag'
ich zu viel, wenn ich behaupte, da dem andern Geschlechte hier noch
ein Richtsteig vorbehalten ist und Palmen, die nicht etwa im dritten
Himmel zu brechen sind, wo man zu unaussprechlichen Worten entzckt
ist -- sondern nicht fern von einem Jeglichen unter uns. -- Genug,
wenn seine Dichtkunst das Herz nicht verfehlt, wenn sie von Herzen
kommt und wieder zu Herzen geht. -- Was soll ein wildes Feuer? Ein
heiliges ist sein Ziel. Nie wird es sich erlauben mehr anzulegen,
und wr' es Cedernholz, als nthig ist, und um die Wette wird seine
Dichtkunst mit der Cultur, Leidenschaften zu lenken und zu zhmen
sich bemhen -- der edelste Beruf der Vernunft und der Dichtkunst!
Grundstze, welche die Vernunft im Allgemeinen lehrt, macht Dichtkunst
durch treffende Beispiele anschaulich. Wovon die Vernunft innerlich
berzeugt ist, das stellt die Dichtkunst in Lebensgre unsern
sittlichen Augen dar, und bringt ein unaussprechliches Vergngen zu
Stande, das einzige, das wir durch kein Opfer erringen drfen -- und
das immer mit in den Kauf geht! -- Wie? dieser heilige Geist sollte
nicht ber das andere Geschlecht ausgegossen seyn? diese Gaben htt'
es nicht empfangen? O, ihr Kleinglubigen! -- als ob der Pegasus
blo fr Mnner wre! Dies so beraus gute Thier, das sich so viel
gefallen lt, sollte keinen Quersattel vertragen? Sollte dieses
Vorurtheil nicht zu bersiebnen seyn? Allerdings. Wie herrlich sind
jene weiblichen Explosionen, die Lieder der Liebe der _Sappho_,
die selbst auch in Deutschland mehr als neun Schwestern hatte, von
denen eine der vorzglichsten (_Karschin_), nachdem ihr der Dichter
FRIEDRICH II vier Gulden verehrt, und _Friedrich Wilhelm II_, der
kein Pot ist, ein Haus hatte bauen lassen, unlngst zu ihrer lteren
Schwester heimging. -- Darf ich mehr als _Elisen_ nennen, um _ihrem
Kopf_ und _ihrem Herzen_ den Rang beizulegen, der beiden gebhrt --
und der durch eine exemplarische Bescheidenheit noch mehr gewinnt?
-- _Angelika Kaufmann_, die Schpferin schner Formen, und mehr
ihres Gleichen waren und sind Mahlerinnen. Der Vorwurf, den man der
_Angelika_ macht, da sie mnnliche Gesichter zu weibisch mahle, ist
nicht ohne Grund; vielleicht nimmt sie hierdurch an unserm Geschlecht
eine heimliche Rache. Man sagt: Weiber wrden nie Meisterinnen im
Portraitiren. -- Da ich nicht wte; *_ra_** trifft zum Sprechen --
zum Hren --. Wr' es in der Regel der Fall, so wrd' ich es mir aus
dem Umstande erklren, da sie immer Zge aus ihrer trefflichen Seele
hineinzeichnen, so wie Mahler der _Venus_ Zge von ihren Weibern und
Tchtern verehren. -- Mahlerinnen wrden in dem Grade die Seelen der
Mnner in ihren Portraiten verschnern oder verklren, wie Mahler die
Gesichter des andern Geschlechtes schminken -- Ist es, weil die Mnner
von der Natur entfremdeter sind, als die Weiber; oder hat die Natur
wirklich zu dem andern Geschlechte mehr Vorliebe und Zutrauen; oder
macht es die Seltenheit, da die Mnner, weil sie zu wenig in die
Heiligthmer der Natur kommen, nicht recht wissen, wie sie mit ihr
daran sind? -- ich wei es nicht. Wer kann inde unter den Mnnern,
er sei Dichter oder Mahler, im Wonnegefhl der Natur, in der Flle
ihres Genusses, darstellen, was er empfindet? -- wer erliegt nicht
unter der Gewalt alles Erhabenen und Schnen, das ihm zustrmt und ihn
entweder in einen Schlummer einwiegt, oder ihn so angreift, da er den
zu groen Eindruck nicht umfassen und entwickeln kann. Der Schlummer
ist ein Beweis der Schwche; und auch aus zu groer Spannung wird man
ohnmchtig. Diese Lagen (sowohl die Schlummer- als die Spannungslage)
darzustellen, ist Manchem unter den Mnnern so vortreflich geglckt,
da, da alle geneigte Leser sich getroffen fanden, diese Darstellungen
als Meisterstcke bewundert wurden. Man erstaunte, da die Kraft der
Kunst in dieser Schwachheit so mchtig war! Hat sich das Feuer des
Eindrucks gelegt, ist man aus einem entzckenden Schlaf erwacht, so
mahlen wir aus dem Spiegel der Zurckerinnerung, und die Natur hat
nicht Ursache, diese Copien fr viel weniger als Originale zu halten
-- Es sieht wie aus der ersten Hand aus, ob es gleich eigentlich aus
der zweiten ist. Weiber knnen im vollen Genusse der Natur diesen
Genu beschreiben; auf das innigste in sie verwebt, verlieren sie den
Ausdruck nie; sie scheinen Ein Herz und Eine Seele mit der Natur zu
seyn, und da sie weder zu hoch gespannt sind, noch in sen Schlummer
versinken, so gebricht es ihnen blo an Dreistigkeit, um ihren
Naturgenu auch Andere durch Darstellung geniessen zu lassen. -- Sie
knnen im ersten Feuer arbeiten, wenn wir uns zuvor abkhlen mssen.
Gewi hatten wir manche weibliche _Ossiane_, wenn wir es wollten; und
was wre unsere _Karschin_ geworden, wenn man ihr nicht die Flgel
der Morgenrthe durch den Unterricht in der Mythologie beschnitten
htte! Die Originalitt gedeihet nur im Schooe der Freiheit; und kann
wohl die Natur durch Weiber vernehmbar seyn, ehe Mnner aufhren, die
Weiber (diese Gefe zu Ehren) zu bevormndern, und ehe Geist, Herz
und Zunge dem andern Geschlechte gelset werden? -- Wozu dies Alles
fhren soll? Mnner, wo nicht aus Pflicht, so doch aus Kunstneugierde
zu reitzen, da sie den Schookindern der Natur die Geistesfreiheit
nicht lnger vorenthalten, ihre Krfte nicht weiter unterdrcken,
und ihre Vernunft durch unzeitige Bldigkeit nicht vor wie nach
zurckhalten. Die Dichter, die Helden, die Weisen der Vorzeit sahen
keine andere Sonne, erblickten keine andere Natur, als wir: Jene
gttlichen Natureingebungen, welche die Uralten hatten, knnen wir noch
neutestamentlich aus Hand und Mund der Weiber mit Danksagung empfahen.
--

_Musik_? So unbestritten die weiblichen Talente fr die Musik
sind; so wird ihnen doch der Vorwurf gemacht, da sie noch keine
Obermeisterin in der Composition aufweisen knnen. Es fehlt ihnen
ohne Zweifel auch hier an Muth, um zu dieser Obermeisterschaft zu
gelangen; schon befriedigt, wenn sie Compositionen der Gromeister
unseres Geschlechtes mit Empfindung ausdrcken, begngen sie sich mit
dem zweiten Range. Das Lied inde kann wrtlich so im Dichter stehen;
die Noten knnen genau getroffen seyn: und doch wird oft weder Dichter
noch Componist sein Werk wieder kennen, wenn es ein Weib singt oder
spielt -- dies haucht ihm eine lebendige Seele ein. _Schaffen_ ist
gut; _erhalten_ nicht minder. -- Mchten Weiber immer beim zweiten
Range bleiben, wenn nur nicht ein neuerer Reisebeschreiber auch
von Kastraten bemerkt htte, da nie Jemand unter ihnen ein groer
Componist gewesen sei. Sollte diese Bemerkung Kastraten und Weiber mit
Recht treffen, so ist die Ursache bei beiden unendlich verschieden.
Kastraten knnen nichts schaffen; Weiber dagegen sind die eigentlichen
Erhalter und Mitschpfer. -- -- Bei dem gegenwrtigen Druck, worin
die Weiber sich befinden, legen sie es blo darauf an, Alles was sie
verstehen, falich und begreiflich zu machen, und das, was wir schwer
ausdrckten, zu erleichtern und in Umlauf au bringen. Sie ebenen die
Wege, verstehen den Strahl der schwersten Ideen zu reflektiren und zu
vervielfachen, das Abstrakteste verstndlich und deutlich darzustellen,
und dem Verachteten aufzuhelfen, so da sie allen Wissenschaften einen
unleugbaren Vortheil gebracht haben knnten, wenn man sie zum Meister-
und Brgerrecht ohne mnnliche Geburtsbriefe zugelassen htte. Die
Behauptung, da es keine Synonime in der Sprache gebe, beweisen sie
meisterlich, wenn gleich das Buchstabiren (eine wirklich mnnliche
Sache) sie wenig bekmmert. Das negative _Un_ wird von ihnen, so wie
die Null im Rechnen, oft so geschickt zum Verstrken des Ausdruckes
gebraucht, da man ber ihre Feinheit und Geschicklichkeit, womit
sie bei Ohr und Verstand alles ins Reine bringen, erstaunen mu! Von
Weibern mu man reden, von Mnnern schreiben lernen. -- Sind Weiber
schon jetzt, da sie blo geduldet werden, und vermittelst Concessionen
und Begnstigungen arbeiten, von dieser Seite so schtzbar; was
knnten sie leisten, wenn sie nicht lnger so unwrdig von dem edlen
Wettkampfe ausgeschlossen wrden! Es ist eine nicht unrichtige
Bemerkung, da verdorbene Beredsamkeit verdorbene Sitten verrth. Da
man aber in dem schnen Geschlechte tausend Lippen findet, die vom
Honigseim einer berzeugenden Beredsamkeit berflieen; so kann es mit
Recht von ihnen heien: wessen das Herz voll ist, geht der Mund ber.
Der Unterricht legt es nicht geradezu darauf an, und kann es nicht
darauf anlegen, aus allen Schlern Meister zu bilden. Auch bedarf es
in der Erziehungsfabrik nicht lauter Meister. Sie bildet Gefe zu
Ehren und zum Haus- und Kammergebrauch; sie beschftigt Meister, auch
die es _secundum quid_ sind, an der Drehscheibe. So ist der Lehrer
schon geschickt, wenn er das Mechanische der Kunst und die Methode
wei, jenes dem Lehrlinge hinzubringen. Hat man nicht Meister gehabt,
denen es nie gelang, geschickte Schler ihrer Kunst zu ziehen? Fehlt
es nicht vielen an der Gabe der Deutlichkeit und, um ein Kunstwort
anzubringen, an der Lehrgabe? und ohne Zweifel noch mehreren an
der unentbehrlichen Lehrtugend, der _Geduld_, die das mnnliche
Geschlecht zwar in seiner Tugendliste rhmlichst mit aufzufhren nicht
unterlt, die inde unserem Geschlechte nur sehr selten eigen ist.
Wir zeigen, da in unserer Garderobe auch unmodische Anzge sind,
nicht um sie zu gebrauchen, sondern um sie zu haben; statt da bei
dem weiblichen Geschlechte Geduld das schnste Hauskleid ist, das ihm
am besten steht. -- Ist die Weibergeduld nicht im Stande, auch aus
dem unfruchtbarsten Boden Keime herauszulocken? Kann der beharrliche
Flei der Weiber nicht selbst dem Verkrppelten, wo nicht eine schne,
so doch eine ertrgliche Form geben, und, wenn nicht Knstler, so
doch Kunstverwandte bilden? Der Vorwurf, den man den Weibern macht,
da sie Neuheit und Wechsel lieben, ist nicht ungerecht; aber nicht
im Geschlechte, sondern im Druck, den wir veranlassen, liegt die
Ursache davon. Das Ausdauern und Beharren ist gewi weniger unsere
als ihre Sache, wenn der Gegenstand es verdient. Wer kann Weibern
jetzt ihre Flchtigkeit bel deuten, wer ihrem Leben es verdenken,
wenn es von ihm heit: sie leben als flgen sie davon? -- Wer? --
In der That, es wren der moralischen Karrikaturen weit weniger,
wenn wir uns entschlieen knnten, dem weiblichen Geschlechte einen
greren Antheil an dem Unterricht und der Erziehung einzurumen.
Und wie? haben Weiber blo den Grazien, ihren Freundinnen, geopfert?
oder sind sie wirklich auch zum Allerheiligsten der Wissenschaften
eingedrungen? In der That, sie wuten sich auch hier Eingnge zu
erffnen, Ehrenstellen zu erringen und sie mit Wrde zu behaupten,
ungeachtet aller Hindernisse, welche Vorurtheile, Herkommen und niedere
Migunst ihren Talenten und ihrem Eifer in den Weg legten. Es wird
nicht viele Wissenschaften geben, die unter ihren Eingeweiheten nicht
einige Namen von Weibern zhlen, welche sich mit ihnen beschftigten,
und zwar nicht blo solche, die von der Oberflche schpften und zum
Zeitvertreibe; nein solche, die ins Innere derselben mit Eifer und
Anstrengung eindrangen, die von dieser Ambrosia der Wissenschaften
nicht blo kosteten, sondern mit dieser Seelenspeise sich sttigten
bis zum Wohlgefallen. Freilich knnen Weiber jener _inneren Freiheit
des Geistes_ genieen, nach welcher sie ihren _Kopf_ eigenbeliebig
anzuwenden im Stande sind -- Wir haben ihn inde dem andern Geschlechte
abgesprochen, und statuiren nur sein Herz, auf das wir Rechnung machen
-- als ob Eins ohne das andere etwas glte! Und wenn Weiber sich
auch ber unser Criminalurtheil wegsetzen wollten und knnten; ist
ihre selbstgewhlte ruhige Geistesthtigkeit vermgend, reifere und
schmackhaftere Frchte zu bringen, da wir die Barbarei haben, uns an
ihren Blthen zu vergreifen? -- Was die Geistesfreiheit, die keine
Geschftsstrung verdirbt, bei den Weibern ausrichten knnte, wird
durch den Schwall von Kunstwrtern und Kunstregeln erstickt, womit
man von Mnner-Seite sich wohlbedchtige Mhe giebt, die Weiber zu
verwirren und verzagt zu machen, so da sie ohne Noth ermatten und sich
aufgeben -- Jammer und Schade! Doch gab es einige, die den Faden nicht
abrissen, die mit Standhaftigkeit sich entschlossen, zu beharren bis
ans Ende; und unter diesen, welche die letzten Gelbde ablegten, fanden
sich sogar solche, die sich zu Vorstehern und Lehrern im Tempel der
Musen weihen lieen. -- In dem bekannten Institut von Bologna lehret
_Laura Bassi_ die Physik, und hlt ihre Vorlesungen in Lateinischer
Sprache; und wie lange ist es, da _Signora Agnes von Mayland_ hier
die Mathematik mit Beifall lehrte? Eben hier bilden _Lilli_ und seine
geschickte _Gattin_ die Muskeln und Blutgefe des Krpers, der Natur
mit so vieltuschender Wahrheit nach. Italien, dieses Land, das
wechselsweise so viel Licht und Finsterni ber die Vlker der Erde
verbreitete, trgt kein Bedenken, Frauenzimmern Lehrsthle zu ffnen.
Unlngst ward in Deutschland ein weiblicher Doktor kreirt (_der Doktor
Schlzerin_); und wrden wir wohl so zuverlssige und betrchtliche
Neuigkeiten vom Firmament erhalten, wenn der unsterbliche _Herschel_
von seiner ihm hnlichen _Schwester_ nicht so unermdet in seinen
Beobachtungen und Arbeiten untersttzt wrde? rzte werden eben so
krank wie Nichtrzte, und die grten Philosophen sind nicht nur oft
unweise, sondern verlieren sich auch zuweilen so in Speculationen, da
sie nicht aus noch ein wissen --. Weiber sind sehr fr innere Wahrheit;
und wenn sie gleich jenes berhmte Ministerphlegma nicht besitzen,
so wissen sie doch mit Klte zu unterscheiden, was blo trockne und
was brauchbare Kenntni ist. Wenn Salz und Laune fehlen, sind ihnen
die reichstbesetzten Tische ein Greuel, und auf die Schauessen der
Philosophen nehmen sie keine Einladung an. -- Freund _Montagne_ geht
inde zu weit, wenn ihn gelstet zu behaupten: er habe zu seiner Zeit
hundert Handwerker und hundert Bauern gesehen, die vernnftiger und
glcklicher gelebt (auch gedacht?) htten, als mancher Rektor auf
einer Universitt (Rektor! als wenn dieser das _non plus ultra_ der
Gelehrsamkeit wre! _Kstner_, _Kant_ und andere unserer ersten Kpfe
sind Rektores, weil die Reihe sie trifft), und habe lieber _jenen_ als
_diesem_ hnlich seyn wollen. (Immerhin! verliert die Gelehrsamkeit
dadurch, wenn einige ihrer Meister nicht Weisheitsbeflissene sind?)
Hat der Rektor der groen Rmischen Universitt, _Cicero_, so ganz
Unrecht, wenn er dem Studieren den Preis ber Alles zuerkennt, was
sonst beschftigen kann und mag? Wie kann man mit grerem und
bleibenderem Gewinne seine Zeit benutzen? Der Handarbeiter, sagt man,
wendet sie an; der Gelehrte vertreibt sie. Ei, Lieber! mssen denn
nicht Feldherren seyn, wo es Krieger giebt? mssen nicht Officiere
berlegen, was gemeine Soldaten ausfhren? -- Durch tiefes Denken
gewhnen wir unsere Seele zu einer Art von Existenz auerhalb des
Krpers; sie bereitet sich durch eine kleine Reise nach _Rekahn_ zu
einer _Cookschen_ vor, durch einen Weg ber Feld zu einem andern --
der uns Allen bevorsteht. Wenn _Cicero_ es nicht ungeneigt nehmen
wollte, da ich seinen guten Geist bei dieser Gelegenheit schon wieder
citire; so sollt' es seinen Ausspruch gelten, da das ganze Leben
des denkenden Mannes eine Todesbetrachtung sei. -- Darf bei diesen
Umstnden das schne Geschlecht Bedenken tragen, mitunter gelehrt zu
seyn --? Ist es aber im Stande Wissenschaften sich eigen zu machen, sie
leicht und mit sichtbarem Nutzen Anderen beizubringen; wie knnt' es
ihm denn wohl an den Talenten gebrechen, seine erworbenen Kenntnisse
auf andere Weise dem Staate zum Besten in Anwendung zu bringen, sobald
der Staat geruhete, den Bann allergndigst aufzuheben, mit welchem ein
barbarisches Vorurtheil es seit Jahrtausenden belegt hat! Htten jene
Ritter, die unter ihren Gelbden die Verpflichtung hatten, Damen zu
schtzen, ihre Grenzen weiter gesteckt; wie unendlich wrdiger wr'
ihr Beruf gewesen! Schade, da diese treflichen Mnner, welche, mit
Ausschlu der _irren_ unter den _irrenden_, die edelsten und klgsten
ihres Zeitalters waren, nicht, anstatt Weiber zu schtzen, sie ber
diesen Schutz erhoben! -- Ist der Schleichhandel zu verkennen, der,
aller jener Verbote ungeachtet, vom andern Geschlechte getrieben
wird? oder ist nicht vielmehr der groe Einflu sichtbar, den das
weibliche Geschlecht zu allen Zeiten auf alle brgerliche und
Staatsangelegenheiten behauptet hat? Wenn es auf groe Plane ankam, die
ausgefhrt oder rckgngig gemacht werden sollten, waren es Weiber,
welche die Hauptrolle bernahmen. Bei Weisen und Thoren, Regenten
und Priestern, Staatsmnnern und Mnchen waren sie wirklich geheime
Rthe; sie gehrten jederzeit zum geheimen Ausschusse des Staatsrathes,
dessen Dekrete das Plenum blos mit Curialien versah -- und dem es
Sekretariendienste erwies. -- Und wem ist hier ein _dirigirendes
Weib_, wr' es selbst eine Maitresse, nicht lieber als Leithmmel
von Kammerdienern, Hofzwergen, Heiducken u. s. w., die ohnehin nur
Substistuten ihrer Weiber oder ihrer Liebchen sind? Nicht blo mit
dem klingenden Spiel und den fliegenden Fahnen ihres Witzes, nicht
blo durch den vermittelst der Ideen-Association verstrkten Vortrag
wissen Weiber sich Eingang zu verschaffen; ihr zur Beurtheilung
geschmeidiger Verstand vermag Alles -- Wie manchem Tyrannen von
Minister, der mit den Thrnen des Volkes sein Spiel, und mit Glck
und Unglck der Menschen Handel trieb, der Alles drber und drunter
warf, wuten sie auf eine bessere Bahn zu lenken! Weiber halten den
Faden, an dem die Cabinette geleitet werden: sie mischen die Karten,
mit denen die Excellenzen spielen; und so wie neue Hindernisse neue
unberechnete Krfte erzeugen, so gelangten sie oft vermittelst ihrer
Schwachheit zum hheren Grade der Strke -- Ein sanfter gemigter
Charakter ist dem andern Geschlecht eigen -- Die Natur verlieh ihm dazu
groe unverkennbare Anlagen, und nur bei wenig mehr philosophischem
Nachdenken und Ausweichung der Verfhrung, wrde das schne Geschlecht
uns eine gewisse edle unempfindliche Gleichgltigkeit gegen so
Manches lehren, was uns jetzt so leicht auer uns setzt; und diese
Gleichgltigkeit ist ohne allen Zweifel die Krone des diesseitigen
Lebens. Hat die Natur nicht oft den _Correggio_ an der Schnheit und
Sittsamkeit bertroffen, womit er seine Frauenzimmer ausstattete? Woher
nehmen Mahler ihre Engelgesichter? und was ist der Sanftmuth unmglich
-- ob sie gleich sich zuweilen, auch rckwrts zum Ziele zu kommen,
verbunden sieht? Welche scharfe Umrisse, welches lebendige Colorit
geben die Weiber ihren Vorstellungen und den Charakteren, die sie darin
verflechten! Gleich ihr erster Blick trifft das Ungewhnliche bei jeder
Sache, und da dies hnlichkeit mit dem Wunderbaren hat, an welchem
die meisten Menschen so gern hangen bleiben -- ist es Wunder, wenn
sie oft selbst auf das tgliche Brot ein solches Licht fallen lassen,
da es feierlich wird? ist es Wunder, wenn sie das lndliche Mahl zur
Wrde eines hohen Festes erheben? Hhere Deutlichkeit und strkendes
Licht mit mehr Vergrerung zu vereinigen, ist das Ziel, das sie mit
so wenig Mhe und Aufwand erreichen, ob es gleich so berschwenglich
wirkt -- Das andere Geschlecht nimmt in der Regel _fr_, das unsrige
_wider_ sich ein. Jenes ist gut, bis das Gegentheil bewiesen ist; --
von uns heit es: wir sind bse, bis man unser Gutes auer Zweifel
gesetzt hat. Weiber haben einen _Vor_-, wir einen _Nach-_ Geschmack
-- Jene Runzeln, die das Alter von der Weisheit, oder die Weisheit von
dem Alter hat, schrecken weder ihren Witz noch ihren Verstand ab --
und nichts, weder Verstand, noch Schnheit, noch Vermgen, macht sie
schchtern -- Dem Verstande lauern sie sehr auf den Dienst, und finden
bald zu ihrem Troste etwas an Lehr' und Leben der Herren Philosophen
auszusetzen, worber schwerlich etwas einzuwenden ist; und da sie
geborne _Naturalisten_ (im natrlichen Sinne) sind -- wie leicht wird
es ihnen, von _Artisten_ ein Federchen abzulesen! Weit eher als wir,
haben sie Anlage, zu dem von Vorurtheilen und Aberglauben befreieten
Gebrauche der Vernunft zu gelangen -- auf ein Haar wissen sie den
gelahrten Weizen von der gelahrten Spreu zu unterscheiden -- und den
Shakespearschen Ausdruck zu deuten: er redet eine Menge Nichts -- zwei
Weizenkrnlein versteckt er in zwei Bndlein Spreu. Weiber sind dazu
gemacht, den Philosophen, wenn er sich in den Spinneweben des Systems
verlor, (wie ein bekannter Gelehrter sich in seinem eigenen Hause, das
wohl gar ein Familienhaus und vom Grovater und Vater auf ihn gekommen
war, verirrte) an Stell' und Ort zu bringen und zu orientiren; sie
geben ihm, wie _Ariadne_, einen Faden in die Hand, und rufen Jedem
zu, der Lnge und Breite nicht unterscheidet, der das Ruder seiner
selbst eingebt hat: _Vous tes orfvre, Monsieur Josse_! -- Der
Geist jener Philosophie, die der bermenschlichkeit nicht wohl will,
hat schon lange auf ihnen geruhet -- Wer wute es besser als sie, da
weder praktische noch theoretische Vernunft berzeugungen, vom Daseyn
intelligibler, unsinnlicher Gegenstnde zu verschaffen im Stande ist,
und da wir uns in unvermeidliche Widersprche verirren, wenn uns beide
Vernunftarten unsinnliche Gegenstnde feil halten. Weiber fhlen das
Halbwahre von allem jenem, was so gern im Allgemeinen gesagt wird, und
bestehen durchaus darauf, da dergleichen Behauptungen individueller
gemacht werden -- Sie handeln nach nahe liegenden Motiven -- Spieler,
Schiffsleute und alle die durch Glcksflle regiert werden, die
Avantriers nicht ausgenommen, sind zum Aberglauben geneigt -- ist es
Wunder, da die Weiber es weniger als wir sind? -- Die Schnheit bei
einer Mannsperson gilt ihnen durchaus nichts; und wenn man den reichen
Mann in Ehren hlt, weil er, wenn er wollte, helfen knnte, so wissen
sie wohl, da er es nie wollen wird -- Ihre unbefangene Seele findet
berall Weg und Steg; und wer nur ein fleischern Herz hat -- kann der
ihrer Herzlichkeit widerstehen? Die Frau eines Lichthkers hatte kein
Bedenken, an der armen Seele des _David Hume_ ihr Heil zu versuchen.
_Hume_ konnte die Seelsorge, die sie fr ihn hatte, nicht anders vom
inneren Lichte abbringen, als da er ihr versprach, sein ueres Licht
von ihr kaufen zu wollen. -- Vom Philosophen _Terraston_ sagte _Madame
de Lassay_: nur ein Mann von Witz knne ein solcher Thor seyn; -- und
wr' es historisch richtig, da _Karl_ XII an den Senat geschrieben
htte: ich will euch meinen Stiefel schicken, dem ihr gehorchen
sollt; so wrden die Weiber der Herren Senatoren laut gelacht haben.
-- Was doch kluge Weiber von dem weltberhmten Processe des Ehrenmannes
_Hastings_ denken mgen, der fr die Papiermller allein schon so viele
Sporteln abwirft! Nie konnten sie sich des Lachens oder des Weinens
ber die jetzt sanft und selig entschlafende Pariser Policei enthalten,
welche weiland Farcen und unmenschliche Trauerspiele unter den Scheine
der Wachsamkeit und Obhut auffhrte -- Wie war es mglich, in, mit, und
unter dieser elenden Policei sich Ausnahmen von der Wahrscheinlichkeit
der menschlichen Wachsamkeit zu denken! Hier sind wir alle entweder
Frsten oder Dichter, sagte _Voltaire_, als er sich bei einem Frsten
zu Tische setzte; und das ist der eigentliche Ton eines Weibes -- Sie
sind nicht fr Gemhldeausstellungen, wo denn doch auch gegen Einen
Kenner zehn Schuster sich einfinden, die ber den Leisten gehen; sie
wirken zwar im Stillen, doch wirken sie am liebsten ins Allgemeine, wie
die Natur, ihre Schutzgttin -- Oder kann man dies etwa nicht anders,
als wenn man Kanzeln und Rednersthle ersteigt? In der allgemeinen und
sichtbaren Kirche giebt es Lehrerinnen, so wie Lehrer, ohne da beide
examinirt und ordinirt sind --

Es ist dem andern Geschlecht eine schonende Gutmthigkeit im
historischen Urtheil eigen; doch verstehen es Weiber, ein Faktum, so
wie einen Menschen, (immerhin so verwickelt als mglich) aufzulsen,
und zu concentriren. Auch knnen sie jenen Totaleindruck, den
Faktum und Mensch auf sie machen, Andern mittheilen, welches uns
schwerer wird. -- Glckseligkeit ist, so wie Wahrheit und Gottheit,
eine Einheit; diese Einheit in Allem herauszubringen, ist eine
hohe Weisheit, und, wir wollen gerecht seyn -- sie ist den Weibern
eigen. Bei uns wird oft eine Sache, die auch anders scheinen kann,
die diesem oder jenem Sonderlinge wirklich anders vorkam, gleich
zum Gegenstnde eines gelehrten Streites. Da haben wir denn eine
extrafeine Geschicklichkeit, die Zweifelsgrnde bald zu verstecken,
bald wieder sichtbar zu machen, ihrer Gre eine Elle zuzugeben oder
abzunehmen, und die Entscheidungsgrnde mit denselben so abzuwgen,
da, wenn gleich, besonders bei dem Faktum, die beiderseitigen
Wahrscheinlichkeiten einander ziemlich gleich sind, doch die Schale, je
nachdem wir wollen, steigen oder sinken mu. -- Das andere Geschlecht
liebt keine Spielgefechte mit einer langen Linie aufgestellter und
berwundener Argumente -- Eins ist ihm Noth. Nie wird es das Publicum
mit Sophismen ffen: es verliebt sich bei weitem so leicht nicht wie
wir in eine Idee, die im Grunde keinen Gegenstand hat; allein es
frchtet auch dergleichen Gespensterideen weniger als wir -- Gelehrte
und witzige Leute, (Gelehrte in dem Sinne der gelernten Gelehrsamkeit
genommen) blind verliebt in den Gegenstand, dem sie nachjagen, verargen
sich auf diesem Wege kleine Unrichtigkeiten nicht -- Alle Menschen
sind Lgner, heit es in der Schrift; Weiber sind hier wachsamer und
peinlicher. -- Man sagt: starke Wahrheiten wren nur fr gute Kpfe,
(so wie starke Getrnke nur fr cht nervige Menschen sind;) schwache
wrden schwindelig -- Man mache mit Weibern den Versuch, und wir
werden finden, da es keine Wahrheit giebt, die ihr Kopf nicht ertragen
knnte; sie wollen so weit wie mglich -- Wir glauben zu leicht, da
unser Plan regelmig organisirt sey; die Weiber sind leichtglubiger
bei der Ausfhrung -- Sie frchten nichts Hohes, nichts Niedriges,
nichts was Unwissenheit oder Gelehrsamkeit, Witz und Unwitz, Verstand
und Unverstand vermgen; wre ihnen die ausbende Gewalt anvertrauet
-- sie wrden sicher mehr leisten als wir, und, wenn sie snken, es
wie der sterbende _Sokrates_ machen, der, als er seine Fe durch Gift
schon in Leichnam verwandelt fhlte, sie streichelte und mit lachender
Stirne sagte: so nahe grnzen Vergngen und Schmerz an einander; --
oder wie _Seneca_, der Wasser mit seinem Blute vermischt, _Jupiter
dem Befreier_ weihete. Ach, wie oft, wenn mich so mancher Dienst-Nero
bis aufs Blut verfolgte und die Wuth bldsinniger Tyrannen mir zwar
nicht die Ader ffnen lie, wohl aber mir weit hrter fiel, strkte
mich dieses Weihwasser, und das Elogium _Jupiter dem Befreier_! --
Beweis von der Freudigkeit im Tode der Weiber? Beweis! Seht Mnner
und Weiber sterben. Ist Philosophiren sich zum Tode vorbereiten,
so sind die Weiber groe Philosophen; und in Wahrheit, sie sind es
unendlich praktischer als wir. Zwar sagt man: studieren sei sterben
lernen, weil man seinen Geist dem Krper entzieht, ihn ber den Krper
erhebt; allein Weiber haben diese Kunstgriffe nicht nthig, um den Tod
zu hintergehen und ihm das Schwert aus der Hand zu schlagen -- Warum
Fechterknste? Den Tod so ganz wie er da ist verachten, _ist_ Weisheit;
ihn durch Stratageme hintergehen, _scheint_ Weisheit zu seyn. Kein
einziger zieht ein anderes Loos; wir sind Alle zum Tode verurtheilt --
nicht aber als Kriminalverbrecher, sondern als Menschen. -- Kme es auf
Weiber an, sie wrden selten den rzten ihr Lebens- und Todesurtheil
anvertrauen, und sich von ihnen das Leben absprechen lassen --
Mitrauisch gegen die Kunst _Galens_, haben sie Alle eine Neigung,
sich, wenn ja noch etwas seyn soll, einem Unznftigen anzuvertrauen.
Ich mu und ich will, ist ihnen fast einerlei; -- und soll es auch
nicht also seyn? Jene Grundstze einer bekannten Sekte: entweder
Vernunft oder Strick -- entweder sich ins Leben schicken oder es
verlassen, sind den Weibern wie angeboren. Nur _der_ kann frei leben,
sagte ein Weiser des Alterthums, der den Tod zu verachten wei. Wie
viele Freiheitsanlagen sind den Weibern bei ihrer Todesgleichgltigkeit
eigen! Sollte man sie etwa eben dieser Anlagen halben so sorgfltig
von der Freiheit entfernen? Nur der, welcher mehr auf sich selbst als
auf die Freiheit hlt, besitzt eine Sklavenseele, und ist unwerth
der Freiheit. Sind die Weiber in diesem Falle? -- Wenn die Weisheit
verdrielich macht, wer wird Lust und Liebe zu ihr haben? Dies Leben
ist ein Geschenk; lat uns jeden Tag als eine Zugabe ansehen, auf die
man nicht zu rechnen im Stande war -- Was heute geschehen kann, mu
man nicht auf morgen aussetzen; so denken Weiber; und allerdings tragen
ihre krperliche Schwchlichkeit, die Einschrnkung ihrer Freiheit
diesseits des Grabes, und das Verhltni, das ihnen nicht das Schicksal
sondern die Mnner zumaen, zu ihrer Lebensgleichgltigkeit bei.
Vorzglich aber bewirken sie jene greren Leiden, welche die Natur
ihnen als Menschen auferlegte, wogegen die Mannspersonen, zu einiger
Entschdigung, sich grere brgerliche Lasten aufgebrdet zu haben
scheinen -- Viel Glck, _Diogenes_! sagte der Philosoph _Speusippus_,
der wasserschtig war und sich tragen lie. Wenig Glck! antwortete
_Diogenes_, da du das Leben in einem solchen Zustande ertragen
kannst. -- So selten inde weibliche Thrnen Murren und Unwillen
anzeigen, und so oft sie ein leise gewagtes sanftes Sehnen nach mehr
brgerlicher Freiheit sind; so hilft allerdings auch der berdru
eines Lebens, das kaum diesen Namen verdiente, ihren freudigen Weg zum
Grabe ebnen. Da es in der andern Welt gewi nicht schlechter fr sie
seyn knne, ist die Nativitt, die sie sich bei ihrem Ausgange aus
dieser Welt (wahrlich fr sie einem Jammerthale) mit vieler Gewiheit
stellen -- Der Tod ist ihr Jupiter der Befreier -- Sie schaffen sich
eine andere Welt, wo Gerechtigkeit wohnt -- wo sie auf Rosen unter
einem heiteren Himmel wandeln -- ein elisisches Idyllenleben --!
Sanfte rhrende Schwermuth und leise Schwrmerei helfen ihnen die
Welt und sich berwinden -- und des Lebens und des Todes Bitterkeit
verschmelzen -- Seht Weiber sterben! wie ruhig! sie sterben in der
Regel alle philosophisch. Wenn dieser Fall sich bei unserm Geschlecht
ereignet, welch ein Geschrei wird ber diese Resignation erhoben!
Der Natur, der die Weiber leben, sterben sie auch; sie scheint ihnen
die Hand zu bieten, um ihnen berzuhelfen -- Die Weiber wollen nicht
tglich sterben, sie wollen nicht Augenzeugen von den zu merklichen
Verlusten seyn, die man, je lnger man lebt, je mehr in Hinsicht des
Lebens macht; haben sie ein hohes Alter erreicht, so kennen sie die
Beschwerden des Lebens noch genauer, und der Tod hat keine Gelegenheit,
ihnen hart zu fallen, wenn er auch wollte. _Sokrates_ erwiederte
denen, die ihm die Nachricht brachten, da man ihm zum Tode verurtheilt
habe: die Natur hat dieses Urtheil auch ber meine Richter publicirt
-- Das Leben giebt den Tod, der Tod giebt das Leben -- Nicht nur wer
im Schweie seines Angesichts, sondern auch wer im vollen Mae des
Vergngens seinen Lebenstag vollbracht hat, ist gern schlfrig -- Wre
der Schlaf nicht der ltere Bruder des Todes, es wrde sich nicht so
leicht sterben lassen; jetzt aber schlafen wir nur auf lnger ein,
als gewhnlich -- Warum etwas frchten, was Allen bevorsteht, etwas
dem Niemand entgeht, und nhm' er Flgel der Morgenrthe, um an das
uerste Ende der Erde und des Meeres zu fliehen! -- Wenn Mnner die
Kunst zu sterben lernen; so lernen Weiber die Natur des Todes: ihr
Herz erschrickt nicht, und frchtet sich nicht -- Will man mit dem
Tode zu seinem Troste bekannt werden, so mu man Weiber und nicht
Mnner im Sterben beobachten -- Gewi stirbt man im Kriege leichter,
als auf seinem gewhnlichen Lager; allein der Tod in der Schlacht
hat bei weitem nicht so viel Lehrreiches, wie der Tod einer Wchnerin
in dem Feldzuge, den die Natur ihr anwies -- Wie schn ist hier der
Tod, der Tod frs Vaterland! Ich mu abbrechen; sonst wrde ich zu
sehr verrathen, da ich in Hinsicht des Todes nur ein Mann bin. Zwei
Freundinnen, mit denen mich die Natur so nahe verband, starben diesen
Muttertod -- Es kommt auf die Kleider an, die man dem Tode anzieht,
sagte * * * -- Du hattest recht, Liebe -- Dein Tod war leicht, froh,
muthig angezogen -- -- -- So sterben Weiber; und wie _leben_ sie?
Mnner thun, was sie thun, mehr aus Temperament, als aus Grundstzen:
von Umstnden hangen sie ab, und lassen sich von ihnen, wie Schiffe
die Mast und Ruder verloren vom Winde, hin und her treiben -- Aus
Noth, aus Trgheit, aus Bedrfni handeln sie. Sie sind im Grunde weit
furchtsamer als die Weiber; -- es scheint nur anders. Immer verbinden
sie sich mit andern Mnnern, und nennen oft (o der Entheiligung
des Namens!) _Freundschaft_, was _Furchtsamkeit_ heien sollte.
Freundschaft! wo ist eine reine? wie selten gewinnt man, ohne da ein
Anderer verliert! -- Handlungen leiden keine Freundschaft, und nur mit
Worten scheint sie sich behelfen zu sollen -- Durch Miwachs gewinnt
der Landmann; durch Verschwendung und ppigkeit der Kaufmann; durch
Zank, Hader und Streit der Richter; durch Neid und Ha der Geistliche.
-- Ein jeder Mensch hat seinen Preis, fr den er sich weggiebt, ist
die Behauptung eines Englnders, eines Mannes aus einem Volke, das
noch einen Werth auf sich zu legen versteht -- Und wenn es wahr ist,
was einer der Alten behauptet, da ein Arzt es ungern sieht, wenn
seine Freunde gesund sind, und ein Soldat, wenn sein Vaterland Frieden
hat; wenn der Untergang des Einen Dinges die Schpfung des andern
ist: wo wird reine Freundschaft seyn? Freundschaft, die allen Graden
der Versuchung gewachsen, die auch gegen eine Welt nicht feil ist --!
Von einem Freunde mu es, wie von _Voltaire'n_, heien: Sein Geist
ist berall, sein Herz ist hier (im Hause des _Herrn von Villette_,
dessen Gemahlin _Voltaire'ns_ Pflegetochter war). Freundschaft ist
ein geschliffener Stahl, dem schon ein feuchter Hauch den Rost
zuzieht. -- Nie kann ich auf die groen Worte _Tod_ und _Freundschaft_
stoen, ohne da mein Herz sich ausschttet -- und sollte mir diese
Wiederholungen nicht jedes in meiner Lesewelt verzeihen, das auch ein
Herz fr Freundschaft hat, und das -- sterblich ist? -- Freundschaft
ist Leben; denn ohne sie hat die menschliche Existenz keinen Werth.
Ich habe meine Schrift berhaupt durch die Bemerkung vorgeleitet,
da, da ich fr die Freiheit schreibe, ich mich nicht selbst binden
werde. Lehre und Leben mssen sich in die Hand arbeiten; und darf ich
wohl im Mnzverstande meine Schrift legiren --? genug, wenn ich mich
geleitlich halte -- und darber wird hoffentlich kein geierlicher
Zoll- und Accisebedienter, kein Freund und Feind, mit Grunde Rechtens
Beschwerde erheben knnen. -- Freundschaft war die Losung, und dieses
herrliche Wort verdient, da wir Platz nehmen. -- Die Frage: wie leben
Weiber? kann bei dieser Abschweifung nichts verlieren. Lat Knige
licitiren: die Freundschaft ist nicht verkuflich; -- und eine solche
Freundschaft, die, wenn sie gleich nicht zu den sieben Wunderwerken,
so doch zu den Seltenheiten der moralischen Welt gehrt, wrde sich
hufiger ereignen, wenn auch das andere Geschlecht bei ihren Altren
zu Ablegung der Gelbde zugelassen wrde, die gemeiniglich mit der
Grundregel anfangen, seinen Freund so behutsam zu behandeln, da er,
uns unbeschadet, auch unser Feind werden kann. Jene Einschrnkung des
Zutrauens und der wechselseitigen Herzensergieung, jene Migung in
Entdeckung unserer geheimen Beschwerden, hebt das, was Freundschaft
ist, auf, und macht dagegen einen gewissen Schein gng und gebe, der
immer als Weltklugheitsmaxime Dienste leisten mag, der aber den Altar
der Freundschaft entheiligt. Unsere gegenwrtigen Freundschaften sind
gemeiniglich nichts mehr und nichts weniger, als gemeinschaftlich
geschlossene Connivenz, wo beide Theile im Gewinn sind; und so wie die
Bescheidenheit das Verlangen ist, feiner gelobt werden zu wollen: so
ist die Freundschaft ein Bund, desto reiner zu gewinnen. Heit nicht
schon _der_ unser Freund, welcher nicht unser erklrter _Feind_ ist?
Die Kaufleute nennen _die_: Freunde, mit denen sie in Handlungsverkehr
stehen, wo es also Provision zu berechnen giebt; und so wie _der_ schon
fr gut gilt, der ein bser Mensch von der allgemeinen Art ist: so gilt
_der_ schon fr unsren Freund, der ein Menschenfreund, ein Mensch von
keinem schlechten Herzen ist, der uns nicht verrth und verkauft, oder
der uns zu verrathen oder zu verkaufen keine Gelegenheit gefunden hat.
Unser Geschlecht ist zu glcklich, als da wir chte Freunde der Weiber
seyn sollten; und zu unserer Freundschaft gegen einander, auf die wir
so stolz thun, haben die Weiber nicht das mindeste Zutrauen -- Knnen
wir (wie kann es nach der Weiberlogik fglich anders lauten?) wohl mit
Freundschaften aus der Tasche spielen und mit Aufopferungen prahlen, da
wir uns nicht einmal herabzulassen vermgen, den Weibern Gerechtigkeit
zu erweisen? berhaupt ist selbst unser Leben nur halb, da wir die
Weiber nicht zu leben berechtigen; und _wie leben sie denn_?

Ob sie gleich heut zu Tage noch zu sehr der Sinnlichkeit frhnen, woran
_sie_ weniger Schuld sind, als unsere Hrte; obgleich noch bei weitem
nicht an ihnen erschienen ist, was sie seyn knnen und seyn werden: so
zeigen sie doch bei so vieler Gelegenheit eine Selbstbestndigkeit,
eine Fassung, die uns so oft beschmt. -- Ihre Ausschweifungen, die
wir so schrecklich vergrern, entstehen mehr aus Befriedigung der
Eitelkeit als der Begierde. Sie haben keine andere Olympische Bahn,
als Mnner zu fahen; man ffne ihnen andere, und sie werden Wunder
thun. Das Promemoria, welches jener Kaufmann in sein Denkbuch trug:
Ja nicht zu vergessen, mich in Hamburg zu verheirathen! ist ins
Herz der Frauenzimmer verzeichnet -- Darum das Werben ihrer Augen
-- Gemeiniglich haben sie hierbei keine Absicht; sie treiben das
Mienenspiel der Mode halben, und weil keine kluge Mannsperson daraus
etwas zu schlieen wagt. _Montagne_ sagt: jungen Gelehrten geht es wie
den Kornhren; so lange sie leer sind, richten sie ihre Spitzen gerad'
und keck empor: kommen aber ihre Krner zur Reife, so lassen sie ihr
Haupt sinken. -- Warum wollen wir die Weiber wegen ihrer Mienen so
scharf richten, und Eitelkeit, Koketterie und Wollust fr einerlei
halten? Man lacht ber jene Dame, in deren Gegenwart man die schwarzen
Augen ihrer Nachbarin lobte, und die sehr schnell erwiederte: jetzt
trgt man keine schwarzen Augen mehr; sind wir aber nicht die, welche
das andere Geschlecht zu solchen Antworten verleiten? befrdern wir
nicht unserer Eitelkeit halben die ihrige? Lat die Weiber zu Krften
kommen, und ihr werdet sehen, da sie im lauten Geheul der Strme,
wo Mnner sich nur selten ein geneigtes Gehr zu verschaffen wissen,
bei den schrecklichen Wogen des emprten Meeres, sich finden, und
dem Meere und dem Winde _Silentium_ gebieten werden. Wenn man zur
Zeit der sanften Ruhe erlernt und berdenkt, was man zur Zeit der
Schiffbruchsgefahr anwenden will, so bleibt es zwar nicht unrhmlich,
in der Zeit zu sammeln, um in der Noth zu haben; wenn aber Weiber
selbst in diesem Ungewitter Entschlsse zu fassen verstnden; wenn sie
kein Lexicon zusammengetragener Regeln aufschlagen drften, die ohnehin
nie ganz auf einen einzelnen Fall passen? -- wenn --? Doch, lat uns
erwgen, nicht was dieser Wallfisch des menschlichen Geschlechtes
werden wird, wenn ihm nicht mehr Tnnchen zum Spielen zugeworfen
werden, sondern was er selbst in seiner jetzigen so traurigen Lage war
und ist! Als _Sokrates_ von der Gottheit zum _Weisen_ erhoben und ihm
das Diplom hierber wegen seines Wohlverhaltens ertheilt ward, ma er
sich mit vielen seiner Zeitgenossen, und fand, da Andere diese Wrde,
wo nicht mehr, so doch eben so gut verdienten, wie Seine Wohlweisheit
-- Endlich berzeugte er sich, da diese Wrde, blo weil er sich nicht
fr weise hielte, ihm auf Allerhchsten Gttlichen Special-Befehl wre
zuerkannt worden -- Kann _der_, welcher Aufsehen macht, weise seyn?
hat _der_, bei der rastlosen Bemhung sein Ansehen zu schtzen und
den Neid zu entkrften, Zeit und Raum zur Weisheit? _Ob den Weibern
wirklich die Bescheidenheit bei ihren Handlungen eigen ist?_ Die
Erfahrung berhebt mich der Antwort. Ob Weiber wirklich gehandelt
haben? O, der beleidigenden Frage! -- --

Ohne eine _Isabelle_ wre America vielleicht noch nicht entdeckt
worden, vielleicht nicht durch _Columbus_, oder doch erst spt, und
auf einem entgegengesetzten Wege. _Ferdinand_ hatte nicht Muth und
Entschlossenheit, einem so khnen Unternehmen seinen Nahmen zu leihen,
und seinen Schatz zu ffnen. Wrde _Cicero_ ohne die _Fulvia_ die
Verschwrung des _Catilina_ entdeckt, und den Namen eines _Erhalters
des Rmischen Staates_ gewonnen haben? _Karl V_ verdankte es blo dem
Einflu eines Weibes, da seine Donquixotterien einen besseren Ausgang
hatten, als sie verdienten. Und warum eine grere Aufzhlung solcher
Begebenheiten, an denen Weiber nicht blo Antheil nahmen, sondern die
durch sie entstanden, durch sie geleitet und ausgefhrt wurden, wo
sie nicht blo untergeordnete Dienste leisteten, sondern der Geist
waren, der ber den Wassern schwebte, die Seele, die den Gang der
Begebenheiten ordnete und lenkte! --

Frankreich ist seit zweihundert Jahren durch Weiber regiert worden; ob
gut oder schlecht, ist ein Umstand, auf den es hier nicht ankommt. Da
es schlecht regiert ward, ist nicht die Schuld der Weiber berhaupt,
sondern jener Weiber, die listig, verwegen und ehrschtig genug waren,
die Zgel des Staates den schwachen Hnden zu entwinden, denen das
blinde Glck sie anvertrauet hatte, oder die in anderen Rcksichten
aufgestellt wurden, und die dann, neben dem schwereren Geschfte die
lange Weile von einem migen Monarchen zu verscheuchen, auf den
Einfall kamen, das ungleich leichtere Geschft der Staatsverwaltung zu
bernehmen.

Seitdem _Semiramis_ mit rascher entschlossener Hand das Zepter ergriff,
und es mit so vieler Wrde als Weisheit fhrte, haben viele Weiber,
und unter diesen mehrere welche die Geburt nicht fr ein Diadem
bestimmte, den Herrschertitel mit Ehren getragen. Giebt es nicht
Lnder, die in ihren Regentenlisten eben so viele berhmte Namen des
einen als des anderen Geschlechtes auffhren? Wenn das Cabinet auer
der _Ritterin d'Eon_ keinen weiblichen Geschftstrger aufzuweisen hat;
sollte dies wohl die Unfhigkeit des anderen Geschlechtes beweisen?
Bei Allem, was durch Vernunft erklgelt, durch Dreistigkeit errungen,
durch Witz erhascht, durch Gutmthigkeit erreicht werden kann, wird
die schne Welt nicht zurckbleiben; -- und wenn feile Seelen allen
Triebfedern dienstbar sind, werden Weiber nie vergessen, was anstndig
ist -- welches da, wo der Anstand sich das Ansehen giebt am hchsten
getrieben zu seyn, oft schnde vergessen wird. Lord _Chesterfield_ soll
bei einer Assemblee auf _Voltaire'ns_ Frage: _halten Sie die Englischen
oder die franzsischen Damen fr schner?_ geantwortet haben: _ich
verstehe mich nicht auf Gemlde_; und doch wt' ich keinen Hofmann,
der sich so zu schminken verstanden htte, wie dieser Mann, der unter
den Lords den Gelehrten, und unter den Gelehrten den Lord machte. Wer
_le fin du fin_ in dem diplomatischen Fache kennt und bt, richtet
auf diesem Wege oft am wenigsten aus -- Adler fangen nicht Fliegen,
und der Prtor setzt sich ber kleinfgige Subtilitten hinweg --
Der weibliche Vortrag ist gemeiniglich mit dem was vorgetragen wird,
aus Einem Hause; diese Zwei sind Eins, und nie oder selten findet
hier eine Msalliance Statt, welches aber zwischen dem mnnlichen
Vortrage und der vorzutragenden Sache sehr oft der Fall ist -- Wten
wir, was in Cabinetten durch Weiber geschehen ist: wir wrden ber
die interessantesten aller Spiele, die Tuschung der Imagination,
erstaunen, wodurch Weiber zu ihrem Zwecke kamen; wir wrden die Kunst
bewundern, mit welcher ein Weib oft den Faden einer Begebenheit
anspann, den sie durch alle Schleichwege der Intrigue glcklich bis zum
Ziel hinausfhrte. Eigentlich scheinen sie jener Knste, worauf die
Politik heut zu Tage stolz thut, sich blo darum zu bedienen, da die
Mnner mit gleicher Mnze bezahlen knnen; im Grunde sind sie von Natur
aus, weniger, als wir mit jenen Schlangenwindungen der Zweideutigkeit,
mit jener politischen Falschheit ausgerstet, die nach den Regeln der
jetzigen Kunst im Finstern schleicht; und es ist von ihrem Verstande
und von ihrem Herzen zu erwarten, da sie die Politik subern, und ihr
zum Besten der Menschheit mehr Natur und Wahrheit beiordnen werden. Mit
dem Talent, die heimlichsten Gedanken eines Andern auszusphen, und sie
in den verborgensten Winkeln zu ertappen, werden sie den schlauesten
Diplomatiker berlisten, ohne da es Sr. Excellenz gelingt, ihnen ihr
Geheimni zu entwenden; und obgleich der Wille der Principal-Excellenz,
wie ein Taglhner, oft dem liederlichsten Weibe verkauft wird: so wird
doch auch der Feinste von den Feinen vergebens sie verleiten, ihren Fu
an einen Stein zu stoen -- Nicht blo die verliebte Schferin, sondern
auch der Hofmann verbirgt sich im Gestruch; allein beide lassen sich
_zuvor_ sehen -- Die Kunst vermehrt oft die Schmerzen des Kranken,
und es giebt eine verknstelte Kunst die in's Abderitische fllt,
wodurch unser Geschlecht in der Diplomatik Glck machen will -- Wir
verfehlen nicht, dem Erzengel _Michael_ und dem _Drachen_ eine Kerze zu
widmen -- Warum doch so viele Knste! -- Werden Weiber aber bei diesem
Geschfte den ihnen eigenen Edelmuth aufgeben? jene aus Menschenliebe
abstammende Bereitwilligkeit zur Selbstverleugnung? werden sie je
bei der ihnen eigenen Kunst Menschen zu vernehmen und zu erforschen,
aufhren, gromthig zu seyn und sich selbst zu besiegen? Nimmermehr!
Schwache Mnner pflegen gern boshaften Menschen ihr Zutrauen zu
schenken, schwache Weiber dagegen sich edlen Menschen zu berlassen:
Weiber hassen Verrtherei und den Verrther; wir nur, wenn's kstlich
ist, den Verrther: wir sehen es gern, wenn dergleichen Leute viel
bringen, und geben uns nur Mhe, da sie wenig oder nichts mitnehmen
-- Weiber, weit hinweg ber jene politischen Tiraden, ber jene
politischen Metaphern und jenen politischen _Salto mortale_, whlen die
Natur zu ihrer Lehrerin, und richten mehr aus, als Excellenzen durch
abgenutzte, verrathene und verkaufte _Kniffe_, die den beschrieenen
Namen _Knste_ bei weitem noch nicht einmal verdienen --! Knnen Weiber
nicht zeigen und verbergen, was sie wollen? Haben sie nicht eine
Offenheit, durch die sie mehr, als durch Zurckhaltung, ausrichten?
eine unvergleichliche Biegsamkeit der Gedanken, eine Helle im Ausdruck,
eine Geschmeidigkeit im Urtheil --? Ihr Mienenspiel, ihr Glck und
ihr Verdienst, mit geringen Hlfsmitteln die grten Wirkungen zu
bewerkstelligen -- ihre Kunst, jedem einen Spiegel vorzuhalten, worin
_er_ sieht, was _sie_ wollen; ihre gelenkige Zunge, wodurch sie
ihren Ideen eine Macht beilegen, die Alles berwindet: -- dies sind
Eigenschaften, wodurch sie alles ausrichten. Man nimmt nur die Wirkung
an sich wahr, und sieht sich vergebens nach den Ursachen um, welche die
Weiber sehr knstlich zu verstecken wissen. Schon im gemeinen Leben
verwickeln sie mit ihrem Witze alle Charaktere der Gesellschaft auf
eine so angenehme Art, da man diese ihre Leichtigkeit bewundern mu.
Indem sie der Ausdruck zu verlassen scheint, indem sie ihn aufgeben,
finden sie eine berschwengliche Sprache: sie belauschen kleine Ideen,
die der, den sie gewinnen wollen, fallen lt; -- sie wissen auf ein
Haar seine Leibgerichte, seine Neigungen, seine Strke, seine Schwche;
und besitzen die groe Gabe, von Glck und Unglck Gebrauch zu machen
-- wie bewunderungswrdig! -- Unser Geschlecht verstehet es selten,
aus dem Glck, und fast nie, aus dem Unglck Vortheil zu ziehen und
glcklich durch Unglck zu seyn. --

Der _Mangel der Verschwiegenheit_, den man dem andern Geschlechte so
oft zur Last legt, ist nur eine Unart des _weiblichen Pbels_; und der
_mnnliche_ Pbel macht in dieser Hinsicht so wenig eine Ausnahme,
da er fast schwatzhafter zu seyn scheinet. Weil die Weiber viel
reden, hat man sie der Unverschwiegenheit beschuldiget; allein unser
Geschlecht verdient diesen Vorwurf unendlich mehr; -- wenn es voll
sen Weins oder verliebt ist, fast immer, und auch oft dann, wenn
es sich weder durch Liebe noch durch Wein erhitzt hat -- Nichts kann
Manchen zurckhalten, sogar seine selbsteigene Schande zu entdecken
-- Kein Soldat kann so begeistert von seinen Siegen erzhlen, wie
ein Zierling (_lgant_) von den seinigen. Hat man nicht _Mirabeau_,
dem goldenen Munde neuester Zeit, den Vorwurf gemacht, da er nichts
verschweigen knnen? Jene Weigerung guter Menschen, Alles hren zu
wollen, nur keine Geheimnisse, beweiset, da wenige Menschen zu solchen
Depositis sich Treue genug zutrauen. Viele unseres Geschlechtes haben
so viel selbsteigene Geheimnisse zu bewahren, da sie sich mit fremden
Depositis nicht fglich befassen knnen; viele sind niedrig genug,
Depositen-Gebhren auf eine unverschmte Weise zu verlangen -- Wer sich
selbst nicht treu ist, und seine eigenen Unthaten unter die Leute zu
bringen fr unbedenklich hlt, glaubt sich, wo nicht rechtfertigen,
so doch entschuldigen zu knnen, wenn er seinen Herrn oder seinen
Freund verrth! -- Mnner sind so fein sich zu berreden, da sie zum
Heil und Frommen eines besseren Menschen das Beichtsiegel brechen
knnen, das auf die Gestndnisse eines minder guten schon gedrckt war!
-- Mancher Richter macht sich kein Gewissen, unter Versicherung des
Nichtgebrauchs, Bekenntnisse herauszulocken. Hat denn, fragt er, der
Staat nicht mehr Recht auf mich, als meine Verbindlichkeit? Du irrest,
Verrther! der Tugend stehet das grere Recht zu. Die Pflichten gegen
das Vaterland heben bei weitem nicht alle anderen Pflichten auf, und
ein Brger mu nie aufhren ein Mensch zu bleiben. Im Kriege selbst
darf man den Vorzug nicht aufgeben, ein Freund seines Freundes zu seyn!
Auch haben die Mnner ein verrtherisches Schweigen, ein Achselziehen
im Gebrauch, die Weise ein halbes Wort zu sagen, den ersten Buchstaben
anzugeben -- Diese Judas-Verrtherei durch einen Ku, dieses
plauderhafte Stillschweigen, lt das andere Geschlecht sich gar nicht
zu Schulden kommen -- Man rede nicht von der Unverschwiegenheit der
Weiber! -- --

Noch weniger aber sollte den Weibern untersagt seyn, an der _inneren
Staatsverwaltung_ und _Staatshaushaltung_ Theil zu nehmen, da ihnen
gegenwrtig schon im Ganzen die Verwaltung ihres eigenen Hauswesens
anvertrauet ist, und sie bei diesem, ihnen zugefallenen Pflichtteile,
selbst nach dem Zeugnisse der Mnner, sich rhmlichst verhalten. Gewi
htten wir alsdann weniger Tyrannen, die auf festem Grund und Boden
Schiffbrchige mit Lust arbeiten sehen, oder die des Spaes wegen
solchen, die mit den Fluthen ringen, unter Pauken- und Trompeten-Schall
vermittelst einer heilsamen Verordnung Strohhalme zuwerfen; weniger
Blutigel, die hier jeden Bissen finanzmig zuschneiden, und dort den
Schwei und das Blut der Unterthanen ohne Ma und Ziel verschwenden;
-- die sich Mhe geben, dem gemeinen Manne das Huhn aus dem Topfe
herauszurechnen, welches _Heinrich IV_ ihm alle Sonntage in den Topf
hineinzurechnen Knigliche Sorge trug; -- die ihre Administration, wie
elende Feldherren ihre Einnahmen, mit Plnderungen anfangen, und, um
sich aus dem Gerede ber neue Plackerei zu bringen, Redouten und Blle,
Diners und Soupers geben, und es wie weiland _Alcibiades_ machen, der
seinem schnen Hunde Ohren und Schwanz abschnitt -- -- Wir htten
alsdann weniger Groprahler und Meister, die gleich vom Himmel fallen,
ob sie schon entweder Colporteurs von alten abgetragenen Meinungen
sind, welche sie wie ein Bettelkleid mit einem Flick von Sammet
bereichern, oder aber (trotz jenem Ober-Chirurgus, der sich dienst-
und kunsteifrig dahin auslie: hinter die Krankheit mu ich kommen,
wenn auch das ganze Regiment darauf ginge!) eine neue verzweifelte Kur
nach der andern probiren -- und das Alles? um reiche Arme und arme
Reiche zu machen -- O, wie viele hochgepriesene Schwachkpfe giebt
es, die Einen Stand auf Rechnung des andern in verhltniwidrigen
Cours bringen, damit der eine durch bermuth, und der andere durch
Hungersnoth verderbe! wie viele, die nichts im Ganzen bersehen knnen,
und denen es ein leichtes dnkt, aus Deutschen Franzosen, und aus
Pohlen Hollnder zu _fabriciren_ --! wie viele Finanzblitzer, deren
Aufblitz nur dazu dient, da man das Schreckliche der Verderbensnacht
mit Schauder erblicke! -- Diese Herren sollten die Ermahnung jenes
Weisen an einen Frevler beherzigen, der bei einem gefhrlichen
Ungewitter die Gtter bestrmte: -- sich still zu halten, damit
die Gtter nicht wten, da er hier wre. -- Nehmt das Triumvirat
unserer auerordentlichen Minister, des _Grafen Struensee_, _Pombals_,
_Neckers_; -- und das sollte kein Weib thun, was diese Excellenzen
thaten?

Wer dem weiblichen Geschlechte die Fhigkeit abspricht, das Ganze
zu bersehen, Anordnungen fr Knigreiche zu treffen, sie im Groen
auszufhren, weit aussehende Plane zu umfassen, und kurz, ihre Begriffe
bis zum Allgemeinen zu erheben, der verrth wenig Weltkenntni, und
schliet von den Geschftendes Detail -- denn grtentheils werden
blo diese den Weibern jetzt anvertrauet -- auf ihre Fhigkeit. Und
wie? soll es denn bei diesen Geschften nicht auch subalterne Kpfe
geben, da Arbeiten dieser Art bei unsern jetzigen Einrichtungen
berall existiren? Wo es Feste oder Erhhungen gewisser Tage des
gemeinen Lebens giebt, da mssen auch Werktage seyn -- Nur alle sieben
Tage ist ein Sonntag -- Weihungen gewisser Lebens-Momente zu einem
vorzglichen Lebensgenusse setzen auch gewhnliche Tage voraus. Und
sind wir denn lauter Sonntagskinder? -- Bewunderungswrdig ist das
Talent zu rechnen selbst bei gemeinen Weibern, ob sie gleich sich ber
unsere Rechnungsmethode wegsetzen, und oft ihre eigene Arithmetik auch
alsdann noch beibehalten, wenn sie nach der gewhnlichen Schulmethode
zu den Geheimnissen der Zahlen zugelassen worden sind. Ihre Kanzelei
ist mir, bei aller ihrer Unregelmigkeit, schtzbar, wenn gleich
Keuschheits-Procuratoren noch nicht einig sind, ob und in wie weit das
Schreiben dem weiblichen Geschlechte ntzlich oder schdlich sei.
Giebt es nicht Mnner genug, die ihre Tchter nicht anders zu bewachen
wissen, als da sie ihnen Tinte und Federn untersagen?

_Storch_, ein neuer Reisender, fand, nach seinen Bemerkungen ber
Frankreich, in der Schule des berhmten Tachygraphen _Coulon de
Thvenot_ zu _Paris_ Mdchen, unter denen es einige in der Kunst
geschwind zu schreiben, zu einer erstaunenswrdigen Fertigkeit gebracht
hatten. Heit das nicht mehr als Orthographie und Kalligraphie?

Vieles in der _Stadt- und Landwirthschaft_ hat man bis jetzt als
unbedeutend behandelt; viele Hausthiere sind lange nicht in dem
gehrigen Mae genutzt und im Ertrage in Anschlag gekommen, und
berhaupt ist das anzubauende Feld nicht klein, welches auf Weiberkpfe
und Hnde wartet, um urbar zu werden -- Fast mcht' ich sagen, die
konomie sei weiblichen Geschlechtes, und vorzglich die, welche ins
Groe geht -- Wie wir doch Alles so meisterhaft -- wie soll ich sagen?
-- _um_zukehren oder zu _ver_kehren gewut haben!

Und du, _heilige Justiz_! unbersteiglich dem, der dich, wie der Pilger
die Alpen, ohne Alpenschuhe, Stab und Fhrer ersteigen will! mystische
Aristokratie, die du dich oft zwischen Frsten und Volk stellest --
angeblich um Mittler- oder Mkler-Dienste zwischen beiden zu ben,
eigentlich aber um beide zu beherrschen -- darf ich es wagen, dich
um Audienz zu bitten? Zwar wei ich, wie edel dir deine Zeit ist, um
dich nach einem dreistndigen Sessionsschlaf zu erholen, und zu einer
abermaligen Sessionsruhe neue Krfte zu sammeln; doch will ich dich
gewi weniger aufhalten, als du alle deine Partheien aufhltst -- Die
Beobachtung der Natur hat den grten Meistern in den schnen Knsten
die Regel zugefhrt: da wenige und einfache Zeichen, wenn sie mit
Weisheit gewhlet werden, eine krftigere Wirkung thun, als durch
eine verschwenderische Hufung zwecklos gewhlter Zeichen mglich
ist. Darf ich so frei seyn, diesen Umstand der gesetzgebenden und
gesetzbenden Justiz zur Erwgung zu empfehlen? _Hume_ ging von seinem
Freunde _Jortin_, einem Geistlichen, mit dem er ber natrliche und
geoffenbarte Religion einen Wortwechsel gehabt hatte; und da der
Philosoph nicht zugeben wollte, da der Geistliche ihn begleitete,
fiel er. Der Geistliche, der ihn fallen hrte, kam ihm mit seinem
Lichte zu Hlfe, und machte ihn mit den Worten verdrielich: Habe ich
Ihnen nicht oft gesagt, lieber Freund, da Sie Sich nicht zu viel auf
eigene Krfte verlassen sollen, und da das natrliche Licht nicht
hinreicht? Die natrliche Religion verlor durch diesen Fall _Hume'ns_
nur eben so viel, wie die geoffenbarte durch das Licht _Jortin's_
gewann; allein die Justiz verliert durch den Umstand, da auch die
ersten ihrer Officianten sehr oft nicht wissen, wie sie mit ihr daran
sind -- Sie fallen mit und ohne Licht, mit und ohne Begleitung; und
ich wei nicht, woran es liegt, da Niemand recht wei, was Rechtens
ist. Ihre Sentenzen, welche die Sache lsen wollen und sollen, sind
gemeiniglich neue Rthsel, die sie aufgeben; und doch gehren viele
Schsische Fristen und viele doppelte Schsische Fristen dazu, ehe
man die _hochlblichen Herren_ zum _Stehen_ bringt; und wie viele
Fristen verlaufen nicht, ehe sie zum _Sitzen_ kommen! Die Justiz war
zu jeder Frist eine drftige Krcke, an welcher der Staat hinkte, und
noch obendrein von so _schadenfroher und bsartiger Natur_, da sie
auch selbst dem, der sich zutrauensvoll auf sie sttzte, die Hand
durchbohrte. Wie oft sind ihre Urtheile vergiftete Hostien, die man bei
groem Pomp des Hochamts empfngt. -- -- In ihrer goldenen Zeit ist die
Justiz ein Guckkasten, worin schne Raritten und schne Spielwerke
zu schauen sind -- Es gab von jeher unter den Juristen _lgants_;
und wer hat nicht von der _eleganten Jurisprudenz_ reden gehrt? Auch
der einsichtsvollste Jurist wird in eigenen Angelegenheiten nicht
wissen, was er zu thun und zu lassen habe, um etwas Rechtbestndiges
zu unternehmen; und so scheint die gar zu groe Kunst der Justiz dem
Menschen, den Gott aufrichtig gemacht, vllig unangemessen zu seyn.

Sollte sich einst die brgerliche Verbesserung der Weiber bis auf
die Rechtspflege erstrecken, und das Recht aufhren, ein Monopol
einer besondern besoldeten Mnner-Klasse zu seyn; nur alsdann wird
man anfangen einzusehen, da Rechtspflege nicht heit, im Orakelton
unverstndliche Formeln hersagen, die nur wirksam sind, weil neben der
Wagschale auch das Schwert liegt, sondern da sie sich bemhen mu,
die Partheien ber Recht und Unrecht zu belehren und zu berzeugen,
wenn sie einen Theil der Ehre verdienen will, die sie sich jetzt
so grnzenlos und machtvollkommen beilegt. Man sagt: _Necker_ sei
tugendhaft, um damit prahlen zu knnen; _la Fayette_ sei es, um es zu
seyn und nicht zu scheinen. Wrde dies nicht der Fall mit Richtern aus
der weiblichen und mnnlichen Klasse seyn?

Schon fngt der Gedanke an sich je lnger je mehr zu regen, da nur
Gleiche zwischen Gleichen entscheiden knnen, wenn Recht nicht ein
todter Buchstabe bleiben, sondern ein lebendiger werden soll. Wrde
es inde nicht schreiendes Unrecht seyn, bis dahin, und ehe jener
glhende Funke in der Asche zum Feuer ausschlgt, den Weibern die
Richter- und Schppensthle zu verschlieen? Man behauptet in England:
unbesoldete, dem Beklagten gleiche, von ihm anerkannte, nur auf eine
kurze Zeit zum Wohl der Mitmenschen und nicht schnden Gewinnstes oder
eitler Ehre halben berufene, einstimmige Richter, oder Geschworne
(_Juries_), wren eine Schutzwehr der brgerlichen Freiheit, und eine
unberwindliche Festung, wenn gleich die Knstelei der politischen
Maschine bisweilen zu gesucht seyn sollte, wenn gleich in ihrem
Rderwerke zu viel oder zu wenig Zusammensetzung Statt fnde, wenn
gleich in der Vertheilung der Gewalt, in der Reprsentation des Volkes,
und in der Abtheilung der Stnde Organisations-, Schwachheits- und
Bosheitsfehler wren -- Jene Justiz-Verwaltung allein wrde schon,
was schwchlich ist, beim Leben erhalten, und nichts erschpfen
lassen, was zum Vortheile und zum Glanze der Nation einen Beitrag
liefern kann. In der That, auch im monarchischen Staate knnte durch
eine hnliche Justizverwaltung Alles einen andern Schwung bekommen,
und so Manches belebt werden, was jetzt gelhmt ist -- Monarch und
Volk wrden gewinnen. Wie aber, wenn sogar das andere Geschlecht an
dieser Rechtspflege Antheil nhme, wenn nicht blo durch gute Mnner
(_arbitros_), sondern auch durch gute Weiber, Zank und Streit beigelegt
oder entschieden wrde? mte da die Justizverwaltung nicht noch
vollkommener werden? Menschen, die blo gesetzlich sind, haben keine
Haltung; -- es sind im eigentlichen Sinne blo unntze Knechte, die
zwar thun, was ihnen geboten ist, allein damit nichts Gutes stiften
-- Die Gesetze und die Leidenschaften sind oft so verwandt, da der,
welcher der Vernunft und dem Gewissen (der praktischen Vernunft) nicht
folgt, bei aller positiven Gesetzlichkeit nicht selten ein verdorbener
Mensch ist -- Wer kann hierauf genauere Rcksicht nehmen als das
andere Geschlecht? wer es mehr empfinden als Weiber, da der Zwang,
durch den Andere eben so frei werden, die Probe der wahren Freiheit
sei? -- Trockne und ungeknstelte Wahrheit gilt in der Geschichte
und berall mehr, als eine noch so glnzend scheinende Falschheit.
Jener medicinische Pfuscher, der einen Knig von einem Quartanfieber
befreiete, welchem alle kunstverstndige rzte, ihrer hohen und tiefen
Gelehrsamkeit ungeachtet, nicht gewachsen waren, antwortete, als er
_par ordre du Roi_ den Doktor-Hut erhalten sollte, und der Form halben
examinirt ward, auf die Frage: was ist das Fieber? _eine Krankheit,
die Sie, meine Herren, sehr geschickt zu definiren, und nicht zu
curiren verstehen, und die ^ich^ nicht definiren, wohl aber
curiren kann_ -- Die evidente Vernunft ist eine Mitgift, welche die
Natur allen Menschen in gleichem Mae bewilligt hat. Der allergemeinste
Grundsatz des Naturrechtes, mit dessen Ausbung Zwang unwidersprechlich
verbunden werden kann, ist das Gesetz:

  verhindere, da die Vollkommenheit aller
  Menschen nicht gemindert werde;

und liegt in dem hchsten Material-Gesetze der Sittlichkeit:

  vervollkommne alle Menschen.

Ist Vollkommenheit nicht die hchste Stufe der Ausbildung aller Krfte
zu einem Ganzen? Ich will es hier mit keiner Schule verderben; denn
meine Absicht ist nicht, nach vterlicher Weise der Richter- und
Philosophensthle, durch Zank und Streit die edle Zeit des Handelns zu
versumen. Darf ich inde, um die Justiz zu berzeugen, da sie mit
sich selbst uneins ist, noch beilufig bemerken, da die Vollkommenheit
aller Menschen mir der Zweck der sittlichen Gesetze zu seyn scheint?
Und was will man mehr als diese hchste Ausbildung? Sollten inde
Gesetze nicht auf alle Menschen ausgedehnt werden? Kann man ein
vernnftiges Wesen blo als Mittel zu hheren Zwecken ansehen? Jener
allgemeine materielle Grundsatz ist und bleibt ein Kennzeichen der Form
aller Sittlichkeit, gem der allgemein geltenden Gesetzmigkeit und
ihrem obersten Grundsatze: die Vorschriften, nach denen du handelst,
mssen so beschaffen seyn, da sie allgemeine Gesetze werden knnen.
Verschlag' ich zu weit, oder kann unsere neue Philosophie nicht ein
Tribunalsausspruch meiner Vorschlge werden? Eine gute Gesetzgebung
ist sicher das Meisterstck des menschlichen Geistes; und wer aus
Kenntni unserer Natur wei, da die Sitten der Nationen ihre Bildung
grtentheils der Wirkung der Gesetze zuschreiben mssen, wird es mir
nicht verdenken, da ich unsere Juristen etwas weiter zurckfhre, als
diese Herren vom gewhnlichen Schlage zu gehen gewohnt sind. Schon
da, wo die Weiber jetzt das Richteramt fhren, in gewissen _causis
privilegiatis_, zeigen sie sich als Meisterinnen in ihrer Art, und
beschmen ihre Mnner, die gemeiniglich Alles verderben, sobald sie es
sich herausnehmen, Stellvertreter ihrer Weiber seyn zu wollen --

Man sagt: _Weiber wren hart_; allein lt sich die Justiz in Gefhle
auflsen? _sie wren zu peinlich bei ihrer Nachforschung_; allein kann
man es zu sehr seyn, wenn es Schuld und Unschuld der Menschen gilt? Es
fehlt den Weibern selbst nicht an Gedchtnis, um eine Legion Gesetze
zu behalten, noch an Geduld, die ewigen Klagen und Schutzreden der
Partheien anzuhren, und in einem feinen guten Herzen zu bewahren;
nicht an Beredsamkeit, um den Sturm der Partheien zu besnftigen und
die Fluth der Rede in ihr Ufer zurck zu weisen -- Wie geschickt wrden
sie zu Versuchen der Shne seyn! -- berraschung ist der natrliche
Ersatz fr alle unangenehme Verwirrung, ohne die sie nicht zu erhalten
war; allein ist dies der Fall bei unsern richterlichen Sentenzen? sind
sie nicht gemeiniglich ein neues verwickeltes Knuel? wechselt nicht
Verwirrung, bis endlich die dritte Instanz, gemeiniglich durch einen
Machtspruch (so sehr auch dies Wort bei den Herren Juristen gehat und
verfolgt wird) aller Fehd' ein Ende macht? --

Bis jetzt hatten die Weiber kein anderes ernsthaftes Geschft als
Liebesangelegenheiten. Freilich, wenn sie auf einmal, wie vom Himmel
gefallen, ohne Vorbereitung, ohne ihnen bewilligte brgerliche
Rechte, und ohne da man ihnen auf politische Kpfe und Fe hilft,
sich in Staatssachen werfen -- ist es Wunder, wenn sie, nach einem
Franzsischen _Viso reperto_, zwar die _hysterischen Zuflle_
verlieren, inde in noch _rgere_ fallen? Ernsthafte Sachen sind ihnen
zu _schn_ und zu _erhaben_, als da sie nicht Alles dieser kstlichen
Perle halben veruern sollten. Zarte Fasern, die man pflegen und
warten soll, mu der Grtner nicht zerreien; bei einer scheinbaren
Ermattung, oder bei einem zu starken Auswuchs, kann er nicht, ohne
ein Miethling zu seyn, jene sich hervordrngenden Zweige abschneiden,
die so leicht zu besseren Zwecken zu leiten gewesen wren -- Er lt
sie in die Hhe schieen oder zur beschtzenden Krone gedeihen -- Man
mige bei dem andern Geschlechte die zu starke Neuheit; man bringe
Weiber mit _mehr_ ernsthaften Sachen, und zwar _allmhlich_, in
Verbindung: und hysterische und andere angeblich rgere bel, Leibes
und der Seele, Gutes und Ehre, sind gehoben. Die Pfeifer und Geiger
wurden auf der Stelle verabschiedet, als _Jairi Tchterlein_ von den
Todten erweckt werden sollte -- Selbst die Bevlkerung mte hierbei
zunehmen; es verlohne zu leben, wrden die Weiber denken. Und wie ging
es in aller Welt zu, da man bis jetzt den Vortheil der Menschheit
so sehr verkannte? da man die Weiber als abgeschiedene Seelen in
einem Psychodocheum hielt, und sie nie zum wirklichen, sondern blo zu
einer Art von Leben berechtigte? -- zu einer Art von Ritterleben von
trauriger Gestalt! -- Viele Zge wrden mehr gehoben, andere sanfter
gemischt werden; man wrde uns nicht so oft statt eines Nachtstckes
die Nacht mit schwarzen Farben verkaufen; nicht so oft aus bloer
Angst und Furcht ein Held seyn; nicht so viele Rechtsglcksgreifer und
Marionettenspieler in den Gerichten finden, nicht so viele flache, mit
groben Farben berladene Richter und Anwlde und wie die Herren weiter
heien -- wenn Weiber an der Rechtsverwaltung Theil htten. Sind unsere
praktischen Rechtsgelehrten nicht gemeiniglich Feinde des _Warum_? Ist
das Verdienst des grten Theils von ihnen nicht, Urtheile in Umlauf
zu bringen, die man ein _Spielzeug des Gewissens_ nennen knnte --?
Urtheile, die oft das gerade Gegentheil von jener inneren Gerechtigkeit
sind, bei der Jeder, wenn er auch gleich durch alle drei Instanzen
verloren htte, sicher seyn kann, da er nach Gefhl und Einsicht der
gesitteten unparteiischen Welt gewinnen und das Feld behalten werde! --
Sind die meisten Dikasteria nicht Sulenreihen, die nichts Wichtiges
zu tragen haben, und wo man unbedeutende Gegenstnde mit Verzierungen
berladen hat? Der _sichere_ Ehrgeitz ist weit unausstehlicher, als
der, welcher sich vor List und Nachstellung _frchten_ mu -- Die Rmer
waren, als Staat genommen, keine sonderlichen Financiers; und oft hat
mich der sndliche Gedanke angewandelt, ob nicht mit darum Juristen und
Financiers einander so spinnenfeind wren, bis auf den heutigen Tag.
Wrden Weiber an der _Finanz_- und _Rechtsverwaltung_ Antheil nehmen --
ich wette, dieser Ha zwischen _Herodes_ und _Pilatus_ mte aufhren,
und beide Theile mehr zu Gesinnungen der Menschheit kommen, da jetzt
die Herren Financiers oft ins Recht pfuschen, und die Justiz es so
wenig bedenklich findet, eine Art von Finanz-Operation zu werden --
da die Juristen oft genug die Furierschtzen des Finanz-Departements
sind. --

_Themis!_ weibliche Gottheit, ffne deine Heiligthmer deinem
Geschlechte, und du wirst Wunder sehen, ohne da du dich bemhen
darfst, sie zu thun --!

Whrend da wir unsere Hnde nach Allem ausstrecken, nicht zufrieden
ber die Seelen der Weiber _ la Padischah_ zu gebieten, sondern
auch an ihren Krpern zu Helden zu werden, zwingen wir das andere
Geschlecht, auch auf _die Heilkunde_ Verzicht zu thun, zu der es
einen unwiderstehlichen Hang behauptet. Und warum ist die Heilkunde
in ihrem weitesten Umfange nicht eine freie Kunst der Mnner und
Weiber? Fhlen die Weiber nicht so lebhaft, da die Natur sie ganz
eigentlich zu diesem Geschfte berufen hat? treiben sie nicht, trotz
allen Anordnungen, aller Aufsicht und allen Strafen, dieses ihnen
so strenge verbotene Handwerk? und haben sie sich nicht -- was noch
sonderbarer ist -- dabei so gar einen Nahmen zu erwerben Gelegenheit
gehabt? Frau * * auf * * curirt ihr Haus und ihre Unterthanen, aller
Recepte von Scheltworten und Drohungen der kunsterfahrnen Facultisten
ungeachtet, und kann sich nicht mit der gestrengen Rechtsglubigkeit
dieser Herren einverstehen, wenn gleich diese Eiferer fr des Herrn
Haus sich viele gelehrte Mhe geben, in Rcksicht anderer unbedeutender
rztinnen, ihre Orthodoxie inquisitorisch zu beurkunden -- Hten Sie
Sich, gndige Frau, da Sie nicht ber Hals und Kopf in hnliche
Anfechtung fallen, und wegen ihrer kunstlosen Arzeneien verantwortlich
werden! -- In einigen Spanischen Provinzen barbieren die Weiber, und
_Marquis de Langle_ setzt hinzu: so sollt' es eigentlich und berall
seyn, denn ihre weichen sanften und fleischigen Hnde taugen weit
besser als unsere, das Kinn einzuseifen und das Messer zu handhaben.
-- In den Entscheidungsgrnden kann ich diesem Weiberschutzpatron
nicht beistimmen; wohl aber in der Behauptung selbst -- Jene nicht
ungerechte Befrchtung des Meuchelmordes wrde, wo nicht aufhren, so
doch auerordentlich geschwcht werden, wenn das andere Geschlecht
diese _gefhrliche Kunst_ triebe. Die Anlage des andern Geschlechtes
zur Arzeneikunst und Chirurgie beweiset unwiderlegbar seine vorzgliche
Beobachtungsgabe. Nicht leicht entgehet seiner Aufmerksamkeit auch nur
die kleinste vorbergehendste Vernderung der Farbe, der Mienen, des
Auges -- Jede, auch die unbetrchtlichste, krampfhafte Bewegung der
Muskeln wei sein Blick zu erreichen. Sein Takt ist zarter und feiner,
und auch da noch fhlt es Pulsschlge, wo der Arzt, wegen seines
grberen Gefhls, nichts mehr bemerkt. Der leiseste Hauch entgeht den
Weibern nicht; sie vernehmen noch das Wort, das auf der Lippe zitterte
und starb, und oft verstehen sie die Gedanken -- Am praktischen
Urtheil, von ihren gesammelten Beobachtungen Gebrauch zu machen,
fehlt es ihnen sicher nicht -- Schon jetzt bei dem kargen Vorrath von
Kenntnissen, und ohne allen Beistand der Kunst, bernehmen sie Kuren,
die dem erfahrensten Arzte, wo nicht lauten, so doch stillschweigenden
Beifall abzwingen. Wie viel weiter wrden sie seyn, wenn ihnen der
Zugang nachgelassen wre, den ihnen ein neidischer Zunftgeist bis
jetzt vorenthielt! Wrden ihnen das Heiligthum des _Epidaurischen
Gottes_, und die unermelichen Schtze der Natur aufgethan und sie
in die Geheimnisse der Kunst als Priesterinnen eingeweihet; wie viel
wre fr das menschliche Geschlecht gewonnen! da hingegen jetzt die
groe Angelegenheit, die Gesundheit des Menschen, sich immer in
sehr milicher Lage befindet, indem viele von unseren rzten sich
nicht begngen, Diener der Natur zu seyn, sondern sich zu gestrengen
Herren derselben aufwerfen -- Wo wir doch berall Herren seyn wollen!
Die Arzeneikunst aller, der Natur nahe kommenden Menschen ist so
einfach und so stark, da sie mit wenigen Mitteln alle Krankheiten
heilt, so wie Brot die tgliche Schssel auf allen Etischen ist.
Die Natur ist so gutmthig, da sie uns durch Krankheiten gesund
machen will -- Unplichkeit ist ein Glockenschlag, wodurch wir zum
Butage aufgefordert werden -- Die Natur macht uns aufmerksam auf
uns selbst -- und will uns damit locken, da wir glauben sollen,
sie sei unsere liebe gute, unsere rechte Mutter. Und ist sie das
nicht? -- Der Schmerz? Ach, dagegen liee sich noch viel sagen. In
der That, die Natur scheint mit dem Schmerz ihr Spiel zu treiben. Es
giebt Flle, wo der Schmerz mit der Gefahr in keinem Verhltnisse
steht -- Zahnschmerzvorflle, in welchen das Leiden weit grer ist,
als die Gefahr; und so auch umgekehrt -- Vielleicht wollte die Natur
uns lehren, uns aus dem Schmerze berhaupt nichts zu machen und ihn
nie auf einen ernsten Fu zu nehmen. Mache was du willst, sagte ein
Stoiker zum Schmerz, (ob er sich gleich nicht entbrechen konnte, mit
den Zhnen zu knirschen) ich werde doch nicht sagen, da du ein bel
bist! und man sage was man will, es liegt in unserm Reden mehr als Ein
Linderungsmittel. Wenn wir dem Schmerze freundlich zureden, scheint er
Mitleiden mit uns zu haben; und wenn wir ihm trotzen, scheint er sich
zu frchten. Wer den Schmerz in Schimpf oder Ernst bersieht, und sein
unverwandtes Seelenauge mit strenger Aufmerksamkeit auf einen andern
Gegenstand heftet, spielt dem Schmerz einen Streich, da er nicht
wei, wie er daran ist. In allen diesen Rcksichten ist vom andern
Geschlechte mehr, unendlich mehr, als vom unsrigen zu erwarten -- Ein
gewisses Segensprechen, ein gewisses Hohnsprechen, ist ihm eigen -- Man
seh' es leiden, man seh' es mitleiden, und Beileid bezeigen -- man hr'
es Trost und Muth zureden --

Wie viel eine vernnftige Lebensordnung zur Erhaltung der Gesundheit
beitrgt, und welch ein bedeutendes Hauptstck hier Speise und Trank
ausmachen; wie vieles dabei auf wahre Zubereitung ankommt: das
sind Umstnde, von denen jeder berzeugt ist; und doch wird dieser
wichtigste und eigentlichste Theil der Arzeneikunst ganz dem weiblichen
Geschlecht berlassen, ohne ihm die geringste Kenntni von dem zu
lehren, was es zubereitet, noch wie es dasselbe zubereiten mu, wenn
die thierische Maschine unterhalten und nicht zerstret werden soll --
Vielleicht wrde es durch Vermittelung der Weiber dahin kommen, da
Speise und Trank zu unserer Medicin wrden, da wir Medicin nicht mehr
_einnehmen_ drften -- Wird nicht die Hlfte ihrer Wirkung durch den
Ekel eingebt, den das Einnehmen veranlat? Kurz und gut, das zahllose
Heer von Processen und Krankheiten wrde vermindert werden, wenn Weiber
Richter und rzte wren. Ist es nicht leichter, manchen Krankheiten
_auszuweichen_, als sie zu _heilen_? ist es nicht heilsamer fr den
Staat, wenn weniger seiner Brger von Krankheiten heimgesucht werden,
als wenn ihnen durch die Kunst der rzte die Gesundheit wiedergegeben
wird? Ist das auch wirklich Gesundheit, was diese Herren den Kranken
dafr verkaufen? Wahrlich, eben so wenig, wie das Gerechtigkeit ist,
was wir in unsern Gerichtshfen sehr theuer bezahlen --

Vter des Staats, errichtet, statt klinischer Institute, Schulen fr
die Weiber, wo das, was zum Unterhalt und zur Nahrung des Menschen
dienen soll, nher geprft und untersucht wird; wo sie gelehrt werden,
Speise und Trank auf eine unschdliche und schmackhafte Weise zu
bereiten, und das Leben und die Gesundheit der Staatsbrger zu sichern.
Aber auch selbst in moralischer Rcksicht wre es den Sitten, und dem
Staate, dem die Sitten seiner Brger vorzglich zu Herzen gehen mssen,
vortheilhaft, wenn den Weibern gestattet wrde, Arzeneikunde zu ben.

Weibliche rzte mten sich weit eher das Zutrauen bei den Kranken
ihres Geschlechtes erwerben. Diese wrden ihre Gebrechen leichter und
mit weniger Zwang entdecken, und jene, aus Erfahrung mit der Natur
und Beschaffenheit des weiblichen Krpers, mit seiner periodischen
Ausleerung bekannt, sicherer dem bel nachspren, rathen und helfen
knnen. Dann wrden weibliche Krankheiten nicht mehr die Schande der
rzte seyn, und vielmehr eine Vollkommenheit in der Kunst erreichet
werden, in so fern Vollkommenheit zu erreichen ist --.

Schamhaftigkeit, diese Tugend, die das andere Geschlecht so herrlich
kleidet, mit der, wenn sie verloren ginge, alle Grazien und Reitze
ihre Kraft verlieren wrden; sie, die durch nichts ersetzt wird
-- ist sie nicht oft die Ursache, da Mdchen Gebrechen so lange
verheimlichen, bis dieselben nicht mehr zu heben sind? oder da sie
lieber mit Gefahr ihres Lebens auf die Hlfe der Kunst Verzicht
thun? Wie manche hat eine Entzndung in's Grab gebracht, die, wenn
sie weniger schamhaft gewesen wre, im Augenblick htte gerettet
werden knnen --! Wie viele ben nicht durch schwere Geburten ihr
Leben ein, die es erhalten und dem Staate noch viele Brger geschenkt
haben wrden, wenn Geburtshlfe eine weibliche Kunst wre, wenn man
den Hebammen nicht blo das Mechanische dieser Kunst berliee, das
Wissenschaftliche derselben aber sehr weislich den Mnnern vorbehalten
htte! Ist es bei diesen Umstnden ein Wunder, da in _London_ und
_Dublin_ von Frauen, die sich durch Hebammen entbinden lassen, Eine
unter 70, und von denen, die sich der Aufsicht mnnlicher Geburtshelfer
bedienen, nur Eine unter 140 im Wochenbette stirbt? In der That, es
bleibt unsittlich, da ein Eheweib ihren Krper vor irgend einem
Manne, den ihrigen ausgenommen, entblt! Verscheucht dergleichen
berwindung der Schamhaftigkeit nicht Alles, was man Ehrbarkeit nennen
kann? Wie viele Villacerfsche Flle mgen, ohne da sie verzeichnet
sind, sich ereignet haben, wo ein Arzt im verliebten Taumel nicht
wute, was er that! wo er, um ein Weib zu verfhren, oder ein Mdchen
zu gewinnen, die Kur verlngert, sie anders lenkt, und oft blo in
dieser Rcksicht einen langsamen oder schleunigen Tod, ohne da er es
dazu anlegte, befrdert! Und wenn man wei, was Eifersucht vermag, wer
zittert nicht bei diesem Gedanken und bei der Einrichtung, nach welcher
man dem Arzte so viel anvertrauet, ohne selbst nur den leidigen Trost
zu haben, durch drei Instanzen seinen Proce zu verlieren!

Woher kommt es, da der so wichtige und ber alles gehende Widerstreit
zwischen Wohlstand, Sitten und Bedrfni bis jetzt bersehen worden
ist? Hat man ihn aber nicht bersehen, warum ist denn _dieser_
Mistand, dem so leicht abzuhelfen war, unabgeholfen geblieben? Man
kann sich bei dergleichen Umstnden des zudringlichen Gedankens nicht
erwehren, das moralische und physische Wohl der Brger sei nicht das,
womit die Staats-Piloten sich zu beschftigen scheinen. In der That,
Glck und Zufall sind es gemeiniglich, welche Bahn und Fahrt bestimmen;
denn es giebt der hier einschlagenden Unschicklichkeiten noch weit
mehr, von welchen der Staat keine Notiz nimmt, ungeachtet sie einer
ernstlichen Rge bedrfen, und ungeachtet es federleicht seyn wrde,
diese Quellen so mancher unmoralischen Folgen zu verstopfen -- Noch
bedient man sich der _Tanz-_ und _Singemeister_, um dem Frauenzimmer
Tanz und Musik beizubringen, und scheint es entweder nicht zu wissen
oder nicht wissen zu wollen, wie nahe die weibliche Tugend hier der
Gefahr ist, wie Manche diesen Versuchungen nicht widerstanden und als
Opfer fielen.

Man lt es geschehen, da _Mnner Weiberkpfe_ putzen, und ahndet
nicht, was hier fr Gedanken geweckt, was fr Bilder aufgeregt und was
fr Begierden gereitzt werden. Man vergit, da die Gattin und Tochter
mig sitzen, da das Whlen in den Haaren einen gewissen physischen
Kitzel, wo nicht bei beiden, so doch bei Einem Theile erregt; man
bersieht gewisse Stellungen, die einen aufmerksamen Beobachter viel
errathen lassen. Zwar hat man angefangen, diese Geschfte weiblichen
Hnden zu bertragen; allein noch ist dies eine Seltenheit und eine
konomische Veranstaltung. Ein kleinlicher Bewegungsgrund, wo es doch
deren so viele und so wichtige giebt.

Auch die _weibliche Kleidung_ sollte durch _Weiber_ angemessen und
gefertiget werden. Die Manipulation eines mnnlichen Schneiders und
Schusters ist unschicklich. Wr' es dem Staate Ernst, die groe und
edle Hlfte seiner Brger ntzlich zu beschftigen; fhlte er die
groe Verpflichtung, diejenigen, welche die Natur gleich machte, auch
nach Gleich und Recht zu behandeln, ihnen ihre Rechte und mit diesen
persnliche Freiheit und Unabhngigkeit, brgerliches Verdienst und
brgerliche Ehre wiederzugeben; ffnete er den Weibern Cabinette,
Dikasterien, Hrsle, Comptoire und Werksttten; lie' er dem
vermeintlich strkeren Manne das Monopol des Schwertes, wenn der Staat
sich nun einmal nicht ohne Menschenschlchter behelfen kann oder will;
und machte er brigens unter beiden Geschlechtern keinen Unterschied,
so wie die Natur es wollte, und wie die brgerliche Gesellschaft es
auch wollen sollte, wenn sie sich nicht etwa ihrer natrlichen Herkunft
schmt: so wrden Staatswohl und Staatsglckseligkeit sich berall
mehren, die Menschen wachsen wie die Weiden an den Wasserbchen, und
die Menschheit ihrer groen Bestimmung mit schnellen Schritten zueilen
--

Doch! ich wollte nur Winke geben, und verdiene vielleicht den Beinamen,
den man _Burke'n_ zu einer gewissen Zeit beilegte: _the dinnerbell_,
die Eglocke, weil die meisten Parlamentsglieder, wenn er zu peroriren
anfing, das Haus verlieen. Die Wahrheit bedarf keiner Schminke, und
wer der Schnheit wegen schreibt, unterwirft sich dem Schicksal einiger
Damen unserer verderbten Zeit, die sich weit lieber erklten, als dem
Putze das Mindeste von seinen modischen Rechten entziehen. Will man
etwas in seinem ganzen Umfange, in seiner ganzen Strke genieen, so
entferne man alles Fremdartige, und mache es wie groe Esser, die,
auer dem Geschmack, den brigen Sinnen in ihrem Esaale den Zutritt
nicht verstatten. Selbst weite Aussicht, Tafelmusik, unterhaltende
Gesprche entkrften ihr Vergngen -- Still essen sie, und Alles hat
bei ihnen seine Zeit -- Alles was kolossalisch in's Auge fllt, ist
schwchlich. Wer Menschen vergttert, macht weniger aus ihnen, als
sie von Gottes- und Naturwegen seyn knnen. _Immerhin Gott, nur kein
Mensch_, hie es von Hchstseligen Tyrannen -- Detail-Vorschlge geben
sich von selbst, wenn nur der Total-Eindruck unauslschlich ist. Der
Text mu sich nicht in den Prediger, sondern der Prediger in den Text
schicken; und was hilft wissen und wollen, wenn es nicht zum Thun
kmmt! Wer nicht Nebenfolgen von eigentlichen, und Nebenursachen von
Hauptursachen zu unterscheiden wei, hat seinen Plan nur schlecht
angelegt -- oder hat gar keinen. --

Wie aber! es erheben sich Einwendungen an allen _fnf_ Fingern der
vorigen Kapitel. Immerhin! und wren sie auch nichts weiter als
wiederholte Wiederholungen, an denen denn doch meine Wenigkeit nicht
Schuld ist, sondern (Niemand brigens zu Leide gesagt) meine gebetenen
Gste von Opponenten. -- Jene _Chroniques scandaleuses_ wider das
schne Geschlecht, von Misogynen und vielbeweibten Mnnern, von
Kastraten und krperlichen Kraftgenies, (die, in der Voraussetzung, das
sinnliche Bedrfni sei das grte Band unter beiden Geschlechtern,
des Dafrhaltens sind, die starken Mnner wren auch die besten) von
Thoren und Weisen, von Heiligen und Liederlichen, von Sultanen und
Keuschheitswchtern, geschrieben und erzhlt -- werden sie vermgend
seyn, uns umzuschaffen oder der Natur Gewalt zu thun --? _Das Weib sei
nur des Mannes wegen?_ Wohl, so wie der Mann des Weibes halben. Hast
du nie ein Weib gesehen, Freund, das bei liebenswrdiger Einfachheit
eine erhabene Gre verrth? bei voller Publicitt und Offenheit
eine enthaltsame, strenge Zurckhaltung? -- bei edler Zutraulichkeit
forschende Prfung? -- Es legt es nie auf Herzen an, und doch gewinnt
es alle Herzen. Das edle Absichtlose, das die Posie behauptet, ist
seine Weise; und wie viel richtet es damit aus! Sein Blick, der durch
die Kirchenschlsser der Herzen dringt und Alles _fr_ und _wider_
entdeckt; -- seine Kraft, die Alles niederdrckt und hebt was es
will; gleich frei von Freude wie von Leid, von Furcht und Hoffnung
unbefangen, fr den heutigen Tag lebend ohne Sorgen fr den andern
Morgen -- wie schnell und wie umfassend wirksam, zur Selbstherrscherin
aller Herzen geboren, erhebt dies Weib zu seinen Freunden, die es durch
die Hoheit seiner Wrde zu seinen Untergebenen machte! _Koketterie_
-- sagst du --? Nun, so ist Kosmopolitismus Stoicismus -- und die
erhabenste Menschentugend im Leben und im Tode Koketterie! Von Natur
sollte das Weib nicht den _Cajus_, _Titius_ und _Sempronius_ lieben,
sondern das Geschlecht; durch die Ehe wird es Eines Mannes Weib: an
jene Umfassung gewohnt, geht auch seine Denkart in's Allgemeine, in's
Ganze, in's Groe -- Macht ein groer Mann jene Rolle des groen
Weibes; sage unverhohlen: fehlt ihr nicht oft Geist und Leben? -- Du
zrnest, Freund? Was denkest du Arges in deinem Herzen?

_Alle bel in der brgerlichen Gesellschaft sind Werke der Weiber!_

Der Weiber, die doch in den politischen Gesellschaften nur Nullen
sind, und ohne eine vorstehende mnnliche Zahl keine Bedeutung haben?
Und warum ihr Werk? weil sie Mnner dazu verleiteten? die Curandinnen
die wohlweisen Curatoren? Wegen des Einflusses, den man den Weibern
nicht versagen konnte, den auch Sklavinnen ber ihre gestrengen
Herren behaupteten. So sehet denn da die Rache, welche die Natur sich
nicht versagen kann, wenn man ihre Majestt beleidigt --! Entzieht
den Weibern keinen jener Antheile, wozu sie unleugbare Rechte haben,
und ihr werdet jenen Schleichhandel von selbst heben, den jetzt die
Weiber zum Nachtheile ihrer Mnner und des Staates treiben. Die
Vernunft ist gttliches Ebenbild, und wo ihr sie findet, da ist es
Pflicht, ihre Superioritt an zuerkennen -- Wo sie erscheint, ist
Werth, Wrde und Selbstbestndigkeit. Sie regiert im Kleinsten der
Unterthanen den Grten, den Herrn der Welt -- und in dem Staate, wo
sie unterdrckt wird, hren die Weisen die Stimme, welche sie auf
ebene Bahn leitet: _Stehet auf und lasset uns von hinnen gehen!_ Oder
wie? ist etwa der Werth des anderen Geschlechtes nicht auf Vernunft,
sondern auf Sinnlichkeit gegrndet? Ei, Lieber! knnen wir uns, so
lange wir Kleider der Sterblichkeit tragen, ber die Sinnlichkeit
hinaussetzen? Nur ein Pedant kann die _Sinne_ die Deutschen Klassen
nennen; kommen wir nicht durch sie und durch die Empfindung der
Vernunft zuvor? grnden die Sinne nicht die Vernunft? sind sie nicht
-- die hchsten Revisoren derselben? erheben sie die Vernunft nicht zu
ihrer eigentlichen Wrde? ist die Vernunft nicht _generis foeminini?_
und der _Geschmack?_ ist er nicht mit so schnen sittlichen Ideen
ausgestattet, da es eine Lust ist? Mu die Vernunft sich nicht
vielmehr von Amtswegen versinnlichen, um ber das Herz zu siegen, das
ein trotziges und verzagtes Ding ist, wer kann es ergrnden --? Wrden
wir nicht aufhren Menschen zu seyn, und bernatrlich werden, wenn wir
auf das Wesen der Menschen Verzicht thten? ist bernatrlich nicht
auch unnatrlich? Das feinste Raffinement ist immer ein Verwandter
der Simplicitt. Das Loos dieses Lebens ist eine Menschenrolle; ist
sie so subaltern wie sie scheint, und verdient _der_ Befrderung,
der im Geringeren ungetreu ist? Erst durch die Ehe wird das Weib in
eben dem Grade durch den Mann vollendet, wie der Mann durch das Weib
-- Mann und Weib machen einen ganzen Menschen aus -- Die relativen
Eigenschaften, die zwischen beiden auf einander angelegt sind, setzen
diese Behauptung auer Zweifel. Darf ich es noch einmal wiederholen,
da der Vorzug der physischen Gre und Strke des Mannes in Hinsicht
des Weibes sich auf keine moralische berlegenheit unseres Geschlechtes
bezieht? Kein Geschlecht hat den mindesten Werth ohne das andere;
zusammen genommen machen sie die Menschheit aus. Wir spielen aus Einer
Kasse, und die Natur hat Mann und Weib so zusammen gefgt, da kein
Mensch sie scheiden kann -- In einander verwebt, ist Eins um des Andern
willen. Eifersucht auf Ansehen ist der Hebel, wodurch nur schwache
Menschen gereitzt und in Athem gesetzt werden knnen. Was kann sich
ohne Weiber gruppiren? Gehe mit einem dir vllig gleichgltigen Weibe
um, nur langer Weile halben -- ehe du es merkst, wird deine Seele in
die ihrige eingreifen; ihr werdet nicht von einander lassen, ohne da
Lust oder Liebe hierbei den mindesten Einflu hat -- Dieser Einklang
ist Geschlechtstrieb, oder inniges geheimes Gefhl, Besttigung
der gttlichen Worte: Es ist nicht gut, da der Mensch allein sei
-- Ohne _Eva_ ist _Adam_ ein Thier, und _Eva_ ohne _Adam_ eine
Klosterjungfer. Wer bemerkte nicht, da fast alle Mnnergesellschaften
mit dem Paradiese anfangen und mit dem jngsten Gerichte enden! Man
erstaunt ber die Sprnge, welche Mnnergesprche nehmen -- Weiber
knpfen sie zusammen und bringen Alles in das Verhltni, wenn gleich
gesellschaftliche Unterhaltungen mit Recht die Art der Englischen
Grten behalten, die genau gebahnte Wege vermeiden. -- Wre grere
krperliche Strke mit einer greren Seelenkraft verbunden, so wrde
diese Schrift sehr klein geworden seyn, und es htte nicht verlohnt,
an eine brgerliche Verbesserung der Weiber zu denken. Macht aber
der Geist des Menschen sein eigentliches Wesen und Seyn, so ist die
Unfhigkeit des Weibes zu Staatsgeschften, Knsten und Wissenschaften
ein Vorwand, allein kein Einwand -- Selbst nicht immer sind die Weiber
schwcher gebauet als die Mnner -- _In einzelnen Fllen --? in
niederen Klassen?_ Nein! auch selbst im Allgemeinen. In _Champagne_,
wo die Einwohner ein gesunder Schlag Leute sind, sollen, nach der
Bemerkung der Reisenden, die Weiber strker seyn als die Mnner;
und wie viele junge Wstlinge giebt es, die sich das Alter in der
Jugend inoculiren lieen, um so wenig vor Alter, wie an den Pocken zu
sterben --! Ich will fr meinen Einwender Grnde auslegen, die er mir
hoffentlich zu seiner Zeit erstatten wird. Zugegeben, da das Weib im
Allgemeinen und bei allen Nationen, so wie berhaupt, in der ganzen
thierischen Schpfung, schwcher, feiner und zarter gebauet ist als
der Mann; zugegeben, da die weiblichen Nerven biegsamer, reitzbarer
und zrtlicher als die unsrigen sind: was folgt daraus? etwa, da der
Krper der Weiber nicht zu langen Anstrengungen des Geistes angelegt
sei? da sie wegen ihrer lebhaften Imagination nicht lange bei einem
Gegenstande verweilen knnen? da Anstrengung des Kopfes, Sammlung
des Geistes ihre Sache nicht sei? -- Giebt es nicht wissenschaftliche
Gegenstnde, welche Biegsamkeit und Feinheit erfordern? Lt denn
krperliche Strke auf geistige schlieen? und hat ein vierschrtiger
Tagelhner die beste Anlage zum Generalsuperintendenten? -- Die
vorzglichsten Menschen hatten schon oft die schwchlichsten Krper.
Eine groe Seele hat selten einen handfesten Leib zu seinem Gefhrten
gewhlt; Freund _Hume_ und einige andere ausgenommen, waren groe
Geister in der Regel klein und schwchlich --. Was wohl leibet,
heit es in einem alten Sprich- und wahren Worte, seelet oft bel.
Selbst _Alexander_ und _Friedrich II_ waren klein von Krper, so wie
Helden gewhnlich nicht auf groe Statur Anspruch hatten. Oder wie?
haben Physiologen ausfindig gemacht, da die ursprngliche weibliche
Organisation die Weiber zu subalternen Geschpfen mache, ihnen den
Weg zu allem Edlen und Groen vertrete, und, wenn auch Jnglinge
und Mdchen einerlei Unterricht empfingen, von einerlei Motiven zu
ihrer Geistesbildung angetrieben wrden -- jene doch diese allemal
berflgelten? Wren diese Beobachtungen wahr und richtig, so mte
man freilich glauben, auch wenn man das gerade Gegentheil she --
Ei Lieber! wo hat man den Erfahrungsschatz gefunden? gesammelt hat
man ihn doch nicht? wo sind Versuche gemacht? absichtlich gemacht?
und mte das nicht vorausgegangen seyn, wenn man ber Anlagen und
Fhigkeiten so absprechen wollte? Es hat nie weder an Kpfen noch an
Herzen unter den Weibern gefehlt, die den Mnnern den Rang abgewonnen!
Ich beziehe mich auf den Anfang dieses Ohrfingers von Capitel, welcher
so spendivisch preiswrdige Namen genannt hat -- Und warum wollen wir
mit einander streiten, da jeder Blick aus der Arche der Studierstube
das Vorurtheil der Weiberverachtung widerlegen kann und wird -- falls
ihm kein gefrbtes Glas die Kraft benimmt. Es geht meinem Gegner wie
vielen andern seiner Art: er bestreitet nicht die Sache selbst, sondern
die unrichtigen Begriffe, die er sich von der Sache macht; nicht mich,
sondern sich --

_Freilich_ -- (ein erwnschter Anfang von einem Opponenten!) _Freilich
wallfahrtete die Knigin aus Arabien, um bei dem Professor Salomo einen
philosophischen Cursus zu hren; und wir knnen nach der Liebe hoffen,
da er sie nicht ohne ^augenscheinlichen Segen^ seiner Schule
entlassen haben wird._

Der Schule der Weisheit doch wohl? sonst mt' ich dies _Freilich_
mit Zinsen zurckgeben. Wo der liebe Gott eine Kirche hat, da bauet
sich der leidige Feind eine Kapelle -- Jede Akademie der Weisheit
hat ein Gymnasium der Torheit in der Nhe; in der grten Schnheit
liegt der Stoff zur grten Hlichkeit -- Je glcklicher die Vernunft
den blauen Dunst zu verbreiten sucht, der unser Auge verflscht; je
heftiger wird die Begierde, sie durch Besuche aus jenen Gegenden zu
widerlegen, wo abgeschiedene Seelen hausen -- Beweiset die knigliche
Wanderschaft (des _Freilichs_ ungeachtet) nicht klrlich, wie begierig
die schne Welt -- wohl zu merken nach Weisheit ist --? in Ernst, was
wissen wir denn? Sind Weiber gleich zuweilen des Dafrhaltens, einer
Philosophie nicht zu bedrfen, nach welcher wir uns rhmlichst den Kopf
zerbrechen, um grundgelehrt sagen zu knnen: wir wten nichts; knnen
ihnen dagegen wohl Energie der Seele und tiefgeschrfte Bemerkungen
abgesprochen werden? Und so wre denn auch dieses Spiel fr die Weiber
gewonnen -- -- -- Kinder reicher Leute sind gemeiniglich so baufllig,
wie die Htten der Armen, und langer Nichtbrauch kann Krfte schwchen;
-- allein auch heben?

Wer kann behaupten, _da das Eigenthmliche des Geschlechtes nichts
Bestimmendes fr die brgerliche Gesellschaft habe?_ Das Weib hat
Selbstliebe und die damit correspondirende Selbstbestndigkeit -- Ist
brgerliche Gesellschaft denn etwas anderes, als eine vergrerte
husliche? oder sind etwa auch in der huslichen Gesellschaft die
Weiber nicht an Ort und Stelle? Wo sind Privatgesellschaften, die in
die Lnge ohne Weiber sich halten knnten? Ihren Hauptreitz verdanken
sie den Weibern, deren munterer leichter Ton Alles in's Geschick
bringt, und die schwersten Gegenstnde schmackhaft, anmuthig, gefllig
und gelufig zu machen versteht -- Sie finden zu den Gedanken des
Mannes die schicklichsten Ausdrcke; und oft hab' ich zu bemerken
Gelegenheit gehabt, da, umgekehrt, Mnner die Gedanken des anderen
Geschlechtes durch wohlgewhlte Worte zu beleben suchen. Bei jeder
Regel haben sie zehn Flle bei der Hand, die jene bestrken oder
widerlegen; ihre vom richtigsten Geschmack gebildete Einbildungskraft
bringt in die abstraktesten Dinge eine lebendige Seele! Wir wollen viel
wissen, die Weiber viel verstehen; wir wollen viel gedacht haben, die
Weiber viel sagen und in Umlauf bringen. Sie protegiren gemeiniglich
nicht Gelehrte, sondern die Gelehrsamkeit; weniger eitel in dieser
Hinsicht als wir, legen sie es darauf an, weniger gelehrt als weise
zu seyn; sie ehren den Witz, und bedienen sich seiner als der ihnen
von Natur beigelegten Waffen, sich in Achtung zu setzen und darin
zu erhalten. Durch Witz beleben sie ihre gesellschaftlichen Cirkel,
und halten jede Ungezogenheit ab; ihre gefllige Laune tingirt Alles
mit Wohlgefallen -- Dem Pedanten schleifen sie den Rost ab, damit er
ertrglich werde; und wenn _Newton_ ihren Finger nimmt, um seine Pfeife
nachzustopfen, so wissen sie diese unverzeihliche Zerstreuung zu
seinem Vortheile zu wenden; wenn er etwas ber die Offenbarung Johannis
schreibt, so thut es durch den Schutz, den sie ihm angedeihen lassen,
ihm an dem Orte, wo er lebt, keinen Schaden. Ein groer Gewinn! Nichts
wird so wenig vergeben als persnliches Verdienst, und nichts wird so
gern von Damen in Schutz genommen als eben dieses. Empfindlichkeit
ist innig mit Genie verbunden: in unserem Glcke liegt auch immer
der Keim unseres Unglckes; und wie viel haben Damen zu thun, um
hier Alles zum Besten zu kehren, zu ebenen und in's Gleichgewicht
zu bringen! Ruhe und Ruhm sind selten gute Freunde; Damen versuchen
die Shne unter ihnen, und wissen sie zu vergleichen. Sie vertreiben
jenen Rauch in den Schriften der schnen Geister, der Alles rucherig
gemacht haben wrde, wenn nicht in Zeiten frische Luft dazu gekommen
wre. Sie stellen bei kleinen Soupers witzige Turniere an, und lenken
das Gefecht. Sie widersprechen nicht wie mein Gegner, sondern oft
nur, damit man einsehe, da hier ihrer Zwei sind -- Wenn Gelehrte
Gedanken berschlagen, so wie man Bltter berschlgt; so fllen
sie die Lcken, und setzen Alles in Verbindung -- Ihre Aufmunterung
erhlt den verdienstvollen Schriftsteller aufrecht, wenn Knaben ihn
einen Kahlkopf heien; sie decken ihn mit ihrer gide vor den feurigen
Pfeilen des Neiders und Sptters, so da die besten Autoren an ihrer
Hand die Stufe der verdienten Wrde erstiegen, die sie ohne diese Engel
der Strkung gewi nicht erreicht haben wrden -- In der Blthe wren
sie verwelkt, und noch ehe sie zu mnnlicher Strke gelangten, wrden
sie, ohne weibliche Aufmunterung, Autorlebenssatt dahin geschieden
seyn -- Die Prmien aller Akademien knnen nicht den aufgekitzelten
Witz eines Sptters in unserm geselligen Kreise zgeln; -- und Weiber,
die so wohlthtig in kleinen Gesellschaften sind, sollten es weniger
in grern und im Staate seyn --? Ein Englischer Reisender macht die
Anmerkung, da die Franzsinnen in den Tagen der Frhlichkeit und
des Genusses glnzten, die Englnderinnen dagegen im Schatten des
eingezogen Lebens und in der huslichen Ruhe -- Man lasse sie zu
_Staats-Geschften_, und wir werden finden, da sie nicht blo zum
Englischen Frhstck, zu einer Franzsischen Assemblee, sondern auch
in Geschfte die nmliche Milde und Gte bringen werden, die sie
berall, wo sie sind, verbreiten -- Sie sind das Salz der Erden, das
Allem Geschmack giebt, das Licht, das berall erleuchtet, es mag als
Mond des Hauswesens, oder als Sonne des Staates aufgehen. Nicht nur die
angeborne Moral ihrer schnen Seelen; nicht nur ihre Herzenskunst die
feinsten Winkelzge des menschlichen Empfindens zu erreichen; nicht
nur ihr durchdringender Blick, der wie die Steine _Davids Goliathe_
tdtet; sondern auch jene Eigenschaften, die uns die Kindheit so
liebenswrdig machen, ihre edle Einfalt, ihre Gte des Herzens, ihre
von, aller Menschenfurcht entfernte Seele, ihr unbesorgtes Vertrauen
auf den Vater im Himmel und auf eine gerechte, eine gute Sache, wrden
die Staatsgeschfte wiedergebren, und wir einen neuen Himmel und eine
neue Erde des Staates sehen, wo Gerechtigkeit und Milde wohnten, und
in einem neuen heiligen Leben wandeln. -- Es wre eine unverzeihliche
Sptterei, wenn man auf die Frage: warum die weiblichen monarchischen
Regierungen besser als die mnnlichen sind? antworten wollte: weil
alsdann Mnner das Ruder in Hnden haben, so wie, wenn Mnner regieren,
Weiber sich am Ruder befinden; allein auch selbst diese Sptterei, so
wenig sie von der Geschichte gerechtfertigt wird, beweiset mindestens,
da Weiber guten Rath zu schtzen wissen: und ist dies nicht bei
Mnnern nur selten der Fall? Doch, berufen Einwendungen zu lsen, wie
komm' ich zur Apologie --?

_Eine Hauptbestimmung des Weibes ist Kindererziehung. Um desto
sicherer zu glnzen, versumt es diese Pflicht, die Miethlingen
berlassen werden mu; und wenn etwa eine Mutter noch mit getheiltem
Kopf und Herzen die Erziehung ihrer Tochter bernhme -- ist es Wunder,
da sie, durch Gesellschaft verdorben, anfnglich mit ihr paradirt,
und nicht lange nach diesen Tagen eiferschtig auf sie wird?_ --

Lieber! ist die Erziehung blo Pflicht der Mtter, oder liegt sie
nicht auch den Vtern ob? gehren die Kinder nicht beiden? Und wenn
der Vater, dieser Verpflichtung ungeachtet, nicht aufhrt gesellig
zu seyn, warum soll es denn die Mutter? Wozu werden Kinder erzogen?
nicht zur Gesellschaft im Groen und Kleinen? und diese kennen zu
lernen, soll die Mutter Verzicht thun? sie soll erziehen, ohne die
Erziehungskunst zu kennen? -- Einer der ungerechtesten Vorwrfe ist
es, die _groe Weichlichkeit unseres Jahrhunderts auf die Rechnung der
Weiber, und des Tons, den sie in Gesellschaften angeben, zu setzen_.
Sind wir wohl so weichlich wie die cultivirten Vlker, die ihre
Weiber einsperren? Selbst zu gymnastischen bungen giebt das andere
Geschlecht unsern Jnglingen Gelegenheit, die inde kaum noch Kraft
zum Tanze haben, der ohne die Weiber vllig aufhren wrde --! -- Die
Weichlichkeit fing von jeher bei unserem Geschlechte an, und gewi
haben wir es den Weibern zum grten Theil zu verdanken, da sie nicht
noch grere Verwstungen macht. Jene Eitelkeit, die jetzt den Weibern
anklebt, wird von selbst aufhren, wenn wir ihnen den Zutritt zu Dingen
verstatten, wo sie sich von einer vortheilhafteren Seite zeigen knnen.
Bis jetzt schrnkte sich ihre ganze Bestimmung auf die Kunst ein uns
zu gefallen, und ein Mdchen hat seinen Lauf vollendet, wenn es das
Glck hat, einen Jngling anzuwerben, der seiner wrdig ist. Gebet
den Weibern und Mdchen andere Beschftigungen, und sie werden jene
Kleinigkeiten, jene Puppen aufgeben, und die uerlichen Vorzge weit
unbetrchtlicher finden, als ein groer Theil unserer Narcissen, die im
Spiegel der Mdchen blo ihr geziertes Selbst erblicken. Befriedigen
wir berhaupt durch das, was wir dem anderen Geschlechte zugestehen,
nicht weit mehr unsere Eitelkeit, als die Forderung der Natur, als
die Wnsche eines denkenden Weibes? Es ist nicht zu leugnen, da
jetzt auch eine tugendhafte, ihrem Manne getreue Frau eine gewisse
Koketterie fr keinen Fehler hlt und Mnnern von Verdiensten so
liebreich und zuvorkommend begegnet, da diese nicht umhin knnen,
ihr eine vorzgliche Dankbarkeit zu erweisen -- Doch sollen hierdurch
Begierden nicht geweckt oder gereitzt werden; nie denkt jene liebe Frau
sie zu befriedigen, und der Mann, der darauf Rechnung machen wollte,
wre ein Neuling, oder ein Prahler oder -- Wenn der liebe Gott einen
Menschen strafen will, so fngt er an, ihn inconsequent reden oder
handeln zu lassen -- -- Es giebt stillschweigende Bedingungen, die,
ob sie gleich nicht verabredet, sondern vorausgesetzt und angenommen
sind, doch heiliger als schriftliche Contrakte, mit Notariatssiegeln
verunstaltet, erfllt werden -- sie sind eine Art von Spielschuld, die
auch den Kniglichen Allerhchsten Kassen vorgeht -- Bei der jetzigen
Lage der Dinge trgt diese Koketterie des gemeinen Lebens dazu bei,
da der Umgang anziehender wird -- man macht, wenn ich so sagen darf,
nicht dem Krper, sondern der Seele den Hof, und es giebt in der That
_Seelen-Cicisbeos_, die unschuldigsten Geschpfe unter der Sonne --
Eine gewisse Art von Gleichheit unter den Menschen, welche an die
Unschuld der ersten Welt erinnert, wird hierdurch zu Stande gebracht;
und so lange Weiber an den Staatsgeschften nicht Theil nehmen, und wir
keine ernsthafte Dinge mit ihnen und in ihrer Gegenwart treiben knnen,
ist diese Koketterie ein Nothbel, ohne das unsere Gesellschaften das
Schalste, Unreitzendste und Langweiligste seyn wrden, was je in der
Welt gewesen ist und seyn kann.

Der Einwand meines Gegners, _da Weiber zu viel Zeit auf ihren Leib
verwenden_, spielt den Krieg in sein eignes Land -- Sind wir es nicht,
die ihnen die Seele bestreiten --? die sie auf den Krper einschrnken?
Ist denn etwa der Krper uns blo Ballast, mit dem die arme Seele sich
beschwert hat, um auf der Fahrt dieses Lebens fortzukommen? oder ist er
nicht vielmehr ein ehrwrdiger Theil des Menschen? -- Wer die Seele den
Genius des Menschen nannte -- hatte der so ganz unrecht? Man gradiere
die Weiber im Staate, so wie man dem Golde eine hhere Farbe giebt;
und sie werden ber den Leib die Seele nicht versumen -- Ist es Ernst,
lieber Einwender, oder ist deine Behauptung, _da die Weiber eine
unberwindliche Neigung zur Pracht besitzen, wodurch sie ihre Mnner
zur Verschwendung und zu betrgerischen Concursen verleiten_, Scherz?
-- Ernst also! Lieber! wer brachte sie auf die Bahn zur Pracht? nicht
der Stand des Mannes? mssen sie nicht diesem oft die glcklichsten
Neigungen ihres Herzens aufopfern? Ist ihre natrliche Stimmung
nicht fr Einsamkeit und Landleben? -- _Landleben?_ -- Allerdings!
Nicht aber fr jenes, das keine Wohnung der Weltentfernung, sondern
eine Gelegenheitsmacherin zu neuen ppigkeiten und zu einer ganz
neuen Art der bertreibung ist -- An der Hand des Weibes scheint die
Natur sich mit uns vertraulicher einzulassen und recht Gelegenheiten
aufzusuchen, ihre Milch und ihren Honig, den ganzen Reichthum ihrer
Wollste, uns schmecken und sehen zu lassen. Die edlen Ergsse der
Zrtlichkeit, wenn sie reitzend ausgewechselt werden sollen, suchen
das Land, und entfernen sich von Hof und Stadt, wo sie Fremdlinge sind
-- sie leiden keine Zeugen, und weit weniger Laurer und Faher -- Wie
oft mu sich das Land mibrauchen lassen, die verstimmten Sinne des
Hofmanns, nicht zur Tugend und zu sanften Sitten, sondern zu neuen
Ausgelassenheiten aufzuheitern! -- Man sucht reinere Luft, um sich zu
einer neuen Art Ausschweifung aufzufrischen -- Weiber suchen das Land,
und warten nicht darauf, dahin verwiesen oder ausgestoen zu werden
-- Freund! sie sollten die Grfin _**b*_ kennen! Sie darbt, wenn man
an der Hand der Natur darben kann, um fr ihren Schlemmer von Gemahl
eine ungeheure Schuldenlast zu bezahlen, die nicht blo Snden der
Jugend sind, sondern die er in einem Staatsposten, der seinen Mann
nhrt, noch immer vergrert -- Weiber schaffen sich Welten, die sie
besen und bepflanzen, durch eine wohlthtige Einbildungskraft, die
ohne Mhe reich macht: in der wirklichen Welt -- wie unbedeutend ist
da ihre Rolle! -- sie zogen Nieten aus jenem Glckstopfe; wir die
Gewinner -- Man kann durch Gedanken sich erhitzen und zu einer Rthe
kommen, die man eine Seelenrthe nennen knnte, und die sich von allen
jenen unterscheidet, welche durch krperliche Erhitzungen veranlat
werden; und so eine Rthe innerer Zufriedenheit, mit Zuziehung einer
wohlerlaubten Einbildungskraft erregt -- welch eine Zierde auf der
Wange eines edlen Weibes! Hast du nie die Wonne eines Familienzimmers
empfunden, wo man eigentlich zu Hause ist? denn in den brigen wohnen
Gste oder ein antisokratischer Dmon von Pracht und Stolz; und welches
Zimmer ist dem andern Geschlechte das angemessenste? das erste das
beste -- Und wie! wenn es auch Weiber giebt, die zu meiner Beschreibung
nicht passen, wurden sie nicht schon als Brute zum unzeitigen Aufwande
durch Geschenke verfhrt, die weit ber das Vermgen des Brutigams
gingen? Schwingt sich das Weib zum Regiment, so wird es ihm schwer
und unertrglich sich herabzustimmen --; und wenn es sich wirklich
herabstimmt, ist es verzeihlich, solche Blen zu geben? solche
Betrge ungestraft zu begehen? ist es nur anstndig, als Brutigam den
_Pastor fido_ zu spielen, um nachher als Ehemann den _Orlando furioso_
zu machen? sein Weib aus dem Himmel in die Hlle, aus Eldorado in
eine Schenke zu werfen, wo man es durch ein Schattenspiel an der Wand
entschdigen will? -- So betete man weiland in Paris die Komdianten
an, denen man im Tode ein ehrliches Begrbni versagte --.

_Weiber sind auffahrend; der Zorn aber (das Vorspiel der Raserei) thut
nie, am wenigsten in Staatsgeschften, was Recht ist._

Und woher dieser Zorn? der Ohnmacht halben, und weil den Weibern keine
rechtmige Macht zustehet? Was hilft es, mit sich selbst zu Rathe
zu gehen, wenn es an ausbender Gewalt fehlt, die weise genommenen
Beschlsse zur Vollziehung zu bringen! -- Kannst du regnen, so
kann ich auf Holzschuhen gehen, heit es in einem alten Deutschen
Sprichworte; und wer leugnet es, da man bei den Ausbrchen des Zorns
die eignen Gedanken der Seele nicht vernimmt, so wie man bei tobendem
Gewitter sein eignes Wort nicht hren kann! -- Als jener edle Mann
des Alterthums nach seiner Rckkehr sein Hauswesen in unverzeihlicher
Unordnung fand, stellte er seinen _Vizdum_, den ungerechten Haushalter,
blo mit den weisen, bewunderungswrdigen Worten zur Rede: _wie wrd'
ich dir begegnen, wenn ich nicht bse wre_ --! Mein guter Freund **
sah einem Diebe gelassen zu, der ihm sein Holz stahl, und nur als er
zu befrchten anfing, der Holzdieb wrde sich zu sehr belasten, bat
er ihn dienstfreundlich, sein selbst zu schonen, und sich, den Weg
zweimal zu gehen, nicht verdrieen zu lassen. _Rechtsum_, schn! und
_Linksum_? Welchem Herrn dient der Knecht lieber: dem, der ihn in der
ersten Hitze seine Strafhand empfinden, oder dem, der eiskalt ihn
blutig stupen lt? Der Teufel verliert keinen Dreier dabei, wenn
ich nicht fluche, sagte ein Bauerknabe, als ihm das zweite Gebot
eingebluet ward -- So theuer bezahl' ich die Weisheit nicht -- Wie
Vielen kostete die Zornunterdrckung Gesundheit und Leben! -- Gesetzt
Weiber verstnden die Kunst nicht, ihren Zorn uerlich zu zhmen, und
eine gewisse Ruhe zu schwarzknsteln -- sind nicht die unversteckten
Fehler die leichtesten und gemeiniglich Schwachheitssnden, von denen
sich auch fromme gottgefllige Seelen nicht lossagen knnen? Die
Heiligen sind in dieser Rcksicht nicht ohne Fehl vor Gott; -- vor
Menschen es zur Scheinheiligkeit zu bringen, kann nicht schwer fallen.
Jene Fehler bleiben die gefhrlichsten, die in Schafskleidern zu uns
kommen, inwendig aber reiende Wlfe sind: an ihren Frchten sollt
ihr sie erkennen -- Zrnet und sndiget nicht -- Ist nicht der Zorn
eine Art von Waffen, womit wir oft Gutes erweisen knnen, ohne zu
schaden? Was wrden Weiber ohne dies Hausmittel bei der Kindererziehung
ausrichten? Giebt es nicht Unbeschnittene an Herz und Ohren, denen
man nachdrcklich und gewaltiglich andeuten mu, was zu ihrem Frieden
dient? -- Verziere das Ntzliche, sagte die Weisheit; die Thorheit,
die alles umzukehren gewohnt ist, kehrte das Gebot um, und machte das
Hauptwerk zum Nebenwerke. Giebt der Zorn nicht oft der Sache einen
gewissen Schwung --? Wer kennt und schtzt nicht den _Diensteifer_, der
das dritte Wort ist, wenn wir dem Staate unsere Dienste anbieten, wenn
wir wirklich seine Officianten werden und wenn wir mit der Bitte einer
Pension den Staatsdienst verlassen --!

Der unbilligste Einwand von allen ist, da Weiber darum nicht zu
Geschften berufen sind, _weil sie zu keiner Freundschaft unter sich
Verstand und Willen haben_. (Man bersehe nur nicht, da nicht ich
sondern mein Feind so freundschaftlich ist, an die Freundschaft zu
denken --) Ich leugne nicht, da ohne ein gewisses Band so genannter
Freundschaft, eigentlich Offenheit, gutmthiger Bekanntschaft,
Staatsgeschfte schwerlich bewirkt, und die leider zu knstlich
gerathene Maschine des Staates vereinfacht werden kann, weil ohne
dieses Band keine Einheit im Staate herauszubringen ist und alles
in der Irre ohne Zusammenhang und Ordnung bleibt -- Wer ist aber
im Stande, den Weibern berlegung hierzu, kalte Schtzung des
Gegenstandes, Feinheit, zuvorkommendes Wohlwollen und Aufopferung
abzusprechen --? Schon jetzt giebt es Freundschaften unter ihnen,
die den unsrigen nicht weichen -- Nur das Vorurtheil der Mnner hat
ihnen die Anlagen zur Freundschaft abgesprochen. Sind sie nicht
zarter, treuer, unberwindlicher, unbestechbarer, als viele Mnner,
wo Neid und Rivalitt von so vieler Art die Triebe des Herzens
verflschen, und die Freundschaft zum Contrakt _do ut des_, _facio
ut facias_, nicht zum Herzens-, sondern zum Sachentausche machen? --
_Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften sind Flle, die zu den seltenen
gehren, und die bei dem Einerlei der Weiber, bei ihrem Alltagsleben
um so weniger zu erwarten stehen, da Proben und Situationen zu
dergleichen Freundschaften durchaus unentbehrlich nthig sind -- Und
wie verschieden sind jene _Damon-_ und _Pythias-_Freundschaften vom
Dienstgleichgewichte, das durch ein gewisses Einverstndni bewirkt
wird. Weiber mssen jetzt von Geschlechtswegen, wo nicht interessiren,
so doch Herzen gewinnen, wo nicht angebetet, so doch geliebt werden
wollen; setzt sie ber die Sinnlichkeit hinaus, und ihre Eitelkeit,
ihre Neugierde, ihr jetziger Hang zum Vergngen werden sich veredeln
-- sie werden nicht aufhren, Weiber zu seyn; -- wie unglcklich wren
wir, wenn sie das knnten! -- nur werden sie aufhren, _die_ Weiber zu
seyn, die sie jetzt sind -- Diese Verwandlung wird uns heben, statt
da man uns jetzt, wie jenen Elephantenleiter, fragen knnte: _bist du
darum so trotzig, weil du Thiere commandirst?_ An uns ist der erste
Schritt, und nur von unserm bufertigen Entschlusse hngt es ab, diese
Revolution zu bewirken. Werdet andere Mnner, und Alles, vorzglich
die Weiber, ist anders als jetzt. Mit dem Mae mit dem wir sie messen,
werden sie uns wieder messen. _Dienstfreundschaft!_ Ist sie denn unserm
Geschlechte eigen? Nicht nur die Kraft, auch den Schein verleugnen wir.
Fhren die Staatsdiener nicht unter sich den dreiigjhrigen Krieg?
Der Financier ist wider den Justizmann, und der Justizmann wider den
Financier; das diplomatische Corps wider das Kriegs-Departement, und
dieses gegen jenes -- Einer will den andern bermeistern, ohne da er
seiner selbst Meister ist: Einer will dem andern die Grnze verrcken,
einer stellt dem andern ein Bein -- Doch, leider! ist es immer der
Staat, der bei dieser Gelegenheit in die Grube fllt -- Oft giebt
sich sogar _Richtercomplott_ und _Hllenbund wider den Unterdrckten_
fr Dienstfreundschaft aus; und da ist das letzte bel rger, als
das erste; da ist guter Tag und guter Weg ein Himmel gegen jene
Mrder-Bande --

Der sittliche Zustand der Weiber grndet sich sehr natrlich auf
ihren gesetzlichen -- Da das Mdchen sich ihren Gefhrten des Lebens
nicht laut und deutlich whlen kann; so sieht es sich genthiget,
dieses Geschft zutrauensvoll seinem Auge zu bertragen, das, an diese
Einladung gewhnt, nie ganz diese Weise aufgeben kann -- Man scheint
dieser Manier eine Art von Dankbarkeit erweisen zu wollen, die jetzt,
da Alle dies Blickspiel treiben, das Unanstndige nicht hat, das es
sonst haben wrde. Diese Blicke, wodurch sie eine besondere Art von
Beherrschung, die man Augenherrschaft nennen knnte, und eine gewisse
gefllige Freundschaft ben, haben ihren besondern _Contract social_
und so bestimmte Gesetze, da man auf ein Haar wei, wann die erlaubte
Grenze _berblickt_ wird -- Dem Reinen ist Alles rein -- Wer findet
nicht einen sicheren Weg zur Wonne, in dem schnsten der Spiele, einer
verstohlnen Liebe? Die Gensse der Verstohlenheit steigen zu einer
geistigen Wrde, zu einer hinreienden Delicatesse -- Durch jenes
_Glck_, das die Mdchen sich _erblickten_, durch jene anziehende
Kraft, wodurch sie auf die Jnglinge wirkten, hat ihre Verlegenheit
auch bei weitem noch nicht ihr Ende erreicht, wenn sie die Ehre haben,
in die Gewalt der Mnner zu kommen. Sie sinnen unaufhrlich darauf,
diese Gewalt durch alle Knste einzuschrnken, so da am Ende nicht
viel davon brig zu bleiben pflegt -- Da sehen sich denn Weiber
zuweilen -- ist es ihnen zu verargen? -- nothgedrungen, vermittelst
der Augen mit getreuen Nachbarn und desgleichen Allianzen zu ihrer
Deckung einzugehen; und so unschuldig dieser Freundschaftsanfang
gemeiniglich ist, so schuldig knnen oft Schutzvertrge dieser Art
werden. Von Personen ihres Geschlechtes knnen sie keine Beihlfe
erwarten, und ihre Freundschaften unter sich sind von anderer
und originaler Weise. Giebt es aber nicht eben so viele wahre
_Freundinnen_, als es wahre _Freunde_ giebt --? Von der brgerlichen
Verbesserung der Weiber wird es abhangen, da ihre Freundschaftsanlagen
berichtiget und verbessert werden -- Wie unbillig sind wir, von
Weibern -- denen wir die Wrde Personen zu seyn, versagen -- mehr
zu fordern, als ihnen zu leisten mglich ist! -- -- Fast knnte man
behaupten, da die Gesetze, die fr ihr Vermgen, wie fr das Vermgen
eines Unmndigen, sorgen, ihre Personen darber vernachlssigen, oder
sie wenigstens vergessen zu haben scheinen. Frauenzimmer, welche
Mtter werden knnen, sind keine Kinder mehr -- Der bittere, nicht
unverdiente Vorwurf, den man unserem Geschlechte macht, _da es
heut zu Tage keine Kinder mehr gebe_ -- stehet er nicht mit unserer
Grausamkeit, die Weiber als groe Kinder zu behandeln, in engerer
Verbindung, als man denken sollte? -- -- --

Es giebt Regenten, die sich den landesvterlichen Wunsch des _Caligula_
aus Geitz eigen machen: ach, wenn doch alle ihre Provinzen nur Einen
Hals htten! nicht um ihn zu brechen, sondern nur eine einzige Rhre
zum Essen und zum Trinken in ihrer Monarchie zu haben. So tyrannisch
bin ich nicht in Hinsicht meiner guten Freunde von Opponenten, die
es inde nicht viel besser als die Virtuosen machen, welche oft
beschwerlich sind, wenn sie Niemand hren will, dagegen stumm und
eigensinnig, wenn sie sich hren lassen sollen.

_Die Unbestndigkeit soll ein so charakteristischer Zug des weiblichen
Verstandes seyn, da Weiber bei keinem Gegenstande der Untersuchung und
des ernsten Nachdenkens mit gleicher Anstrengung lange zu verweilen im
Stande wren._

Der grte Theil des andern Geschlechtes, der Mittelstand, hat nur eine
einzige Art von Beschftigung, kommt nie aus dem Takt, und wei nur vom
Hrensagen, was lange Weile ist. Diese entsteht aus einer Art von Luxus
der Beschftigungen, und gehrt in der Regel zu den Eigenschaften der
Mnner, obgleich auch Damen hherer Region an diesem bel Theil nehmen,
und an demselben schwach und krank danieder liegen, wenn das Vergngen
lnger dauert, als sie es auszuhalten gewohnt sind. Die Frau Grfin
hatte lange Weile in der Komdie, weil heute noch Redoute ist; allein
auch auf der Redoute wird ihr die Zeit lang werden; weil sie keine
Partie findet; und auch wenn sie diese gefunden hat, wrde die Zeit von
ihrem Blei kein Gran verlieren, da ihr Cicisbeo bei dem frstlichen
Souper lange Weile hat, und sie mit ihrem Verehrer nicht _minnespielen_
kann. Bei _einem einzigen_ Spiel findet die schne Welt zu wenig
Beschftigung. Konnte doch _Julius Csar_ lesen, schreiben, und sieben
Cabinetssekretarien sieben besondere Briefe diktieren! -- -- Und
lebt die schne Welt wirklich? -- Nein doch! sie spielt das Leben --
Unbestndig berhaupt find' ich das andere Geschlecht nicht mehr nicht
weniger, als das unsrige; vielmehr ist ihm eine gewisse Weltberwindung
eigen. Es verstehet sich darauf in's Dunkle zu werfen, und glnzt eben
darum desto besser -- Stilles Verdienst ist sein Eigenthum; und sind
dies _Anzeigen_ des Unbestandes? -- Zeitiger und fester nimmt es seine
Partie als wir -- Zwanzig exemplarische alte Jungfern gehen auf einen
Hagestolzen gleicher Art.

_Die groe Lebhaftigkeit weiblicher Empfindungen und weiblicher
Einbildungskraft, das zu reitzbare Nervensystem soll inde Schuld an
der Unbestndigkeit und dem blo flchtigen Feuer bei Gegenstnden des
Nachdenkens in Hinsicht der Weiber seyn; auch sollen sie fr groe
Gegenstnde des menschlichen Wissens nur selten ein wahres Interesse
fhlen_ --

Und giebt es denn in unserm Geschlechte Viele, bei denen jene Ausdauer
ist? die ein, dem ersten neuen und frappanten Eindruck gleiches, Feuer
bei scientifischen Gegenstnden behaupten, die dem Spiele schnell auf
einander folgender angenehmer Empfindungen widerstehen, und einem
Gegenstande getreu bleiben bis in den Tod? Hat nicht fast jeder, auer
seinem Haupt-, noch einen Neben-Beruf, den er Erholung nennt, und an
dem er weit mehr hngt, als an seiner Hauptsache? Die eigentliche
Strebsamkeit ist dieser Nebensache gewidmet: und hierbei pflegt man es
auch, durch Gottes Segen, in kurzer Zeit weiter zu bringen, als bei der
eigentlichen Hauptsache. Friedensschlsse verbinden jeden, nur nicht
die, welche sie schlossen; und angewiesene Officianten haben berall
Kraft und Macht und Glauben in ihrem Amtsbezirk, wenn sie gleich --
(whrend sie eine Aktenrelation fertigen, ein Paar ber Nichts und
wider Nichts uneins gewordene Nachbarn ausgleichen, dem jungen Greise
von Vormunde, bei dem sein Mndel das erloschene Feuer anfachen soll,
dies unschuldige Geschpf entreien, ein Domainen-Stck taxiren, den
verfallenen Nahrungsstand eines Fleckens untersuchen, die Klagen
von hundert unterdrckten Bauern hren, und einer Wittwe zu dem ihr
vertheuerten Rechte verhelfen, und ihre Rechtssache verkrzen sollen)
-- ein Lied auf den Frhling zusammenstmpern, einer Wildenschweinsjagd
beiwohnen, ein Pikenik abwarten, eine Strohkranzrede halten, oder in
Liebelei versinken -- Haben doch Knige und Frsten Khe gemolken,
Netze gestrickt, Knpfe gedrechselt, gemahlt u. s. w. _Leibnitz_ war
so wenig _Professor Philosophiae_, als _Wieland Professor Poseos_;
und was giebt es denn fr groe Gegenstnde des menschlichen Wissens,
fr die nicht Jemand aus dem andern Geschlechte eine Neigung gezeigt
htte? Die Geduld, das Ausdauern der Weiber ist zum Bewundern; und
legen sie nicht tglich davon ein Zeugni ab, indem sie die Formen
nicht zerbrechen, in welche Gewalt und List sie go? indem sie Kinder
erziehen und in's Geleise bringen, die ihre Vter oft durch blinde
Liebe und eben so oft durch blinde Strenge verderben --? indem sie mit
ihren Mnnern (leider! nur zu oft alten Kindern) gelinde umgehen, wie
mit jedem bel, das nicht zu ndern ist, und sie heben und tragen und
leiten, um sie nur wenigstens leidlich zu erhalten? -- _Aristoteles_
ging spazieren, wenn er lehrte und lernte, und hie der _Spazierer_
(Peripatetiker) -- Oder ist es nthig, da Alles im ersten Feuer
gearbeitet wird? da die Phantasie uns Alles mit Flammen mahlt? und
da Alles, was wir denken und sagen, ein immerwhrendes Feuerwerk,
ist? -- Auer dem Feuer giebt es noch andere wohlthtige Elemente
-- Ungezgelte Bilder, funkelnde Sprche, tiefgeschpfte, schwer
herausgezogene Stze mgen immer bleiben, was sie sind; es giebt
Gedanken, die ihren stillen Werth haben -- die, gerechtfertigt werden
durch That --! -- Wenn den gelehrten Arbeiten der Weiber eine gewisse
Furchtsamkeit anklebt -- ist es Wunder, da sie sich in die gelehrte
Republik blo hineinstehlen mssen? Von Natur sind sie dreister als
wir; das Gefhl des Unvermgens, den Vorzgen Anderer gem zu reden
und zu handeln, das Allem eine gewisse ngstlichkeit giebt, ist ihre
Sache nicht -- Die Gabe ihrer leichten ungezwungenen Unterhaltung
wird ihren Vortrag nie mit blen Angewohnheiten und Einschiebseln
verunstalten, die sich nicht viel besser ausnehmen, als wenn verlegene
mit der Welt noch unbekannte Jnglinge von ihren Hnden und Fen
gergert werden -- oder wenn Fliegen in ein reitzendes Gericht fallen.
Mige Phrases in's Gesprch einschalten, heit ihnen: die Zeit tdten;
und durch schne Redensarten einnehmen: das Vergngen als Zweck des
Lebens behandeln. Seht Prinzen -- und seht regierende Herren selbst,
wie furchtsam sie sind! -- Das Hof-Ceremoniel scheint nur erfunden
zu seyn, ihrer Bldigkeit auszuhelfen. Auch giebt es eine edle
Freiheit, welche die Folge eines guten Gewissens ist, -- so wie es ein
Wohlbefinden giebt, ein Gut- und belaussehen, das vom Gewissen kommt;
und dies ist dem andern Geschlecht eigen -- Warum sollten Weiber denn
wohl als Schriftstellerinnen furchtsam und verlegen thun und seyn, da
die aufgehaltene Sprache sich durchbrechender Empfindungen eine Gewalt
und Strke besitzt, gegen die schwerlich sonst etwas zu wirken vermag,
als unser kritischer bermuth, der die Weiber durchaus nicht aufkommen
lassen will? Weiber wissen Wahrnehmungen zu Beobachtungen zu erhhen;
und da Mnner Stze zu Grundstzen zu erheben wissen, (die, wohl zu
merken! der Philosoph sogar dem Mathematiker vorschreibt) und mit ihnen
Tausend schlagen: so schlgen Weiber mit ihrem Witze gewi Zehntausend,
wenn Mnner ihn nicht durch eine Art von Grndlichkeit (die genau
genommen wenig oder nichts bedeutet) zu lhmen und in Verlegenheit zu
setzen suchten. Weiber besitzen die Geschicklichkeit, alle Seelenkrfte
auf Witz zurckzubringen -- Gelingt ihnen nicht Umfassung der Sache auf
eine bewunderungswrdige Weise? Wissen sie nicht das ewige Einerlei,
wozu sie verurtheilt sind, unbertrefflich schn zu modificiren? und
_Aufmerksamkeit in hohem Grade_, oder _Scharfsinn_ zu zeigen? Wie
knnen sie aber einem Schwalle von Kunstwrtern widerstehen, womit
wir Sturm laufen! wie eine schwerfllige Gelehrsamkeit widerlegen,
wodurch wir sie aus dem Tempel der Wissenschaften hinauskritteln,
dessen Allerheiligstes doch so leicht und einfach ist --! Warum
soll es ihnen an Gedankenflle, groen erhabenen Darstellungen von
Charakteren, an hohem Schwunge gebrechen, oder an Schpfungskraft
und hohem Grad des Enthusiasmus, da sie von dem allen ungesuchte und
anspruchlose Proben im gemeinen Leben uern? -- Feine originelle und
der Natur abgelauschte Zge sind ihnen eigener als uns; was ihnen
am scharfen Umri bei ihren Charakteren (richtig ist er fast immer)
abgeht, ersetzen sie durch ihr lebendiges Colorit -- So wie sie
ihren Krper zu kleiden verstehen, so kleiden sie auch ihre Gedanken
-- Die Angemessenheit ihrer Worte und die groe Einfachheit in der
Wortfgung, geben ihrem Styl eine Deutlichkeit, die nichts bertrifft.
Die besten Denkzettel, die ein Autor seiner Schrift anhngen kann,
sind, wenn er durch seine Darstellungen uns an uns selbst erinnert;
wenn seine Schrift dem Menschen durch das Herz geht; wenn die Leser
sich einbilden: es fehle wenig oder nichts, so htten sie diese Schrift
selbst stellen knnen; sie wren im Stande gewesen, sie dem Autor in
die Feder zu sagen; aus ihrem Herzen htt' er es genommen und ihnen
verkndiget -- Solch ein Widerschein erleuchtet und frommt!-- Wir
lassen uns von _Ideen_, wie _Sokrates_ von seinem _Dmon_, verfolgen,
wir versetzen uns, wie _Plato_, in eine Republik; und so wie der,
welcher ein unverwandtes Auge auf Einen Punkt heftet, zuletzt sieht,
was er sehen will: so sehen auch wir mit dem Auge der Seele Windmhlen
fr Riesen, Wirthshuser fr Schlsser, Teiche fr Weltmeere, eine
Abderitische Posse fr einen wohlberdachten Finanz-Kniff oder
Operation an -- Nicht genug; auch Worte spielen den Meister nur zu oft
ber uns -- Wir veruntreuen ihre Bedeutung, werfen eine willkhrliche
Markscheidung derselben auf, und fallen, wie Leute, die reich werden
wollen, in Versuchung und mancherlei Stricke, wenn wir nach der
leichtesten Art reich zu werden, _zu sparen_, oder nach der schwersten,
_zu speculiren_, suchen -- Wir arbeiten Alles zum Druck aus, in der
bestimmten Absicht, es dem gelehrten Publico zu berantworten, oder
es in einem privilegirten oder unprivilegirten Cirkel vorlesen zu
lassen -- Und ob es gleich freilich correkter ausfllt, wenn der Inhalt
lehrreicher ist, oder so aussieht, wie ein hingeworfener weiblicher
Aufsatz; so wird die Arbeit des anderen Geschlechtes doch mehr
Individualitt zeigen, und eine Intuition behaupten, die wir, im Namen
und von wegen unserer stupenden Gelehrsamkeit, fast keinem unserer
Werke in gleichem Grade verleihen knnen. Leichter und flchtiger
sind weibliche Arbeiten; allein darum oft treffender, richtiger,
eindrcklicher. Weiber lieben schon nicht lange Worte, weil hier eine
Hauptsylbe sich die anderen unterordnet und sich die Herrschaft ber
diese anmat -- Lange Perioden sind ihnen nicht angenehm, weil sie die
Alten nicht genug kennen, weil dieselben schwerer zu lesen und zu
fassen sind, und weil der Witz ein Todfeind dieser Potsdammer ist --
von denen ein plumper Hollnder behauptete, da nur ein kleines Herz
in einer dergleichen gewaltig groen Maschine gefunden werde -- Selten
lassen Weiber einen ppigen Sprling des Ausdruckes aufschieen -- und
ereignet sich der Fall, so ist es eine Feldblume, die sich nicht aus
den Grenzen der Bescheidenheit wagt -- Bei uns gewinnt Nachdenken, bei
Weibern Empfindung die Oberhand -- Die Oberhand, sag' ich; denn auch
Nachdenken leistet der weiblichen Empfindung hlfliche Hand: und sind
in ihren Aufstzen nicht alle Ungleichheiten geebnet, so bleibt ihnen
dagegen mehr Eigenthmliches -- Man rcke das Ziel ihres geschftigen
Lebens ber die Kche und Stricknadel hinaus; man fhre sie nur an: und
sie werden uns sehr bald an Scharf- und Tiefsinn bertreffen, ohne sich
kraft ihres gesunden Menschenverstandes zu versteigen. Ach! wer kann
sich entbrechen, wenn vom Vorzuge unseres Geschlechtes die Rede ist,
mit _Daniel_ auszurufen: Seht, das sind eure Gtzen!

_Weiber knnen nicht allein seyn_ --

Nicht allein? Lieber! wenn die Einsamkeit gemahlt werden soll, mu ein
Weib sitzen, oder sie ist nicht getroffen.

_Oder nichts allein berlegen._

Und doch ziehen Mnner sie alle Augenblicke zu Rath; und wohl ihnen,
und dem Collegio und dem Staate, wenn Mnner es thun! O! wie gern
wlzen die Mnner ihre Brde von ihrem Herzen auf ihre Weiber, denen
sie ihre Geheimnisse anvertrauen! und wie viel haben Weiber zu tragen!
o, wie viel! Von Weibern dagegen ist fast keine einzige, die nicht
etwas htte, was nur Gott und sie wei, was kein Beichtvater erfhrt,
und womit sie der Zeit und Ewigkeit unerschrocken, entgegen geht --
Unsere Geheimnisse verfliegen oft, gleich einem flchtigen Geiste; die
ihrigen sind ihnen in Herz und Seele getzt -- Wenn Gedanken ihren
Schpfern entkommen, die sich bei aller oft widerlichen Anstrengung
nicht zurckbringen lassen -- ihren Schpfern, die nur selten
Gedankenerhalter sind; so verstatten Weiber ihren Gedanken nicht so
viel Ausgelassenheit -- _Was ich doch sagen wollte_, wird man selten
oder gar nicht von Weibern hren. Ihr Gedchtni ist getreuer, als
das unsrige; und schwerlich wird ein Weib so zerstreuet seyn, wie
_Terrasson_, und so sehr sein Gedchtni verlieren, wie er. Weiber
halten Zerstreuungen fr Affektation, und knnen sich nicht des Lachens
enthalten, wenn sie von _Terrasson_ hren, da er kurz vor seinem Ende
im Gedchtni-Concurs Alles an seinen Verwalter _Luquet_ assignirte, so
da er, als sein Beichtvater ihn bei der letzten Beichte nach seiner
Sndenmenge fragte, demselben auch diese Assignation gab: Fragen Sie
nur _Luquet_. --

_Weiber wren nicht selbststndig und allein fhig?_ Eine Einwendung,
die, so leimgestrkt sie auch scheint, sich nicht halten kann. Wenn wir
zwischen Furcht und Hoffnung schwanken, nehmen sie gleich Partie, und
sind entschlossen an Leib und Seele -- Ihre Entbindungen machen sie so
dreist. Bei minder wichtigen Dingen halten sie es nicht werth, es noch
auf Entschlsse auszusetzen: Es gehe, wie es gehe -- In politischen
Angelegenheiten schlagen sie, wenn wir kannengieern, sich zu keiner
Parthei, und whlen das beste Theil: Was wir leisten, macht unsern
Lehrern Ehre; was sie leisten, ihnen selbst -- Sie mischen die Karten,
und theilen sie so aus, da Spieler und Zuschauer zufrieden sind,
wenn dagegen eine Menge staatskluger Kpfe beisammen sitzen, und noch
immer in gerechter Befrchtung, nicht Kopfs genug zu besitzen, auf
Verstrkung ihrer Beisitzer denken. Vor lauter Rderwerk wird nichts
zu Stande gebracht, vor lauter Reden kommt es zu keiner That, vor
lauter Stimmenzhlung zu keinem Schlusse. Wer von uns hat sich ber
das Stimmen der Instrumente nicht gergert, ehe es zur Sinfonie kommt
--? Hohe Deutlichkeit und strkeres Licht mit mehr Vergrerung zu
vereinigen -- das ist das Ziel der Ausrstung, um Augenreisen in die
Ferne zu thun. Wie oft zerschlagen unverstndige Kinder und brtige
Collegia einen stattlichen Spiegel, um eine Fliege zu tdten! und noch
fter wird das Kind mit dem Bade ausgegossen. Des Bocksbeutels und der
verknstelten Kunst halben kommen Dekrete zum Vorschein, mit denen am
wenigsten in allen Fllen, und hchstens nur provisorisch, auszulangen
ist; Dekrete, die hchstens Palliative sind, um sich eine angenehme
Ruhe fr die nchste Nacht zu machen.

_Warum soll man den Jesuitenorden von den Todten erwecken, und die
heimlichen Jesuiten, Jesuiten en tapinois (das schne Geschlecht)
privilegiren?_

Warum? weil die heimlichen schdlicher sind, als die ffentlichen,
weil die ffentlichen (wenn nmlich nichts heimlich bei ihnen
bleibt) aufhren Jesuiten zu seyn, und weil geheime Krankheiten die
gefhrlichsten sind -- Wie kommt aber das andere Geschlecht zur
Ordensehre?

_Maitressen von guter Abkunft haben bei weitem das Bse nicht
gestiftet, was die Maitressen niederer Abkunft, eine Pompadour, eine du
Barry, sich zu Schulden kommen lieen._ Allerdings! und also nehme man
nicht Maitressen, sondern Weiber.

_Nein, also lasse man die Weiber in ihrer Dunkelheit!_ Getroffen, wenn
sie Maitressen werden sollen -- Wenn sie aber ihren gttlichen Ruf,
Weiber zu seyn, befolgen, so hebe man sie nicht durch Flittergold,
sondern durch chtheit -- Sind die Trkischen Bassen und Veziere, die
Beys in gypten darum menschlicher, weil sie in ihren frheren Jahren
das Elend des Volkes aus erster Hand kennen lernten?

_Welche Widerlegungen!_ Sind etwa die Einwendungen besser? _Es lt
sich Alles vertheidigen_ -- und wider Alles einwenden. _Ich wollte um
Vieles, um Alles in der Welt kein Weib seyn_ --; ich auch nicht --
_und doch_ -- und eben darum. _Wer hat nun Recht --?_ Wer die Wahrheit
sagte. _Und wer sagte die Wahrheit? nicht wahr: wer Recht hatte?_

Wer die Sache der Unterdrckten fhrte, und wer der Menschheit sich
annahm.

_Der Menschheit?_

Sind etwa Weiber nicht Menschen?

_Der Unterdrckten?_

Sind wir nicht ihre Tyrannen?

_Heil den irrenden Rittern!_

Heil und frhliche Gestalt, wenn ihr Ritt auf Menschenwohl ausgeht --

_und wenn sie keine Dulcineen haben,_

als die Reinheit der Absicht, die Dulcinee unserer Philosophen --.

_Dies Buch wre nicht eines Weibes halben geschrieben --?_

Nicht eines Weibes, sondern der Weiber halben -- Keines wei, da ich
es geschrieben habe, keines wird es, so Gott will, wissen.

_Und warum denn nicht jener schmale Weg, der das zu Viel und zu Wenig
vermeidet und durch Beides sich durchschlngelt?_

Weil Wenige sind, die darauf wandeln --

_Besser als Viele!_

Nicht immer, wenn von brgerlicher Tugend und Untugend die Rede ist.

_Der Mittelstand zwischen Skepticismus und Leichtglubigkeit_ --

ist ein unseliges Mittelding -- So oder nicht so, ist mein Wahlspruch;
-- nicht aber: so oder anders, oder halb so. Ja Ja, ist bei mir ein
halbes Nein; und Nein Nein ein halbes Ja. Ja, Nein, was drber und
drunter ist, ist vom bel --

_Und die Gesetze! -- wird dies Buch es mit ihnen ausmachen?_

Mein kleinster Kummer! mgen es die Gesetze mit den Gesetzen ausmachen!
mgen die Todten die Todten begraben! -- Freilich thun die Gesetze
zuweilen so, als ob es Krfte in der Menschheit gbe, die auerhalb der
Menschheit lgen --

_Was will das sagen?_

Es giebt Gesetze, welche die einzelne Kraft des Menschen unterdrcken,
damit die Summe aller Krfte desto strker sei; und doch ist natrlich
die Gesammtkraft desto grer, je grer die Summe der Krfte einzelner
Menschen ist -- Unsere Herren Staatsrechenmeister verrechnen sich
gewaltig, da sie die Zahl der Weiber auswerfen --

_Wenn sie inde auf den Zweck der brgerlichen Gesellschaft sehen_ --

O! dann verrechnen sich die Oberrechnungs-Cameralisten noch mehr. Giebt
es einen andern Zweck, als die individuelle Freiheit zu schtzen, und
die Eingriffe eines Jeden in die Freiheit eines Andern zu behindern --?

_Das sollte auch auf Geschlechter Anwendung finden?_

Sind die etwa nicht moralische Personen?

_Und die Billigkeit?_

ist ganz auf meiner Seite. Was im Lande gilt, ist Recht; was in der
Welt gilt, ist billig -- Was nach der Meinung der mehresten Menschen
recht ist, ist billig --

_und billig ist der, der so handelt, da es die mehresten Menschen fr
Recht halten -- Ein billiger Autor ist der, der so schreibt, da_ --

Wahr --!

_Wenn wir zhlen wollten_ --

wrd' ich gewinnen, falls nur _die_ stimmten, die
man nicht fragen darf: verstehest du auch, was du
sagest --? weit du auch, was du thust --?

_Immerhin ^Verbesserung^; warum ^brgerliche^?_

Weil man sich an Zweige, und wohl gar Bltter, nicht halten mu, wenn
der Stamm anzugreifen ist --

_Und der Ausdruck dieses Buches --!_

Nachdem die Materie, in der man arbeitet, nachdem die Bruchstcke und
Spne, welche fallen --

Mgen doch meine Leser und Leserinnen, denen der obige lngliche Streit
und Widerstreit beschwerlich gefallen ist, an dieser runden Manier
sich erholen und Luft schpfen, oder mgen sie es nicht, wie es ihnen
beliebt -- --




VI.

Nutzanwendung.


Wenn es wahr ist, da von der Theorie des Drucks die ganze Operation
eines glcklichen Finanzsystems und einer weisen Staatsregierung
abhngt: so haben die Mnner wenigstens nicht die rechte Art des
Druckes erwhlt; denn in Wahrheit, wir verlieren durch die Art,
wie wir das andere Geschlecht behandeln, mehr als es selbst. Man
sagt, dies sei auch der Fall, wenn man im Unterthan die Tugenden
des Fleies, der Industrie und des Gehorsams durch siebenmal sieben
Plagen erzwingen will. Zwar bei dem Magnetismus erregen Druck, Reiben
und Streicheln ein bermenschliches Vermgen; allein der politische
Druck hat noch nicht die Divinationsgabe erregt, den Hunger ohne
zu essen, und den Durst ohne zu trinken, zu stillen. Es ist hchst
jmmerlich kein anderes Gesetz zu haben, als den souverainen Willen;
und wo wandelbare Launen des Despoten, seine Indigestionen, seine
Galle, seine Blhungen die Stelle der _Numas_ und _Solone_ vertreten
-- wer mag da unter Anordnungen stehen? Es ist schon unertrglich,
auch dem besten Menschen untergeben zu seyn, wenn er vterlich ber
Menschen regieren will, die lngst die Kinderschuhe auszogen! --
Seht! in dieser traurigen Lage befindet sich das andere Geschlecht.
Jene Zeit ist nicht mehr, wo ewige Fehden alles in bestndiger Unruhe
und Furcht erhielten, wo das Rauben eine Heldenthat schien, und wo
man durch Raufen zu Ehren kommen wollte. Was ist aber rger, seines
Schicksals gewi seyn, oder unter dem Beistande des Rechtes leiden?
einem ganzen Geschlecht unter der scheinheiligen Vorgabe des gemeinen
Bestens seine Rechte und Privilegien rauben? oft thun als stnde
man unter dem Befehle seiner Sklavin, und noch fter wirklich schon
ihre Winke befolgen, und doch im Ganzen ihr Tyrann seyn und bleiben?
Scheint nicht fast die Liebe aufzuhren, sich in eine Herrschbegierde
zu verwandeln, und diesen Gruel der Verwstung an heiliger Sttte
schon frhzeitig und in den Flitterwochen der Liebhaberei durch
Eifersucht zu verrathen? Jetzt schmachtet und liebkoset der schchterne
Jngling, um ber ein Kleines als Mann kalt und trotzig zu gebieten
-- Im _Theater_ wird wahre Welt zum Vorschein kommen mssen, wenn sie
noch sichtbar werden soll; denn in der _wirklichen Welt_ wird Komdie
gespielt. Wo giebt es Abderiten-Flle, welche denen gleichen, die
das Verhltni beider Geschlechter tglich an den Tag legen -- Wenn
ein vernnftiges Wesen eines anderen Planeten Zeit brig htte, eine
Wanderschaft auf diesen Erdenklo zu unternehmen, und das Verhltni
beider Geschlechter zu beherzigen; wrde nicht, wenn das vernnftige
Wesen nach seiner Heimkunft eine Reisebeschreibung herausgbe, die
Reise dieses _Nikolaus Klimm_ eine der ernsthaftesten Dogmatiken (das
ehrbarste, das ich kenne) scheinen? An einem Verleger wird es dem
Wanderer dort hoffentlich nicht fehlen -- Die allgemeine Vernunft ist
ber den Codex, nicht aber der Codex, der doch sein eigener Beweis
nicht seyn und sein eigenes Kriterium nicht aus sich selbst nehmen
kann, eine Proce-Ordnung fr die allgemeine Vernunft -- Wie lange will
man unserer Seits der Vernunft widerstehen! Die Menschen schieben gern
Alles auf Andere; und wenn sie keinen finden, der seinen Rcken zu
dieser Belastung darbietet, so mu die Natur sich diese Denunciation
gefallen lassen -- und so fehlt es auch unserem theuren werthen
Geschlechte nicht an Behelfen, die auf die Rechnung der schnen Welt
gesetzt werden -- Eine Schande fr uns, da wir nicht nur ungerecht
sind, sondern auch die Schuld dieser Ungerechtigkeit von uns entfernen,
und sie dem anderen Geschlechte zuschieben! Das Weib, das du mir
zugesellet hast, sagte schon der alte _Adam_, hat mich verfhrt; -- und
wir sind bis jetzt noch so treue Adamiten, da wir nicht ermangeln, uns
von der Schuld des subalternen Ranges, den wir dem anderen Geschlechte
zueignen, in bester Form Rechtens loszusagen. Die armen Weiber, die,
wenn sie sich mit uns auf kalte Negociation einlassen wollten, kein
Gehr finden, knnen es noch weit weniger gegen uns auf ernsthaftere
Schritte aussetzen -- Sie haben keinen _Leonidas_, keinen _Franklin_,
keinen _Washington_; sie sind keine _Spartaner_, keine _Schweizer_,
keine _Amerikanische Kolonisten_: knnen sie aber nicht dies Alles
haben? knnen sie nicht dies Alles seyn? _Maria Antonia_ und _la
Fayette_ sind zwei gleich groe Charaktere, die in der Franzsischen
Revolutions-Geschichte glnzen werden. Eitelkeit und Furcht vor
Schande sind gemeiniglich die Basis von dem ganzen Muthe der Mnner;
Temperament ist es bei den Weibern. Eine Reihe von Jahrhunderten hatte
Europa nur Eine Gestalt. Despotismus und Sklaverei, Unwissenheit und
Barbarei herrschten berall; und warum sollten die Weiber nach einer,
wenn gleich langen, Unterdrckung, nicht zu jenem Range erhoben werden
knnen, der ihnen als Menschen gebhrt? Ein groer Theil unter ihnen
scheint der Ketten, die ihnen das Gesetz so vortheilhaft schildert,
mde, und fhlt einen unberwindlichen Hang, sie eher zu zerbrechen,
als mit ihnen, wie mit Kinderklappern, zu spielen. Man trauet den Damen
zu wenig zu, wenn man sich Mhe giebt, ihnen Alles in einem Sftchen
beizubringen, wenn man ihnen Alles bezuckert und in Nhebeutelformat
behndiget, als ob sie so schwach und hinfllig wren, nichts Greres
als ein Duodez-Bndchen halten zu knnen. Die Frage: verstehest du
auch, was du liesest? wird in der Regel das Duodez-Mnnchen von
Stutzer weit eher, als ein edles Weib, treffen. Wenn gleich die
Geistes-Arbeiten der Weiber, sobald sie in's Grere gehen, fr's erste
_bas-relief_ sind -- sie werden weiter kommen; denn nur wir halten
ihren Geist am Gngelbande, um sie nicht allein gehen zu lassen. Ein
groer Kinderlehrer lie in * * die Buchstaben in Pfefferkuchen backen,
damit die Kinder das A B C in den Kopf bekommen mchten; allein die
liebe Jugend bekam das A B C in den Magen, und ward krank zu derselben
Stunde. Diese Pfefferkuchen-Methode ist der gewhnliche Fehler, den
man bei der Erziehung des anderen Geschlechtes begeht. Man will weder
seinen Verstand, noch seinen Willen zur Reife kommen lassen. Die Weiber
sind _en biscuit_; und wir! sind wir ausgebrannt? und wren wir es
-- was ist denn am Porcellain? -- _Bttcher_ wollte Gold machen, und
brachte Porcellain heraus. Was ist der Mensch? _Der halbe Weg vom
Nichts zur Gottheit_, sagt Young; und unser frommer _Haller_, der den
Namen GOTTES nicht unntzlich fhren wollte: _unselig Mittelding vom
Engel und vom Vieh_ -- da sich Gott erbarm! _Friederike Baldinger_
versichert in ihrer Lebensbeschreibung, mit einer Vorrede ausgestattet
von _Sophie de la Roche_: als Frau war ich ertrglich; wie klein wrd'
ich als Mann seyn! Um Vergebung, sollte dies nicht auch ein jeder Mann
umgekehrt von sich sagen mssen -- so lange: _ein Mann seyn_, nicht
mehr heit: als _ein Mensch seyn_ --? Enthlt jene Bescheidenheit
der _Friederike Baldinger_ nicht zugleich einen Vorwurf fr unser
Geschlecht in Beziehung unserer Selbsterhhung --? Unser _Herschel_,
der wegen _Mi Carolinen_, seiner Schwester, und _in puncto_ der
Astronomie mehr als einmal in dieser Schrift von Amts- und Rechtswegen
genannt zu werden verdient, nimmt an: die Centralkrfte wren nicht nur
die erhaltenden, sondern auch die bildenden und erneuenden Krfte der
Weltsysteme; und nach seiner Meinung knnen auch mehrere Gattungen von
anziehenden und zurckstoenden Centralkrften in dem Baue des Himmels
wirksam seyn. Knnten, wenn mnnliche und weibliche Centralkrfte
in der Menschenwelt anzgen und zurckstieen, nicht Dinge bewirkt
werden, von denen man bis jetzt nicht trumt --? Lset _Herschel_ die
dem bloen Auge sichtbaren Nebelflecke vermittelst seines Teleskops
in Sterne auf -- wie leicht wrden die _Flamsteads_ und _Mayers_ ihre
Verzeichnisse von Sternen am Weiber- oder besser am Menschenhimmel
erweitern knnen, wenn beide Geschlechter Ein Herz und Eine Seele
wren! --

Geh' ich zu weit, wenn ich behaupte, da die Unterdrckung der Weiber
Unterdrckung berhaupt in der Welt veranlasset habe? Wahrlich,
die Tapferkeit ist keine Entscheidung des Schicksals, wen sie zum
Regenten bestimmt hat. Durch Gromuth, nicht durch List, mu man den
Feind berwinden, und es ist und bleibt unanstndig, sich des Andern
Unerfahrenheit zu Nutze zu machen. Ist es besser, sich des Sieges
schmen zu mssen, oder sich ber das Glck zu beklagen? Die Erhaltung
eines einzigen Brgers -- ist sie nicht besser, als die Niederlage von
hundert Feinden? Das was nach der Meinung der meisten Menschen Recht
ist, das ist, verdollmetschet: so ist wie es seyn mu; ist recht in
einem erhabenen Verstande. Dies _rechte Recht_ grndet sich in der
Natur der Sache, und hat sich von den Schlacken der Willkhr und des
Trkischen Despotismus gereinigt -- Wollte man, nach dieser allgemeinen
Meinung von den Verhltnissen des frulichen Geschlechtes, glauben,
(glauben mu man in einem besondern Sinne _wollen_) da das vielfach
tausendjhrige Reich der Sklaverei der Weiber in diesem rechten
Rechte oder in der Billigkeit sich grnde? Ich will nicht glauben.
Nicht alles was wir ungestrt leiden, hat die Ehre unsers inwendigen
Menschen vor sich. Sehet euch um! ihr werdet finden, da das meiste
Unrecht in der Welt in dem Bestreben besteht, so zu handeln, da es die
Mehresten fr Recht halten. Wer kann wohl, ohne eine Gewaltthtigkeit
zu begehen, behaupten: die Weiber mten einen gewissen Standpunkt auch
bei dem hheren Grade neuerer Cultur und Sittenverbesserung behalten,
und sie knnten, wegen ihrer angebornen Bestimmung als Mitglieder der
Societt und als Weiber, bis an den lieben jngsten Tag nur so weit
und nicht weiter kommen? Unsere Grnzen der Ausbildung sollten nicht
abgesteckt seyn? nur die ihrigen wren behgelt? O, du liebe Zeit!
Die relativen Bestimmungen des Weibes in der Gesellschaft, in so weit
es Weib ist -- wer fragt nach diesen? diese sind so ewig, wie die
Bestimmungen des Mannes als Mann. Allein soll das Weib an Verstand
und Willen stehen bleiben, wenn der Mann Fortschritte macht; so mu
es mit der Aufklrung in's Gedrnge kommen, und sie mu Kinderspott
werden -- -- Man knnte Mnner mit der Speise, Weiber mit dem Trank
vergleichen; und nur Speise und Trank in Gemeinschaft halten Leib und
Seele zusammen. Das Gefhl der Bedrfnisse bildet den Menschen aus,
und der Schpfer scheint es ihm nachgelassen zu haben, Bedrfnisse zu
erfinden, um sie im Schweie des Angesichts befriedigen zu lernen,
durch Sprachunterricht zu Realkenntnissen hinauf zu reifen --
Selbstliebe, Neigung zum Wohlbefinden, Abneigung gegen den Schmerz,
sind Triebfedern, den Menschen immer weiter und weiter zu bringen;
und das andere Geschlecht fhlt sie, wo nicht in weit grerem Mae,
so doch gewi nicht minder -- Haben etwa Verabredungen, die aus jenen
Bedrfnissen und jenen Trieben entstehen, gemeinschaftlich Menschen
seyn zu wollen, um desto leichter zum Zweck zu kommen -- haben etwa
Verabredungen in den Stand der Gesellschaft zu treten, den Weibern
ihre Stelle angewiesen --? Nicht also! Die Punktation zum Stande der
Gesellschaft machte _Eva_; und hat sie es sich wohl je vorstellen
knnen, da auch hier die Ersten die Letzten werden sollten? Setzte
unser Geschlecht mit Vorwissen und Vorwillen des andern auf dasselbe
das Motto der Hlle: _Hier ist die Hoffnung ausgeschlossen_; oder
ist vielmehr durch den Stand der Gesellschaft der Stand der Natur
geheiligt? sollen nicht in jenem, wie in diesem, alle Menschen gleich
bleiben? Vlker sind sich eben so gleich wie einzelne Menschen,
und Geschlechter so wie Vlker. Ist nicht durch Unterdrckung des
Schwcheren das innere Verderben der Staaten entstanden, woraus denn
gerades Weges Unterdrckung und Zerstrung von auen sich nach und
nach ergab? Kommt es bei diesen Dingen mehr auf spielenden Witz,
schalkhaften Vortrag, bermthige Phantasie-Einflle, oder auf Wahrheit
und Recht an? und knnen wir in der Gesellschaft auf Gerechtigkeit
Anspruch machen, wenn wir keine erweisen?

Knnen wir, die wir uns so unrhmlich zu Herren des weiblichen
Geschlechtes aufgeworfen haben, es leugnen, da wir diese Herrschaft
von je her nur sehr schlecht verstanden? und in dieser Wissenschaft,
wie es am Tage ist, bis jetzt nicht weiter gekommen sind? knnen wir
es vor unserm Gewissen verhehlen, da wir die Urheber und Veranlasser
aller weiblichen Fehler sind, und da das meiste Gute, welches wir
an uns haben, auf die Rechnung des andern Geschlechtes gehrt?
Furchtsame Mnner werden allerdings den Stab ber mich brechen, weil
ich angeblich die Eitelkeit der Weiber gereitzt, und ihre von Natur
schon bermthigen Begriffe von ihrem Werthe genhrt habe; allein,
lieben Leute, durch eure Feuer rufende Befrchtung, ich mchte die
weibliche Bestimmung zu weit hinausgerckt haben, beweiset ihr, da
ihr, anstatt stark zu seyn, schwach seyd, und da ihr durch diese
Schwche eure angebliche Ordnung der Dinge umkehret -- und da euch
die Geisteskraft und Denkfhigkeit mangeln, die ihr aus bloem Neide
dem andern Geschlechte absprechen wollt. -- In der That, ihr solltet
der Natur fr das Hausmittel danken, durch das andere Geschlecht
angespornt und aufgemuntert zu werden, immer weiter zu kommen, aber
nicht Feigenbltter suchen, eure stolze Faulheit zu decken. So bald
Weiber Menschen sind und Vernunft haben, sind ihre Geistesanlagen nicht
zu beschrnken; am wenigsten knnen _wir_ hier psychologische Richter
seyn, da wir so sehr Parthei sind, und da wir weit besser gelernt
haben, unsere Sache zu fhren und Schildknappen der Autoritt zu seyn,
als das der Natur weit treuer gebliebene andere Geschlecht. Wo es
nicht an innerer Kraft fehlt, da ist nur Gelegenheit nthig, um sie zu
uern; und nur dann, wenn man sich den Vernunftgebrauch untersagt,
kann man sich zur Ableugnung jener Wahrheit bringen, da nicht Alles
_menschlich gleich_ sey, was _menschlich vernnftig_ ist. Nur dann,
wenn bodenloser Stolz an der Bestimmung des Menschen knstelt,
entkommen wir der eigentlichen Ausbildung der Anlagen unserer Natur,
und sie entkommt uns. Schade! --

Was fr einen Einflu Erziehung, Klima und andere uere Umstnde
auf Menschen (Mnner nicht ausgeschlossen) behaupten, lehrt die
Erfahrung. Der Weinbauer bleibt auch in ergiebigern Lndern ein
Beispiel von Indolenz und einer daraus entspringenden Verderbtheit
des moralischen Charakters -- Weiber verstehen nur natrliche Waffen
zu fhren; wir wrzen unsere Schutzschriften mit gelehrten Grnden,
treffen provisorische Einrichtungen, und wissen Bescheid, unsere
Schwchen so zu verhngen, da sie nicht in die Augen fallen -- und
eben darum behaupten wir geradehin, da Weiber nur aus Neugier, nicht
aus Wibegierde, nicht aus eigenem freien Triebe, sondern weil sie
dazu aufgemuntert werden, und nur aus Eitelkeit, sich hier und da mit
Wissenschaften abgegeben htten, ohne sich doch je darin auszuzeichnen
-- Aber auerdem, da die Reinheit des mnnlichen Verstandes und
des mnnlichen Willens keine Lobrede verdient, und da Selbstsucht
mit ihrer ganzen Sippschaft von Eitelkeit, Stolz, Geldhunger und
Schmeichelei, die Mnner gar bel plagt; auerdem, da auch der
Gelehrteste, wenn er sich irgend kurz fassen kann, kaum drei Wochen
gebrauchen wrde, um alles zu beichten, was er wirklich _wei_, und
selbst was er wirklich _glaubt_, so da sein Wissen und sein Weisagen
doch immer nur Stckwerk ist; auerdem da zwischen Zuckerbrot der
Lektre, und dem herben Wein der Erfahrung ein groer Unterschied
bleibt: so ist das Ende vom Liede aller Wissenschaften und alles
gelehrten Dichtens und Trachtens, (wenn es nicht blo Lckenfller
und Langeweiltrster seyn soll) _moralisch besser zu werden_. Sind
wir das? O, alsdann tret' ich beschmt zurck, widerrufe Alles, was
in meiner Schrift nur nach Apologie aussieht, und bleibe blo bei der
demthigsten Bitte, dem andern Geschlechte durch eine brgerliche
Verbesserung Zeit und Raum zur moralischen Bue zu gnnen, und es
zur Verpflichtung gegen die Gesetze des Staates, zu jener bestimmten
und uerlich vollkommenen Verpflichtung zuzulassen, die doch jeder
Staatstheilnehmer oder Brger haben sollte --

Und nun der Schlu? Der Mensch luft spornstreichs, um zum Ende zu
kommen, und wenn er sein Ende sieht, mu er sich ganz zusammen nehmen,
um sich zu fassen. _Machiavell_ schrieb seinen _Principe_, um die
Despoten-Republik zur Sprache zu bringen; und ich wollte nichts mehr
-- Wenn ich Dinge einander nahe lege, die sich fr gewhnliche Augen
sehr entfernt berhren, so lasse man mir und Jedem doch seine Weise;
denn wenn alle Bcher eine und dieselbe Melodie htten -- wrden sich
wohl noch so viele Leser finden? an Thter des Wortes ist so nicht
zu denken! Eine Schrift kann nie ein mchtiges um sich greifendes
Feuer anznden; und wenn man behauptet: _Rousseau_, _Voltaire_ und
_Montesquieu_ htten die Franzsische Revolution zu Stande gebracht; so
vergit man _Nordamerica_: und es gehrt zu den Zeichen dieser Zeit,
wenn man mit Bchern bekannter als mit Menschen ist, um zu regieren;
wenn man die uere Form des Systems viel zu lieb hat, um sie gegen das
Grndliche und Consequente der Lebensphilosophie aufzuopfern; wenn man
nur auf Mittel fr einen Tag sorget, um seinen Zweck durchzusetzen;
wenn man seinem Ehrgeitze nur ein anderes Kleid anzieht, das weit
weniger als der vorige Anzug Achtung fr die Leidenschaft erregen kann;
wenn man nicht die Weisheit anschauender, anziehender und wirksamer zu
machen sich bemhet, sondern blo seinem theuren _Ich_ Ehre zudenkt,
und, wohl zu merken! ein solcher Schwelger und Schlemmer im Ehrgeitze
ist, da man nicht an den andern Morgen denkt, und sich befriedigt,
vier und zwanzig Stunden im Saus und Braus eines hohen _Vivat_ zu
glnzen, und Plane auf die Zukunft gegen das schnde Linsengericht
eines stndigen Zujauchzens zu verprassen -- -- -- Theilnehmende
Achtung fr den Schwcheren hat etwas Gttliches; und wenn Stnde
zum Controlliren der Staatsofficianten ein herrliches, in Geduld
Frucht bringendes Ding fr den Regenten und das Volk sind, warum will
man diese Controlle des menschlichen Geschlechtes den Weibern nicht
anvertrauen? ihnen, die nie gewohnt sind, etwas Imaginaires, sondern
immer etwas Wirkliches zum Grunde zu legen, wenn wir uns gleich die
schndeste Mhe geben, sie zu Romanen zu gewhnen, um sie, kraft der
Reminiscenzen dieser Lektre, aus der wirklichen Welt hinauszubringen
-- Weiber haben mehr Geist, als Wissenschaft; Mnner mehr Wissenschaft
als Lebens-Philosophie, und leicht vergit unser Geschlecht, da
man nach Tugend und Rechtschaffenheit am ersten trachten mu, wenn
uns alles Andere zufallen soll. Bettelmnche haben oft grere
Gewalt als Eminenzen; Diese haben nicht Zeit, nicht Lust, es auf das
Seelen-Regiment anzulegen, da hingegen Jene wirkliche Seelen-Despoten
sind, ob sie gleich (etwas bescheidener) sich blo Seelsorger nennen.
Ich schrieb keine Grammatik, wo man die Ausnahme gleich hinter der
Regel verzeichnet: das Zeichnen sollte den kalligraphischen bungen
vorgehen, und die Geschichte, nach dem Vorschlage geprfter Pdagogen,
rckwrts vorgetragen werden. -- Ich werde mich fr hinreichend
befriedigt halten, wenn man mir im Ganzen beifllt, obgleich noch
nhere Bestimmungen gtlich oder rechtlich nthig gefunden werden.
Ein Buch, das Gedanken erweckt, ist oft besser als eins, das Alles
erschpft, und die Leser wie Unmndige behandelt. Winke fruchten
mehr als lange Belehrungen; und wenn ein Schriftsteller das groe
Amt verkennt, das ihm von der Natur anvertrauet ward, Menschen gegen
offenbare Ungerechtigkeiten zu schtzen; so verdient er selbst
unterdrckt zu werden. Wer es ber sein Gewissen bringen kann, ein
Geschlecht zum gebornen Despoten des andern zu erheben, wird vielleicht
nicht ohne Fertigkeit seyn, volksbliche Sitten nachzuffen und hheren
Volksklassen nachzulallen; allein auf rechtskrftiges Urtheil wolle er
in Zeiten Verzicht thun, und seinen Schlaftrunk von Vortrag fr jenes
Mittelgut von Menschen aufsparen, die Welt und eine Fabrikartigkeit
besitzen -- wenn gleich gemeiniglich die Pluralitt auf ihrer Seite
ist. Das Deutsche Weib galt in lterer Zeit allemal mehr als andere
Weiber, und ich bleibe gewi in den Schranken der Wahrheit, wenn ich
behaupte, da auch noch jetzt Deutsche Weiber, so wie sie da sind,
einer Verbesserung empfnglicher und fhiger wren, als alle andern,
zu welcher Zunge und Sprache sie sich bekennen, und welcher Vorzge
sie sich sonst gegen die Deutschen mit Recht oder mit Unrecht rhmen
mgen -- Nachtwandler erweckt man, wenn man sie bei Nahmen ruft; --
und sollten unsere Deutschen Herren Mnner nicht auf den khlenden
Trank nchtern werden, den ihnen diese Schrift reichet? -- Es giebt
Schriftsteller, die, wenn sie mit ihren Werken bei _ihrem_ Geschlechte
durchzukommen sich nicht getrauen, ihre Schrift mit der Nothlge
begaben, sie htten sie zu Heil und Frommen des andern Geschlechtes
gestellt. Auch glaubt sich mancher Nachdrucker bei Ehren zu erhalten,
wenn er das schmackhafte neugebackne Brot eines Andern brckelt, ohne
selbst durch Milch oder Butter ihm ein anderes Ansehen zu geben, und
dies alles auf Kosten des andern Geschlechtes thut -- als ob der Herr
Nachdrucker _im Brote_ des weiblichen Geschlechtes wre, oder als ob
es _nicht mehr knnte als_ (brockenweise) _Brot essen_! -- --

_Wozu alle Vergleichs-Vorschlge und Verbesserungs-Plane, die, wenn
man gleich ihnen Vorkaufs-Anmaungen nicht vorrcken kann, die, wenn
sie es gleich mehr bei bescheidenen Fingerzeigen bewenden lassen, als
da sie strafschtige Warnungstafeln ausstellen, doch um so weniger
Lebensfrchte sicher verheien knnen, als man von ihnen nicht wei, ob
und in wie weit sie in der Feuerprobe der Ausbung bestehen werden?_

Freilich! warum alle Katheder und Predigersthle? Sind die Menschen
nicht von je her Lgner, Undankbare, Ruber, Neider, Geitzhlse
gewesen? Raubvgel haben zwar von Anbeginn ihre Nchsten, bescheidnere
Nebenvgel, gefressen, so bald sie sich ihrer bemeistern konnten;
Menschen, welche einsehen, da besser besser ist, und da sie besser
werden knnen -- sollten _die_ ewig Raubvgel bleiben? Mich trstet
der Glaube an die analogisch zu vermuthende Absicht der vterlichen
Gottheit -- und das rastlose Fortstreben des menschlichen Geistes, der
einmal aufgeweckt und in Thtigkeit gesetzt ist. Die gesunde Bergluft
ist ohne Zweifel die Ursache von dem Heimwehe der Schweizer; was sollte
aber das andere Geschlecht bewegen, in seiner jetzigen Lage zu bleiben?
Es wird wollen, wenn wir zu wollen uns entschlieen werden --

Ungern mu ich mich noch zu einer Art Menschen wenden, an die ich
gewi am wenigsten gedacht htte, wenn nicht ganz frische Spuren mich
schreckten -- Da dies die Herren Recensenten nicht sind, versteht
sich von selbst. Es giebt wackere Mnner unter ihnen, die, wenn sie
gleich sich einen ehemals ungewhnlichen Reskriptenton angewhnen, es
so bel nicht meinen; man lasse sie reskribiren -- Du lieber Gott!
was reskribirt heut zu Tage nicht alles --! Wenn Kinder und Suglinge
an Jahren und an Verstande in unseren hohen Dikasterien den Nahmen
Gottes und ihres Frsten so unntzlich fhren, und dummdreistes Zeug
in diesen breiten goldenen Rahmen fassen; wenn sie so ungestraft
blinden Lrm zu machen, die Vernunft in bldsinnigen Sentenzen
gefangen nehmen, den guten Ruf trefflicher Mnner als gute Prise
ansehen, und von Rechtswegen fnf gerade gehen lassen knnen -- wird
man nicht, wohl zu merken! bei wrdigen Recensenten, denen jene
unbrtigen Grosprecher nicht werth sind die Schuhriemen zu lsen,
die weit kleineren Reskripten-Freiheiten, die sie sich herausnehmen,
ganz gern bersehen? Ich habe in Wahrheit nichts gegen Recensenten,
die sich wie wohlthtige Egel an unsere Bcher hngen, um ihnen das
bse Blut abzusaugen; vielmehr wnsch' ich herzlich, da dieser
Blutdurst ihnen allerseits nach Stand und Verdienst wohl bekommen
mge. Wenn aber Mcken um ein Paar Blutstropfen mich verfolgen, und
meinen Nahmen (wahrlich ein Paar Blutstropfen) entwenden wollen;
so bitt' ich diese Anekdotensauger in Erwgung zu nehmen, da ein
Buch darum keinen Fingerlang oder Fingerbreit schlechter oder besser
wird, weil man wei, da es diesen oder jenen Verfasser hat. In der
Schrittstellerwelt giebt es keinen Erbadel; und warum will man die
gelehrte Republik in einen monarchischen, wo nicht gar despotischen,
Staat umwlzen? warum nicht Jeden bei so viel Freiheit, wie nur
mensch- und politisch-mglich ist, lassen? Da giebt es denn aber
Kraftgenies ohne Genie, ohne genialische Anlage und Nachdruck, die
im Gefhl ihrer Geistesarmuth Anekdoten haschen, um unter Gelehrten
die Gelehrten zu spielen, die sie nicht sind, und die sie ohne
wundervolle Pfingst-Inspiration auch nicht werden knnen! Ein Pfeifer
und Geiger, ein Flter und Trommeter glaubt taktlos sich fr _Kant_
und _Wieland_ in Einer Person ausgeben zu knnen, ob er sich gleich
begngen sollte, die Mauern von Jericho umzublasen und die Steine
tanzen zu lassen. Voll Vademecums-Belgen wissen dergleichen Masken --
und was denn? was unter braven wackern Gelehrten der wenigste Kummer
ist; -- allein dafr sind jene Kraftmnner auch vor aller andern
Hypochondrie, als der, die aus Unwissenheit entspriet, und die mit
Nahmen-Wuth anzuheben pflegt, sicher ihr Lebenlang -- machen sich
aus Litteratur-Kindern und philosophischen Suglingen eine Macht,
und kommen nicht selten in die Gefahr jenes Menschenkenners, der
einen trefflichen Mann fragte: Ist der Herr nicht der Kster aus *
*? _Nein, ich bin der General-Superintendent * *, und wer Sie sind,
mag ich nicht wissen._ -- Wer leugnet es, da durch Gelehrte von
Profession, z. B. durch _Kant_ und _Heyne_, die Wissenschaften groe
Fortschritte machten? Gewi wrde der Meister der Philosophie _Kant_ in
seinen patriarchalischen Jahren nicht so kraftvolle Arbeiten liefern,
und durch einen wohlgestalteten Seelenerben nach dem andern der Welt
ein Lachen bereiten, wenn er nicht in der Blthe seines Lebens mit
diesen Gegenstnden vertraut geworden, und bei seinem Unterrichte zu
denken von Anbeginn gewohnt gewesen wre. Seine Vorlesungen waren
die Goldwagen seiner Grundstze -- Solch eine Pflege kann kein
Geschftsmann seinem Buche geben; noch nie aber haben verdienstvolle
akademische Lehrer einem _Lessing_, _Spalding_, _Teller_, _Moses
Mendelssohn_ u. s. w. ihr Verdienst abgesprochen, vielmehr es gern
gesehen, wenn diese fein sokratisch ihre Systeme in Philosophie der
Welt, ich wei nicht ob erniedrigten oder erhheten? -- Und wozu diese
Bemerkung? Um eine andere einzuleiten -- Wenn die Kritik der reinen
Vernunft mit dem Nahmen _Immanuel Kant_ in die Welt kommt -- Wer hat
etwas dagegen? Wenn aber ein Geschftsmann Autor ist -- in welche
Schwierigkeiten sieht er sich verwickelt! Der Prsident beneidet ihn,
wenn er Rath; und der Minister, wenn er Prsident ist. Zum gemeinen
Leben berufen, mu er sich nach demselben einrichten und sich in die
Zeit schicken lernen, und es ist bei dem Geschftsmanne nur zu oft
bse Zeit. Kritiken schaden den Gelehrten von Profession so wenig,
als wenn Renomisten sich an den Fenstern des zu strengen Rektors
vergreifen, die denn doch durch Laden gesichert werden knnen; und wie
leicht ist das Haus Sr. Magnificenz wieder befenstert! Der unsauberste
Geist inde schadet dem Geschftsmann, indem witzleere Antagonisten
desselben den schalsten Einfall mit Freuden aufnehmen, und mit diesen
fremden Klbern pflgen, um den braven Mann zu krnken. Der Gelehrte
von Profession schlgt den Ball, den ihm ein unfreundlicher Kritikus
zuschlgt, weiter; der Geschftsmann kann ihn nur zurckschlagen --
Jeder Unglcksfall im Dienst wird auf die Rechnung der Autorschaft
geschrieben; jede ungegrndete Beschwerde einer chicanirenden Parthei
findet gewisses Gehr, weil der Herr _Decernent_, oder _Instruent_,
_Referent_ und wie die _enten_ alle heien mgen, Autor ist und sich
nicht Zeit nahm -- alle Menschen klug zu machen. -- Der Revers der
Sache? wird nicht mancher Schriftsteller das Ansehen, welches er
in der gelehrten Welt hat, zum Schreckmittel brauchen, um sich zu
einem _Noli me tangere_ zu erheben? wird nicht sein Vorgesetzter
seiner Schriftstellerfeder auf Rechnung seines Postens eine Pension
zuwenden, und Andern aufbrden, was Jenem zu thun oblag --? _Practica
est multiplex._ Ein Mann, der _Vater_ ist, wenn er _Brutus_ seyn
soll, der unter den Autoren Prsident, und unter den Prsidenten
Autor ist, verdient die Zchtigung eines _Johnson's_, da hingegen ein
Autor, welcher der gelehrten Welt so wenig von seinem politischen
Verhltnisse, als diesem von jener verrth, zwiefacher Ehre werth zu
seyn scheint, indem er sich nicht aus Einer Lage in die andere hinein
schmeichelt, keine Folie nthig hat, und nicht Eine Farbe in die andere
spielen lt, sondern berall Mann ist -- -- Das Leben eines Mannes
von dieser Art zu lesen, wenn er aufhrt entweder politisch oder
natrlich zu leben -- kann wahrlich ein besseres Lehrbuch werden, als
das Leben unseres trefflichen _Semlers_, der geheime Wissenschaften
an geheimen Orten zu lernen suchte -- um sie kurz vor seinem Ende
ffentlich zu treiben -- oder anderer Selbstbekenner, die geistliche
und leibliche Jahr- Monaths- Tage- Stunden- und Minuten-Bcher stellten
--. _Shakespear_ ward in seinem Leben wegen seiner Sonetten, _Milton_
wegen seiner Lateinischen Verse und prosaischen Schriften geschtzt,
derentwegen sich Beide schwerlich bis auf den heutigen Tag erhalten
haben wrden -- --

^FRIEDRICH II.^, der doch selbst von der Posie, wie von einem
Dmon, gar bel geplagt ward, so da sie sogar bei Schlachten nicht
verfehlte, ^IHM^ Cour zu machen, sagte zu einem Staatsdiener,
dessen Andenken ich heute an dem Tage seines Todes feiere: _ich mache
Ihn zum * *; aber lass' er mir das Schreiben -- So etwas strt, und
im Amte mu Er sich durch gar nichts stren lassen -- hrt Er?_ Ja!
und wer Ohren hat zu hren, der hre! Sind das die Gesinnungen eines
kniglichen Schriftstellers, (nach Weise des kniglichen Propheten
_David_) wie viel ist von Frsten zu frchten, denen, auer der
Salbung zu Regenten, keine andere zu Theil ward --! wie noch viel mehr
von _Knigschen_, die, zu schwach zu einer kritischen Sichtung, an
Autoren, welche ihnen ber den Kopf zu wachsen scheinen, so gern zu
Rittern werden -- Ob von diesen Fllen Einer oder keiner der meinige
sei, thut nichts zur Sache; da sie aus dem Leben genommen sind, wird
Niemand ableugnen -- Und darf ich noch bemerken, da Kunstrichter,
wie alle andere Richter, nicht die Personen ansehen mssen, und da
es pflichtwidrig ist, es auf den Namen des Schriftstellers anlegen zu
wollen --?

Wenn unsere Anekdoten- und Nahmenhscher dies in Erwgung zgen --
wrden sie nicht lieber Fische fangen und Vogel stellen, da sie doch
einmal verdorbene Gesellen sind? -- Wie viel wollt' ich geben, wenn ich
dieses Schlusses htte berhoben seyn knnen! -- denn in der That, ich
wei ihn so wenig in den Takt dieser Schrift zu bringen, da ich mich
vielmehr begngen mu, zu bemerken, wie die Menschen nur alsdann sich
zu nahe kommen, wenn sie nichts thun wollen oder knnen, und, anstatt
sich mit sich selbst zu beschftigen, es gemchlicher finden, auf und
gegen Andere zu wirken --

Da dieser Epilogus jene lieben, trefflichen, edlen Seelen nichts
angeht, die in keiner andern Absicht, als um sich nher mit dem
Schriftsteller zu verbinden, der mit ihnen so harmonirt, seinen
Nahmen gern wten -- darf ich dies erst bemerken? -- Mchte doch
der unerforschliche ^GOTT^ diesen trefflichen Seelen ffentlich
vergelten, was sie auch etwa an mir insgeheim thaten! -- Mchte ihnen
doch an der Hand gutdenkender Weiber des Lebens Last und Hitze nicht
schwer seyn! Leicht sei ihnen die Erde im Leben und im Tode --! --




Inhalt.


  I.   Formale und Materiale der gegenwrtigen
       Schrift.                                             Seite 1

  II.  Giebt es auer dem Unterschiede des Geschlechtes
       noch andere zwischen Mann und Weib?                       28

  III. Woher die berlegenheit des Mannes
       ber die Frau entstanden? Rckblicke auf
       die ltere Zeit.                                          75

  IV.  Nhere Angaben, woher die berlegenheit
       des Mannes ber die Frau entstanden
       ist. Betreffen neuere Zeit.                              122

  V.   Verbesserungs-Vorschlge.                                185

  VI.  Nutzanwendung.                                           398




Notizen des Bearbeiters:

Kursivschrift markiert durch _..._

Gesperrte Schrift markiert durch ^...^

Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.

Typographische Fehler und einzelne Satzzeichen wurden stillschweigend
gendert.





End of the Project Gutenberg EBook of ber die brgerliche Verbesserung der
Weiber, by Theodor Gottlieb von Hippel

*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK BER DIE BRGERLICHE ***

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